Warum ist Windisch ein Schimpfwort?

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3 Antworten

Es ist eine sehr subjektive  Angelegenheit, ob man ein Wort als abschätzig oder gar als beleidigendes Schimpfwort empfindet oder nicht: "Koffer" ist für manche (Österreicher!) eine Beleidigung, "Reisetasche" aber nicht.   Da ist eine Gruppe von Männern, die  das Schimpfwort Schw... für sie  stolz zur Eigenbezeichnung gemacht haben und  Juden nennen sich Juden, während dieses Wort so manchem Gutmenschen seit 1945 kaum von der Zunge geht, etliche  Roma hingegen empfinden  das Z-Wort  als  Beleidigung und ein gewisses  N-Wort  wurde zum Tabu-Wort erklärt, obwohl der großartige Léopold Senghor, Poet, 1. Präsident des Senegal und Friedenspreisträger,  mit der Kreierung des Begriffs  der „Négritude" den Schwarzafrikanern die kulturelle Selbstbehauptung gebracht hat. 

"Die Frage des Verhältnisses des Windischen zum Slowenischen ist manchmal Gegenstand von Polemik.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fand im gemischtsprachigen Gebiet Kärntens eine Volksabstimmung über die staatliche Zugehörigkeit des Gebiets zu Österreich oder zum SHS-Staat statt.[5] Laut Volkszählung von 1910 verwendete die Mehrheit der Bevölkerung des Abstimmungsgebietes Slowenisch als Umgangssprache, die Abstimmung ging jedoch zu Gunsten Österreichs aus.

Das für Slowenien enttäuschende, für Österreich erfreuliche Ergebnis führte bei Nationalisten auf beiden Seiten zur „Windischentheorie“, die behauptete, dass es in Kärnten neben „Deutschen“ und „Slowenen“ noch eine dritte Gruppe gebe: die „Nemčurji“ bzw. „Windischen“, von denen behauptet wurde, dass sie sich von den Slowenen zwar nicht in ethnischer Hinsicht, wohl aber durch ihre nach Norden orientierte („deutschfreundliche“) Gesinnung unterschieden.

Die Mehrheit der slowenischsprachigen Kärntner bezeichnet sich heute als „Kärntner Slowenen“. Sie verstehen den Begriff „Windische“ pejorativ und als Versuch, die slowenische Bevölkerungsgruppe zu spalten und zu schwächen. Eine kleinere Gruppe bezeichnet sich als „Windisch“ und trägt diese Bezeichnung mit Selbstbewusstsein, wobei „schwebendes Volkstum“[6] etwa bei gemischter Herkunft wohl eine Rolle spielt. In der Volkszählung 2001 nannten 14.010 Kärntner Slowenisch als Umgangssprache und 556 Windisch.[7]"

(Quelle: Wiki)

Immer wieder wird behauptet, die Slowenen hätten die Volksabstimmung 1920 für Österreich entschieden. Wer das sagt, hat formal recht; schon die Monarchie kannte bei den letzten Volkszählungen in Kärnten nur zwei Muttersprachen: Deutsch und Slowenisch. Und auch bei der Volksabstimmung 1920 kannte die Amtssprache nur die Sprachkategorien „Slowenisch“ und „Deutsch“. Nachdem sich die slowenische Schriftsprache durchgesetzt hatte, hat sie nämlich „Windisch“ aus der Statistik verdrängt. Die historische Tatsache, dass es in Kärnten schon in der Monarchie zweierlei „Slowenen“ gab, kam so in der Statistik nicht mehr zum Ausdruck. Dabei hießen die Slawen in Kärnten seit Jahrhunderten schon „Windische“. Ihre Zahl war groß. Noch 1880 gaben 102.252 Kärntner „Slowenisch“ als Umgangssprache an. In Krumpendorf z.B. sprachen 457 Bewohner Deutsch; 256 aber „Slowenisch“. In Pörtschach gab es 127 Deutschsprechende und 601 „Slowenen“, in Viktring 546 deutsche Kärntner und 742 „Slowenen“. Diese Zahlen schwanden mit der Verkehrsaufschließung rasch dahin. Aber aus den Zahlen wird die Tatsache nicht ersichtlich, dass diese Slowenen in ihrer Masse nicht die erst im 19. Jahrhundert entstandene slowenische Schriftsprache kannten, sondern nur ihren windischen Dialekt. Windisch war ihre Haussprache, ihre Schriftsprache aber Deutsch. Dieser windische Dialekt ist eine linguistische Rarität. Es ist eine slawische Sprache, die zu einem großen Teil aus mittelhochdeutschen Worten besteht, wie sie vor 400 und 500 Jahren gesprochen wurden. In ihrem slawischen Idiom wurden vor 400 bis 500 Jahren die mittelhochdeutschen Worte, welche die deutschen Lautverschiebungen nicht mehr mitmachten, wie in einer Dose konserviert.

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Diesen Ausdruck haben die Nazi efunden. Damit sind die Slowenischsprachigen gemeint, die sich brav eindeutschen ließen und nicht mehr slowenisch sprachen. Der Ausdruck ist also aus historischen Gründen heute nicht mehr erwünscht, da unnötig.

Sie meinen also, dass die Nazis den Ausdruck Windisch erfunden haben! Warum gibt es dann ein Wörterbuch mit dem Titel "Deutsch-Windisches Wörterbuch aus dem Jahre 1789??????

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@Ernseto

dass die Nazis den Ausdruck Windisch erfunden haben!

Zumindest haben ihn die Nazis übernommen und missbraucht, wie so vieles.

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Na, "erfunden"  wurde der Ausdruck nicht, da „windisch“  ja das alte deutsche Wort für "slowenisch" war und die "Windischen" eben die Slowenischsprachigen waren, unter denen ab dem  19. Jh. viele nur noch ihre erst im späten 18. Jh. aufgekommene eigene Volksbezeichnung hören wollten, so wie die Lappen  nun  Samen und das größte Volk unter den  Eskimos eben Innuit genannt werden möchten. (NB: Alle Eskimos aber als Innuit zu bezeichnen, wäre übrigens so,  wie wenn man die Schotten aus lauter  Höflichkeit Engländer nennen würde.)  

Aber  dass mit dem bösen  Schlachtruf „Kärntner, sprich deutsch!“ ein großer Keil zwischen  national slowenisch und bloß kärntnerisch empfindende slowenischstämmige  Bewohner des „Gaus Kärnten“ getrieben wurde, ist richtig.  

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