Warum endete die Romantik?

5 Antworten

Das Ende des Zeitalters der Romantik ist auf zwei Faktoren zurückzuführen 1)Die Lebenswelt hatte sich im Verlaufe des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung und die von ihr geschaffene, immer deutlicher ins Auge fallende Technisierung des Lebens stark verändert. Die materiellen Werke der Industrialisierung (Eisenbahn, Fabriken, Dampfmaschinen) konnte man nicht mehr übersehen, für Romantik, Phantasie war da kein Platz mehr. Auch in der Philosophie und in der Wissenschaft setzte sich der Materialismus durch. Für das Geheimnisvolle, das die Romantiker vor allem in der Natur walten sahen und in dem sie das Wirken einer höheren Welt erblickten, nach der sie sich sehnten, die aber für sie unerreichbare war – für solche phantastischen Zielsetzungen gab es jetzt keinen Anlass mehr. Die materialistischen Naturwissenschaften machten mit den von der Romantik beschworenen Geheimnissen Schluss, indem sie sie aufklärten. 2)Auch die philosophischen Grundlagen der Romantik, der Idealismus, fielen jetzt weg. Ein idealistischer Philosoph wie Fichte sah die geschaute Welt gar nicht als real an; sie sei, wie er sagte, nur das Produkt unseres Geistes. In seinem philosophischem System, der Wissenschaftslehre, lehrte er, dass zuerst der Verstand da ist, der in einem aktiven Prozess die Natur, die Welt schafft, die er das Nicht-Ich nannte. Wie übermächtig real und materiell aber die Umwelt war, zeigten die Erfindungen und Erzeugnisse der Industrien, die überall im Lande emporwuchsen. So setzte sich die materialistische Philosophie, welche die Welt als durch und durch real ansah, durch, während die idealistische Philosophie immer mehr an Einfluss verlor.

Die Romantik ist ja irgendwie auch eine Art von Selbstbetrug. Obwohl die Probleme mit Umweltverschmutzung, Verelendung und Zerstörung der Natur durch Industrialisierung schon begonnen hatten, lassen die Romantiker noch die Schwalben durch das klare Himmelsblau fliegen und beschwören Waldesrauschen, murmelnde, klare Bächlein, sternklare Nächte usw.

Sie wollten sich via Literatur den Traum erhalten von der schönen, reinen Natur und darin vornehmlich edlen Menschen, die nur einen Blick für Blumen, Sterne und strahlende Frauenaugen hatten und nicht für den schnöden Mammon.

In der Spätromantik sind sie dann langsam aufgewacht. Sie haben ihre eigenen Träume relativiert und die dunkeln Seiten des Lebens aufgegriffen (E. A. Poe, E.T.A. Hoffmann)

Im Biedermeier erfolgte als weitere Reaktion der Rückzug in den engsten und überblickbaren Kreis der Familie. Man machte der Realität praktisch die Wohnungstür vor der Nase zu.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren dann die Veränderungen nicht mehr wegzudeuteln. Das erste Romanwerk des literarischen Realismus "Soll und Haben" von Gustav Freytag entstand, in dem der lediglich emotionalen Idealen verpflichtete Schwärmer dem Businessmann Platz gemacht hatte.

Reality kills the dreams!

Die Romantik war 1795-1840 und wurde nach und nach erst vom Vormärz, dann vom Realismus abgelöst. Das war bedingt durch verschiednene historische Ereignisse, da Schriftsteller dem Wiener-Kongress und der Märzrevolution sehr kritisch gegenüber standen. Man erwachte sozusagen aus der Vorstellung, dass sich das wahre Leben in der Fantasie, in Träumen und in dem Inneren abspielt. Als die Märzrevolution gescheitert ist, war das Selbstverständnis der Menschen erschüttert und man wendete sich wieder ab von dieser Politisierung, stattdessen vermied man alle negativen Begleiterscheinungen dieser Zeit.

Das scheint eine kompetente Antwort zu sein; aber die Frage steht unter dem Thema "Musik" ...

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@Klinghaus

Bei mir erscheint sie unter der Rubrik "Literatur". Vielleicht hat sie der Fragesteller unterschiedlichen Bereichen zugeordnet.

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