Tartar und Hackepeter, geschichtliche Herkunft

9 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Für diese großartige Fachfrage zu einem der zu völligem Unrecht am wenigsten erforschten Themengebiete der Geschichtswissenschaft gibt es von mir erst einmal ein dickes +.

Der Begriff "Tatar", er wird hier übrigens konsequent falsch geschrieben, leitet sich tatsächlich wie schon beschrieben von der Legende ab, dass die Tataren rohes Fleisch unter ihren Sätteln mürbe geritten und dann verzehrt hätten. Tatar besteht heute aus geschabtem, also extrem fein geschnittenem qualitativ sehr hochwertigem Muskelfleisch des Rindes, z.B. Filet. Hackepeter ist eine regionale Bezeichnung für das besser bekannte Mett. Dieses Mett wird in der Regel aus Schweinefleisch hergestellt und ist bei weiten nicht so mager wie Tatar. Der Name Mett leitet sich übrigens aus dem Niederdeutschen ab und ist dessen Entsprechung zum germanischen Wort für "Speise, Essen" Im Altsächsischen findet sich das Wort meti mit dieser Bedeutung. Im Neuenglischen hat sich der Begriff auf meat, also speziell Fleisch verengt. Auch kommt der Begriff Mett in entlehnter Variante in Messer vor. Das Lateinische kennt den Begriff mattea (aus griechisch: mattye), der ein "leckeres Gericht aus gehacktem Fleisch, Kräutern usw" beschreibt. Anders als das Tatar wird Mett gehackten, also "durch den Wolf gedreht". Bei diesem Prozess werden die Fasern des Fleisches beschädigt, was dennoch beim Braten nicht zur Austrocknung führen muss, da das Mett viel fetthaltiger ist als Tatar.

Jetzt mal zum Hackepeter. Leider findet sich hierzu keine vernünftige Etymologie. Ich werde das aber verfolgen und vielleicht kann ich Dir hierzu eine befriedigende Antwort geben. Allerdings gibt es eine Band, die sich The Hackepeters nennt. Vielleicht hilft Dir das weiter.

http://www.myspace.com/thehackepeters

Und ein tolles Kaff namens Altkötzschenbroda, dass sich für seinen Hackepeter rühmt. Vielleicht kann man da mal anrufen und fragen...

hackepeter. biz

Müsst ihr nur das Leerzeichen löschen.

Es gibt übrigens tolle, alte, vor allem meine ich hier römische, Gerichte, wie gerade schon angedeutet. Die schmecken scheiße. Die Römer hatten offensichtlich einen deutlich von unserer Vorstellung abweichenden Geschmack. In Xanten, im archäologischen Park, kann man sich in der rekonstruierten Villa Rustica im hauseigenen Restaurant ein schauriges Bild davon machen. Ob sie aber im Moment authentisches mattea anbieten, weiß ich nicht, da bi ich überfragt...

Bis heute findet sich Hackfleisch als Hauptnahrungsmittel in der Balkanküche. Ich vermute mal, diese Rezepte, wie zum Beispiel Cevapcici sind auch recht alt. Auch die griechischen Frikadellen, Suzuki, bzw Bifteki, dann mit Schafskäse gefüllt, werden ihr Alter haben. Bis zur Erfindung der Spaghetti Bolognese durch die deutsche Hausfrau Anfang der 60er Jahre wurde Hackfleisch in Deutschland vor allem roh, haltbar gemacht als Mettwurst, oder in Frikadellenform bevorzugt. Dem Hackfleisch nicht unähnlich ist auch das italienische Rindercapaccio. Nur, dass eben hauchdünne Scheiben verwendet werden anstatt dass das Fleisch ganz zerkleinert wird. Aber der Prozess und das verwendete Fleisch sind identisch. Gern finden sich auch gefüllte Gemüsesorten in der Liste der Hackfleischgerichte. So ist zum Beispiel zu vermuten, dass die Römer durchaus die mit Hackfleisch gefüllten Auberginen gekannt haben. Nur darf bei der römischen Küche nicht vergessen werden, dass das meiste, was sie gekocht haben am Ende mit garum, einer halb vergammelten Fischpampe, nicht ganz unähnlich dem grönländischen Gammelhai, ertränkt haben.

Ich hoffe ich konnte Dir erst einmal weiterhelfen. Ich werde mich mal auf die Suche nach der korrekten Etymologie von Hackepeter machen. Bis dahin!

SUUUUUUUUUUUOPI. Hier tummeln sich 3 staunende Menschen um den Bildschirm, hören sächsischen Punkrock LOL und meinen einstimmig, dies sei eine der besten Antworten,die wir Zeit langer Zeit hier gelesen haben. Vielen Dank für die Warnung vor der antiken, römischen Küche. Glücklicherweise hat sich da ja doch entscheidendes im Lauf der letzten 200o Jahre getan. Jupp, das ist eine ansprechende Doktorarbeit für die Mettologie. LG Mezhi

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@Merzherian

Niemals werden ich meine leckeren Knobi-Frikadellen in irgendeiner Haipampe versenken...Schiff ahoi...;-))) Genial was frau aus Schweinen, Rindern und Fischen so alles zaubern kann...;-)))

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@auchmama

Du bist ja auch vermutlich weder Is- noch Grönländerin.

Im Übrigen glaube ich hier irrt sich Freund Nietzsche, weil die da keineswegs Soße draus machen, sondern den alten Hai für ein Jahr oder so verbuddeln und dann genüsslich in Stücken verzehren SCHAUDER.

Bei den Römern hat er latürnich völlig Recht, wie ja allgemein bekannt >> Die spinnen die Römer <<.

Möcht bloß mal wissen ob die ihre Nachtigallenzungen auch damit zugepammt haben. Außer dem wozu brauchten die dann eigentlich noch ne Feder?

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@erweh

Super Antwort! Ich habe auch noch nach einer Antwort gesucht, bei uns in Oldenburg wird ja auch Hackepeter gesagt, aber da ist nichts zu finden. Nur das die Bezeichnung wohl aus Berlin herrührt. LG tischi

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@tischbein

Ich bin nun endlich aus der Uni zurück und kann mich hier an noch unvollständige Tagwerk machen. Ich habe etwas in Eile diesen Beitrag schreiben müssen, daher ist er auch recht unstrukturiert und ein ums andere Mal nicht so stringent wie ich es gerne habe. Außerdem musste ich in der Eile leider auf ein Gutteil meiner Interpunktion verzichten. Vielen Dank erstmal für den regen Zuspruch! Darüber freue ich mich natürlich sehr!!!

Einige Formulierungen möchte ich dennoch entzerren und einige Kleinigkeiten ergänzen, die der knappen Zeit heute Morgen zum Opfer fielen. Es ist auffallend scharfsinnig beobachtet, lieber Eisbär, dass die Grönländer ihren Gammelhai vergraben und keine Soße daraus machen. In meinem Kopf war das eigentlich auch ganz klar, was ich meinte, hier also diejenige Formulierung, die ich besser hätte wählen sollen: Ich meinte natürlich, dass sich die Grönländer bei der Verarbeitung dieses eigentlich ungenießbaren Fisches das gleiche Prinzip, nämlich das der Fermentation zu nutze machen. Dasselbe gilt auch für die allseits beliebte und sogar in Flugzeugen verbotene schwedische Spezialität des Surströmming.

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@erweh

Jetzt hat der doch glatt die Hälfte meines Kommentars gefressen. Also nochmal von vorn!!!

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@Nietzsche81

Hier der Rest:

Zurück jedoch zum Hackepeter: es wurde hier bereits richtig bemerkt, dass dieses Wort vermutlich aus dem Berlinerischen kommt. AUf jeden Fall ist es nachzuweisen für diverse niederdeutsche Dialekte, vor allem im Ostmitteldeutschen Raum. (ja, das "ostmitteldeutsch" als Wort existiert, habe ich auch heute erst gelernt....) Die niederdeutschen Dialekte scheiden sich von den hochdeutschen an der Benrather Linie. Südlich davon finden sich die hochdeutschen, nördlich davon die niederdeutschen. Wollt ihr wissen zu welcher Sprachfamilie eurer Dialekt gehört ist das ganz einfach herauszufinden: sagt ihr "dat" und "wat", ist es niederdeutsch. Allerdings kenne ich schon persönlich ein Beispiel bei dem das nicht zutrifft. In Leipzig und Umgebung heißt es auch Hackepeter, aber das ist, so befremdlich es auch klingen mag eigentlich ein hochdeutscher Dialekt, der dort zum Besten gegeben wird...

Zu den Römern: Es ist natürlich auch keineswegs so, dass jedes Gericht, vor allem in den senatorischen Kreisen mit garum verstümmelt wurde, aber wie in einem anderen Beitrag von mir zum germanischen Limes nachzulesen, ist diese Soße einer der Exportschlager der Römer in die Provinzen und darüber hinaus gewesen.

Ich habe mir übrigens sofort auf dem Heimweg beim Leichendealer meines Vertrauens ein halbes Pfund Mett zugelegt, dass ich gleich auf ein paar Brötchen streichen und dann mit 3 bis acht ganzen Zwiebeln garniert genüßlichst verspeisen werde.

Es stellt sich dieser Stelle übrigens eine ganz wichtige Frage: wie es Ihr Eure Mettbrötchen, also Butter drunter und Zwiebeln drauf, ist ja klar, aber wie dick muss das Mett sein? Ich finde es muss relativ dünn sein, und auf keinen Fall dicker als die Butter. Wie seht ihr das?

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@Nietzsche81

Tach Herr Dr., also schmecken möchte ich schon was von dem Mett. Aus völlig unerheblichen Gründen kann ich gut und gerne die Butter etwas knapper ausfallen lassen, aber wenn Brötchen, dann ganz frische von Hemmerle und ganz dünn geschnittene Schalotten Ringe darauf. so geht es annähernd durch.

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@Merzherian

Ich hatte mal ein traumatisches Erlebnis bei dem Grossvater meines besten Freundes: Bei einem Umzug hat uns dieser Herr ganz der gute Gastgeber, ein paar Brötchen gemacht. Ich war schon vorgewarnt worden, dass mit der Begründung: wir sind ja nicht bei arme Leute, die Mettzuteilung pro Brötchenhälfte in Kilogramm vorgenommen würde. Dies trat dann auch ein und auf diesen Brötchen war so unsäglich viel Mett, mir fehlten die Worte. Und dann musste ich essen!!! Iss' doch, Junge, iss'! Musst doch ordentlich zupacken können... Bei jedem etwas schwereren Teil kam mir dann die Suppe hoch.

Seitdem habe ich eine Vorliebe für den dezenten Geschmack. Aber: frische Brötchen vom Peter-Bäcker (ist der HAMMER, der heißt wirklich so. Das fällt mir gerade erst auf...) gute deutsche Markenbutter, und ich bevorzuge schön saftige, gewürfelte Metzgerzwiebeln zusammen mit einem Hauch Salz und Pfeffer und etwas frischer Petersilie... Die habe ich nur leider nicht, da ich dazu neige, meine Grünpflanzen in den Freitod zu treiben...

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@Nietzsche81

LOL, Grünpflanzen in den Freitod treiben!!!!!! Die werden hier mehrheitlich vollendenden Nutzung zugeführt. Vielleicht solltest du dir überlegen, die Pflege anderen Mitbewohnern zu überlassen. Neee, 1 kg geht wirklich nicht. Aber schon vor dem Arbeiten abfüttern ist auch ungewöhnlich.

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@Nietzsche81

Also ein in Kilo zu berechnendes Hackbrötchen schießt eindeutig weit über das Ziel hinaus.

Ich benötige für ein ganzen Dinkelbaguette vonca 30 cm Länge exakt 120gr Mett, wobei ich die Butter darunter etwas dicker liebe (Eisbären haben kein Cholesterinproblem, selbst die amerikanischen nicht), dazu darauf eine schöne rote Zwiebel in zarten Scheibchen und ordentlich Pfeffer und büschen Salz und einen Hauch Dijon-Senf. Das ist sozusagen die optimale Mischung für mich.

Mist, hab heute nix zum fressen, nich mal ein wenig Robbentatar BRUMMEL

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@erweh

Wie passend. Erlabe dich doch an den eingestellten Bildern, da kannst du sogar ohne Reue mehr von nehmen, ansonsten SALAT und Günzeug aus dem Garten,..... ist ja nur ein Vorschlag, duckmichweg...

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@Merzherian

Du schlägst mir hier tatsächlich öffentlich vor meine liebreizenden alten Vermieter, denen ja der Garten gehört, zu beklauen. Also nee, ich bin empört, die eine Zwiebel gestern war ja sozusagen Mundnotraubwehr, aber alles darüber hinaus geht eindeutig zu weit. So das mußte jetzt mal klargestellt werden.

Sonst ruf ich howina zu Hilfe, die hat mit antiautoritär nix am Hut.

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@diewildeHilde

Was??? Wir haben hier ne Domina unter uns???

Hier wird ausnahmsweise nix geschlagen, sondern nur gehackt, gepetert und getatart...

Und zwar die diversen Fleischsorten....

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@Nietzsche81

Domina ist nicht so wirklich richtig, aber ich dachte, ich müßte die Kids hier mal wieder erden.....

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@erweh

Hey, bist du wahnsinnig eisbär, ich möchte nicht dem Engagement vo Howina ausgeliefert werden :-( Mir schwanen da handfeste Argumente.

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@Merzherian

Besser isset.... Vielleicht lass ich mich erweichen, und lass euch zur Strafe nur 100 mal den Text von Nietzsche abschreiben..... Kommt drauf an, wer die besten Mettbrötchen hier anschleppt.... Gebt euch Mühe, Freunde!!!!!! Und ab jetzt wird sich benommen hier, klar? Nix mehr mit irgendwo Einbrechen oder Klauen oder so was Dummes, okay? Ich glaub, et hackt.....

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Ergänzend zu Blindi56: Tartaren oder Tataren hat man die Mongolen und andere "Barbaren" aus dem Osten genannt. Das heutige Südrussland hat man Tartarien genannt. Viel darüber gewusst hat man nicht, deswegen mussten ja diese "Barbaren" rohes Fleisch essen. Tatsächlich hatten die Mongolenreiter Fleisch an den Sattel gezurrt, Pferdefleisch, deren Hauptfleischquelle. Das war gesalzenes Fleisch, dass sie an der Luft getrocknet haben. War die Reiterei unterwegs, hat der Reiter diese Fleischstreifen als seine Ration mitgenommen. Das mit dem "mürbe reiten" ist nur eine Legende, die fein zum Barbarenimage passte. Danach hat sich die Geschichte verselbständigt und man hat alle Gerichte aus rohem Fleisch "tartar" genannt unabhängig davon um welches Fleisch es ging.

Von den Tartaren wurde behauptet, sie würden rohes Fleisch unter dem Sattel "mürbe reiten", das wäre, als wenn man das mit nem Hammer in Fetzen klopft. "Steak Tartar" mit Pfeffer und Salz, Gürkchen und einem rohen Eigelb in der Mitte.

Hackepeter kenne ich nur aus Berlin, das ist etwas grober gehacktes (oder gewürfeltes) Schweinefleisch (Mett), scheint mir auch ein typisch Berliner Wort zu sein. Wie Mett, würzen und mit Zwiebel (und Maggi).

Ansonsten kann man das ganz sicher googlen.

Was kann man Googeln? Die Sattelweichgerittenen Beefsteaks? Glaube ich nich, vor allem stell Dir das mal vor, so ein richtig nettes Steak vom Pferdeschweiß durchtränkt, braucht man nich mal mehr würzen. bbbrrrrr

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@erweh

Deine kulinarischen Kommentare heut sind echt vom Allerfeinsten,.... von hinten betrachtet.

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