Unterschied zwischen Sozialismus, Liberalismus und Konservatismus?

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Die grobe Bedeutung der Wörter kannst du dir sicher schon denken, da sie ja praktisch selbsterklärend sind. Im politischen Kontext ist es natürlich nicht ganz so einfach.

Der Liberalismus zeichnet sich dadurch aus, dass sich Politik so wenig wie möglich in die Lebensweise des Menschen einmischt. Freiheit gilt als das höchste Gut und es soll dementsprechend möglichst wenig Regulierungen und Beschränkungen geben. Klingt natürlich erstmal klasse, hat aber in der Wirtschaft beispielsweise seinen Haken. Wirtschaftsliberalismus, also freie Marktwirtschaft bedeutet, dass der Markt zu einem regellosen Raum wird. Skrupellose Profitgier sorgt dafür, dass es zu Ausbeutung und anderen Ungerechtigkeiten kommt. Das kannst du dir vorstellen wie ein Klassenzimmer ohne Lehrer, oder ein Kindergarten ohne Erzieher, da setzt sich dann auch der Stärkere durch und es geht nicht gerecht zu. Die Partei, die sich in Deutschland zum Liberalismus bekennt, ist die FDP.

Der Konservatismus (vom lateinischen "conservare" = erhalten, bewahren) verfolgt das Ideal, Strukturen und Traditionen zu erhalten. Die grundsätzliche Haltung besteht also darin, Veränderungen und Fortschritten kritisch gegenüberzustehen, eben weil man bewährte Dinge schützen will. Konservative Parteien sind zudem meistens religiös, in Deutschland also die christliche Union (CDU und CSU), in der Türkei z.B. die streng muslimische AKP. Konservative müssen sich häufig den Vorwurf gefallen lassen, sie seien zurückgeblieben. Beispielsweise lehnt die CDU/CSU die "Ehe für alle" (das Recht, dass Homosexuelle heiraten dürfen) ab. Der Konservatismus ist also ein Gegenspieler des Liberalismus, wenn es z.B. darum geht, ob Homosexuelle heiraten dürfen oder ob man Cannabis legalisieren soll.

Mit dem Sozialismus ist es besonders schwierig. Sozialismus (vom lateinischen "socialis" = kameradschaftlich, gemeinschaftlich, gerecht) bedeutet ursprünglich, ein Gesellschaftsmodell zu erstellen, das das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellt. Gerechtigkeit ist hier ein ganz zentraler Punkt, denn seit je her war der Reichtum sehr ungerecht verteilt, beispielsweise zu der Zeit, als es wenige reiche Fürsten gab und eine große Menge armer Bauern und Arbeiter. Es blühte also der Traum, dass jeder so gut arbeiten würde, wie er könnte, und am Ende jeder so viel bekommen würde, dass er ein würdiges Leben führen kann. Menschen sollten sich ungeachtet ihrer Herkunft oder sozialen Klasse als Brüder betrachten und Dinge miteinander teilen. Besitz sollte keine große Rolle mehr spielen, sondern in erster Linie Zusammenhalt und Humanität. Sozialismus sollte also vor allem den Benachteiligten dienen, den Armen oder den Alten. Das so weit die Grundidee. Im Laufe der Zeit gab es viele Menschen, die den Sozialismus auf ihre Art interpretiert haben und somit auch viele Missversuche, eine solche Gesellschaft umzusetzen, die in Elend geendet hat. Beispiele sind Stalin oder Mao. Auch heute gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, was "Sozialismus" bedeutet. Die einen orientieren sich sehr stark an Karl Marx und betrachten den Sozialismus als Übergangsphase zum Kommunismus. Andere sehen im "demokratischen Sozialismus" einen Staat mit sozial und ökologisch regulierter Marktwirtschaft. Sowohl die SPD als auch Die Linke bekennen sich zum demokratischen Sozialismus. Der Sozialismus ist in wirtschaftlicher Hinsicht ein Gegenspieler zum Liberalismus, weil im Sozialismus die Wirtschaft staatlich reguliert wird, mit dem Ziel, für eine gerechte Verteilung zu sorgen und Ausbeutung vorzubeugen.


http://wobo.de/deutscher_bundestag/sitzverteilung/sitzverteilung%20endergebnis.jpg Anhand dieser Grafik kannst du sehen, wie die Parteien in Deutschland von rechts nach links einzusortieren sind. Natürlich musst du es von der anderen Seite aus betrachten, denn Die Linke ist natürlich ganz links, wie der Name schon sagt ;-) Man kann im Wesentlichen sagen, je stärker eine Partei sich an den Werten Gerechtigkeit, Humanismus, Soziales orientiert, umso weiter ist sie "links". Und je mehr es um Tradition, Religion, Sicherheit usw. geht, umso weiter ist eine Partei "rechts". Im Extremfall eben "rechtsradikal", so wie die NPD, die Deutschland vor fremden kulturellen Einflüssen "bewahren" will, oder mit einigen Abstrichen die AfD, die ähnliche Ziele verfolgt. Die FDP ist deshalb rechts positioniert, weil sie, genau wie die Konservativen, für freie Marktwirtschaft steht. Und freie Marktwirtschaft passt nun mal nicht mit linken Werten wie Gerechtigkeit oder Humanität zusammen ;-)

Hoffe ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen, für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung. LG



Vielen Dank erstmal, hast mir viel weiter geholfen!

Also jetzt noch zum Wirtschaftsaspekt:

Der Liberalismus bestrebt die freie Marktwirtschaft

Der Sozialismus die Planwirtschaft

Der Konservatismus auch die freie Marktwirtschaft?

Wenn ja, welche Ideologie ist für die soziale Marktwirtschaft?

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@Tebatibbas1234

Und sollte die FDP nicht links von der CDU/CSU positioniert sein? Denn ich würde eigentlich Liberale eher mittig statt rechts einstufen. Und die freie Marktwirtschaft brauchen sie ja damit sie den Freiheits-Aspekt erfüllen können

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@Tebatibbas1234

Genau, der Wirtschaftsaspekt ist sehr wichtig!

Leider kann man die politischen Ideologien nicht 1 zu 1 mit den Wirtschaftsideologien verknüpfen. Je nach Partei und Politiker kann es hier Unterschiede geben.

Eindeutig differenzieren kann man zwischen Marktwirtschaft und Planwirtschaft. Marktwirtschaft funktioniert nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage und die Produktionsmittel liegen in privater Hand. In der Planwirtschaft wird die wirtschaftliche Produktion vom Staat geplant und die Produktionsmittel liegen in staatlicher Hand.

Zwischen "freier Marktwirtschaft" und "sozialer Marktwirtschaft" zu differenzieren, ist schon deutlich schwieriger. Natürlich hört sich "soziale Marktwirtschaft" besser an. Aber vieles, was als "soziale Marktwirtschaft" bezeichnet wird, ist eigentlich nicht wirklich sozial. Viele CDU- und FDP-Politiker sprechen von sozialer Marktwirtschaft, aber sie meinen eine ganz andere Form dessen als SPD-, Grünen, oder Linkspolitiker. Verstehst du, der Begriff ist also ziemlich verwischt, ähnlich wie der Begriff des Sozialismus, da gibt es keine klare Definition. Wenn ein Wolfgang Schäuble sich vehement gegen Menschenrechtsvorschriften für deutsche Konzerne im Ausland wehrt, dann finden Linke das (in meinen Augen zurecht) natürlich nicht gerade "sozial".

Aber ja, was die wirtschaftliche Ideologie betrifft, vertreten CDU/CSU, FDP und AfD so ziemlich die gleichen wirtschaftsliberalen Ansichten. Mehr Markt, pro Freihandelsabkommen und gegen Menschenrechtsvorschriften. Und rate mal, welche Parteien die größten Spenden von Großkonzernen bekommen... ;-)

Zu sagen, Sozialisten würden zwangsläufig für Planwirtschaft sein, ist auch nicht richtig. Wie gesagt, die SPD bekennt sich zum "demokratischen Sozialismus" und keiner in der SPD ist für Planwirtschaft. Auch in der Linkspartei sind die meisten nicht für Planwirtschaft. Natürlich, tendenziell immer kapitalismuskritisch und für mehr Regulierungen und Verstaatlichungen, aber eben nicht zwangsläufig für Planwirtschaft. Weil diese halt einfach nicht funktioniert. Wenn dich linke Visionen interessieren, kann ich dir das Buch "Reichtum ohne Gier" von Sahra Wagenknecht empfehlen.

Man könnte also sagen, eigentlich sind alle für "soziale Marktwirtschaft", bloß ist die Definition dessen seeeehr unterschiedlich.




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@Tebatibbas1234

Und sollte die FDP nicht links von der CDU/CSU positioniert sein? Denn ich würde eigentlich Liberale eher mittig statt rechts einstufen. Und die freie Marktwirtschaft brauchen sie ja damit sie den Freiheits-Aspekt erfüllen können

Würde eigentlich Sinn machen, ja. Keine Ahnung, warum sie rechts von der Union ihre Sitze haben.

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@charismaticus

Wenn man es jetzt nicht auf die Parteien in Deutschland beziehen würde, sondern allgemein, dann wär doch der Sozialismus für die Planwirtschaft, da der Staat diesen Ausgleich erschaffen will und jedem Menschen gleich viel geben will, was bei der freien Marktwirtschaft nicht passiert.

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@Tebatibbas1234

Wie gesagt, für Sozialismus gibt es keine eindeutige Definition. Wikipedia sagt folgerichtig: "Was unter Sozialismus zu verstehen sei, ist seit langem umstritten. Schon in den 1920er Jahren sammelte der Soziologe Werner Sombart 260 Definitionen von Sozialismus. Eine allgemein anerkannte, wissenschaftlich gültige Definition existiert nicht"

Am stärksten geprägt hat den Begriff des Sozialismus aber natürlich Karl Marx, insofern beinhaltet der klassische/dogmatische Sozialismus als Ideologie nach Marx die Planwirtschaft, ja. Also falls du das für die Schule wissen musst, wird das wahrscheinlich die erwartete Antwort sein ;-)

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@charismaticus

ok gut vielen dank für alles :) bekommst morgen die hilfreichste antwort. aber es gibt sehr wenig zum konservatismus.. ich meine wie siehts da eigentlich mit der wirtschaft aus? ist es auch die freie marktwirtschaft?

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@Tebatibbas1234

Könnte man so sagen, ja. Zwar gibt es nicht automatisch eine Assoziation zwischen dem Gedanken, alte Strukturen bewahren zu müssen und wirtschaftsliberal zu sein. Aber de facto ist es so, dass eigentlich alle konservativen Parteien eine freie bzw. "scheinsoziale" Marktwirtschaft betreiben. Egal ob die Union in Deutschland, die AKP in der Türkei, die PP in Spanien oder die konservativen Parteien Lateinamerikas.

Gern geschehen und danke auch für die bevorstehende Auszeichnung :-)

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Liberalismus ist eine Weltanschauung (eine politische Richtung), die nach dem Recht des Stärkeren, die freie Entfaltung des Individuums, und eine gewisse Machtbeschränkung des Staates anstrebt.

Konservatismus ist eine Anschauung (eine politische Richtung) ,die politische Richtungsänderungen meidet, also altbewährte Ziele verfolgt.

Sozialismus ist eine Anschauung (eine politische Richtung), die Lebensqualitätsunterschiede zwischen den Menschen ein klein wenig verringern versucht.

Alle 3 politischen Richtungen sind instinktgesteuert. Alle 3 sind siegerisch, kriegerisch. Alle 3 wollen, dass die Gesellschaft und die Gattung mit der Zeit immer kampfstärker werden. Für alle 3 ist der Sieg des Staates wichtiger, als möglichst gutes und gleich gutes Leben für alle herbeizuführen. Alle drei morden massehaft Tiere und Pflanzen. Alle 3 sind Rassisten. Alle 3 sind rachsüchtig. Alle 3 sind verlogen.

Liberale sind einen Hauch schwachenfeindlicher als die Konservativen. Die Sozialisten sind eine Winzigkeit schwachenfreundlicher als die Konservativen.

Die Rechten behandeln die Schwachen schlimmer, als es  die Konservativen  tun. Die Linksangehauchten (die Sozialisten) behandeln die Schwachen etwas weniger schlimm als die (in der Mitte stehenden) Konservativen. Der Unterschied zwischen den demokratischen Strömungen ist winzig. Linksdemokraten, Rechtsdemokraten und der  Mainstream streben instinktiv-unterbewusst, gutes Leben für die Starken, schlechtes Leben für die Schwachen, und Tod für die Schwächten an. Sie schämen sich dafür kein Bisschen. Alle 3 fühlen sich im Recht. Und die instinktgesteuerten Wähler geben ihnen Recht. Die Opfer der Siegerei wählen die Siegerei.

Unter dem Oberbegriff "Sozialismus" gibt es 4 sehr unterschiedliche Ausrichtungen:

1) die sozialdemokratische Ausrichtung (demokratisch)

2) die ökologische Ausrichtung (demokratisch)

3) die kommunistische Ausrichtung (diktatorisch)

4) die anarchistische Ausrichtung (Auflösung hierarchischer Strukturen) 

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