Wie ist eure Meinung zur "Partei der Humanisten"?

12 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Hi

Ich hab mich ein bisschen mit denen beschäftigt vor etwa 2 Jahren, auch einige Dikussionen und so gesehen, Parteiprogramm mal durchgelesen usw.

Ich bin jetzt nicht tief eingetaucht oder kenne da Leute.

Ich bin dem ganzen ideologisch recht nahe. Aber mir sind so 2 3 Sachen aufgefallen.

Die scheinen mir sehr paranoid gegenüber Unterwanderung und ideologischen Meinungsverschiedenheiten zu sein. Man muss quasi den Grundwerten völlig zustimmen, gestritten wird dann nur auf der Sachebene. Das finde ich irgendwie eng und sektiererisch-sektenhaft.

Die Liste was man alles nicht sein darf wenn man da rein will ist z.B. super lang.

Dann glaub ich dass die Partei irgendwie unterschätzt, wie schwierig es ist bei komplexen Problemen einen richtigen Weg durch Evidenz zu klären. Zum Beispiel war das Ergebnis ich glaub in Baden-Württemberg was man für die Energiewende machen sollte: Gaskraftwerke. Ja toll. Das ist äh dann das Eingeständnis dass es nichts zu gewinnen gibt.

Ich könnte mir durchaus vorstellen die zu wählen falls ich die Ergebnisse ihrer Entscheidungsprozesse gut fände. Aber das ist nicht gesagt. Ich werde sie auf jeden Fall checken vor der nöchsten Wahl.

PS

Den Antinationalismus teil ich auch nicht.

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Sie schreiben bei den Aufnahmekriterien aber zumindest, dass man nicht direkt abgelehnt wird, wenn man in einer Organision ist, die auf deren Liste steht.

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@1n9d9c4

Ja, aber... wie sinnvoll ist es dass ich quasi ne ideologische Prüfung über mich ergehen lassen muss wenn ich da eintreten will?

Ich guck mir es mal nochmal an ob ich da überhaupt eintreten könnte.

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@Grobbeldopp

Ich finde es zumindest nicht komplett sinnlos. Man sollte aber natürlich nicht vorverurteilen und jedes noch so kleine Detail negativ auslegen.

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@1n9d9c4

Ja, also nee, ich kann nicht beitreten. Ich stolpere schon über das Leitbild, ich will den Transhumanismus nicht unkritisch unterschreiben. Ich will es auch nicht ablehnen, aber ich möchte bzw. kann nicht sagen ich bin Transhumanist, messt mich daran.

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@Grobbeldopp
Ja, aber... wie sinnvoll ist es dass ich quasi ne ideologische Prüfung über mich ergehen lassen muss wenn ich da eintreten will?

Das ist brilliant. zumindets in Anbetracht der beschränkten Möglichkeiten, die ein Parteiensystem bietet.

Einzig so kann man versuchen sicherzustellen, dass die Partei tatsächlich die Interessen vertritt, die sie repräsentieren soll und nicht als Populismusmaschinerie missbraucht wird.

Man Betrachte nur alle größeren Parteien. Die Politik der Grünen ist nur bedingt grün, die der SPD kaum sozial und die der Christdemokraten nichteinmal ansatzweise christlich oder demokratisch.

Schlußendlich verkommnen alle größeren Parteien mit der Zeit zu bloßen Scheinkulissen, die es einzelnen ermöglichen, ihre eigenen interessen als Demokratie zu tarnen. Genau das versucht eine Ideologieprüfung zu verhindern.

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@Destranix

Also im Moment verhindert die Ideologieprüfung erfolgreich, dass ich und andere der Partei beitrete weil ich zu konservativ/ Fortschrittsskepsisoffen bin und andere irgendwas anderes am Leitbild nicht blanko unterschreiben. Sie hat 1500 Mitglieder... LOL.

Dagegen kann es noch passieren, dass die SPD oder gar die Grünen, wegen ihrer Fassadenhaftigkeit und Flexibilität, in 10 20 Jahren für skeptisch orientierte linksliberale wählbar sind

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@Grobbeldopp
lso im Moment verhindert die Ideologieprüfung erfolgreich, dass ich und andere der Partei beitrete weil ich zu konservativ/ Fortschrittsskepsisoffen bin und andere irgendwas anderes am Leitbild nicht blanko unterschreiben

Skepsis ist gut. Das einzige, was gefordert wird, dürfte sein, dass du bereit bist, deine Skepsis in Einzelfällen diskuttieren zu können, sodass schlußendlich entweder andere durch deine Kritik bessere Vorschläge generieren oder du erkennst, dass deine Kritik durch durch entsprechende verbesserte Vorschläge bereits hinfällig ist.

Sie hat 1500 Mitglieder

Schade. Aber das liegt wohl auch schlicht am Inhalt der Partei.

Ich selbst habe gerade deren leitbild überfolgen und find ewirklich erstaunlichst viel Übereinstimmung mit deren Programm. Manche Pukte sind zwar verbesserungswürdig, allerdings nur in geringem Maß. An sich wird die Partei ihren Prinzipien gerecht und bietet in vielen Bereichen genau dieselben Lösungen an, die ich mir selbst auch erarbeitet habe.

Dennoch, obwohl ich mir bewusst bin, dass ich einige Punkte sicherlich verbessern könnte, würde ich der Partei nicht beitreten. Sei es aus Faulheit oder weil ich fürchte, nichts verändern zu können oder da ich dadurch Gefahr laufe etwas zu unterstützen, was ich nur bedingt überblicken bzw. kontrollieren kann.

(Ich gehe davon aus, dass dies dieselben Gründe sind, die schon in der Antike verhinderten, dass die Menschen an die Macht kommen, die für Kritik offen sind, aus ihr lernen und zielbasiert Entscheidungen anpassen.)

Wenn das mir so geht, dann womöglich auch anderen, die ähnlich denken. Zudem ist womöglich auch nur ein kleinerer Prozentsatz der Bevölkerung in der Lage, die Sinnhaftigkeit des Programms ohne weitere Erklärungen voll nachvollziehen zu können.(Liese sich sicherlich lösen, wenn die Menschen fragen würden, aber das tun sie leider oft nicht.)

Dagegen kann es noch passieren, dass die SPD oder gar die Grünen, wegen ihrer Fassadenhaftigkeit und Flexibilität, in 10 20 Jahren für skeptisch orientierte linksliberale wählbar sind

Dabei fällt mir ein weiterer Punkt ein, der verhindert, dass Parteien, wie die Humanisten, an die Macht kommen.

Sie sind schlicht nicht bekannt und haben auch wenig Chancen dazu.

Das betrifft generell alle kleineren Parteien, denn das deutsche parteispendensystem ermöglicht es großen Parteien, extrem große Werbekampangen mittels ihrer Spendengelder zu finanzieren.

Kleine Parteien haben da kaum eine Chance mitzuhalten.

(Das ist übrigens auch ei8n Punkt, den ich im Program der Humanisten fand. Diese schlugen als Lösung eien Deckelung der Parteispenden vor. Ich hätte diese eigentlich eher ganz verboten, eine Deckelung der Gesamtspenden hätte aber durchaus einen ähnlichen Effekt.)

Übrigens sei auch hier anzumerken, dass bereits Cicero von diesem Problem wusste und es kritisierte.(Genauso wie manch andere Punkte, wie Korruption und die fehlende Macht des Volkes zwischen den Wahlen)

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Ist keine Partei, die irgendwie machttechnisch relevant wäre. Sie zu wählen hätte reinen Symbolcharakter. Die Überschneidungen mit der Giordano Bruno Stiftung sind sehr groß. Die Stiftung finde ich sehr gut, so dass ich der Partei gegenüber erst mal sehr aufgeschlossen bin.

"Die weltweite demokratische Vereinigung aller Staaten ist unser großes Ziel für die gesamte Menschheit."

Wir können derzeit nur mit Mühe die Europäische Union mit der Reformunwilligkeit der Großen Koalition in Berlin zusammenhalten. So sehr ich die Vereinigten Staaten von Europa begrüße, oder wie es die Humanisten nennen - woher der Name? - "Bundesrepublik Europa", ich denke ein Weltstaat wäre kontraproduktiv, nicht erstrebenswert und zu unterscheidlich sind unsere Wert- und Kulturvorstellungen.

Erzähl einem Amerikaner einmal etwas von einem Waffenverbot und die werden dich für verrückt erklären. Russlands Liberale kann man an einer Hand abzählen, deren Hang zur Autokratie ist nicht nachvollziehbar und auch unser Zwist mit der Türkei stellt uns vor Herausforderungen.

Die Humanisten geben keine Antworten auf die derzeitigen Debatten und Probleme Europas:

Wie sollte man die Eurokrise lösen? Wie kann man das Demokratiedefizit der Union aufheben? Energieunion? Volksentscheide in Europa? Wie sollen sich die EU Organe verändern um mehr Transparenz und schnellere Entschiedungsfindungen zu ermöglichen? Türkei rausschmeißen oder Türen offen halten?

Bedingungsloses Grundeinkommen: Dieser Vorschlag hat durchaus meine Sympathie, aber die Gestaltung des WIE wird im Programm leider auch nicht ausführlich erläutert. Wie hoch soll das Grundeinkommen sein? Wie wird es finanziert? Wie das Steuersystem verändert? Wie geht man mit dem regionalen Preis-Leistungesverhältnis um?

Vor allem ist das Grundeinkommen ein langfristiges Ziel. Was soll sich kurzfristig in der Steuer- und Sozialpolitik ändern? Abschaffung der Hartz 4 Sanktionen? Leiharbeit- und Zeitarbeit? Erhöhung des Spitzensteuersatz? Vermögenssteuer? Steuerfreibetrag erhöhen? Erbschaftssteuer erhöhen?

Wie sieht es mit dem Wohnungsbau aus? Mit dem Pflegenotstand?

Die Forderung der Bürgerversicherung unterstütze ich, aber sollte es wirklich eine europäsiche Bürgerversicherung geben? Das Gesundheitssystem bei vielen unseren Nachbarländern ist entschieden besser und gut so wie es ist. Insbesondere in Nordeuropa.

Umwelt-Klima: Technologieoffenheit schön und gut, aber wie steht die Partei der Humanisten zum Kohleausstieg? Dem Aus für den Verbenner? Zum Dieselskandal? Elektroautos? Plastiktütensteuer? CO2 Steuer? Das ist zu wenig ausführlich für ein existenzbedrohendes Thema.

EU-Armee: Mir fehlt das klare Bekenntnis im Grundsatzprogramm zur NATO.

Auch die Außenpolitik ist nicht klar genug definiert: Ist die Partei der Humanisten pro amerikanisch oder einer dieser weltfremden Putinversteher, die alles tolerieren, was vom Kreml kommt? Sanktionen gegen Russland verschärfen oder abschaffen?

Da steht nichts oder ich muss es übersehen haben.

Koalitionsabsicht? Mit Schwarz-Gelb bekommt man keine derartigen Reformen durch. Wenn schon müsste sich die Partei der Humanisten Rot-Grün anschließen. Und da fehlt mir auch das klare Bekenntnis im Programm.

Und vor allem wäre eine weitere progressive Partei erstrebenswert? Wäre es nicht besser die bestehenden drei zu verbessern? Eine weitere Aufspaltung der Parteienlandschaft käme nur den Konservativen zugute.

Und mir fehlt ein Stück weit das Alleinerkennungsmerkmal dieser Partei. Ich habe vor allem viel über Europa gelesen, aber keine wirklichen direkten Reformvorschläge, wie es Macron tut.

Auch zu Bildung/Schule bin ich etwas unzufrieden. Kostenlose Schulbildung vom ersten Tag des Kindergartens bis zum letzten in der Universität gut und schön. Das verlorene und überfällige Versprechen der SPD. Aber wie stehen die Humanisten zu G8/G9? Zentralabitur? Kopfnoten? Einheitliches Schulsystem in Deutschland? Mehr Fächerangebote? Mehr Wahlfreiheit?

Und Englisch als Zweitsprache in Deutschland zu fordern würde ich entschieden ablehnen. Die meistgesprochene Muttersprache in Europa ist Deutsch. Neben Irland spricht kein einziges Land in der EU der 27 mehr Englisch. Diese Sprache wird überbewertet.

Aber bevor ich diese Parteienwahl in Betracht ziehe, müssten diese eine realistische Chance haben die 5% Hürde zu überwinden. Sonst ist die Stimme verloren. Ich würde eher lieber gerne Rot-Rot-Grün ausprobieren, eher man andere Alternativen in Betracht zieht. Ein Versuch schadet nicht.

Aber dass die Humanisten Tempolimit und Frauenquote ablehnen rechne ich denen hoch an. Diesen liberalen Touch vermisse ich bei SPD, Grüne und Linkspartei.

Die Humanisten geben keine Antworten auf die derzeitigen Debatten und Probleme Europas:

Über wichtige und essentielle Themen wird ja auch heutzutage nicht wirklich debattiert!

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Englisch ist ohnehin Weltsprache und wird in jedem Schuljahr gelehrt. Als Zweitsprache noch mehr darauf zu setzen ist einfach Schwachsinn.

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Was bedeutet "willkürliche Beschneidung" Im Prinzip ist es ja nichts schlimmes. Religiös, traditionelle Beschneidung ist wiederum etwas anderes.

Eine strikte Trennung von Staat und Kirche wird nicht möglich sein. Zumal es falsch wäre.

Zum einen bauen unsere wichtigsten Gesetze auf religiösen Werten auf und zum anderen kann sich die Kirche nur an die modernen Gegebenheiten anpassen, wenn sie mit im Boot sitzt und nicht nur am Straßenrand sitzt.

Eine willkürliche Beschneidung ist eine Beschneidung, die medizinisch nicht notwendig ist. Eine Vorhautverengung kann man heutzutage auch mit einer Salben- und/oder Dehntherapie behandeln ohne etwas gegen den Willen des Kindes wegschneiden zu müssen.

Bei der Trennung von Staat und Kirche geht es den Humanisten unter anderem darum den Unterricht in der Kirche neutral zu gestalten. Derzeit werden die Kinder ja nach Konfession (katholisch, evangelisch, Sonstige) getrennt unterrichtet. Die Humanisten wollen, dass alle in einen gemeinsamen Ethikunterricht gehen, der neutral über alle Religionen informiert.

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@1n9d9c4

Also ich wurde auch beschnitten als Kind wegen einer Vorhautverengung. Habe ich kein Problem mit, habe ich weniger zu waschen.

Alle Religionen zusammen zu unterrichten mag keine schlechte Idee sein, aber treib mal Lehrer auf die wirklich auch vernünftig über alles informieren können.

Davon abgesehen wird im Religionsunterricht auch immer über die anderen Religionen gelehrt. So ist das nun auch wieder nicht.

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@peoplelife

Kann ja sein, dass du kein Problem damit hast keine Vorhaut mehr zu haben. Das trifft aber nicht auf alle zu. Daher wäre es doch besser nur dann eine Beschneidung zu empfehlen und durchzuführen, wenn es keine andere Möglichkeit der Therapie mehr gibt oder wenn das Kind es selbst auch will.

Im Ethikunterricht werden derzeit ja schon Christentum, Judentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus durchgenommen, was ja schon ausreichend ist und da katholischer und evangelischer Religionsunterricht sich doch eh kaum vom Ethikunterricht unterscheidet, kann man doch auch gleich alle in den selben Unterricht stecken, oder?

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@1n9d9c4

Was willst du alle in den selben Unterricht stecken?

Du hast je 30 Christen und Muslime.

Machst du eine Klasse mit je 15 Leuten brauchst du trotzdem zwei Lehrer. Also, bürokratischer Schwachsinn und ob es das gegenseitige Verständnis fördert wage ich zu bezweifeln.

Dafür könnte man ein Pilotprojekt starten.

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@peoplelife

Bisher hat es doch auch funktioniert, dass Schüler verschiedener Konfessionen im Ethikuntericht über andere Religionen informiert wurden. Warum sollte das denn jetzt plötzlich nicht mehr klappen?

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@1n9d9c4

Aber er ist Bekenntnisorierntiert das bedeutet eine seiner Ziele ist es den Schülern den christlichen Glauben Nahezubringen. Das wäre bei einem Religionskundlichen Unterricht anders.

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Stand letzte Europawahl war das die beste der wählbaren parteien.

Wie es derzeit aussieht, weiß ich nicht, ich gehe aber davon aus, dass deren Wahlprogramm nach wie vor sinnvoll ist. Bei dne nächsten Wahlen müsste ich mich da aber genauer informieren.

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