Wie standen die Christen damals zur Sklaverei?

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9 Antworten

Das Christentum in der Anfangszeit tolerierte das damals übliche weltliche System der Sklavenhaltung im römischen Reich, quasi als gottgegeben. - Viele Christen waren selbst Sklaven. - Es förderte jedoch nicht selbst die Sklavenhaltung und forderte auch immer wieder, Sklaven als vor Gott im Glauben Gleichgestellte und Brüder und Schwestern gut zu behandeln und ihnen gegenüber besondere Milde walten zu lassen.

Wie gut, oder auch unvollständig die damaligen Christen dies nach unserem heutigen Verständnis erfüllt haben, ist wohl jedem Einzelfall vorbehalten gewesen.

Als nichtpolitischer Macht (im Sinne des Evangeliums) sollte man dem Christentum auch nicht vorwerfen, sich nicht mit Gewalt gegen die Sklaverei gewehrt zu haben. - "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, aber Gott was Gottes ist." (Markus 12, 17)

Danke für den "Stern"!

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Was meinst du denn mit damals?

Meinst du die Zeit, als der Überlieferung nach ein gewisser Jesus durch Palästina streifte und predigte? Zu dieser Zeit war die Sklaverei eine der Grundlagen der Wirtschaft und wurde nicht in Frage gestellt, nicht im Alten Testament und auch nicht im Neuen Testament. In der Bibel finden sich allenfalls Hinweise, wie man Sklaven behandeln soll, wann sie freizulassen sind, wann nicht, wer versklavt werden darf usw.

Beispiel:

3Mo 25,44 Willst du aber Sklaven und Sklavinnen haben, so sollst du sie kaufen von den Völkern, die um euch her sind,

Im Neuen Testament findet man auch keine Stellungnahme gegen die Sklaverei als Institution.

Man findet dort aber eine Stelle, wo Sklaven, die Christen sind, innerhalb der Kirche als Gleiche angesehen wurden:

Gal 3,28 Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Im frühen Christentum, bis in das 4. Jahrhundert gab es Tendenzen der Ablehnung der Sklaverei. Das änderte sich aber, als das Christentum im Römischen Reich Staatsreligion wurde. Spätestens ab da wurde bis in das 17. Jahrhundert nicht an der Sklaverei als Institution gerüttelt.

Danach wurde Sklaverei durch Kirchenfürsten immer wieder gerechtfertigt und verteidigt. Die Kirche selbst ließ Sklaven auf ihren Besitztümern arbeiten. Bis ins 18. Jahrhundert verdienten christliche Staaten sich dumm und dämlich am Sklavenhandel mit höchstem Segen ihrer jeweiligen Kirchen.

Die christlichen Kirchen kamen erst zur Besinnung, als Sklaverei ein ökonomisches Auslaufmodell war.

Hier ist eine sehr interessante Seite (leider nur auf englisch).

http://www.religioustolerance.org/chr_slav1.htm

Unglaublich ! Da waren also selbst die frühen Christen so verlogene Heiligtuer !

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@eka45

Nein, war genauso normal, wie heute die ausgelagerte (unsichtbare) Sklaverei.

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lt NT sind Sklaven Teil der gottgewollten Ordnung. Menschen haben einen unterschiedlichen Status inne und das entspricht dem christlichen Gotteswillen

Lukas: (17,7) Wenn einer von euch einen Sklaven hat, der pflügt oder das Vieh hütet, wird er etwa zu ihm, wenn er vom Feld kommt, sagen: Nimm gleich Platz zum Essen? (17,8) Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Mach mir etwas zu essen, gürte dich und bediene mich; wenn ich gegessen und getrunken habe, kannst auch du essen und trinken. (17,9) Bedankt er sich etwa bei dem Sklaven, weil er getan hat, was ihm befohlen wurde?

Im ersten Petrusbrief (2,18) Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Ehrfurcht euren Herren unter, nicht nur den guten und freundlichen, sondern auch den launenhaften. (2.19) Denn es ist eine Gnade, wenn jemand deswegen Kränkungen erträgt und zu Unrecht leidet, weil er sich in seinem Gewissen nach Gott richtet. (2,20) Ist es vielleicht etwas Besonderes, wenn ihr wegen einer Verfehlung Schläge erduldet? Wenn ihr aber recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. (2,21) Dazu seid ihr berufen worden; den auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt.

Wann damals? Zu Beginn war das Christentum eine Religion der Unterprivilegierten, also der Frauen, der Armen und auch der Sklaven. Letztere hätten sie wohl kaum angenommen, wenn das ursprüngliche Christentum die Sklaverei gutgeheißen hätte.

Wikipedia:

Sklaverei: "... Die neutestamentlichen Schriften gehen von der Existenz von Sklaven als Teil der gottgewollten Ordnung aus, in der die Menschen eben unterschiedliche Status innehaben und sich damit arrangieren müssen, wollen sie Gottes Willen nicht zuwider handeln. ..."

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@geschoepf

Ja, da hast du natürlich recht. Wie schon gesagt, das Pauluswort "Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier, hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumal einer in Christo Jesu." Galater 3:28, hatte nur Bestand, solange keine privilegierten Sklavenbesitzer zum Christentum übertraten. Ab dem Moment, wo das umschlug, war es mit der Gleichheit natürlich vorbei.

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@Dummie42

Das zitierte Pauluswort steht ganz klar im Widerspruch zu anderen Bibelstellen, die die Sklaverei als legitim und gottgewollt beschreiben.

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Wenn du mit damals die Zeit der Anfänge des Christentums meinst, dann werden sie keine große Stellungnahme dafür oder dagegen gehabt haben. Weil Sklaven im römischen Imperium eine Normalität gewesen sind. Sie gehörten einfach mit zu den Familien als Bedienstete, Vertraute, Handeltreibende, Boten, Beschützer, Erzieher und Lehrer. Und wenn wir auf ein mehrere hundert Jahre dauerndes Reich blicken, so muss man wohl auch insgesamt das so betrachten, dass unterm Strich die meisten nicht unzufrieden waren. Natürlich vergleichen wir dies immer mit den Sklaven der Südstaaten der USA. Doch dort ging es den versklavten Menschen richtig schlecht. In Rom kann man sagen, dass sie der Stand der Arbeiter waren, sogar in einigen wichtigen Verwaltungen tätig waren. In den Südstaaten war selbst das Lesen und Schreiben verboten.

Ich denke jedoch, da die Sklaven in Rom zur Gesellschaft dazu gehörten, die natürlich auch ihre eigenen Religionen haben durften, waren sie für die Christen, die im Vergleich zu anderen Glaubensrichtungen der Antike, viel Wert auf das Missionieren legten, eine beliebte Zielgruppe. Die ersten Christen sehe ich auch als vernahtische Gläubige. Leicht konnten falsche Worte, gerade gegen die römische Obrigkeit, den Kopf kosten. Aber das Märtyrertum bot die Erlösung und man sah sich gleich zu Jesus in den Himmel geschickt. Der Tod hatte da durch auf einmal einen Sinn, der sicher in anderen Religionen fehlte. Man kann das mit heutigen religiösen Fantikern durchaus vergleichen, denn nur diese Besessenheit schafft die Ausdauer, eine Religion auch zu verbreiten und schließlich zur Staatsreligion werden zu lassen.

Lass dir nicht erzählen, die armen Christen haben den armen Sklaven gesagt, das es Unrecht sei, wie sie behandelt werden und Gott ihnen helfen könne, weil er sie befreien würde. Oder ähnlichen Blödsinn. Viele angesehene Römer wurden im Laufe der Zeit zu Christen, was sie aber nicht davon abgehalten hat, weiterhin Sklaven zu halten. Grundsätzlich hat sich unsere Auffassung zur Sklavenhaltung erst seit knapp 300 Jahren verändert. Die Kirche hat allerdings nie den Mund aufgemacht und sich für Sklavenbefreiung eingesetzt.

Wenn man sich mal in Erinnerung ruft, dass das Christentum bis weit ins 20.Jahrhundert hinein in der westlichen Welt Leitkultur und eigentlich die einzig wirklich große Weltanschauungsgemeinschaft war, es aber bis ins 19.Jahrhundert hinein auch Sklaverei gab, dann lässt sich das leicht beantworten.

Was ist damals??? In seiner Gründerzeit fühlten sich viele Sklaven vom Christentum angezogen, denn schließlich ist diese Religion eine, die dem Sklaventum das Wort spricht, selbst was Sklavisches beinhaltet und dem Zustand des Geducktseins daher Rechnung trägt, ihn gewissermaßen einzementiert.

tinimini, das ist eine arg beschönigte Bibelinterpretation. Mit den tatsächlichen Verhältnissen, dass Menschen Eigentum anderer Menschen waren, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, hat dieser schöngefärbte, bibelparteiische Link gar nichts am Hut!

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@geschoepf

Was in den Gesetzen steht und was der Mensch daraus macht, das sind 2 Paar Schuhe.

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Die Amerikaner, die Schwarze versklavten waren alles Christen: sie sahen keinen Widerspruch zwischen Christentum und Sklavenhaltung.

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