Warum stehen Muslime nicht dazu, dass der Islam auch schlechte Seiten hat wie jede andere Religion auch?

48 Antworten

Kannst du diese pauschalisierende, hochnotpeinliche These irgendwie empirisch belegen...?

Die Behauptung, der Islam habe nichts mit dem IS zu tun, ist genauso falsch wie die Behauptung, christlicher Fundamentalismus hätte nichts mit dem Christentum zu tun o.ä.- insofern als dass Extremisten eine monotheistische Ideologie missinterpretieren und daraus eine Unrechtsherrschaft und die Rechtfertigung für Terror ableiten, bezieht sich der sg. IS auf den Islam und hat somit logischerweise mit diesem Glauben zu tun. Die Folgerung, dass der muslimische Glaube zwangsläufig derartige "Interpretationen" rechtfertige, ist jedoch genau so falsch.

Ich bin kein großer Freund von Religionen- genau aus dem Grund, dass diese aufgrund des absoluten Anspruches historisch oft als Rechtfertigung für unvorstellbare Grausamkeiten missbraucht wurden. Deshalb ist mMn auch eine strikte Säkularisierung unerlässlich. ABER: Rein inhaltlich (und damit beziehe ich mich auf die zeitgenössische Auslegung, denn natürlich enthalten Bibel/Koran/Tora/etc. aus dem Kontext der Niederschrift entstandene Stellen, in denen z.B. die Sklaverei gerechtfertigt wird u.ä.) lehren die großen monotheistischen Religionen heutzutage einen humanistischen Glauben, der andere Religionen toleriert und Anders- und Nichtgläubige zwar als irrende, aber nichtsdestotrotz gleichwertige Menschen betrachtet.

Du schreibst "Muslime behaupten in der Regel"- kannst du das irgendwie belegen (mit Erkenntnissen, die über das Lesen qualitativ minderwertiger Internetforen hinausgehen...)?

Alle Muslime, die ich kenne, sind sich der Komplexität dieses Themas mehr als bewusst und differenzieren (völlig zu Recht!) zwischem ihrem eigenen Glauben und der Missinterpretation des sg. IS'. Dass trotzdem -gerade nach Terroranschlägen wie in Paris oder Brüssel- vehement eine Differenzierung aller Muslime von diesen angeblich in ihrem Namen verübten Taten gefordert wird, ist im Grunde eine Beleidigung, eine rassistische noch dazu: Nicht nur wird eine ganze Bevölkerungsgruppe/Religionsgemeinschaft unter Generalverdacht gestellt, was bei Menschen mit grundlegendem historischem Wissen leichte Übelkeit hervorrufen sollte, auch wird eine Stimmungslage gegen eine Religion geschürt, die den meisten Menschen völlig unbekannt ist.

"Christen würden niemals behaupten [...]"- schon wieder falsch. Diese Pauschalisierung trifft benfalls nicht zu. Nahezu alle gläubige Christen, mit denen ich mich über dieses Them unterhalten habe, sehen die Kreuzzüge zwar als durch christliche Autoritäten verschuldet und fälschlicherweise im Namen des Christentums verübt, aber eben auch als Fehlinterpreation eines Glaubens. Und auch dies aus unser heutigen Perspektive zurecht.

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Ich halte diese Frage nicht für eine Wissensfrage, sondern für einen weiteren tendenziösen Beitrag in diesem wunderschönen Forum... :)

Mittlerweile mutiere ich als unbescheidenster Agnostiker zum Verteidiger aller (!) Religionen- einfach nur, weil so viele Menschen hier nicht in der Lage sind zu differenzieren, komplexe Themen als solche zu behandeln oder schlicht und einfach ihre unfundierte Meinung durchdrücken wollen.

Ja zum größten Teil stimme ich dir zu. Allerdings scheinst auch du dazu zu tendieren, den Islam als Rasse anzusehen, was ich nicht ganz nachvollziehen kann.

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@Referendarwin

Ich sehe Muslime nicht als "Rasse", sondern bezog mich mit der Begrifflichkeit des Rassismus' auf die erweiterte Definition desselben:

«Rassismus umfasst Ideologien und Praxisformen auf der Basis der
Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und
Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden.» (Johannes Zerger, Was ist Rassismus?, Göttingen 1997, S.81).

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Grundsätzlich, sind islamische Lehrmeinungen nicht dafür ausgelegt, die Lehre zu hinterfragen/anzweifeln/kritisieren.

Es existieren auch im Islam religiöse Arbeitsgruppen, die sich mit Entwicklungen und Ansichten von Aussen beschäftigen, aber die Ergebnisse sind immer im Einklang mit der Lehre zu bringen. Entsprechend die Ergebnisse, die dann teilweise als "falsch, schwammig, lächerlich, unrealistisch, heuchlerisch usw" bezeichnet werden.

Weil alles göttlich und somit definitiv/endgültig/perfekt usw. ist, und eine religiöse Autorität fehlt, die ganz klar definiert, was in den Büchern/Schriften göttlich oder weltlich ist, können noch nicht mal sich aus der Lehre ergebende Praktiken eindeutig verurteilt werden, obwohl eindeutig falsch (im Islam existiert nur das Prinzip Erlaubt/Verboten und nicht Richtig/Falsch).

Das sind ideale Voraussetzungen auch für Fundamentalisten wie der IS, dem es immer noch überwiegend darum geht, zuerst die Muslime unter sich zu bringen.

Wenn eine fundamentalistische Bewegung wie der IS den Auftrag bekommt, eine Lehrmeinung umzusetzen, dann wird es für Muslime schwer, religiös zu belegen, dass das nicht islamisch ist. Wie auch?

Der IS verwendet eine völlig legitime und akzeptierte Lehrmeinung, die bereits zuvor existierte und Aspekte enthält, die in allen Lehrmeinungen gelten. Es bleibt Muslim nur zu sagen, dass es nichts mit dem Islam zu tun hat. Belegen kann er es nicht, ohne eingestehen zu müssen, dass gewisse Aspekte der Lehre doch nicht perfekt/definitiv/endgültig ... sind.

Dass Muslime so versuchen, die Religion als Ganzes vom IS zu trennen, ist eigentlich positiv zu sehen, sofern es ehrlich gemeint ist. Dass es ein schwacher Versuch ist, der die Glaubwürdigkeit untergräbt, ist offensichtlich. Aber, es ist ein Versuch, der aus Mangel an Alternativen unternommen wird.

Ein Beispiel, die (Gesetzgebung) Scharia. Wird vom IS angewendet. Der einziger Vorwurf, den Du hören kannst: Sie wenden die (Gesetzgebung) falsch an. Hierbei wird ganz lapidar davon ausgegangen, Menschen wüssten nicht, wie der IS die Scharia praktiziert. Der Vorwurf ist falsch. Der IS hat religiöse Gerichte; führt Verhandlungen durch; alles so wie religiös vorgegeben. Wir sehen nur wie zwei arme Kerle vom Dach geworfen werden und denken, das passierte plötzlich. Nein, der IS hat Gerichte, Richter usw. Um das zu verurteilen, was wir sehen, bliebe nur die Aussage, dass die Scharia falsch ist.

Eine Trennung ist im übrigen auch gar nicht möglich, weil der IS bereits zuvor existierte. Nehmen wir mal den Klassiker Saudi-Arabien. Unterschied ist, dass Saudi-Arabien sich nicht im Zustand des Krieges befindet. Der IS schon. Keiner hat bis heute behauptet, Saudi Arabien wäre nicht islamisch.

Oder das, was hier nicht erzählt wird, in den so feindlichen Medien: England ist heute, in Europa, "der Exporteur" von IS-Sympathisanten. Konnte sein, dass es von ex-Jugoslawien übertroffen wird.

Mitte/Ende der 90er haben Fundamentalisten in England angefangen, organisiert und im grossen Stil, Minderjährigen den wahren Islam zu predigen. Alles legal und im Rahmen der Religionsfreiheit. Nicht versteckt, sondern in Moscheen. Die Schüler von damals sind die Typen die sich heute dem IS anschliessen. Heute noch, werden von England aus, Delegationen quer durch Europa geschickt, die etablierten muslimischen Gemeinden an den wahren Islam erinnern sollen. Auf Kurs bringen.

Wer will heute behaupten, dass die Prediger, Delegationen oder die Moscheen nicht islamisch sind?

Nun, sind Fundamentalisten weder gerecht noch menschlich. Sie überzeugen nicht; sie zwingen auf. Dafür haben sie immer typische Arbeitsmittel zur Hand: Gewalt, psycho-Druck, Verrat, Denunziation, Terror ... .

Davon unabhängig, ist im Islam immer noch eine starke gegenseitige religiöse Kontrolle vorhanden - Nachbarn, Bekannte, Verwandte. Insofern, nur verständlich, dass die meisten Muslime, Fehler in der Religion nicht öffentlich eingestehen.

Und trotzdem, darf nicht übersehen werden, dass die meisten Muslime den Glaube so leben, dass die Art und Weise wie sie ihn leben, die Kritik am Islam ist.

Das sind Menschen wie Du und ich. Dazu die Imame, die das sehr wohl wissen und so predigen, dass gewisse Aspekte der Lehre nicht vorkommen. Es existieren sogar Sheiks, die erstaunlich geschickt, Reformen einfügen, wenn auch fast immer lokal und manchmal auch regional. Sollen diese Menschen öffentlich Kritik am Islam üben? Wofür? Damit sie sich ungeschützt vor Hinterhofgerichte gestellt sehen? Sie wollen lediglich leben.

Es existieren auch die Muslime, die es sich leisten können, öffentlich, Kritik am Islam zu üben und für Reformen zu stehen. Sind nicht viele und die Früchte wachsen langsam heran.

Gleichzeitig, sind die Fundamentalisten aktiver wie nie zuvor.

Muslim sollte gar nicht versuchen, eine religiöse Trennung zwischen IS und Islam zu begründen. Das wird nie und nimmer gut ausgehen.

Er sollte sich davon distanzieren - durch einfache Worte und Taten. Es reicht sehr oft die einfache Aussage, dass er persönlich keine Mörder oder Auftragsmörder unterstützt bzw. mit ihnen sympathisiert. Wenn er will, kann er dabei den IS erwähnen. Wer weisst schon,wie sie demnächst heissen werden. Damit legt er schon mal eine Gesprächslinie fest.

Er kann dazu packen, dass die Lehrmeinung des IS nicht die Lehrmeinung ist, die er befolgt. Er muss noch nicht mal sein Glaube verteidigen.

Er kann aus Überzeugung sagen, dass Mist nun mal überall vorkommen kann. Damit muss dann alles gesagt sein.

Wenn der Gesprächspartner es immer noch nicht versteht, dann erübrigen sich sowieso weitere Gespräche.

Der IS benutzt keine legitime Lehrmeinung. Ihre Taten verstoßen gegen den Quran, und wer bewusst gegen den Quran verstößt und behauptet so ist es richtig (was die is macht) ist kein moslem. Die IS hat hauptsächlich Muslime getötet die ihrer Meinung den Islam nicht richtig praktizieren denkst du das ist eine legitime Lehrmeinung ? Außerdem müssen Muslime andersgläubige akzeptieren (siehe Sure 109 im Quran).

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@Terhexago

Es ist i.O. wenn du dich so davon distanzierst.

Sunniten, samt Hanafiten, Malikiten, Hanbaliten, Schafiiten, Wahhabiten; Schiiten samt Imamiten, Ismailiten, Zaiditen; Charidschiten; Aleviten; Drusen und und..., sie alle sind der Überzeugung, die richtige Lehrmeinung zu praktizieren. Wo sind nun die Muslime und wo nicht?

Aus deiner Sicht, mögen sie gegen den Koran verstossen. Was gut ist. Ändert nichts daran: 1., dass sie eine Lehrmeinung befolgen, die "schon immer" vorhanden war; 2., dass sie die Regeln befolgen, die dort für den Zustand des Krieges gegeben werden.

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@JoJoPiMa

Nein eben nicht. Sie töten Frauen und Kinder was strikt verboten ist im Islam auch im Krieg. Sie töten geistliche anderer Religionen auch verboten im Islam. Sie zerstören Gotteshäuser auch verboten im Islam. Lies dir mal die Regeln des Islams für den Krieg durch und du wirst selbst sehen das der IS nichts davon befolgt.

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@Terhexago

Persönliche Erfahrung ist das beste Zeugnis.

Ich empfehle immer wieder, "... reist und lernt Sprachen. Gebt das Geld aus für Reisen. Sparen könnt ihr später. Reisen bildet."

Daher, meine Empfehlung auch an dich: Versuche nach Saudi-Arabien zu kommen. Ägypten genauso gut. Erkläre dort wie Du die Sache siehst. In Ägypten der Bruderschaft. Sie werden dich eines Besseren belehren.

Saudi-Arabien ist doch durch die gleiche Vorgehensweise das geworden was es heute ist. Erwartest Du, dass dir dort bestätigt wird, dass das alles nicht Sünde war?

Vielleicht fällt dir dann die Kinnlade herunter, aber die Erfahrung ist es wert.

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Das kommt drauf an. Es gibt auch ganz streng religiöse Christen oder andere Gläubige, die sehr fixiert auf Religion sind. Und es gibt auch "moderne", sage ich mal. Tolerant sollte jeder sein, egal, ob derjenige eine Religion hat, und falls ja, welche. Hauptsache man lässt sich gegenseitig in Ruhe und ist friedlich. Ich hab bis jetzt keine Christen und Muslime aus meinem persönlichen (!) Umfeld erlebt, die sehrrr fixiert sind/intolerant. :)

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