Welches Buch ist das Beste von F.M. Dostojewski?

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12 Antworten

Davon mal abgesehen, dass hier manche eher ihr Wissen zur Schau stellen wollen: Manchmal geht es nicht nur um Inhalt. Erst mal: Ich fand "Schuld und Sühne" und "Der Idiot" unglaublich, allerdings kann man das bei Dostojewski nicht auf 1-2 Werke münzen. Also: Wenn mir jemand z.B. erzählt hätte, worum es in "Der Spieler" geht, wäre ich nicht gerade umgehauen. Genauso wie mit "Der Idiot". Ob es nun ein Krimi ist oder ein Märchen. Die Handlung wirkt auf ihre bestimmte Art. Aber "Der Idiot" hat mich umgehauen und "Schuld und Sühne" hat meine Paranoia und Schlafstörungen nur noch verstärkt. Das macht gute Bücher aus. Mir ist es fast schon egal, welche Themen seine Werke beinhalten. Auch nicht, wenn es um seine Erfahrungen als Spieler geht. Es ist die Besessenheit, der Wahn und dieser, dem Wahn, entgegengesetzten und doch so gut dazu passenden Bodenständigkeit des Spielers. Ich habe ein Problem mit Sachen wie: Ich find's toll, wie er seine Gefühle und Gedanken auf den Punkt bringt oder die Gesellschaft kritisiert etc., auch wenn es genau diese Dinge sind, die uns dazu verleiten, ein Buch gut zu finden. Ich kann z.B. nie begründen, wieso ich durchdrehe, wenn ich Dostojewski oder Kafka lese. Es kommt halt darauf an, wie sie auf den Leser wirken. Und um mit Kafka abzuschließen: "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

Ich finde erstaunlicherweise den "Jüngling" sehr gut. Erstaunlicherweise, weil das Buch (wie auch hier) nur selten genannt wird. Ich finde die Perspektive eines werdenden Erwachsenen spannend. Es ist eine gewisse Hoffnung dabei und die Gegenüberstellung eine jungen unvoreingenommenen Verstandes und der starren "alten" Welt. Ansonsten sind die Standardwerke auch wirklich zu Empfehlen. "Der Idiot" hat einfach eine brilliante Zusammensetzung von Charakteren. "Der Spieler" ist autobiographisch und Dostojewskij hatte ja meisterhaft das Innenleben studiert. Welches könnte er besser beschreiben als sein eigenes? Und das innere Ringen mit sich selbst in "Schuld und Sühne" ist Weltklasse. Geheimtipp: "Aufzeichnungen aus dem Kellerloch".

Natürlich eine Geschmacksfrage. Schuld und Sühne hatte früher auch den Titel Raskolnikow. raskoloto ist russisch und heißt gespalten. Somit Raskolnikows Name für den Roman Programm. Er ist sich nicht sicher was richtig und falsch. Diese psychsche aber auch intellektuelle Spaltung versucht er das ganze Buch über in den Griff zu bekommen. Man liest also erst in zweiter Linie einen Krimi. Vorangig ist ein Psycho-Drama um das Thema Mensch und Gott. Sehr spannend. Wie ich finde, aber auch sehr kopflastig und vielschichtig. Meines Erachtens kein Buch zum Einstieg.

"Der Spieler": Ein guter Einstieg. Ein spannedes Büchlein, insbesondere, da es fast ausnahmslos autobiographisch ist.

"Aufzeichnungen aus dem Totenhaus": völlig autobiographisch. Er beschreibt die unfassbare Zeit seiner vierjährigen Verbannung in einem Gulag. Das Buch ist sehr fesselnd.

Novellen: Hat er auch eine Menge geschrieben. Das ist etwas für Schöngeister. Zu empfehlen wäre da z.B. "Weiße Nächte"

Abzuraten ist nach meinem Dafürhalten als Einstieg non "Die Brüder Karamsow", Das Buch ist extrem vollgestopft mit philosophischen Exkursen. Da sollte man schon ein wenig "Dostojewski-gewohnt" sein, aber auch etwas von Dostojewskis Biographie kennen.

Gleiches gilt für "Der Idiot"

Ein packender Einstieg könnte noch "Die Dämonen" sein. Wenn ich zwei Schlagwörter geben müsste, wären das Nihilismus und Revolution. Langweilig wird einem bei diesem Buch nicht.

Ich habe mich Dostojewski übrigens über seine Biographie angenähert, die um keinen Deut harmloser als all seine Bücher ist.

Wer über die Biographie einsteigen will, der ist eventuell hier gut aufgehoben: http://dostojewski.npage.de/

Ich würde dir auch "Schuld und Sühne" empfehlen. Inhaltlich hoch interessant, ich habe nie etwas Vergleichbares gelesen, dass so ins Innere einer Seele vordringt. Allerdings ist es auch schwere Kost. Es liest sich relativ langsam. Aber ich bin froh, dass ich mir dieses Buch gelesen habe. Es hat mir viel gegeben.

Also "Schuld und Sühne" war für mich das beste Buch von ihm, da es sehr genau die Gefühle eines Menschen beschreibt. Man ist beim Lesen des Buches genauso depressiv wie der Protagonist so gut konnte Dostojewski die Stimmung einfangen.

"Der Spieler" ist gut weil er darin seine eigene Spielsucht verarbeitet hat.

Kommt jetzt natürlich auch darauf an welche Themen dir eher zusagen. Lies am besten mal die Inhaltsbeschreibungen der Bücher im I-net und such dir die Geschichte heraus die dir am meisten zusagt.

Gute Antwort, hätte ich nicht besser ausdrücken können. DH

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"Ich will Dostojewski nicht lesen. Ich hab selber Angst." :D :D

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Wie hier bereits angesprochen, wäre "Schuld und Sühne" oder "Raskolnikov" zu empfehlen, ein Buch von dem es eine genauso Furcht erregende Verfilmung gibt - "Raskolnikow" von Robert Wiene, 1923.

Grundsätzlich ist Dostojewski nur gereiften Gemütern zuzumuten, die extremen Beschreibungen der Milieus im frühen Russland und der Lebensverhältnisse dort, gehen schon an gewisse Grenzen.

Ein verstorbener Freund von mir war ein extremer Leser dieser Bücher (er hatte Dostojewski nach seinen Aussagen komplett gelesen, ..) und das hat seine recht negative Lebenseinstellung und Grundhaltung recht stark beeinflusst, ...

Kinski hat in seinen Vocal Aufnahmen in den 1970ern bezeichnenderweise recht brutale Szenen daraus "vorgetragen", ...

Ich würde eher Tolstoi empfehlen der auch eine negative aber "konstruktivere" Lebenshaltung vertreten hat.

Für den Einstieg ist 'Schuld und Sühne' vielleicht am besten geeignet, weil die Story sehr zwingend ist. Aber lesen muss man alles von ihm, wenn man erst mal angefangen hat.

Ich bezweifle, daß man Dosojewski in deutschen Landen (mit PC und TV im Nebenzimmer, handy und i-pod am Ohr) heute noch so empfinden kann, wie zu der Zeit als ich ihn gelesen habe: Es gab Ad0lfs Volksempfänger bzw. seinen ersten Nachfolger, den man hören konnte mit all den Weltraum-Nebengeräuschen wie vom Mars, der (eine ) Winter hatte minus 20°C, sodaß ich Iglu bauen konnte und ein Kanonenofen war neben dem Küchenherd die einzige Erdgeschoßheizung.

Da habe ich den IDIOT gelesen und natürlich Schuld und Sühne (den man um Gottes willen nicht nach der Übersetzung von 'Svetlana Geier' umbenennen darf in 'VERBRECHEN UND STRAFE' - was für ein IRRSINN !!).

Es kommt also auf Deine GANZ PERSÖNLICHE Lese-Situation an, auf dein Alter, auf Dein häusliches Umfeld.

Die Brüder Karamasow, ja, natürlich. OHNE Dich zu kennen, kann ich Dir nicht raten - aber MEIN HERZ geht auf, wenn ich nur an diese 3 Titel denke - vor 45 Jahren ! Aber ich habe MEHR von ihm gelesen. Lass doch den Quatsch, oben auch noch TOLSTOI reinzuquetschen !! Das ist etwas GAAAAANZ anderes.

Eigentlich heisst das Buch "Verbrechen und Strafe" auf Russisch. Es klingt eben nicht so schön im Deutschen, aber genaugenommen ist "Schuld und Sühne" ein erfundener Titel.

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@aptem

@Aptem: Meine Familie hat traditionsgemäß mit Lautmalerei der deutschen Sprache FACHLICH zu tun. Nun lassen Sie sich mal das 'U' von Schuld und das langgezogene 'Ü' von Sühne genießerisch aus der Tiefe Ihres Bauches über die Lippen gehen; das ist ALTES TESTAMENT !! Und auch wenn Swetlana im Spiegelgespräch sagt "Das kann man doch einfach nachschlagen" hat sie literarisch unrecht und ist der 'Erfinder' der ANDEREN Titels der Schriftsteller und sie bleibt 'Übersetzerin'.

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@ Ulenvater - ich finde sie übertreiben ein wenig und machen es damit nicht "besser", ist wahrscheinlich ihre Absicht?

Das Buch ist auch so grauenhaft genug und wenn man ein bisserl Verstand hat, ist man froh darum bisweilen elektrischen Strom zu haben und dergl. und nicht in jenen Verhältnissen leben zu müssen,...

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@Sajonara

@Sajonara: Reine VERSTÄNDNIS-Frage: Womit übertreibe ich ? Ich weiß nicht, was Sie mir sagen wollen. Als erstes habe ich DER IDIOT gelesen, der als eine Art CHRISTUS-Figur verstanden wird mit dem ganzen strengen russisch-orthodoxen Hintergrund, den ich jede Woche 'in natura' erleben (und daher bestätigen) darf. Und wenn Sie erheblich jünger sind als ich, wissen Sie nicht, von welchen Verhältnissen ich rede. Ich treffe TÄGLICH in der Öffentlichen junge Menschen, die ihr handy garnicht erst einstecken, weil sie jede Minute hoffen, 'gebraucht' zu werden. Da DENKT man auch anders! Ja, 'Elektrisch' hatte ich in meiner Jugend schon, aber auch 3 km zur Schule - selbstverständlich damals zu Fuß. Und ich kannte Victor HAYNBERG einen Weißrussen, der den Zaren noch gesehen hat und mir von 'Petersburger Eisverkäufern' erzählte und junge Frauen mit Hälsen malte, die nicht weniger lang waren, als bei seinen Troika-Pferden.

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ich mochte bisher alles von dostojewskij, deswegen fällt es mir schwer da eine reihung vorzunehmen.

wenn du ihn noch nie gelesen hast, kann ich dir für den anfang "der spieler" empfehlen, das war mein einstieg in das dostojewskij-universum und die russische literatur überhaupt.

"der spieler" handelt von mehreren personen die finanziell ruiniert sind, und dies in einem deutschen kurort voreinander zu verbergen versuchen. warten auf das große geld, intrigen, spielsucht, ... - grotesk-genial und mit vielen autobiographischen zügen dostojewskijs.

danke, den spieler hab ich schon gelesen, außerdem "die Sanfte" und "der Idiot"

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Ich finde alles von Dostojewski toll :D Naja wenn ich spontan die ersten beiden die mir einfallen würden nenne wären es "Der Idiot" und "Die Dämonen". Aber die anderen sind auch nicht schlechter ;)

Die Brüder Karamasow

Einer der grössten Romane aller Zeiten

Von allen Romanen der schwächste, denn ich mal schnell durchgelesen habe um die Bekanntschaft zu machen. Ausnahme ist das Buch von Iwan, dass eigtl. ein eigenständiges Werk ist.

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@aptem

Deine Meinung.

Ist ja auch immer Geschmackssache. Für mich kommt Dostojewski ohnehin nie an Tolstoi heran.

Aber auch pers. Meinung und Geschmackssache.

Andere sehen das wieder anders.....

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Idiot! Einfach der Hammer, über einen geistlich behinderten jungen Mann, der seinen Verstand wiedergewinnt....träum Und vergessen Sie den Film nicht!!!

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