Zum buddhismus konvertieren? Ja oder nein?meinungen?

24 Antworten

Hallo 90erGuy,

was du über deine bisherigen Orientierungen schreibst, lässt mich vermuten, dass du dich gegen religiösen Dogmatismus abgrenzen willst, aber dich auch mit einem Weltbild nicht zufrieden gibst, das nur das Messbare, statistisch Erfassbare gelten lässt.

Ich glaube,dass keine Religion – auch der praktizierte Buddhismus – davor gefeit ist, ins Dogmatische abzugleiten – also einen Glauben vorzugeben, dessen Inhalte, dessen Rituale von Religionsstiftern, Heiligen, Gurus, … vorgegeben wurden und von den Gläubigen als verbindliche Regeln, Glaubensinhalten übernommen werden - ja nicht selten übernommen werden müssen.

Die Verfolgung der Häretiker, Ketzer, Hexen – um beim Christentum zu bleiben – zeigt, zu welchen Exzessen religiöser Dogmatismus führte.

Dass extremer, menschenrechtswidiger Dogmatismus auch heute existiert, belegen u.a. die wahabitischen Praktiken in Saudi Arabien und im „Islamischen Staat“.

Ich schreibe dies deshalb, weil ich dir sagen möchte, dass in deiner Frage

Zum Buddhismus konvertieren?

auch ein kleines Stück Dogmatismus steckt.

Wir „konvertieren“ indem wir vom Regelwerk einer Glaubensgemeinschaft zu einem anderen wechseln.

Gerade ist mir ein Text des arabischen Mystikers und Dichteres Hafis untergekommen:

Die großen Religionen

sind die Schiffe,

Dichter

die Rettungsboote.

Jeder geistig gesunde Mensch,

den ich kenne,

ist über Bord gesprungen.

Das ist gut fürs Geschäft,

Nicht wahr, Hafis?

http://www.wege-der-mystik.de/jetzt2007.htm

Das schrieb der Sufi Hafis - der den Koran schon als Kind auswendig gelernt hatte -  im 14. Jahrhundert!

Im 21. Jahrhundert haben wir, die Möglichkeit die „Denker“ kennen zu lernen, die jedem Menschen das Vermögen zusprechen, in seinem eigenen Inneren das „Ganze“ zu entdecken.

Deine ermutigenden Erfahrungen mit dem Buddhismus kann ich gut nachempfinden. Der beeindruckende Meditationslehrer  Siddhartha Gautama fand seinem Weg zur „Erleuchtung“ unter der Pappelfeige. Er hatte auch erkannt, dass alle Wesen die Buddhanatur in sich tragen.

Aber auch im Buddhismus entstanden Orthodoxien.

Vor dem Hintergrund meiner ZEN-Praxis war ich schockiert, als ich erfuhr, dass auch Vertreter des japanischen ZEN-Buddhismus während des japanischen Faschismus für schwere Menschenrechtsverletzungen  verantwortlich waren.

https://hpd.de/node/7985

Ich möchte Dir raten, die Suche nach DEINEM Weg fortzusetzen. Dabei halte ich – aufgrund meiner eigenen Erfahrungen – die Teilnahme   an einer Meditationsgruppe für sinnvoll.

Aber wichtig finde ich auch, dass du dir deine Skepsis gegenüber „Glaubenssystemen“ bewahrst.

  Gasshō!

Zum Buddhismus konvertiert man nicht! Man kann die Lehren Buddhas verinnerlichen und sich ggfs. einem buddhistischen Verein anschließen, so wie man sich einem Literaturkreis, einem Philosophie-, Kunst- oder Musikverein anschließt. Deshalb muss man doch nicht aus dem Skatclub austreten! Buddhisten kennen keinen Alleinvertretungsanspruch.

Konvertieren würde ja bedeuten, dass Du Dich von einer Gemeinschaft trennst, um Dich einer anderen zu öffnen, so wie z.B. der Wechsel von der katholischen zur evangelischen christlichen Kirche. Ich habe noch keinen gesehen, der gleichzeitig für zwei Kirchen Kirchensteuern bezahlt.

Seine Religion, Weltanschauung, Philosophie wechselt man nicht wie Unterhosen.
Und wieso muß da unbedingt ein Etikett her?

Lies, alles was du kriegen kannst, bewege es in deinem Herzen, betrachte die Welt durch diese "Brille" und schau, wie sie dann aussieht: rosa, himmelgrau, stimmen die Proportionen ...
Rede mit vielen verschiedenen Menschen, vom katholischen Priester bis zum buddhistischen Mönch und viele Jahrzehnte später kannst du vielleicht sagen, welcher Ansicht zu zuneigst.

Ganz am Rande: ich habe für mich festgestellt, das alle Brillen die Sicht mehr oder weniger verzerren und das ich fürderhin ohne Brille durchs Leben gehen will. Selbst kurzsichtig ist besser als verzerrt ;-)

Bei uns gibt es die Religionsfreiheit, d. h. nicht nur, dass man sich einer Religion anschließen kann oder keiner, dass heißt auch, dass jeder frei ist das zu glauben und zu leben, was er für richtig hält. Wenn dir also die religiösen Gesamtpakete nicht zusagen, hindert dich keiner daran, die Elemente der jeweiligen Religionen, die nach deiner gewissenhaften Prüfung für dich glaubwürdig sind, zu kombinieren. So kannst du beispielsweise die christliche Gnade und Barmherzigkeit anderen Menschen gegenüber zusammen mit der buddhistischen Achtsamkeit gegenüber dem Leben im Allgemeinen zu einer Handlungsanweisung für dein Leben machen, ohne Christ oder Buddhist zu sein.

@ 90erGuy

Wie alt bist du, dass du deine persönliche Meinung von anderer Meinungen abhängig machst?

Seit wann gibt es denn bei Religionen Einsteigertipps? Wenn du davon überzeugt bist, dann lebe einfach danach.

Viele Menschen machen das auch bei anderen Religionen, sie gehen vielleicht einmal am Weihnachten in ihre Kirche weil es Tradition ist und sonst leben sie nach ihren eigenen Vorstellungen.

Du musst dir dein eigenes Glück suchen und egal, was andere denken oder meinen, es ist dein Leben.

Die meisten Menschen gehören einer Religion an, aber sie halten sich eh nicht nach den Regeln oder Geboten die ihnen ihre Religion lehrt, sondern sie suchen sie immer von jedem das Stück heraus, was ihnen am besten gefällt.

Für was braucht man dann eine Religion.

Egal was jemand glaubt, wenn er sich auch daran hält und das mit seinem Leben vereinbart und das auch nach aussen hin ausstrahlt, ist für mich eine Religion die man respektieren kann.

Alles andere ist für mich nur stückweise  von allem etwas zusammengestellt und man tut das, was man selber will, ohne sich an irgend etwas halten zu müssen. Leicht bequem.



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