Was meint Ludwig Feuerbach in seinem Text "Gott ist eine Projektion"?

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Ludwig Feuerbach vertritt die Ansicht, dass die Menschen die göttlichen Wesen im Bewusstsein und als Ausgleich ihrer eigenen Unzulänglichkeit erfunden haben. Gott als Idealbild verkörpert all jene Eigenschaften, die die Menschen als tugendhaft, aber weitgehend als unerfüllbar empfinden.

Deshalb muss es ein Wesen geben, welches dem menschlichen Wunsch nach Vollkommenheit entspricht. Es werden genau diese idealen Eigenschaften, wie Unsterblichkeit, Ewigkeit, Allmächtigkeit... auf die Figur von Gott projeziert.

Ein sehr anschauliches Schema zu diesem Thema findest Du unter folgendem Link:

http://arturleinweber.de/schule/religion/projektionstheorie_ludwig_feuerbach.php

Wirklich sehr anschaulich, vielen Dank!

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Feuerbach hat eine sehr deutliche Entwicklung vom Idealisten zum Empiriker durchgemacht. Hier ein Zitat aus der späteren Phase:

"Der religiöse Glaube im Sinne hergebrachter Religionen ist letzterem vor allem ein Bildungshemmnis, das die Entwicklung einer echten Persönlichkeit verhindert. Bereits im „Bayle“ sagt er: „Erkennen wir, dass es kein Heil für die Menschen außer der Vernunft gibt! Der Glaube mag den Menschen beseligen, beruhigen; aber soviel ist gewiß: Er bildet, er erleuchtet nicht den Menschen; er löscht vielmehr das Licht im Menschen aus, um angeblich ein anderes, übernatürliches Licht an seine Stelle zu setzen.“33 Wahre Sittlichkeit ist für ihn eine Frage der Autonomie des Individuums, das ohne eigene Erkenntnis und damit ohne Bildung nicht zu haben ist: „Ich bin nur dann Mensch, wenn ich aus mir selbst das Menschliche tue, wenn ich die Humanität als die notwendige Bestimmung meiner Natur, als die notwendige Folge meines eigenen Wesens erkenne und ausübe.“

Es sei allerdings darauf verwiesen, dass sich hinter dieser noblen Haltung Feuerbachs immer noch Idealismus verbirgt; denn hier wird eine Art „Automatik“ unterstellt, dass mehr Bildung von selbst zu mehr Humanität führen werde. Inzwischen haben wir uns eines Besseren belehren lassen müssen, dass Bildung nicht nur nicht vor unsittlichem Verhalten schützt, sondern sogar, etwa in der instrumentellen Steigerung von bloßer technischer Effizienz im Dienst der Inhumanität stehen kann.

Zitiert nach Helmut Walther (Nürnberg) Die Ethik Ludwig Feuerbachs  Zitiert nach "Aufklärung und Kritik" 2/2011

hier der ganze Beitrag:

  www.gkpn.de/Walther_LF-Ethik.pdf

 

 

 

 

Die Projektionstheorie ist eine atheistische Erklärung für den Sinn von Religion und Gott durch Ludwig Feuerbach (1804-1872).

Demnach ist Gott nur die Summe aller Wünsche (nach Unsterblichkeit, Vollkommenheit, Glückseligkeit, Gleichberechtigung) jedes Menschen, die dieser aber nicht als Wünsche anerkennt, sondern in einer von sich selbst gebildeten Gottheit projiziert. Der Mensch wird als das negative Extrem dargestellt. Der Mensch ist endlich, sündhaft, unvollkommen und ohnmächtig. Der Mensch stellt sich seinen Gott dann mit seinen Wünschen vor, so wie er sein will: unendlich, ewig, vollkommen, mächtig und vor allem heilig. Dieser Gott wird benutzt, um den Mitmenschen eine Macht überzuordnen, mit der Autorität Gesetze zu erlassen, die von allen Mitgliedern der Gesellschaft beachtet werden. Damit sichert sich jeder Mensch seinen Schutz vor Übergriffen seiner Mitmenschen auf sein Naturrecht. Zugleich aber verliert er den Teil seiner Wünsche als Teil seiner selbst, daher ist Religion und die Vorstellung eines Gottes negativ zu betrachten und Feuerbach kommt zu der Forderung, Theologie müsse Anthropologie und Physiologie werden. Der Mensch muss für den Menschen das höchste Wesen werden.

Der deutsche Theologe Paul Tillich (1886–1965) hat sich oft mit dem Projektionsvorwurf Marx' und Freuds beschäftigt, so z. B. in einer Besprechung des Buches von Erich Fromm über »Psychoanalyse und Religion«. Er sagt, dabei würden zwei Dinge miteinander verwechselt: »Das, was projiziert wird, und das, worauf es projiziert wird, also das ›Bild‹ und die ›Projektionswand‹. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass, bildlich gesprochen, der Stoff, aus dem die Götter gebildet wurden, menschlichen Erfahrungen entstammt. Gute und böse Erfahrungen der Kindheit (Gott - der ›Vater‹) und des späteren Lebens waren dabei am Werke.« Die Bilder also, die Menschen von Gott haben, tragen sehr wohl den Stempel ihrer Erlebnisse, Wünsche, Ängste und Hoffnungen. Aber die Projektionswand, die sie benötigen, um sichtbar zu werden, sie ist etwas anderes: »Das bedeutet keineswegs, dass die »Projektionswand«, dass also Gott, »der letzte Grund alles Seins und Sinns, Grund und Ziel unserer Existenz, selbst eine Projektion ist.«

Warum also entsteht bei dieser ›Projektion‹ das Bild Gottes, das Bild eines Unendlichen, Göttlichen, Unbedingten, Absoluten und nicht nur wieder ein Doppelbild von uns selbst? Wir leben in einer Welt, die uns nur mit endlichen, bedingten Erscheinungen zu tun gibt, und doch finden wir in uns »ein Bewusstsein von etwas Absolutem«, gibt es für jeden von uns etwas, »was uns unbedingt angeht« und dem unser letztes Interesse gilt. Das nimmt der Glaube als Zeichen Gottes: »Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen.« So weit die Gedanken von Paul Tillich.

Wenn unter dem Stichwort „Projektionstheorie“ Ludwig Feuerbach als repräsentativer Autor genannt wird, so hat diese lexikalische Zuordnung allerdings eine fragwürdige Voraussetzung. Der Begriff „Projektion“ ist nämlich ein Interpretament der Nachgeborenen; Feuerbach selbst hat diesen Begriff in seinen religionsanalytischen Schriften ("Wesen des Christentums", "Wesen der Religion") nicht gebraucht.

Natürlich ist es nicht verboten, eine Theorie mit Begriffen zu beschreiben, die der Autor selbst nicht verwendet hat. Dabei ist aber zweierlei wesentlich zu wissen: nämlich dass es sich so verhält und dass der zur Auslegung verwendete Begriff die vom Autor intendierte Sache trifft.

Die Selbstverständlichkeit, mit der Feuerbachs Analyse der christlichen Dogmatik durch den Begriff „Projektion“ charakterisiert wird, lässt vermuten, dass viele sich dieser doppelten Schwierigkeit nicht bewusst sind.

Eine Untersuchung, die der Theologe Thilo Holzmüller zum Problem „Projektion“ bei Feuerbach vorgelegt hat, gibt zu dieser und ähnlichen Fragen gründlich Auskunft. Holzmüller untersucht die Grundzüge der Rezeptionsgeschichte der Feuerbachschen Religionskritik. Er zeigt, wie sich vor allem in der katholischen (hier wirkungsvoll Hans Küng), und evangelischen Theologie (hier Hans-Martin Barth) der Projektionsbegriff im Blick auf Feuerbach verbreitet. Holzmüller kommt zu dem Ergebnis, dass das psychologisierende Interpretament „Projektion“ die Religionskritik Feuerbachs abflacht. Was Feuerbach wirklich meint, wird erst erfahrbar, wenn Feuerbachs analytische Begrifflichkeit von der Entzweiung im menschlichen Wesen, seine Deformation und „Krankheit des Bewusstseins“ zu Rate gezogen werden.

Wie Feuerbach Gott und seine Wesensqualitäten als Vergegenständlichung des menschlichen Gattungswesens demaskiert (Holzmüller), mag für ein gläubiges Bewusstsein schwieriger zu verarbeiten sein. Um der Wahrheit willen ist es aber lohnend, die eingefahrene Rezeptionsspur zu verlassen.

Danke für die ausführliche Antwort!

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@LaDiabla

LaDiabla, du kannst das auch selber googlen, bei Tante Wiki! Dazu bedarf es keiner Plagiatoren wie "tiergartennbg"!

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@babulja

Da hast du natürlich völlig recht, und ich dachte mir schon, dass das jemand sagt ;) Ich hab das hier bloß für eine Quelle gehalten, wo ich vielleicht mehr verstehe, als bei Wikipedia. Dort habe ich auch schon geschaut, aber nicht die Erklärung für meine spezielle Frage gefunden. Letzten Endes hat mir eine Kombination aus beidem geholfen, es ganz gut zu verstehen.

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"Tiergartennbg" - In Zeiten gehäufter Plagiatsnachweise solltest Du dein Zitat aus Tante WIKI - Stichwort "Projektion"  - auch als solches kennzeichnen! 

Abschreiben und Klauen fremden Eigentums ist in diesem Land offensichtlich zur absoluten "Spitzenleistung" geistigen Schaffens geworden! - Gratuliere!!  

Ich wette, du hast selbst nicht ein Wort von dem verstanden, was du hier präsentierst!

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@babulja

@babuija: Der Verdacht hat mich auch beschlichen - ohne hier jemandem irgendwas unterstellen zu wollen...

Es ist immer sinnvoll einen Quellenvermerk anzufügen.

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Liebe/r tiergartenngb,

bitte achte in Zukunft darauf die Quelle anzugeben, wenn Du zitierst. Die Beachtung der Urheberrechte ist uns wichtig! Bitte schau diesbezüglich noch einmal in unsere Richtlinien unter http://www.gutefrage.net/policy. Die Beiträge werden sonst gelöscht.

 

Vielen Dank für Dein Verständnis.

Herzliche Grüße

Klara vom gutefrage.net-Support

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