Wie schreiben Autoren ihre Bücher so fehlerfrei?

15 Antworten

Das mit den Lektoren, das war einmal! Heute, wenn Dateien direkt in den Computersatz gehen, findet man immer häufiger Tipp- und andere Fehler in den gedruckten Büchern, ist halt billiger, als eine/n Lektor/in zu beschäftigen. Und einige Fehler finden die Rechtschreibprogramme - die aber manchmal auch neue Fehler reinbringen. Aber angesehene Verlage und soche, die etwas auf sich halten, lassen ihre Bücher weiterhin lektorieren.

1. Kostet das extra?

2. Können mich die Lektoren reinlegen und mein Buch selvst veröffentlichen?

3. Nehmen die fehlerhafte Autoren überhaupt ernst?

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@CaN04
  1. Wenn Du mit Bod, also Books on Demand, selbst publizierst, kostet Lektorierung extra, ist aber empfehlenswert.
  2. Das kann ich mir nicht vorstellen, schließlich kannst Du ja nachweisen, daß es Dein Text ist.
  3. Hängt von der inhaltlichen Qualität des Textes ab. Ein erfahrener Lektor wird eine guten Text erkennen, auch wenn er sprachlich fehlerhaft ist.
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Heute sind Bücher keineswegs fehlerfrei. Gerade bei Lesestoff unbekannter Autoren und Verlage entdecke ich häufig Rechtschreibfehler. Da die meisten Werke am Computer entstehen, lassen sich grobe Schnitzer mit einer zuverlässigen Rechtschreibprüfung beseitigen. Für den Feinschliff empfiehlt sich ein professionelles Lektorat.

Ich bin u.a. freiberuflicher Lektor. Die Aufträge, die ich erhalte, unterscheiden sich.

Allgemeine Lektorate: Dabei kümmere ich mich überwiegend um Rechtschreibfehler.

Erweiterte Lektorate: Neben Grammatik- und Rechtschreibfehlern achte ich auch auf den Schreibstil. Gegebenenfalls baue ich Sätze um, sodass flüssig lesbare Texte entstehen. Bei Wortdopplungen setze ich Synonyme ein.

Lektorate für Fachtexte: Bei den Texten kommt es neben Fehlerfreiheit auf Inhalte an. Gegebenenfalls muss ich Themenbereiche recherchieren und anpassen, was mitunter einen recht hohen Arbeitsaufwand mit sich bringt.

Woher ich das weiß:Berufserfahrung

Bin selbst Sachbuchautor eines größeren Publikumsverlags, doch wäre ich keinesfalls derart vermessen zu behaupten, ich sei in Wort und Schrift "fehlerfrei".

Bei meinem jetzt auf dem Markt befindlichen Buch sind mir noch lange nach Erscheinen kleine "Fehlerteufelchen" aufgefallen, die in der kommenden Auflage nicht mehr vorkommen werden, die also sowohl mir als auch dem Lektorat nicht aufgefallen sind. Diese kann ich unterteilen in Druckfehler (da kann man oft hundertmal drüberlesen, ohne dass es einem auffällt), Wiederholungsfehler (ich habe, wie jeder Autor, so meine "Lieblingsworte" wie z.B. "idealerweise" oder "schlussendlich", die dann schon mal dreifach auf einer Seite auftauchen können, wenn man nicht achtgibt.), Zeichenfehler (z.B. falsche Kommata; mache ich aber relativ selten), dazu Rechtschreibefehler (dafür gilt dasselbe) und sachliche Fehler (die mir zu meinem Ärgernis oft mein Lektor hineingebaut hat, der einer alten "Lektorenkrankheit" unterlag, welche gerne darin besteht, dem Drang nicht widerstehen zu können, "sein eigenes Buch schreiben zu wollen". Diese "Tretminen" zu suchen war überaus mühsam.) Am Ende stehen die verzeihlichsten Fehler, die so genannten Flüchtigkeitsfehler. Schnell kann es passieren, dass man im Eifer des Gefechts einfach mal einen Buchstaben vergisst - oder ein ganzes Wort, wenn man den Satzbau nochmalig ändert. Diese Fehler sind jedoch oftmals auch sehr hartnäckig, wenn man sie aufspüren möchte.

Ansonsten kann ich jedem Mitglied der "schreibenden Zunft" - und jedem, der es werden will - empfehlen, selbst viel zu lesen. Das erweitert Horizont, Wortschatz und verbessert letztendlich die eigene "Schreibe".

Und was überaus wichtig ist: Mach es immer richtig! Das bedeutet:

Auch zum Beispiel hier oder in anderen Internet-Foren, denn es gibt keinen Grund, im Netz schludrig mit der Sprache umzugehen. Was man manchmal alleine hier zu lesen bekommt, lässt einem die Nackenhaare zu Berge stehen. Und der Angesprochene meint dann gerne des Öfteren: "Ey, chill mal, Alter, is' doch nur Internet hier!" Meine Entgegnung wäre immer "Na und? Berechtigt dies dazu, unsere schöne Sprache zu vergewaltigen?"

Der Rest ist übrigens ähnlich wie beim Krafttraining: Kein Neustarter käme auf die Idee, bereits nach einem dreimonatigen Einstiegstraining auf die große Showbühne zu wollen. Genauso wenig wäre es von Erfolg gekrönt, wenn ein junger Autor ohne vorherige Erfahrungen davon träumt, mit seiner Erstlings-Fleißarbeit direkt einen Vertrag bei einem großen Publikumsverlag unterzeichnen zu dürfen.

Good luck !!

Es gibt das Lektorat (da geht es um Inhalt, Sprachstil etc.) und das Korrektorat (da geht es um Rechtschreibung). Beides bezahlt der Verlag, wenn du einen Verlag findest. Ein Korrektorat ohne Lektorat ist nicht zu empfehlen - selbst erfahrene Autoren sind manchmal betriebsblind bei ihrem eigenen Werk und daher froh über die Kritiken und Anregungen aus dem Lektorat.

Erfolgreiche Selfpublisher bezahlen oft selbst ein Lektorat (zum Beispiel weiß ich, dass Elias Haller das tut). Das geht von ca. 2 € bis 10 € pro Seite. Wenn du also einen 400 Seiten-Schmöker schreibst, kannst du schon mit Kosten von 800 € bis 4.000 € rechnen. Und: hier geht es um Normseiten (ca. 1.600 Zeichen pro Seite), es hilft also nicht, eine Mini-Formatierung zu verwenden.

Und weil du unten gefragt hast: Nein, ein Lektor würde niemals dein Buch als eigenes veröffentlichen. Das würde schnell rauskommen, und dann wäre er in der Branche gestorben, also seinen Job los. Und da man an einem einzelnen Buch nicht viel verdient, wäre das überhaupt kein Anreiz. Leute, die vom Schreiben leben können, veröffentlichen meistens mehrere Bücher im Jahr.

Ich schreibe an einem Philosophie-Buch, es soll am Ende circa 100 Seiten haben, denkst du das wäre zu wenig?

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@CaN04

Über Sachbücher kann ich nicht viel sagen. Es gibt aber zum Beispiel philosophische Essay-Sammlungen (z.B. von C. S. Lewis) mit so um die 120 Seiten und ich habe hier ein Reclam-Büchlein "Über die Vereindeutigung der Welt" mit 97 Seiten. Scheint mir also ganz passend.

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Tun sie nicht. Es dürfte wohl so gut wie kein Buch geben, das wirklich fehlerfrei ist.

Autoren wenden oft wehr viel Zeit mit Korrekturlesen auf. Aber wenn man den eigenen Text mehrfach gelesen hat, sieht man die Fehler einfach nicht. Dafür gibt es dann Lektorate - oder man gibt es Testlesern, die auch Fehler aufspüren sollen.

FehlerFREI allerdings... Auch nach noch so vielen Korrekturen passiert es immer wieder, dass ein Buch endlich aus dem Druck kommt, man schlägt es auf - und BUMS. Wieder was entdeckt.

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