Findet ihr, dass die Sprache zunehmend weichgespült wird?
und dass die Euphemismen überhand nehmen?
Es gibt ja nirgends mehr Probleme, sondern nur noch Herausforderungen usw.
Ist es ein Trend oder empfinde nur ich das so und wenn ja, wodurch wird er befördert? Schwappt das aus dem Englischen herüber? ChatGPT redet auch nur so.
Wenn jemand Klartext redet, gilt er als Spaßverderber.
19 Stimmen
4 Antworten
Ich kenne das auch, wir hatten in der Firma auch ein Seminar, in dem es um das Telefonieren mit Kunden ging. Auch da ging es in die Richtung, dass ein "Problem" eben zu negativ klänge. Man könne auch "Herausforderung" sagen.
Im Englischen haben wir also ständig ein "issue" (but no problem).
Aber früher hieß es "Houston, we have a problem."
Heute stelle ich mir das so vor:
"Houston, we have a challenge."
"Well, you know, this builds character."
Spaßeshalber sage ich auch mal (anstelle von "er ist arm")
"Er ist einkommenstechnisch herausgefordert."
Für das Thema politische Korrektheit bei der verbalen Kommunikation gibt es diverse Beispiele. Zu den bekanntesten Beispielen zählen das Ersetzen dieser Begriffe oder ähnlicher: Negerkuss, Zigeunerschnitzel, Negerkönig aus Pippi Langstrumpf, Mohrenkopf.
Ich habe es schon öfter erlebt, dass hier meine Antworten zum Thema Männer in Frauenklamotten oder Männer mit Make-up und Nagellack gelöscht wurden, weil ich geschrieben hatte, dass es "schwul aussieht". Das wurde offenbar als Beleidigung, Diskriminierung und Abwertung fehlinterpretiert.
Jetzt schreibe ich statt "schwul aussehen", dass es "die Ausstrahlung eines homosexuellen Mannes" hat. 😎👍
Auch mit den Begriffen "behindert" und "psychisch gestört" muss man aufpassen, selbst wenn man sie bloß beschreibend verwendet, z.B. für gehbehinderte Menschen im Rollstuhl, oder für Menschen, die an einer Angst- oder Essstörung leiden.
Ich gehe da mit bis auf den Begriff "schwul aussehen". Dies ist in der Jugendsprache bereits ein Ausdruck, der mit sexueller Orientierung nichts zu tun hat.
Was die "Negros" angeht, darf man zumindest verlangen, dass dann ebenso konsequent gegen "Kartoffeln" vorgegangen wird. Aber wir woken "Bio"-Deutschen sind da ja so tolerant, dass wir uns freiwillig so titulieren. Ist das Humor oder ein In-Asche-Wälzen?
Ich würde aber historisch belastete Ausdrücke von dem allgemeinen Trend in der Frage abkoppeln. Ich beziehe mich auf unpolitische Wendungen wie "freisetzen" statt "entlassen" und "heimgehen" statt "sterben" usw.
historisch belastete Ausdrücke
Sowas wie "Jedem das Seine!" oder "Arbeit macht frei!" zähle ich da auch zu.
Ich gehe da mit bis auf den Begriff "schwul aussehen". Dies ist in der Jugendsprache bereits ein Ausdruck, der mit sexueller Orientierung nichts zu tun hat.
Mag sein. Aber ich benutze das Wort "schwul" nicht als Beleidigung, sondern nur beschreibend für homosexuelle oder homosexuell wirkende Männer.
Das ist ein zunehmender Trend in veröffentlichter Sprache - auf der Strasse hingegen regiert mehr und mehr eine Gossensprache…
... befördert durch die Medien und unausgebildete Sprecher / Moderatoren, die frisch und volksnah klingen wollen. Darum muss ja in Filmen ja auch immer auf Englisch geflucht werden.
Wird besonders durch tiktok und einige Fernsehsendungen immer schlimmer.
Drama Drama, Drama sag ich da nur....
Fuck....
Siehst du, du hast dadurch das Fluchen in der Muttersprache verlernt!
klingt ja auch besser als "scheiße" - aber hier sollte das auch nur ein Beispiel aus FS-Sendungen sein ;-)
Klingt nur "besser" weil es eine andere Sprache ist. Das trifft man hier in allen Bereichen an: Banalitäten spricht man Englisch aus, dann klingt man weltgewandt. Letztens erst das Beispiel "free bleeding" statt "Laufenlassen". Soll wohl ein peinliches Gefühl überdecken. - Allerdings hättest du auch "Ey, Carramba" sagen können :-)
Machen wir doch aus allem ein Spiel: Selbst ein Serienkiller will wahrscheinlich nur durch eine "Challenge" etwas Pepp in sein Leben bringen!