Warum tragen einige Muslime Kopftücher?

6 Antworten

Da gibt es die verschiedensten Gründe. Ich versuche hier mal die gängigsten aufzulisten:

  1. Tradition/kulturelle Gepflogenheit: für einige Musliminnen ist es eine Selbstverständlichkeit, die nicht hinterfragt wird. Das Kopftuch wird meist so getragen, wie es der regionalen Sitte entspricht. Ähnlich wie viele "Bio-Deutsche" ihre Traditionen und kulturellen Gepflogenheiten pflegen und die Sinnhaftigkeit nur selten hinterfragen, wie z.B. die Kindstaufe oder die kirchliche Heirat.
  2. Religiöse Überzeugung: die wohl am häufigsten vorgebrachte Begründung, wenn Musliminnen nach den Gründen des Kopftuchtragens gefragt werden. "Überzeugte" Trägerinnen setzen sich nochmals bewusst von den "traditionellen" Trägerinnen ab und betonen dadurch ihre individuelle Entscheidung. Mit dem Tragen möchte man seine innere Haltung verdeutlichen. Außerdem sehen es viele als religiöse Pflicht an und zeigen so vermeintlich ihre Liebe zu Allah. Leider wird hier oft die Intention, ein Tuch zu tragen, missinterpretiert. Besonders gut zeigt dies die Muslima Samina Ali auf. Sie stellte heraus, dass es zwischen 600-800 im Raum Medina einige Probleme mit sexueller Belästigung gab, für deren Eindämmung Mohammed eine Lösung von Allah erbeten sollte. Damals war es so, dass es noch keine Kanalisation gab. Wollten die Frauen sich damals in der Nacht erleichtern, mussten sich raus aus dem Haus in die dunklen Gassen der Stadt. Einige Männer begannen darin eine Möglichkeit zu sehen, diese Situation für sich auszunutzen und die Frauen, die nachts allein unterwegs waren, zu belästigen. Kam jedoch eine Frau in einem Dschilbab vorbei, ließen die Männer sie in Ruhe, denn der Dschilbab war ein Statussymbol -wie heutzutage eine Chanel Jacke- und zeigte an, dass es sich um eine freie Frau und nicht um eine Sklavin handelte. Eine freie Frau wurde von ihrer Familie beschützt und hatte das Recht, den Angreifer anzuklagen. Eine Sklavin hatte nicht diese Möglichkeit. Und sobald eine Frau auf die Straße ging, die keine teuren Dschilbab trug, wussten die Männer, dass es sich um eine Sklavin handelt und belästigten sie, da keine Konsequenzen drohten. Da fragte Mohammed Allah. Dieser sagte, dass alle Frauen (auch die Sklavinnen) ihre Schleier über ihren Ausschnitt werfen sollte, damit man sie als "freie Frau" erkenne und nicht als Sklavin identifiziere. Im Grunde rät Allah also allen Frauen, sich ähnlich zu kleiden, sich also der Kleidung der Mehrheit anzupassen, damit man Sklavinnen nicht mehr von freien Frauen unterscheiden kann. Auf die heutige Zeit übertragen meint das, dass man sich als Muslimin nicht "auffällig" und andersartig kleiden sollte, sondern sich der Kleidung der Mehrheitsgesellschaft anpassen sollte, um keine Nachteile zu erfahren, was ja augenscheinlich immer weider der Fall ist, denn Musliminnen finden aufgrund des Tragens ihres Kopftuchs viel schlechter einen Job finden als diejenigen, die keines tragen. Somit ging es damals nicht unbedingt darum, dass die Frau sittsam sein sollte. Diese sehr konservative Sexualmoral, die es derzeit in einigen islamischen Richtungen gibt, ist erst von christlichen Puritanern in den Islam gebracht worden, denn der Islam war lange Zeit sehr augffgeschlossen in Bezug auo Sexualität und Freizügigkeit. Erst die KOntakte mit dem puritanischen Christentum zwängte dem Islam die strengen Sexualregeln auf.
  3. Religiös-feministische Gründe: Viele Musliminnen erkennen in ihrer Religion feministische Züge. Sie möchten von Männern nicht als Objekt der Begierde, sondern als respektiertes Individuum gesehen werden. Und Männer dürften auch nicht über sie als Frau verfügen, wie es ihnen beliebt. Sie wollen ihre Weiblichkeit nicht zur Schau stellen, weil sie nicht auf Äußerlichkeiten reduziert werden möchten- Gleichzeitig möchte man als Muslimin erkannt werden und damit zum Ausdruck bringen, dass man nicht verfgbar für den Mann ist. Leider ist es jedoch so, dass Frauen nur wenig dazu beitragen können, wie Männer sie sehen. Außnahme: man kleidet sich bewusst total sexy und aufreizend. Das dient schon einem bestimmten Zweck. Aber ich persönlich habe nicht den Eindruck, nur weil ich kein Kopftuch trage, dass ich gründsätzlich von den Männern weniger als Persönlichkeit gesehen werde. Und falls mich mal ein Mann wie ein "Objekt" behandeln sollte, dann liegt das wohl eher nicht daran, dass ich kein Kopftuch trage, sondern dass der Mann eine schlechte Erziehung genossen hat, bei der ihm nicht beigebracht wurde, dass Menschen, egal welchen Geschlechts, resoektvoll behandelt werden sollten.
  4. Aus Gründen des Protests und der Abgrenzung gegnüber der Mehrheitsgesellschaft: Viele Musliminnen haben hier in Westeuropa bestimmt schon einmal Ausgrenzungserfahrungen machen müssen. Wenn sich dies regelmäßig wiederholt und man immer wieder auf seine Herkunft oder Religion reduziert wird und das dann auch noch in abwertender Hinsicht, dann kommt es in entwicklungspsychologischer Hinsicht oft zu dem Phänomen, dass man sich plötzlich besonders mit den Merkmalen identifiziert, wegen der man ausgegrenzt wurde und läd diese Symbole der Andersartigkeit gleichzeitig mit positiven Eigenschaften auf. Beispiel Kopftuch: man stellte in Europa das Kopftuch lange Zeit als Symbol der Unterdrückung, des Patriarchats und des "Antifeminismus" dar. Für viele Musliminnen dreht sich die Bedeutung jedoch um. Sie lehnen die in ihren Augen negativen westlichen Gepflogenheiten ab, wie z.B. dass sich Frauen selbst auf ihr Äußeres reduzieren und sich zu Objekten degradieren. Durch das Kopftuch wollen sie Gleichberechtigung ausdrücken und als starke, unabjhängige Frau gelten, die es ernst zu nehmen gilt. Problematisch ist an dieser Haltung, dass damit oft eine gewisse moralische Überheblichkeit einhergeht, die dazu führt, dass sich eine Muslimin mit Kopftuch denjenigen ohne Koptuch überlegen fühlt, da sie nicht aktiv dazu beitragen würde, dass Männer sie ungefragt anbaggern. Man hört dann so Aussagen wie "kein Wunder, dass sie sexualle belästigt wird, sie drückt es durch ihre Kleidung doch schon aus." Und auch hier wieder mein Einwand, dass es gründsätzlich nicht die Schuld der Frau ist, wenn sie sexuelle Gewalterfahrungen macht, sondern es allein an den Männern liegt, wie respektvoll sie sich verhalten. Des Weiteren wollen auch die meisten Bio-Deutschen Frauen nicht als Objekt wahrgenommen werden. Sie sehen es aber nicht so, dass es dafür ein Kopftuch benötigt, sondern man muss ganz allgemein daran arbeiten, dass sich der Blick auf Frauen verändert. Das fängt bei der Werbung an, geht über Fragen der Zwangsprostitution usw. Da sollten wir ansetzen und nicht die Frau durch das Verschleiern noch weiter sexualisieren. Außerdem zeigen ja viele Studien, wohin die gezwungene Geschlechterapartheit führt: je weniger Jungen und Mädchen bzw. Männer und Frauen im Alltag miteinander in Kontakt kommen, desto häufiger kommt es zu sexuellen Straftaten. Erst das ständige Miteinander auf Augenhöhe kann dazu führen, dass sich beide Geschlechter besser verstehen und die Bedürfnisse des anderen kennen und achten. Die strikte Trennung führt eher dazu, dass sexuelle Phantasien im Internet ausgelebt werden, wo ein wirklich sehr unrealistisches Frauenbild vermittelt wird, das die ständige Verfügbarkeit vermittelt und letztendlich dazu führt, dass man Frauen weniger achtet und sexualisiert, weil sie immer tabuisiert werden. Das weibliche Geschlecht bleibt unantastbar und gleichzeitig online total verfügbar. Das kann doch nur dazu führen, dass man ein sehr gestörtes Verhältnis zu Frauen und zur Sexualität entwickelt.
  5. Jugendlicher persönlicher Fable: gerade junge Mädchen, die noch in der Identitätsfindungsphase sind, probieren sich oft am Kopftuch aus, um auszudrücken, wer sie sind. Sie nutzen das Kopftuch als Identitätsymbol und manchmal sogar als pubertierende Rebellion gegen die Eltern und Mehrheitsgeselschaft. Ähnlich wie Punks, Emos, Alternative, etc. Oft geht damit aber keine wirklich tiefe Auseinandersetzung mit dem Koftuch einher.
  6. Politische Gründe: Leider gibt es auch diesen Grund. Gerade Frauen aus islamistischen Familien wenden sich mit dem Symbol des Kopftuchs gegen den westlichen Materialismus und Hedonismus zbd wünschen sich eine islamisch definierte Gesellschaft. Glücklicherweise gibt es hier in Deutschland nur sehr sehr wenige Musliminnen, die so denken,.

Quelle: u.a. Frank Jessen: Das Kopftuch - Entschleierung eines Symbols und Samina Ali: What the Quran really say about a Muslim woman's hijab. Außerdem eigene Studien, Erfahrungen und Beobachtungen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Sicherlich auf Anraten der Hautärzte, die wegen massiver UV- Belastung durch das Ozonloch einen Anstieg von Hautkrebs erwarten.

Einen religiösen Hintergrund würde ich ausschließen.

Das ist doch in unserer aufgeklärten modernen Welt nicht mehr zu erklären.

  • Sozusagen verstecken Sie damit Ihre Reize, damit Sie keine fremden ekelhafte Männer anschauen als wäre sie ein stück Fleisch. die Zugänglichkeit der Frau nur für diejenigen Männer, die in einem die Heirat ausschließenden Verwandtschaftsverhältnis (Mahram-Verhältnis) zu ihr stehen die Verhüllung der Frau vor allen Männern, die nicht in einem Mahram-Verhältnis zu ihr stehen der Rückzug der Frau in das Frauengemach im Haus bei Besuch von Männern, die zu diesem Kreis zählen die Verhüllung der Frau beim Ausgang auf der Straße und in der Öffentlichkeit. Gibt noch weiteres..

https://youtu.be/wFNf8do6t7o

Interessanterweise, wehren sich immer mehr Frauen in den islamischen Ländern gegen diesen Zwang. Kam letztens eine aufschlußreiche Doku darüber.
Nur in Europa fangen sie an sich zu bedecken.
Kann sich ja jeder seinen eigenen Reim darauf machen...

safur  23.09.2018, 09:30

Das ist schon sehr lange so. An den UNIs in Instanbul gab es sogar Kopftuchverbot 😉

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KaeteK  23.09.2018, 09:39

Ja, ich weiß. Im Iran und auch in den anderen isl. Ländern wird der Unmut immer größer... Es sind die Frauen und viele junge Männer, die sich nach Freiheit sehnen. irgendwann wird es einen gewaltigen Umbruch geben..

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