Was bedeutet "formelhafte Wendungen (Märchen)?

2 Antworten

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Formelhaft bedeutet in diesem Zusammenhang, dass sich bestimmte Ausdrücke und Satzkonstruktionen in vielen Märchen wiederholen. An ihnen erkennt man z.B. Anfang und Ende eines Märchens, auch wenn man das Märchen selbst vorher nicht kannte.

Am bekanntesten sind in deutschen Märchen sicher die Formeln "Es war einmal..." und "Und wenn sie nicht gestorben sind..."


Fallen hierunter auch die Schicksale des häufigen Themas der drei Brüder, von denen die ersten beiden scheitern und der dritte Erfolg hat, wobei die Schicksale der ersten beiden wörtlich gleich sind bis auf Kleinigkeiten und das Schicksal des dritten am Anfang ebenfalls - bis zur entscheidenden Wahl eines anderen Weges? Oder der sieben Brüder, die jeder eine andere Ausbildung machen, aber jeder "blieb drei Jahre bei seinem Meister und lernte sein Handwerk. Uals er Geselle geworden war, verabschiedete ihn sein Meister mit den Worten ..."?

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@PWolff

Bei den "Formeln" geht es - meines Wissens - wirklich um die Formulierungen, die eins zu eins oder in nur leicht abgewandelter Form immer wieder auftauchen - und so bereits ab dem ersten Satz signalisieren: Aha, ein Märchen!

Die Inhaltlichen Ähnlichkeiten, Dreier- oder Siebenerkonstellationen, Widersacher vs. Held, Reise, Lösen von Aufgaben unter Zuhilfenahme von sog. "Zaubermitteln" (Dinge, die unterwegs ohne zunächst erkennbaren Sinn vom Protagonisten gesammelt werden, später aber bei der Aufgabenlösung zentral sind), würde ich eher als strukturelle Merkmale des Märchengenres bezeichnen.

Mein Seminar zur Märchentheorie ist aber schon eine ganze Weile her, so dass ich hier - ehrlich gesagt - nicht mit letzter Sicherheit argumentieren kann.

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Hier steht etwas dazu. 

Google: formelhafte Wendungen

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