Das Minderwertigkeitsgefühl ausländerfeindlich behandelt zu werden?

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8 Antworten

Hey!

Leider ist es häufig so, dass man als "Ausländer" (ich sag das jetzt mal so, da du durch deine Wurzeln bestimmt bei vielen Menschen als solcher einkategorisiert wurdest) viele negative Eigenschaften angedichtet bekommt, und wie du schon sagst, durch die Medien wird das zur Zeit massiv angeheizt.

Meine Vermutung ist, dass du das schon von klein auf mitbekommen hast, wenn auch nicht immer bewusst, und das sowohl dein Selbstbild und deinen Selbstwert geprägt hat, als auch dein Bild, das du von "Inländern" bekommst.

Es ist gut verständlich, dass du dich einer Gruppe anschließt, die zusammenhält. Dass das alles hinterfragenswert ist, konntest du ja schon selbst feststellen, so dass du dich von bestimmten Menschen und Sichtweisen distanziert hast.

Ich selbst bin kein Ausländer, aber ich beobachte die Dynamiken zwischen den Menschen sehr aufmerksam und mit viel Sorge.

Dieses Problem haben auch viele andere Gruppen, ob es sich nun um Religionen, Ernährungsstile oder Fans bestimmter Fußballmannschaften handelt - jedoch ist das Problem, dass man für ausländische Wurzeln besonders leicht und wahllos verurteilt werden kann, da man diese oft als allererstes sieht oder hört und die Person auch keine freie Wahl hat.

Worauf ich hinaus will: Ich sehe in deinem Fall ganz stark äußere Umstände, habe allerdings das Gefühl, dass du die Ursachen teilweise bei dir selbst als Person siehst (oder es sich so anfühlt). Das mag in einzelnen Bereichen auch so sein, nur glaube ich tatsächlich, dass du es in vielen Hinsichten etwas schwerer hast als Leute, die "inländisch" erscheinen.

Was du machen kannst? Ich vermute, aufgrund der Berührungsängste und Vorverurteilungen aus deinem Umfeld könnte es sein, dass du dir etwas mehr Mühe geben musst als andere, Kontakt aufzubauen und Vorurteile abzubauen. Es kann helfen, einfach konsequent ein sympathischer Mensch zu sein, der immer und immer wieder die Vorurteile NICHT bestätigt. Dazu ist es wohl nötig, bei Kommilitonen selbst die Initiative zu ergreifen, Mitmenschen positiv zu überraschen.

Wenn du einen Freundeskreis hast, der zu dir hält, hast du einen viel sichereren Schutzschild gegen die Ablehnung anderer. Es ist vielleicht nicht fair, aber du bist nicht der Schuldige.

Alles Gute!

Danke für deine ausführliche Antwort. Wahrscheinlich hast du Recht. Menschen, welche ich öfter sehe (Kollegen, Lerngruppen an der Uni), aber die mich nicht richtig kennen, oder mit denen ich nur flüchtig Bekanntschaften habe, können nicht wissen wer ich bin und wie ich denke. Einfach mal das Eis brechen.

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So wie du es beschreibst kommen diese Minderwertigkeitsgefühle ohne direkten äußeren Auslöser aus dir heraus.

Mein Tipp wäre, dass du deine eigene Einstellung zu dir selbst überprüfst und mit einer positiven Grundeinstellung nach eventuellen Störfaktoren schaust.

Wenn du mit der Selbstanalyse durch bist sollte das Ergebnis etwa so lauten: "Ich bin, okay. Ich bin freundlich, offen, kommunikativ und kein Arsch. Ich habe viele Freunde, die sind auch okay, Arxxxxlöcher habe ich aussortiert."

Mache dir im Umgang mit anderen Menschen keine unnötigen Gedanken über ungelegte Eier. In jungen Jahren ist es oft schwierig mit sich selber zufrieden zu sein und es entsteht der Gedanke "Die anderen sehen mich genauso schxxxxe." 

Was zu 99,9% überhaupt nicht stimmt, denn Leute, die dich als negativ empfinden, stellen den Kontakt und Umgang mit dir ein. Du selber hast es doch auch so durchgeführt...

Ich habe meinen Freundeskreis komplett dezimiert und wollte nichts mehr mit den Menschen zu tun haben,...

Die Menschen, Freunde und Kollegen, die wiederholt freiwillig ihre Zeit mit dir verbringen, DIE FINDEN DICH GUT.

Danke für deine hilfreiche Antwort!

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Du hast dich früher gegenüber allen Deutschen rassistisch und herablassend verhalten und extrapolierst einfach deine Gefühlswelt auf die Anderen und mutmasst das sie dich als minderwertig ansehen......

Aber nicht alle Menschen haben Standesdünkel und wollen sich über Andere erheben. In aller Regel begegnen sie sich (mehr oder weniger) offen und bereit Dritte zu akzeptieren.

Die Angst vor schlechten Erfahrungen (welche man immer mal macht) ist allerdings ein schlechter Ratgeber.

Vielleicht sind es einfach generelle Minderwertigkeitskomplexe. Du weißt was du von Deutschen früher gehalten hast und denkst, das die Deutschen von dir das Selbe halten wie du damals umgekehrt. Es gibt ja auch Menschen die in ihrer Jugend Dicke gehänselt haben oder sich makellos fanden. Viele Jahre später wo die ersten Falten kommen oder sie selbst dick sind, kommen sie nicht mit klar und denken, die Leute zeigen mit den Finger auf ihnen wie sie damals umgekehrt. Es wird immer Menschen geben denen deine oder meine Nase nicht passen wird. Du sagst ja selbst, das du mit deinen deutschen Freunden was trinken gehst usw. Daher würde dein Problem nicht unbedingt im Zusammenhang mit Ausländerfeindlichkeit sehn. Ich denke eher das du durch deine damalige Einstellung heute ein Opfer deiner selbst bist und Minderwertigkeitskomplexe entwickelt hast.

früh morgens um 5 Uhr so viel zu schreiben und zu (hinter)fragen, das ist enorm. Ich halte mich eher kurz und stelle meine Vermutung in den Raum, dass Du Dir aktuell über Deine eigene Position nicht im Klaren bist. Das mache ich daran fest, dass Du einerseits schreibst, dass Du in DE geboren bist, dann aber von einem anderen Herkunftsland sprichst, so hart zwischen ausländischen und deutschen Freunden unterscheidest und scheinbar alle Erfahrungen aus der Vergangenheit auf "deutsch versus nicht-deutsch" zurückführst.

Gibt es aber nicht zahlreiche andere positive Dinge aus Deiner Vergangenheit und aktuellen Situation, die für Dich als Person und für Dein Umfeld sprechen, die null-komma-nix damit zu tun haben, wo Du (und Deine Eltern) geboren bist oder welchen Pass man in der Tasche hat?

Liebe/r Torben

Du bist erst vor kurzem von Zuhause ausgezogen. 400 km weg von der Heimat.

Deine jetzigen Kumpels und Kommilitonen sind noch sehr neu. Du kennst sie noch nicht so in und auswendig, wie die, mit denen du deine ganze Jugend verbracht hast.

Deine Eltern hast du bei dieser Entfernung auch nicht bei dir.

Natürlich hast du Zweifel! Es ist eine Mischung aus Heimweh, vermissen der alten Freunde. Du vermisst das Gefühl der Geborgenheit und Sorglosigkeit, das du Zuhause hattest. Ja auch auch mit 21 ganz normal.

Noch dazu wird deine Generation zugesch..en von Facebook, Internet und Co, was "die Deutschen" angeblich von "den Ausländern" halten... 

Mal ehrlich, würden die Menschen, die du jetzt gefunden hast und befreundet bist, DICH nicht wollen, würden sie nicht IHRE Zeit mit DIR verbringen! Diese Freunde wollen DICH dabei haben, weil sie dich mögen und respektieren. Egal ob du nun deutsche, türkische oder chinesische Wurzeln hast!

Mei du, es gibt doch immer welche, die "dagegen" sind. Gegen Ausländer, Homosexuelle, Dicke, dünne, arbeitende oder nicht arbeitende oder kranke Menschen...

Mach dir keinen Kopf über solche Pfosten! Die sind einfach nur oberflächlich! Die wollen einfach nur mailen und stänkern.

Freu dich, dass du so schnell und guten Abschluss gefunden hast! Und wie gesagt, deine jetzigen Freunde legen Wert auf DICH und deinen Charakter und nicht auf seine Herkunft bzw Elternhaus!

Dass du in der "Fremde" noch nicht ganz so angekommen und heimisch bist liegt doch auch daran, dass du gerne Zuhause wärst und eine tolle Jugend hattest - egal welche Musik du gehört hast ;-) . 

Achja. Du bist nicht verantwortlich für dein Herkunftsland oder die Politik! Das verk**en andere!

Danke deine für deine Antwort. Diese hat mir ein beruhigendes Gefühl gegeben!

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Finde deinen Post richtig gut - das zum einen :-)

Desweiteren würde ich dir vorschlagen, dieses Thema doch mal im Freundeskreis aufzugreifen.

Ansonsten denke ich, machst du das schon alles richtig und vielleicht ist es auch nur eine Frage der Zeit, bis sich diese Gedanken oder Gefühle verlieren. Oft knabbert man nun mal an der Vergangenheit, aber es ist vorbei und werte einfach deine jetzige Position in der Gesellschaft - und die sieht doch sehr gut aus :-)

Du bist mit diesem Feindbild groß geworden, vor allem dir Teenagerzeit kann sehr einprägend sein, so einfach kann man das nicht abschütteln.

Nicht jeder muss jeden mögen, dass hat nichts mit dem Land zu tun

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