Wie werde ich Konzertfotograf und ist damit (gut) Geld zu verdienen?

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7 Antworten

Nur mit Konzertfotografie Geld verdienen ist nahezu unmöglich. Fotografen von Tagezeitungen sind auch nicht nur auf Konzerten, sondern knipsen vormittags den Bürgermeister, nachmittags ein Kaffeekränzchen im Altersheim und abends dann halt Helene Fischer. Wirklich professionelle Konzertfotografen, die nur davon leben können, gibt es vielleicht eine Handvoll.

Aber in den Fotograben zu kommen ist nicht allzuschwer. Meine Vorgehensweise dauert Jahre, aber wenn du gerne auf Konzerten bist, wirst du auch all die Jahre Spaß haben.
Bleib dabei unbedingt in dem Musikgenre welches du gerne hörst. Wenn du Metal magst, knips keine Electroacts usw.

Geh auf kleinste Clubkonzerte, Kneipenkonzerte etc, also unbekannte Bands, die wirklich nur vor einer Handvoll Gästen besucht sind. Dort kannst du dich erstmal austoben, du brauchst keinen Fotopass, das Bier ist billig, du lernst neue Bands kennen, und du musst anschliesend niemandem perfekte Fotos vorlegen, wie es ein professioneller Auftragsfotograf muss.
Du wirst nach dem Gig sicher mit der Band ins Gespräch kommen, sag ruhig ganz offen, warum du fotografierst. Sie üben ja genauso vor kleinem Publikum groß zu werden. Wenn du ein paar gelungene Fotos hast, schick sie der Band für ihre Page, war nix dabei, schreib ihnen ruhig, dass du beim nächsten Gig es nochmal versuchst.
Anhand deiner Bilder wirst du schon erste Fehler erkennen, falscher Ausschnitt, falsche Belichtung etc. Mach es beim nächsten Mal besser.

Nach dem du erste Erfahrungen gesammelt hast, kümmern wir uns um Akredierungen für etwas größere Konzerte. In deinem Lieblingsmusikgenre hast du bestimmt schon das ein oder andere Onlinecomunity gefunden, welche regelmäßig Konzertfotos online stellt. Werde den Verantwortlichen bekannt, am einfachsten durch regelmäßige Communityaktivität, oder noch besser durch Vereinsarbeit, Fantreffen etc, je nach dem was du so findest. Kennt man dich dort, frag einfach mal den ihren Fotografen, ob du auch mal einen Gig fotografieren kannst. Er kann ja auch nicht immer überall sein.
Parallel dazu hast du von deinen ersten kleinen Clubkonzerten die ein oder andere Band für dich entdeckt, die du echt magst, und die von dir schon ein paar mal fotografiert wurden. Die sind eventuell auch etwas größer geworden, spielen auf einem kleinen Festival oder als Vorband. Schreib sie an, das du bei dem und dem Auftritt dabei bist, ob sie Fotos wollen. Sie werden wollen und dir nen Fotopass besorgen.

Stell deine Fotos die ganze Zeit zur Verfügung. Kostenlos. Die Bands und Veranstalter können damit machen was sie wollen, lediglich du als Fotograf wirst namentlich genannt. Teile deine Bilder auch auf den Facebookseiten der Festivals etc.

Sofern du ein halbwegs aufgeschlossener Mensch bist, wird es bis hier hin genau so funktionieren. Wenn du hier angekommen bist, wirst du auch schon genügend Erfahrungen und Kontakte gesammelt haben, um selber deinen Weg weiterzufinden. Komm (nach dem Konzert!) mit anderen Fotografen ins Gespräch, für wen fotografieren sie, wie kommt man da ran usw. Vielleicht braucht ein großes Onlinemagazin oder eine Musikzeitschrift ja noch jemanden. Sei nie aufdringlich, und erwarte keine Bezahlung. Bist du da wirklich gelandet, und willst immer noch weiter, solltest du deine eigene Genrebeschränkung nach und nach aufheben. Dann wird es auch Zeit für eine richtige Ausbildung, mit der du dich bei einer großen Tagezeitung bewerben kannst, und vielleicht auch eines Tages die ganz ganz großen zu fotografieren. Aber das wollen viele, und schaffen nur ganz ganz wenige.

Zur Ausrüstung. Für den Anfang brauchst du nicht viel. Eine Kamera und ein Objektiv. Du brauchst keinen 3000€ Body, mit einem 300€ Body brauchst du aber auch nicht anfangen. Also bleib in der Mittelklasse. Vollformat ist auf Konzerten zwar von Vorteil, aber für den Anfang zu teuer.
Wichtig ist das Objektiv. Zu empfehlen ist ein 24-70mm f2.8. Solltest du keinen Wert auf Portraits der Musiker legen, sondern ausschließlich die komplette Bühne im Bild haben wollen, greif eher zu einem 17-50mm f2.8, legst du ausschließlich auf Nahaufnahmen Wert, greif zum Sigma 50-150mm f2.8 OS, welches jedoch nur noch gebraucht zu haben ist. Aber am weitesten kommst du wirklich mit 24-70. Sobald du eine Vollformatkamera hast, wirst du ein 70-200mm f.2.8 brauchen. Ein Objektivwechsel während eines Konzertes solltest du vermeiden, das dauert viel zu lang.

Ich wünsch dir viel Spaß!

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Kommentar von munichprint
10.03.2016, 07:31

Besser kann man es nicht sagen. Wobei ich dir zu wirklich lichtstarken Objektiven raten würde. ein 70-200 brauchst aber eher nicht, denn du solltest ja nahe dran sein.

Und warum nicht Objektiv wechseln. Entweder zweite Kamera oder eben mal schnell auf ein zweites Objektiv gewechselt. Dauert nur sekunden. Und bei einem Konzert ist wirklich genügend Zeit.

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Kommentar von ecki2000
10.03.2016, 17:23

Wenn man mit 20 Mann im Graben steht, macht ein Objektivwechsel nicht wirklich Spaß. Ich hab mir das ganz schnell abgewöhnt und man sieht es auch sogut wie nie. Die Alternative ist, wie du schon richtig geschrieben hast, eine zweite Kamera, aber für den Anfang ist das noch unwichtig.

In "Phase 1", also bei Kleinstkonzerten ohne Akkredierung und Graben ist ein Objektivwechsel natürlich kein Problem, da hat man Zeit um mal an den Rand zu gehen, das ist sogar empfehlenswert zum experimentieren. Allerdings hat man natürlich anfangs auch selten das Geld, mehrere lichtstarke Objektive sich zuzulegen.

Für erste Testzwecke kann ich sogar noch das Canon 18-135 f3,5-5,6 Kitobjektiv empfehlen. Nikon und Co hat sicher ähnliches im Angebot. Es ist natürlich von der Lichtstärke indiskutabel, vernünftige Fotos werden damit eher rar. Es hat aber eine für Konzerte nahezu perfekte Brennweite. Mit 18mm die ganze Bühne, Portraits mit 135. Für erste Aufnahmen und zum Finden seines persönlichen Stils kann man es durchaus nehmen, bevor man sich für einen Brennweitenbereich seines ersten richtigen Objektives entscheidet.

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Deine Vorgehensweise finde ich gut und sinnvoll. Aber das Wichtigste ist:

Deine Fotos müssen so richtig gut sein! Gerade für Konzerte brauchst du also lichtstarke Teleobjektive. Dann benötigst du ein Bildbearbeitungsprogramm, um wirklich das beste aus einem Foto herauszuholen. Und du musst das Talent mitbringen, die richtigen Momente mit dem richigen Bildausschnitt lebhaft und plastisch festzuhalten.

Dann kannst du auch Eindruck auf deine potentiellen Interessenten machen.

Ich habe mal einen Schlagzeuger am Instrument mit bunten Scheinwerfern im Gegenlicht fotografiert. Er war überrascht und begeistert und hat sich dieses Bild vergrößern lassen.


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Eigentlich musst Du nur wirklich fotografieren können sowie kreative Ideen haben und diese vor allem auch zuverlässig realisieren können. 

Weiter musst Du quirlig und durchsetzungsstark sein um Standorte für gute Einstellungen und Perspektiven zu finden, mit 'ner langen Linse aus beliebigen Positionen auf die Bühne zu zielen, ergibt nämlich nur langweilige Allerweltsbilder.

Aber das wichtigste, Du brauchst zahlende Abnehmer für Deine Fotos! -und damit fängt das Drama an.

Es gibt jede Menge Leute wie Dich und die unterbieten sich gegenseitig zur Freude potenzieller Kunden, was Dir dabei bleibt, ist ein Trinkgeld.

Und natürlich reden alle von Qualität, bezahlen will sie aber kaum jemand, schon gar nicht unter Kostendruck ächzende Zeitungsverlage.

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Du könntest direkt bei Bands / Musikern nachfragen, ob du für sie fotografieren könntest. Ideal wäre es schon einige Bilder parat zu haben um von deiner Arbeit etwas zu zeigen und sie zu überzeugen.

Aber meist geht es eher bei kleineren und mittelbekannten Bands / Musiker, wo das management noch nicht alles für sie übernehmen so wie bei den bekanntesten bands / Musikern ist. Da käme man nämlich als kleiner Fotograf nie ran, da die Managements nur Profis beauftragen bzw Vertragsfotografen haben.

PS: Kenn mich nicht aus und meine Angaben sind vermutungen :)


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da musst dich bei magazinen usw. evtl. auch bei der presse bewerben,  ansonsten hast sogut wie keine möglichkeit soetwas beruflich zu machen.

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Kommentar von fred123123
09.03.2016, 08:14

Was für Qualifikationen werden da so erwartet, wenn man sich direkt bei Magazinen und Presse bewirbt?

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Du musst erst einmal "Pressefotograph" sein. Dann kannst du Zeitungen Journale etc. beglücken. Dazu natürlich der Anmachtext. Den endgültigen Text macht der Textredakteur. Kontakte, Kontakte, Kontakte. Tarife >Internet.

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Kommentar von munichprint
10.03.2016, 07:33

Genau anders herum. Erstmal bei der Zeitung arbeiten - sonst wirst du kein Pressefotograf. Den "beliebten" Ausweis gibt es eben nur dann! Allerdings ist der Pressefotograf kein wirklich schöner Beruf, fotografische herausforderungen gibt es nicht. Qualität ist hier ebenfalls nicht entscheidend.

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