Wie kann ich meine 'Schreibkünste' verbessern?

7 Antworten

Um seine Eloquenz zu steigern, muss man die Qualität seines sprachlichen Ausdrucksvermögens auf- und ausbauen. Es genügt nicht, möglichst viele Fremdworte zu kennen, oder versuchen, stets "abgehoben" zu sprechen und schreiben. Vergleichbar mit einem Training zum Muskelaufbau, muss man seinen "Sprachmuskel", sein Ausdrucksvermögen, ebenfalls allmählich aufbauen. Ein Rhetorik-Kurs ist da nicht zielführend und systematisch kann man das auch kaum machen.

Unser Wortschatz hat zwei Aspekte. Da sind einmal die Worte und Begriffe, deren Bedeutung wir verstehen, wenn wir sie hören. Auf der anderen Seite gibt es den bei jedem Menschen wesentlich geringeren Wortschatz, den er auch selbst anwendet. Das liegt daran, dass es oft schon genügt, sich vage auszudrücken. Diese Diskrepanz kann man verringern, indem man sich auch in alltäglichen Unterhaltungen stets bemüht, das treffendste Wort zu verwenden für das, was man ausdrücken will.

In keinem Haushalt sollte ein gutes Wörterbuch fehlen. Die Deutsche Sprache enthält wahrscheinlich über 32 Millionen Worte. Ein bisschen viel für ein einziges Leben ;-) Bei ungefähr 100 Millionen Sprechern werden viele der Worte wohl Fachausdrücke und wissenschaftliche Termini sein, von denen mancher Begriff sogar nur von weniger als 100 Personen verwendet wird. Ein Wörterbuch mit 100.000 Stichworten reicht also durchaus.

Dann gehört zu eloquenter Sprechweise auch eine korrekte Grammatik. Besonders in alltäglichen Gesprächen wird z.B. häufig statt des Genitivs der Dativ verwendet, an Stelle des Präteritums die Verben ins Plusquamperfekt gesetzt oder ein Nebensatz, eingeleitet mit weil bzw. denn, syntaktisch wie ein Hauptsatz angeschlossen. Zur korrekten Syntax sollte man die Regeln verinnerlicht haben, um sie in seiner Sprache dann auch ohne nachzudenken korrekt umsetzen zu können. Der Grammatik-Duden ist da hilfreich.

Es reicht nicht aus, möglichst viele "kluge Worte" zu kennen. Für alles und jedes ist auch nicht der Rückgriff auf ein Fremdwort hilfreich, denn man braucht nicht von Kretins sprechen, wenn man es mit Trotteln zu tun hat. Man braucht für Eloquenz zum Verstehen und Anwenden auch einen weiten sprachlichen Horizont. Es geht dabei nicht nur um anwendbares und sofort umsetzbares (Fach)Wissen.

Nehmen wir an, jemand wirft in den Raum "Der Widerspenstigen Zähmung", Weiß der Hörer nicht, dass dies der Titel eines Theaterstücks von William Shakespeare ist, und was dessen Grundtenor aussagt, versteht er dann nicht, was mit dieser verknappten Aussage, vielleicht noch ironisch vorgebracht, angedeutet werden soll. Man versteht dann zwar die Worte, aber es fehlt das Hintergrundwissen, ein Stück der so genannten Allgemeinbildung. Man kann dann schlecht bei allen Themen „gut mitreden“. Damit entgeht einem zugleich auch viel Sprachwitz.

Da hilft einem, viel zu lesen, und zwar nicht allein Unterhaltungsliteratur, sondern man sollte auch den ein oder anderen Klassiker wenigstens in Grundzügen verstanden haben, und sich wenn möglich in Kreisen mit weitreichender Allgemeinbildung bewegen. Alles und jedes nicht gleich Verstandene sollte man stets hinterfragen, sich auf vielen Gebieten schlau machen. Das erfordert lebenslange "Weiterbildung" in möglichst vielen Bereichen. Dies braucht Lebenszeit, daher kommt Eloquenz auch mit dem Alter, sofern man sich geistig nicht nur mit Trivialitäten befasst.

Stolpert man über ein Wort, das einem nicht gleich einleuchtet, sollte man sich ein wenig damit befassen. Das kann auch ganz interessant und amüsant sein. In Hamburg gibt es z.B. die Straße Doventor, und das Bremer Rathaus steht in der Doventorscontrescarpe. Steht da vielleicht die Klappsmühle gleich nebenan? ^_^

Der Blick in ein Ethymologisches Wörterbuch oder auch Wikipedia ist da hilfreich. Aha, es bezieht sich also nicht auf den alten Namen Dove für die Elbe. Ein Doventor war eine "taub", also als Sackgasse endende enge Gasse von außen, die zu einem Ausfalltor einer Wehranlage führte. Contrescarpe ist ebenfalls ein Begriff aus dem Festungsbau. Da findet man dann auch Glacis. Aha, deshalb Alsterglacis und Glacischaussee. Das hat mit der napoleonischen Zeit zu tun, deshalb auch alles auf französisch … Wenn wir heute jemanden als doof bezeichnen, meinen wir etwas anderes als in früheren Zeiten. Da war doov, wer schlecht oder gar nicht hören konnte, also taub war, und deshalb eben vieles nicht begriff.

Je mehr solcher Hintergründe zu Worten man sich bewusst macht, desto präziser wird man sie anwenden. Auch wenn das dazu gelernte auf den ersten Blick nicht wichtig, sogar unnütz erscheint, so wird man künftig doch zumindest nicht mehr dümmlich grinsen, weil man Begriffe für sich falsch interpretiert. ^_^

Dann gibt es auch noch Sprichwörter und stehende Redewendungen, bei denen wir den Sinn kaum noch hinterfragen. Dann hört man z.B. „Spinne am Morgen bringt Kummer und Sorgen“ und derjenige meint damit eine Spinne, ein ekliges Kriechtier, das er am Morgen entdeckt hat. Der Hintergrund der Redewendung ist aber ein ganz anderer, hat mit der Tätigkeit des Spinnens zu tun.

Wer am Morgen schon am Spinnrad sitzen musste, dem ging es finanziell schlecht und er hatte keinen einträglicheren Gelderwerb. Setzte sich die fleißige Jungfrau schon ab Mittag ans Spinnrad, dann würde sie sicher eine umfangreiche Aussteuer zusammen haben, wenn sie heiratet (Glück am Drittag). Und wer nur in den Mußestunden, also am Abend spinnen musste, tat das eher aus Freude an der Sache, denn aus Notwendigkeit.

Drittag für Heirat kommt übrigens daher, dass das Leben schon immer in Abschnitten gedacht wurde. Taufe, Firmung/Konfirmation, Heirat … Der Drittag war also die dritte Gelegenheit, bei der man in der Kirche im Mittelpunkt einer Zeremonie stand, die einen Wendepunkt im Leben bedeutete.

Was Eloquenz ebenfalls ausmacht ist, zu erkennen, wann man einen Gesprächspartner damit zu überwältigen droht. Man trifft immer und überall auf Menschen, deren Wortschatz begrenz ist, die eben „einfach gestrickt“ sind. Sie sind deshalb ja keine schlechteren Menschen, kommen auch gerade durchs Leben. Wird ihnen in irgendeiner Weise bewusst, dass sie da verbal jemandem das Wasser nicht reichen können, sind sie irritiert. Sie fühlen sich eventuell ausgezählt, als dumm hingestellt, beleidigt, und können sich zurückziehen oder einen zu verhöhnen beginnen, und sogar aggressiv werden.

Das waren nun ein paar Vorschläge aus meinem Erfahrungsschatz. Ich mache das schon so, seit ich überhaupt lesen kann. Nun bin ich sechzig, und höre immer öfter ein verwundertes „Was du alles weißt! Womit du dich so alles auskennst“ Nun, ich hatte ja bisher genug Zeit im Leben, zu lesen, zu hören, zu fragen, nachzuschlagen und auch zu hinterfragen.

„Beigebracht“ hat mir das meine Mutter. Verwandte eins von uns Kindern einen Begriff, der nicht von allen gleich Verstanden wurde, kam sogar beim Mittagessen das Lexikon auf den Tisch. Damit auch der Kleinste begriff worum es geht, sich nicht ausgegrenzt fühlte, wurde das für ihn speziell vereinfacht oder mit Beispielen verdeutlicht. Wie hieß es einmal in einem Werbespot? „Man kann nicht früh genug damit beginnen.“

Mit Lesen und Schreiben bist du doch schon auf einem guten Weg!

Beim Lesen (nicht Zeitungsartikel, keine Jugendbücher, sondern richtige Bücher) gewöhnst du dich daran, wie ordentliche Sätze aufgebaut sind, welche Wörder wann passen.

Wechsel gerne zwischen unterschiedlichen Autoren durch, damit du mehr unterschiedliche Stile zu sehen bekommst.

Und beim Schreiben kannst du das üben. Einfach dranbleiben, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.

Was definierst du als Jugendbuch und weswegen erachtest du Zeitungsartikel als 'wertlos'? Meinst du rein prinzipiell Belletristik? Was sind 'richtige' Bücher für dich?

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@SchmutzFinger

Zeitungsartikel oder auch Artikel in Zeitschriften dienen der Information. Das heißt, die Texte sind ausschließlich in Berichtform und in möglichst einfacher Sprache gehalten; einfache Lesbarkeit und Informationsgehalt gehen vor sprachliche Eleganz und stilistische Feinheiten.

Gleiches bei Jugendbüchern; diese sind eben auch meist in einer absichtlich einfachen Sprache gehalten. Ich weiß nicht mehr, welche Reihe es war, aber ich habe mit 10-11 Jahren eine Jugendbuch-Reihe gelesen, bei der in der Fußzeile ständig "Fremdwörter" erklärt wurden... die in diesem Alter aber schon zu meinem aktiven Wortschaft gehörten. Ich denke nicht, dass ich in diesen Büchern viele Synonyme und Begriffe gefunden habe, die mir neu waren.

Deswegen ziele ich tatsächlich auf Belletristik ab, ja.

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@RedPanther

Sorry, dass ich hier so dummdreist nachfragen muss, aber was explizit empfiehlst du dann? Empfehle mir doch einfach mal ein Buch.

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@SchmutzFinger

Ich habe natürlich so meine Lieblinge und bin auf bestimmte Genres fixiert. Kann sein, dass dir das allein vom Genre nicht gefällt.

Dan Brown (Sakrileg, Illuminati...) zeigt gut, wie man "langweiligen historischen Stoff" interessant verpacken kann.

Frank Schätzing (Limit, Der Schwarm...) kann einige Dinge gut: Er stellt Personen sehr gut vor, er macht sehr ausschweifende Erklärungen doch interessant und fügt Teile, von denen du lange nicht weißt warum sie wichtig sind, am Ende doch noch zu einer logischen Einheit zusammen.

Ich finde, von J.K.Rowling kann man auch so einiges lernen. Gerade bei "wo kommen die Begriffe her": Viele Zaubersprüche und Eigennamen kommen nämlich aus dem Lateinischen oder Griechischen. Genauso, wie ein großer Teil unserer Sprache.

Und wenn es mal etwas völlig Verrücktes sein darf, das aber durchaus auch inspirierend ist: "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams.

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@RedPanther

Gut, aber das gehört doch alles zur Belletristik?

Also Harry Potter könnte man meiner Meinung nach durchaus noch ins Genre 'Jugendroman' einordnen. Es ist grenzwertig. Und wer ein großes Latinum hat, der lernt durch all die Begrifflichkeiten auch leider nichts mehr :^).

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@SchmutzFinger

Ich weiß nicht, wie weit du die gelesen hast; ich finde die späteren Teile entschieden zu krass, um das Ganze als Jugendbücher zu bezeichnen. Wenn selbst ich als geübter Leser beim vierten, fünften Mal lesen noch "Ach so ist das"-Erkenntnisse hatte und erst begriff, was da eigentlich alles hinter steckt...

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@RedPanther

Auch wenn du nicht danach gefragt hast, aber wir habens grad davon: Unheimlich fordernde Lektüre findest du von Edgar Allan Poe. Wenn du auf seichten Horror stehst, kann ich dir das nur ans Herz legen.

Zu Harry Potter - yes. Schätze die Gute hat über die Jahre dazugelernt. Leider hab ich die späteren Teile nicht gelesen. Hänge irgendwo bei Teil 3 fest.

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@SchmutzFinger

Danke für den Tip... mir gehts aber beim Lesen nicht darum, gefordert zu werden. Für mich ersetzt das Lesen den Kinobesuch... sprich, ich möchte quasi Blockbuster zum Selbervorstellen.

Man könnte es bei Harry Potter auch so sehen, dass JKR die Geschichte mit ihren Lesern wachsen ließ ;) Ich war beim 6. und 7. Teil doch erstaunt, wie klar sie beim Schreiben des ersten Teils schon wusste, wie das Ende aussehen wird. Entweder das, oder sie hat es geschafft, zufällig hingeworfene Steine nachträglich zu einem stabilen Fundament umzudichten.

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Ein Synonymwörterbuch sollte dein ständiger Begleiter sein! Vorallem die Adjektive und Verben müssen perfekt passen. So erweiterst du mit der Zeit deinen Wortschatz gewaltig, was sich dann auch bei deinen Schreibereien wiederspiegelt. Viel Spass und Erfolg dabei!

Hilfe! Ich kann nicht spontan UND fehlerfrei reden?!

Hallo,

also wenn ich SMS schreibe oder chatte oder so, kann ich mich gut und fehlerfrei ausdrücken, im Unterricht auch. Ein Problem ergibt sich jedoch dann, wenn ich spontan reden muss. Also im Unterricht beispielsweise wird ja eine Frage gestellt, dann hat man ein paar Sekunden Zeit sich zu überlegen, was die Antwort ist und wie man sie erklärt und dementsprechend überlege ich mir schon einmal die Formulierung dafür, falls ich drangenommen werde. Wenn ich jedoch spontan mit jemandem rede, also mich unterhalte (und da habe ich ja vorher keine Zeit mir zu überlegen, was ich antworten werde, sondern nur eine grobe Vorstellung vom Inhalt), sind meine Formulierungen grammatikalisch oft krumm oder auf irgendeine Weise falsch.

Dann passt der Artikel nicht zum Nomen, das ich verwende oder solche Sachen halt. Ich bin einsprachig aufgewachsen, also kann es nicht daran liegen, dass ich die Grammatik mit einer anderen verwechsle. Oft liegt es jedoch daran, dass ich einfach so viele Gedanken im Kopf dabei habe und nicht weiß, wie ich die "verpacken" soll und dann unterlaufen mir schnell solche Fehler. Häufig kommt es auch zu diesen "Versprechern", wenn ich mich mit Leuten unterhalte, die ich nicht so gut kenne und das Gespräch insgesamt distanzierter ist. Ich glaube das liegt daran, dass ich beispielsweise mit meinen Freunden auch häufig Umgangssprache spreche und ich da die Wörter verwende, die ich einfach so für den normalen Gebrauch verwende und die leichter von der Zunge gehen oder auch manchmal so englische Wörter reinmische, aber wenn ich mit "Fremden" spreche, möchte ich mich nie so umgangssprachlich ausdrücken und dann ersetze ich manche Formulierungen durch "bessere" und dabei kommt es dann oft zu Unstimmigkeiten in der Grammatik :S Ich bin eine Person, die dazu tendiert, schnell zu reden und deswegen kommt es noch eher zu diesen Fehlern, aber heutzutage bemühe ich mich schon dazu, langsamer zu reden, damit ich Fehler vermeide, aber das reicht wohl nicht aus, weil es trotzdem geschieht.

Habt ihr Tipps, wie ich meine Satzrichtigkeit verbessern kann? Wie gesagt, normalerweise ist mein Grammatik echt nicht schlecht, nur spontan haperts :( Und bitte kommt mir nicht mit "Überlege dir die Antwort, bevor du antwortest", denn so viel Geduld will ich meinen Gesprächspartnern nicht abverlangen^^

Dankeschön:)

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