Wieso sind manche Kulturen gastfreundlicher als Andere?

 - (Politik, Menschen, Geschichte)

12 Antworten

Gastfreundschaft kann viele verschiedene Gründe haben.

Gastfreundschaft wurzelt in Religion und Tradition. Häufig sind es gerade auch jene, die wenig haben, die schnell bereit sind zu teilen, vor allem auch dann, wenn kulturell eine Gruppengemeinschaft, aber auch das Aufnehmen von Fremden verankert ist. Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft sind auch dann größer, wenn die Besiedlung dünner ist.

Bei vielen darf man auch die Neugier auf den Fremden nicht unterschätzen, in manchen Kulturen ist ein Gast auch durchaus etwas zum Herumzeigen. Nicht zuletzt kann Gastfreundschaft auch auf einem quid pro quo basieren: Lade ich ein, werde ich vielleicht auch eingeladen. Voraussetzung ist natürlich, dass generell eine gewisse Aufgeschlossenheit vorhanden ist.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Nebenbei bemerkt: Den reinen tumben Touristen laden die wenigsten zu sich nach Hause ein. In aller Regel wird schnell unterschieden, wer nur - überspitzt formuliert - als schaulustiger Tourist durch die Gegend trampelt und wer abseits ausgetretener Pfade reist oder einen wie auch immer gearteten Beitrag zum Land leistet.

Gerade bei den Beduinen in Jordanien habe ich diesen Unterschied sehr extrem erlebt. So lange du für einen Touristen gehalten wirst, versucht man dir etwas zu verkaufen. Stellt sich dann heraus, dass du der Arbeit wegen da bist oder ähnliches, wird dieses Verhalten schlagartig abgestellt.

Klassischer Ablauf, wenn man als weiße Frau durch die Felsenstadt Petra läuft:

Beduine, in mindestens 10 Sprachen: Willst du Kamel reiten? Pferd? Esel? Ganz billig! Was trinken? Cola? Tee? Geschenke für daheim?

Jerne: Alles gut, ich wohne oben bei XY und arbeite hinten bei YZ.

Beduine, bestürzt: Entschuldigung! Darf ich dich auf einen Tee einladen?

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Man muss halt aufpassen, dass man nicht in ein fremdes Land fährt, dort die Gastfreundschaft der lokalen Bevölkerung ausnützt, weil es dort Kultur ist, aber dann sauer ist wenn die dieselben Erwartungen an einen selbst haben...

Das Offensichtlichste ist z.B. in Spanien, dass es nicht üblich ist, in der Kneipe getrennt zu bezahlen, sondern jeder gibt mal eine Runde aus. Wenn man das nicht weiss, und immer fleissig mittrinkt, aber nicht versteht, dass man auch mal bezahlen muss, dann hat man schnell einen schlechten Ruf weg...

Meist ist das mit der Gastfreundschaft eine ausgeklügelte Kultur mit Geben und Nehmen, je gastfreundlicher eine Kultur, desto mehr bemühen sich die Leute, nicht unnötig zu nehmen oder nicht zu nehmen, ohne zurück zu geben...

Denn wenn man Teil einer gastfreundlichen Kultur ist, dann weiss man auch, wie viel Arbeit hinter dieser Gastfreundschaft steckt, aber es soll ja alles ganz leicht und mühelos wirken...

z.B. in Sizilien oder Südspanien oder auch Marokko will niemand sich mit der Gastfreundschaft lumpen lassen, das Haus wird perfekt geputzt, es werden die exquisitesten Mahlzeiten gekocht... denn man hat keine Lust, dass die Gäste dann nach Hause fahren und irgend einer Form schlecht über einen reden (Haus nicht sauber, kann nicht kochen, Kuchen nicht gelungen, oder, das schlimmste "geizig").

Habe schon von Deutschen gehört, die ganz begeistert von der Gastfreundschaft der Griechen waren, aber dann wirklich doof aus der Wäsche geschaut haben, als die Griechen für einen Gegenbesuch vor der Tür gestanden sind...

Da ich gerne Fernreiseberichte (gerne auch mit Motorrad oder Fahrrad) lese, nenne ich mal für dich die rabenschwarze Kehrseite.

Manche "Rucksacktouristen", "Weltreisende", Fernreisende etc. legen es auch bewusst darauf an, eingeladen zu werden.

So kommt man billig durchs Land oder um die ganze Welt.

Irgendwo in Drittweltländern fällt man ja auf, besonders bei Jugendlichen (Knaben, jungen Männern). Die stehen mit großen Augen um deinen Hobel herum, wollen alles anfassen. Lass diese dazu noch einmal darauf sitzen, oder nimmst sie ein Stück die Dorfstraße mit, kommt garantiert die - erwartete - Einladung nach Hause.

Freudestrahlend bringen sie also ihren neuen "Freund" zur Familie.

Natürlich wäre nur der Vater "Einladungsberechtigt", aber dieser darf sich jetzt nicht blamieren - auch nicht seinen "blöden" Bengel.

Du wirst also eingeladen zum Essen. Man schlachtet extra für den Besuch einen Hammel und der Gast stopft in sich hinein, was sonst die Familie in der ganzen Woche essen würde.

Aus Stolz wird man auch auf Bezahlung verzichten. Die Gastfreundlichkeit geht vor.

Ich mag solche "Schmarotzertouristen" nicht. Umgekehrt würden sie einem Reisenden aus diesem Lande vermutlich nicht einmal die Tür aufhalten.

Woher ich das weiß:Recherche

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Isländer und Schweden sehr gastfreundlich sind. Es sind also nicht nur die südlichen Länder, die darunter fallen.

In der Karte sieht man ja, das auch die Kanadier sehr gastfreundlich sein sollen.

Über die Ungarn kann ich nichts Negatives sagen in dem Punkt. Auch da fühlte ich mich wohl.

Mit Temperament hat das meiner Erfahrung nach nicht wirklich zu tun. Die Schweden gelten nicht gerade als Italiener (in punkto Temperament), dennoch sind Schweden sehr aufgeschlossen - auch Fremden gegenüber. Dass man im Norden gastfreundlich sein soll, hat eine lange Tradition (auch in Island). Viele Gegenden sind ja dünn besiedelt, und gerade früher war es da wichtig, einem Fremden, der durch das Land zog und eine Unterkunft brauchte, zu helfen.

Auch wenn das heute wohl keine entscheidende Bedeutung mehr hat: schon in den altnordischen Texten (etwa der Edda) wird die Gastfreundschaft empfohlen. Dass man einem (oft durchgefrorenen) Reisenden eine Stelle am Herd, trockene Kleidung und was zu Essen und Trinken anbieten sollte.

Südländer sind halt oft gastfreundlicher. Genauso die Menschen in Afrika, obwohl die wenig an materiellen Dingen haben. Dafür haben die oft ein Herz. Mitteleuropäer sind oft kalt. Man darf nicht vergessen, dass die Menschen woanders eine ganz andere Mentalität haben und auch mehr Temeperament. Und auch im Süden gibt es unfreundliche Menschen, die ihre Gäste nicht unbedingt gut behandeln. Und hier gibt es genauaso sehr warmherzige Menschen, das kann man nicht so verallgemeinern.

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