Warum sagen oder schreiben so viele Leute "ein" anstatt "einen"?

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14 Antworten

Stört mich auch unglaublich. Bei "ein" und "einen" fängt es an, geht bei "seit" und "seid" weiter und hört auch bei "wie" und "als" und "der einzig(st)e" noch nicht auf. Die Schreibhefte und Unterrichtsmappen von den meisten Schülern lesen sich selbst bei Gymnasiasten der Oberstufe heutzutage wie das Malbuch eines Sechsjährigen. 

Und ich ahne auch, woran das liegt: in den Schulen wird immer weniger Wert auf Rechtschreibung gelegt. Grammatik wird nur am Rande unterrichtet und nicht mehr intensiv geübt. Außer im Fach Deutsch darf nirgends die Rechtschreibung als Formnote mit in die Bewertung einfließen (was ich eigentlich auch richtig finde). 

Nicht einmal bei Präsentationen, noch nicht mal bei solchen, die der Öffentlichkeit zugänglich sind, wird auf korrekte Orthographie gelegt, wie ich jüngst am letzten Tag der offenen Tür an unserer ortsansässigen Schule feststellen durfte: beinahe jedes Plakat, welches die Schüler von Klasse 5 bis 10 ausgestellt hatten, wies mehr als zehn Rechtschreib- und Grammatikfehler auf. Das kann man meiner Meinung nach nur als erbärmlich und als eine Schande für eine deutsche Realschule bezeichnen. Und nein, ich möchte nicht polemisieren oder habe gar übertrieben, es war eine ganz neutrale Beobachtung gepaart mit meinen persönlichen Gedanken dazu.

Woran liegt es nun, dass sie Schüler so schlecht in Deutsch geworden sind und es ihnen sogar völlig gleichgültig ist? Das ist natürlich weder die Schuld der "faulen" Schüler noch der "unfähigen" Lehrer, sondern ganz klar den Lehrplänen geschuldet, die nun andere Prioritäten setzen als noch vor 15 Jahren. Dass unsere Kinder hierdurch den Bezug zu ihrer Muttersprache völlig verlieren und bei fehlender Beherrschung dieser als ungebildet und faul erscheinen, ist den Zuständigen entweder nicht klar, völlig egal oder sogar geplante Absicht. Ein dummes Volk regiert sich leicht, könnte man spitz sagen.

Ein weiterer Grund, vielleicht der noch entscheidendere, dürfte aber die ständige Nutzung von Kommunikationsgeräten sein: Schon sehr junge Menschen kommunizieren heute die meiste Zeit über nicht verbal, sondern mittels mobiler Nachrichtendienste wie Whatsapp. Da hier keine Rechtschreibordnung gilt und jeder schreibt, wie es ihm beliebt, wird das, was in der Schule noch vom Rechtschreib- und Grammatikunterricht übrig geblieben ist, schnell wieder verlernt - weil man es eben nicht braucht. Wenn jeder so schreibt und die gleichen Fehler macht, fallen diese Fehler erstens nicht auf und zweitens auch nicht ins Gewicht. 

Es müssen dringend Konzepte und vor allem zuerst ein Bewusstsein geschaffen werden, dass die Beherrschung der Muttersprache in Wort und Schrift etwas Grundlegendes und Selbstverständliches und ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur ist. Ohne dieses Bewusstsein werden wir sie auf lange Sicht nämlich verlieren. 

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Kommentar von ma9rtin
06.10.2016, 16:21

Ich finde deine Antwort gut, allerdings stimme ich dir bei den Kommunikationsgeräten nicht zu. Klar, es gibt Leute die schreiben wie 3. Klässler, aber wenn ich mal von mir aus gehe, übe ich eher die Rechtschreibung und mache sie nicht kaputt. Es gibt natürlich auch Autokorrektur, und so was. Aber zum Beispiel Kommasetzung, da hatte ich letztens in einem Deutsch-Test eine 1, weil ich sie beherrsche. Und das nicht zuletzt am Deutschunterricht selbst. ;) Das kommt eher vom vielen Schreiben.

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Danke, das geht mir auch schon seit Jahren auf die Nerven. In Zeitungen habe ich das zum Glück noch nie gelesen, aber in der Umgangssprache wird es leider Standard. Übrigens auch mit anderen Formen, zB "deinem": "Ich hab dein Vater gesagt.."

Ich denke das kommt einfach aus der Verschriftlichung der Umgangssprache im Internet und es weiß so langsam einfach keiner mehr, wie die Formen korrekt gebildet werden.

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Überlege mal, welchen Schulabschluss ein Redakteur hat und worauf bei diesem bestimmten Schulabschluss im Fach Deutsch Wert gelegt wird.

Manche sagen "ein" statt "einen", weil sie nicht merken, dass der bestimmte Artikel "das" nicht vor das entsprechende Wort passt.

Übrigens ist das Wort "eigentlich" ein leere Worthülse, die ersatzlos abgeschafft werden kann.

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Kommentar von Deponentiavogel
06.10.2016, 14:10

Die Sache mit eigentlich stimmt nicht.

Außerdem haben Muttersprachler nie Probleme mit dem Genus von Substantiven. 

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Auch Kindern aus einem Elternhaus mit wenig Bildungshintergrund kann die deutsche Sprache so beigebracht werden, dass sie diese mehr oder weniger fehlerfrei anwenden können. Das ist (wäre) Aufgabe der Lehrer.

Es ist ein Problem unseres Bildungssystems, dass kein besonderer Wert mehr auf Deutsch gelegt wird, besonders bei denen, deren Deutsch im späteren Leben kaum eine Rolle spielt.

Grundschüler, die von vorn herein dazu verdammt sind, irgendwann einmal Arbeiten zu verrichten, wenn überhaupt, brauchen die deutsche Sprache nur dazu, um sich verständigen zu können.

Grammatikalisch und stilistisch einwandfreies Deutsch wird auf dem Gymnasium gelehrt und kommt den Kindern zugute, deren Herkunft die Beherrschung der deutschen Sprache rechtfertigt.:)

"Unterschichtkinder" sollen "Unterschichterwachsene" werden, auch wenn das Gesetz gleiches Recht auf Bildung für alle garantiert.

Um dieses Recht jedoch in Anspruch nehmen zu können, braucht es noch die Voraussetzungen dazu: u.a. die finanziellen Möglichkeiten der Eltern, ohne die nichts geht.
Ein Kreislauf, der von wenigen Ausnahmen durchbrochen werden kann!

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Kommentar von Deponentiavogel
06.10.2016, 19:25

Grammatik korreliert nicht mit Bildung. Und wenn sie es doch tut, dann so, dass besonders Gebildete besonders ungrammatisch sprechen. 

Die Ungebildeten halten ihren Verstand nicht für so gigantisch und glänzend, dass sie glaubten, man könnte sein Sprachgefühl damit übertrumpfen. 

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Grammatik lernt man im Kindergarten, die Aufgabe der Schule ist es, den Kindern ein ordentliches Schriftbild einzutrichtern. Wo sie tatsächlich versagen. Nur hat Orthographie und Standardsprache eben nichts mit Grammatik zu tun. 

Übrigens ist es nicht notwendig, dass alle Menschen gleich gebildet sind. Es gibt andere Ziele, als Erbauungsliteratur lesen und verstehen und im besten Falle schreiben zu können. 

Die meisten Leute sind mit einem Job gut bedient und haben weder Zeit noch Muße, zu schmökern.

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Das ist in der Tat sehr auffallend, auch und gerade hier bei Fragen in GF, Beispiel:

Ich habe ein Freund. - Wir schreiben morgen ein Test.

Aber auch die Vergew altigung des Dativs: Was kann ich mein Freund schenken?

Ursache dieser Fehler (die oft gar nicht mehr vom Schreiber bemerkt werden) ist offensichtlich schlam pige Aussprache, die dann in die Schreibung übernommen wird. Dies wiederum könnte u.a. auf die Lese-und Schreibmethode "Reichen" in der Grundschule zurückzuführen sein: Schreib' (mindestens 3 Jahre lang) so, wie du sprichst.

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Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand ein derartigen Fehler macht.

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Man braucht in der Schule nicht die korrekte Anwendung des Akkusativs gelehrt bekommen. Man braucht sowieso überhaupt keinen Grammatikunterricht als Muttersprachler.

Die Sache ist doch ganz simpel. Unbetonte e im Wortinneren werden im Deutschen oft und gerne weggelassen. Wir redn und sterbn und versuchn, unser Lebn zu lebn. 

Würde man die ganzen Es streichen, die man im Deutschen einfach verschluckt, hätten wir ein grotesk anderes Schriftbild.

Deshalb spricht man:

– Ich hab einen Riesenvorsprung gehabt !

--› Ichhab ein Riesnvoasprung ghabt !

Theoretisch müsste man ein'n schreiben, aber

1. Apostrophe stören das Schriftbild und

2. schreibt man die Es, die man nicht spricht, trotzdem. 

Wenn man nicht so viel liest, weiß man das nicht und schreibt eben phonetisch. Weil unsere Schrift aber nicht phonetisch ist, führt das geradewegs ins Verderben.



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Kommentar von Kickflip99
06.10.2016, 14:56

Wobei schon ein kleiner aber für Muttersprachler hörbarer Unterschied besteht zwischen "ein" und "ein'n". Und man hört inzwischen auch ziemlich häufig das "ein", also ohne langes "n".
Ähnlich wie "denen" gesprochen zu "den'n" wird, aber von Jugendlichen gerne einfach zu "den" wird.
->
"Sag den, dass du ein Ball willst."
Klingt anders als
"Sag den'n, dass du ein'n Ball willst."

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Schlimmer finde ich die Unsitte, anstelle von ein, einer, einem etc. einfach nur "1" zu schreiben. *grusel*

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Kommentar von Kickflip99
06.10.2016, 14:06

Das meint aber keiner ernst. Sätze wie "Ich kauf mir ein Fußball." meinen die Leute ernst.

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Entweder sie sind faul, oder Sie haben wirklich eine Rechtschreibschwäche.

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Kommentar von MarkusKapunkt
06.10.2016, 14:48

Du machst es dir viel zu einfach. Die Probleme liegen ganz woanders.

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Nunja, leider ist das eben so. Und da Sprache dynamisch ist, werden solche Ausdrücke, wenn sie immer gebräuchlicher werden, in den allgemeinen Sprachgebrauch übergehen und irgendwann die heute korrekte Form ersetzen.

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Kommentar von MarkusKapunkt
06.10.2016, 14:55

Himmel bewahr mich davor.

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Erschreckenderweise sind es nicht nur die strohdoofen und bildungsfernen Unterschicht-Teenies (von denen hier auf gf die meisten Beiträge kommen), sondern auch mehr und mehr sogenannte Erwachsene und Berufstätige, die kein Deutsch mehr beherrschen.

Das wird dann von Kuschelpädagogen und ihnen nahestehenden Kreisen immer als "Sprachdynamik" unter dem Motto "Irgendwann stehts es so im Duden, weil sich Sprache weiterentwickelt" schöngeredet.

Völliger Blödsinn.

Unsere Sprache entwickelt sich meß- und fühlbar zurück, nicht zuletzt durch die Anglizsmen (Deppendeutsch oder Denglisch genannt), die insbesondere den Jugendjargon beherrschen.

Daß der Dativ dem Genitiv sei Tod ist, liest man hier ja in nahezu jedem Beitrag. Genauso ätzend und Augenkrebs erzeugend finde ich diese unsägliche Auseinander Schreibung von Wörtern, die  zusammengesetzt sind. Auch so ein Denglisch-Einfluß.

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Kommentar von Deponentiavogel
06.10.2016, 19:33

– Auseinanderschreibung ist ein Orthographieproblem. 

– Alle Muttersprachler beherrschen die deutsche Grammatik perfekt, außer sie haben eine Sprachstörung (wie der Duden).

–  Es gibt nur Sprachwandel; Verfall und Fortschritt sind ein typisches Gegensatzschema des Verstands, das in der Natur nicht existiert. 

– Es ist egal, was im Duden steht.

– Der Genitiv ist dem Genitiv sein Tod, nicht der Dativ (Beziehen Sie Ihre Information nicht aus Belletristikwerken wie Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod).

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Das frage ich mich auch jedesmal wieder. Und ich bin nicht der Meinung, dass das etwas mit "Dialekt" zu tun hat...weil das hier andere geschrieben haben.

Meiner Meinung nach lässt das einen Rückschluss auf die Bildung derjenigen Person zu.

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Tut mir Leid, ich weiß so spontan leider weder was ein Akkusativ, noch was ein Dativ ist. Muss man das? Ich komme auch so ganz gut zurecht.

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Kommentar von Deponentiavogel
06.10.2016, 14:12

Nein, muss man natürlich nicht. Man sollte es am besten gar nicht wissen. 

Denn was die Leute mit ihrem Pseudowissen anrichten, ist nicht zu unterschätzen.

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Ich sehe das auch so, aber was willst du machen.
😂😂😂Welcome to 2016!!😬😬

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