An welchen Gott oder welche Götter glauben Buddhisten?

12 Antworten

Ich bin Soto-Zen-Buddhist und glaube ebenfalls nicht an einen Gott.

Gott

Der Buddha lehrte keine göttliche Botschaft, keine Schöpfungsgeschichte und keine göttlichen Gebote. Er sagte nichts über Gott, das Jenseits oder dergleichen.

Seiner Meinung nach sind Fragen nach solchen Dingen ohnehin nicht zu beantworten, alles was dabei herauskommt sind Vorstellungen und Vermutungen.

Seine Lehre soll dem Menschen dabei helfen, mehr Weisheit und Mitgefühl zu entwickeln, das Leiden zu beenden und die "Selbstbefreiung" zu erlangen.

Der Buddhismus gibt daher Hinweise zu einem "guten" Verhalten, aber es sind keine absoluten Gebote. Jeder Mensch muss sein Verständnis selbst vertiefen.

Dazu bedarf es keiner Vorstellung eines Gottes

Es gibt zwar "Himmelswesen" (Devas), die gerade im asiatischen Volksbuddhismus verehrt werden, aber die sind weder Schöpfer, noch allmächtig oder unsterblich.

Karma

Die Vorstellung vom "Karma", dem Gesetz von Ursache und Wirkung, wird im Westen meist missverstanden - als unabänderliches "Schicksal" oder "höhere Gerechtigkeit"

Aber Karma besagt nur, dass ein Gedanke, ein Wort, oder eine Tat die Ursache für andere Gedanken, Worte und Taten werden - da gibt es keine moralische Wertung.

Es gibt also auch keine "Sünden" gegen göttliche Gebote die "bestraft" werden.

Wiedergeburt

Die Idee der Wiedergeburt ist ebenfalls oft mit Missverständnissen verbunden. Manche denken, es sei eine "Seelenwanderung" - dabei gibt es keine ewiges Seele im Buddhismus.

Für einige Buddhisten - dazu gehöre auch ich - hat die Vorstellung der Wiedergeburt gar nichts mit dem Tod zu tun, sondern ist nur ein psychologisches Modell.

Fazit

Somit ist der Buddhismus zwar eine Religion mit Geistlichen (Priestern, Mönche, Nonnen), religiösen Feiertagen und Festen - aber eben ohne Gott.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Um es kurz zu fassen:

Die heutigen buddhistischen Traditionen sind sehr vielfältig und kommen in ganz unterschiedlichen Formen daher, da sie sich auf unterschiedliche frühe und spätere Sutras (Schriften) beziehen und auf verschiedenste Lehrer.

Der ursprüngliche Buddhismus der auf Siddhartha Gautama zurückgeht dreht sich nicht um eine Gottesvorstellung.

Der Buddha Shakyamuni hat den Pfad zur Beendigung des Leidens gelehrt, so wie er in den 4 edlen Wahrheiten zum Ausdruck kommt und wie diesen im edlen 8-fachen Pfas als Heilsweg begegnet werden kann.

--> https://de.wikipedia.org/wiki/Vier_Edle_Wahrheiten

--> https://de.wikipedia.org/wiki/Edler_Achtfacher_Pfad

Er hat keine Erklärungen wie die Welt entstand, welche Götter es gibt etc. abgegeben, da diese dafür nichts beitragen können.

Exemplarisch wird dies deutlichen vom "Gleichnis vom vergifteten Pfeil"

"(..)

Buddha selbst ging es nicht um eine metaphysische, religiöse Erklärung der Welt sondern es ging ihm ausschließlich darum, Leid zu vermindern, das Leiden zu überwinden, und er hat deshalb metaphysische Fragen sehr bewusst aus seiner Lehre ausgeklammert: „Nicht erklärt habe ich, ob die Welt ewig oder nicht ewig, begrenzt oder unbegrenzt ist, ob Seele und Leib dasselbe oder Verschiedenes sind, ob ein Vollendeter nach dem Tode lebt oder nicht lebt. Ich habe es deshalb nicht erklärt, weil dies nicht zum Heile beiträgt, nicht einen reinen Wandel begründet, ...“ (Pāli-Kanon, Majjhimanikaya 63). 

Er erläutert dies durch das „Gleichnis vom vergifteten Pfeil“: „Nimm an, ein Mensch sei von einem vergifteten Pfeil getroffen worden und seine Freunde und Verwandten holten einen tüchtigen Wundarzt, der Verwundete aber sagte: Nicht eher will ich den Pfeil herausziehen lassen, als bis ich weiß, ob der Mensch, der mich verwundet hat, ein Adeliger oder ein Brahmane oder ein Bürger oder ein Diener ist, wie er mit Vor- und Familiennamen heißt, ... ob er einen Bogen oder eine Armbrust benutzt hat, woraus die Bogensehne bestand, ... Dieser Mensch würde sterben, bevor er all dies erfahren hätte.“ (Pāli-Kanon, Majjhimanikaya 63) Dem von einem vergifteten Pfeil getroffenen Menschen geht es zunächst nicht darum, wer der Schütze war, oder von welcher Art der Bogen, sondern ausschließlich darum, dass ihm schnell geholfen wird. Nur persönliche Erkenntnis und Erfahrung, Achtsamkeit und Meditation weisen den Weg zur Lehre des Buddha. Glaubensvorstellungen sind demgegenüber untergeordnet. (..) "

Quelle: http://www.mugaraito.de/Buddhismus/Leiden/leiden.html

Im ursprünglichen Buddhismus geht es also um ein anderes Thema als in anderen Religionen.

Spätere Strömungen haben dann wieder Elemente zB. des Hinduismus stärker adaptiert, konnten dem Drang nach ausufernder Metaphysik und Philosophie nicht widerstehen und haben diese in ihr System integriert und neue Formen entwickelt und auch das Heilsziel hat sich verändert bzw. wurde durch das Bodhisattva Ideal ergänzt.

Gruß

Gruß

Aber, an was glauben Buddhisten dann bzgl. der Metaphysik etc. ? Lassen die einfach alles offen ?

0
@Boznerbub

Von der Metaphysik her die in indischen Religionen bekannte Vorstellung des Samsara, des endlosen Kreislaufs von Wiedergeburten.

Zusätzlich da spielen dann auch wieder andere Faktoren eine Rolle, der Buddhismus wird ja zB. in Asien auch parallel zu anderen Glaubensrichtungen praktiziert zB. in Japan wo man Shintoismus und Buddhismus nebeneinander hat oder in Myanmar wo mit dem Buddhismus der Volksglauben an die Nats, die Geister verwoben ist.

Den tibetischen Buddhismus hat neben der strengen Philosophie des Mahayana Buddhismus ebenfalls sehr stark der vorbuddhistische Bön Glaube geprägt., der auf schamanistischen und magischen Vorstellungen basiert.

Für weitere Infos empfehle ich Dir die englische Wikipedia, dort ist anhand des Kastens rechts thematisch alles gut verknüpft und erklärt...

https://en.wikipedia.org/wiki/Buddhism

1
@Boznerbub

Hier noch ein paar sehr gute Filmausschnitte aus dem Film "Little Buddha" wo schön das Leben Buddhas dargestellt wird, schau sie Dir bitte mal an, das gibt noch einen besseren Eindruck ab zum Verständnis ..

Die Geburt

https://www.youtube.com/watch?v=wnbVQj40BDA

Tod der Mutter

https://www.youtube.com/watch?v=bgiHNiaTrio

Jugend

https://www.youtube.com/watch?v=gcPKhyjrDaw

Erkenntnis des Leidens (die berühmte Geschichte der 4 Ausfahrten)

https://www.youtube.com/watch?v=udAiY1HTRw0

Aufbruch

https://www.youtube.com/watch?v=2BkCd--dC0U

Askese und mittlerer Weg

https://www.youtube.com/watch?v=HlqIflKefnM

Erleuchtung

https://www.youtube.com/watch?v=8mP-Xp_-2LQ

Wunderbar dargestellt, unbedingt mal anschauen! Danke

Über eine Rückmeldung würde ich mich freuen

Gruß

0
@Mahakaruna

Nein, ich meine jetzt so etwas wie "Warum gibt es die Welt ?", "Wer hat sie gemacht ?", usw.

0
@Boznerbub

Wie gesagt das zyklische Weltbild das in indischen Religionen zum Ausdruck kommt kennt keinen Anfang, es sind unendliche Zyklen in denen das Universum entsteht, zerfällt und wieder entsteht.

Der Buddha hat ansonsten keine endgültige Antwort auf derlei Fragen gegeben weil diese nicht zielführend sind für seine Lehre (habe ich schon anhand des Gleichnisses vom vergifteten Pfeil verdeutlicht).

0

An gar keinen. Sie glauben an das Selbst. Das ist so wie für die Christen die Seele. Ihr geben sie alle Macht.

Um dies zu verstehen, sollgte man sich aber mal aus dem Hinduismus den Jivatman und das Konzept des Bramahs ansehn, schließlich ist das der Kreis aus dem der historische Buddha (Siddharta oder oft auch Gautama (Gab mehr als einen Buddha)) kam. So wie Jesus selbst auch ein Jude war und dennoch en Menschen Gott gleich machte.

Nietzsche nannte es in seinem Zarathustra übrigens Übermensch...

Alles das selbe spiel: Ein mensch erbickt etwas..und ihm fehlen die worte...dann muss er halt zgu begriffen wie Gott, Seele, Selbst, Engel, Ego, Buddhi, Ahamkara, Maya etc zurückgreifen. Ist genauso wie Liebe. EIn Kind weiß nicgts von der Liebe, wie sie der Erwachsene kennt und ein "Normalo" weiß nichts von Gott, wie sie ihn die Erleuchteten kennen. Offenbarungtheorie/Erkenntistheorie/Gnosis wäre da auch ein Stichwort.

Ich glaube an die Gnosis. Sie ist die Erkenntnis Gottes durch seinen Sohn Jesus Christus und durch die Lehre, die er den Menschen gebracht hat.

1

Weitere Ergänzung, oder Ergänzung Nr. 2 ;)

Apropos Hinduismus bzw Lehre der Veden/ Upanishaden.

Um die Entstehungsgeschichte des Buddhismus (und auch Jainismus, aber den lasse ich jetzt mal weg) zu verstehen muss man sich auch mit den im Hinduismus zentralen Geheimlehren die in den Upanishaden dargelegt sind auseinandersetzen.

Des Buddhas Lehre entstand auch als Antwort darauf (wird im 2ten Video das ich verlinkt habe erklärt!)

Diese sind quasi das philosophische Kronjuwel des Hinduismus, die höchste Wahrheit kommt dort zum Ausdruck und wird im Advaita Vedanta (nichtdualer Advaita) als Grundlage des Heilswegs gelehrt.

Eine Wahrheit die viele Mystiker aller Religionen erkannt haben und auf verschiedene Weise definierten (je nach Tradition eben), zB. im christlichen Bereich Meister Eckhardt.

Wenn dich das Thema interessiert kann ich Dir einige (englischsprachige) Videos empfehlen wo dieses Thema erklärt wird.

Bitte mal aufmerksam zuhören!

The Essence of All Vedanta

https://youtu.be/ykcdg0Vd3I4

The Nature of Self (sehr prägnant!!)

https://youtu.be/tJfM0tyOwjc

The Divine Artist

https://youtu.be/5edAZTeEH7w

Gruß

Wer weiss, der redet nicht. Wer redet, der weiss nicht

0

Noch eine Ergänzung zu meinem Kommentar:

Ja im Hinduismus wird Buddha als 9ter Avatar des Gottes Vishnu angesehen von manchen Gruppen.

Die 8te Inkarnation war Krishna, die 7te war Rama.

Lustigerweise ist eines ihrer Argumente für Buddha als Avatar das seine Rolle war auch die Atheisten zu lehren. :D

Was ich Dir gerne mal zum Lesen empfehlen möchte sind die im Volksglauben (gerade Indiens) so zentralen Kindheiten des Heiligen.

In diesem interessanten Aufsatz werden die Kindheitsgeschichten von Jesus, Buddha und Krishna erzählt.

http://web.uni-frankfurt.de/irenik/relkultur29.pdf

Grundsätzlich muss man zu den indischen Religionen sagen (Hinduismus, Buddhismus, Jainismus, Sikhismus) das diese eben nicht wie die abrahamitischen Religionen konzipiert sind.

Der Hinduismus zB. ist inklusivistisch ausgelegt, lässt also jedem seinen Weg, wie es im Rig Veda zum Ausdruck kommt:

"Die Wahrheit ist eine, die Weisen nennen sie mit verschiedenen Namen."

Wichtig zu wissen um den Hinduismus (und auch die Entstehungsgeschichte des Buddhismus) zu verstehen wäre die Vorstellung der Upanishaden von Atman und Brahman.

Gruß

Aber Sikhs sind doch auch Buddhisten, oder ? Oder gehören die zu den Hindus ?

0
@Boznerbub

Weder noch, es gibt zwar einige Gemeinsamkeiten wie das sie das Gesetz des Karma und Wiedergeburt annehmen und mehr, aber davon abgesehen ist es eine eigenständige Religion.

Der erste Sikh Guru Nanak hat ja gelehrt:

"Main na Hindu, Na Musalman, Dostie Mera Iman, Mujhe Jeen Do

„Ich bin kein Hindu, ich bin kein Muslim, meine Religion ist die Freundschaft, lasst mich so leben!“

2 Sikh Gurus Arjan Dev und Tegh Bahadur (der Vater von Guru Gobind Singh) haben aber ihr Leben gelassen für die Religionsfreiheit der Hindus.

Damals wollte der Mogul Aurangzeb, der ein fanatischer Moslem war alle Hindus zwangskonvertieren, dagegen haben die Sikh Gurus angekämpft.

Unter dem 10ten Guru Gobind Singh entstand dann der Khalsa Panth, die universelle Bruderschaft die sich als eine Art Polizei Gottes ansehen.

Ihre Aufgabe als "Saintly Soldiers" Kriegermönche ist es die Menschen mit Nahrung zu versorgen und den Unschuldigen und Verfolgten zuhilfe zu eilen und diese zu schützen/verteidigen.

Deshalb tragen diese auch den Krummdolch mit sich, als Defensivwaffe.

Siehe -> https://de.wikipedia.org/wiki/Gobind_Singh

Die Sikh Gurus schufen zudem eine eigene Schrift die Gurmukhi und ihr heiliges Buch der Guru Granth Sahib Ji ist eine eigenständige religiöse Schrift.

0
@Boznerbub

Die Sikhs sind ja auch bekannt dafür sich nicht die Kopfbehaarung zu schneiden, anders als buddhistische Mönche.

Das geht von derselben Wurzel aus bzw. Denkweise

Indem die Buddhisten die Haare abrasieren zeigen sie das sie der Welt entsagen, die Sikhs aber sollen nach der Lehre der Gurus nicht der Welt entsagen, deshalb lassen sie ihr Haar wachsen.

Sie sollen in der Welt leben, ein Familienleben führen usw. aber innerlich wie ein Mönch handeln.

Lebe in der Welt aber sei unbefleckt von ihr wie eine Lotusblume.

Dieser Weg ist demnach noch schwerer als abgeschieden im Kloster zu leben.

1

Was möchtest Du wissen?