Soll die Schlange im Garten Eden der Teufel sein und wenn nicht, was hat sie für eine Motivation?

14 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Der christliche "Teufel" kann mit dieser Schlange nicht gemeint gewesen sein, denn der war zum Zeitpunkt der Abfassung dieser Geschichte noch garnicht erfunden. Die Figur "Satan" erfüllt im Alten Testament eine völlig andere Funktion - "Satan" ist im AT kein Gegner "Gottes". Siehe das Buch Hiob.

Die Autoren müssen mit der Schlange also einen anderen Hintergedanken verfolgt haben. Möglicherweise sollte man diesen "Paradiesbericht" als eine Art "Intro" für die kommenden Ereignisse betrachten?

Die "Schlange" könnte zum Beispiel ein Symbol für das Reich Ägypten sein. Schlangen galten den Ägyptern als heilige, verehrungswürdige Tiere.

Dsraus würde sich ergeben:

"Adam" & "Eva" = der glückliche, "gott"-getreue "Ur"-Mensch.

"Das Paradies / Der Garten Eden" = die "alte Heimat", in der es den Menschen gut ging und in der sie frei leben konnten. Vielleicht ein Hinweis auf mögliche mesopotamische Wurzeln der Hebräer (Abraham kam aus Ur in Chaldäa)? Die Bezeichnung als "Garten" ist hier interessant. Gärten waren z.B. in Babylon und zuvor vielleicht auch bei den Sumerern beliebt. Interessant ist auch, dass der Garten in der Bibel eindeutig als östlich des späteren "Heiligen Landes" gelegen beschrieben wird, nämlich bei den Flüssen Euphrat und Tigris. "Adam" und "Eva" waren also Iraker.

"Die Schlange" = eine fremde, böse, gottlose Macht, die den naiven "Ur-Gläubigen" mit Lügen und falschen Versprechungen von Gott weglockt und ins Unglück stürzt. Hierbei würden sich die Ägypter sehr stark anbieten: zum einen Wegen der Schlange selbst, als Symbol des Pharao und der fremden Religion. Zum anderen wegen der späteren Berichte: die Israeliten lebten zunächst frei in Ägypten, wurden aber später versklavt und brutal unterdrückt.

Letzten Endes werden wir nicht mehr zu 100% feststellen können, welche Botschaft die Schreiber dieser Geschichte der Nachwelt hinterlassen wollten. Auch meine Idee ist letztlich nur Spekulation. Die christliche Interpretation ist aus meiner Sicht in jedem Fall falsch, da sie schon anachronistisch aufgebaut ist und dem uralten, jüdischen Schöpfungsmythos christliche Theologie unterjubelt.

Eine sehr interessante Interpretation

Ich stimme auch zu, dass Gott den Satan im Buch Hiob wirklich nicht wie einen Feind oder auch nur wie einen Ausgestoßenen behandelt

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@Jackanapes

Es gibt noch viele andere Ideen, wie die Geschichte zu verstehen ist. Einige gehen in die psychologische Richtung, betrachten die "Schlange" als Symbol für negative, menschliche Emotionen wie Gier und Maßlosigkeit. Auch sexuelle Deutungen waren in der Vergangenheit sehr beliebt.

Richtig, "Satan" wurde im Judentum auch nie als "Feind Gottes" betrachtet. Für gläubige Juden ist allein der Gedanke, dass es ein negatives Geistwesen geben könnte, das gegen "Gott" agiert, Blasphemie.

"Satan" erfüllt im AT sozusagen die Rolle des "Staatsanwaltes". Er versucht, "Gott" (in diesem Beispiel der "Richter") von der Schuld und Verderbtheit des Menschen zu überzeugen. Die Rolle als "Gegner Gottes", der eigenständig Menschen zum Bösen verführt oder gar gegen seinen Herren kämpft, wurde ihm erst im Christentum zugewiesen.

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Falls es aber nicht der Satan war, was war denn dann überhaupt die Motivation der Schlange, den Sündenfall auszulösen?

Der beste Ansatz der mir da untergekommen ist, ist das Gespräch zwischen Eva und der Schlange als einen erzählerisch nach aussen projezierten inneren Konflikt zu betrachten. Die Schlange ist dafür wegen ihres Aussehens und ihrer (teils auch nachgesagten) Eigenschaften die perfekte Option. Aber auch Eva als diejenige, die diesen inneren Konflikt hat, ist erzähltechnisch die bessere Wahl, denn Gott hat das Gebot von jenem Baum nicht zu essen zu Adam gesprochen. Eva war nicht dabei, sie hat dieses Gebot aus zweiter Hand gehört. Daher ist sie anfälliger für einen solchen Konflikt, für eine solche Versuchung.

Satan, Teufel, Lucifer etc.pp kennt das Judentum bzw. Tanach nicht, also gibt es nicht, die aelteste monotheistische Religion ueberhaupt.

Ebernso wenig Verfuehrer oder Entzweier bzw. Diabolo. Steht jedenfalls nirgends im Urtext, da ist es schlecht zu beweisen, dass das da nicht drin steht.

Es gibt jedoch den Anklaeger, wie man auch leicht aus Hiob heraus lesen kann. Also der Typ, der alle Naselang zu G'tt rennt und Menschen verpetzt.

Auch lernen wir aus unseren (juedischen) Schriften, alles was geschehen soll, ausnahmslos alles, bedarf es vorher G'ttes Einwilligung. Kommt kein OK, passiert es auch nicht. Daher kann ein Widersacher G'ttes auch nicht eigenes schaffen und an dem Schoepfer sozusagen vorbei schmuggeln. Dazu gehoert auch die Schlange.

Die Schlange war listiger als alle anderen Tiere (Bereshit 3,1), was offensichtlich in ihrer Natur lag, und ging auf mindestens 2 eigenen Beinen und frass irgendwas anderes, nur nicht das was sich direkt auf der Erde bewegt, stellvertretend fuer "Staub", denn nach dem Fluch G'ttes wurde sie dazu verflucht, auf dem Bauch zu kriechen und Staub zu fressen. (Bereshit 3,14)

Das duerfte dann auch der Anlass gewesen sein, dass die Schlage ein wenig intelligenter, aber auch als neugieriger und mit einer gewissen Falschheit erschaffen wurde. Der Mensch wurde mit einem freien Willen erschaffen und ich denke, dafuer wurde die Schlange erschaffen, dass der Mensch auch Nein sagen kann.

Haetten also Adam und Eva nicht auf die Schlange am Schoepfungstag des Menschen gehoert, die Schlange haette ewig den Menschen in den Ohren gelegen, die verbotene Frucht zu probieren. Weil, das in ihrer Natur der Schlange lag, wie G'tt sie erschuf, das zu tun.

Die Schlange hatte also vor dem Fluch einen eigenen freien Willen, aus eigener unstillbaren Neugierde heraus zu verfuehren oder es nicht zu tun. Das sie einen eigenen freien Willen hatte zeigt, dass sie auch nach der Tat verflucht wurde. Es ist ja auch unlogisch jemand zu bestrafen, der keinen eigenen freien Willen hat, oder?

Die Feindschaft zwischen Schlange und Mensch zeigt auch, ihr wurde der freie Willen genommen und war dazu verdonnert, als Feinde des Menschen weiter zu leben.

Also, Motivation der Schlange war, die Art wie sie erschaffen wurde: selber hoechst Neugierig und listig.

Mir fehlt hier allerdings die Zusatzfrage, nach der Motivation der Frau und dann die des Mannes. Denn im Prinzip lief alles auf das Gleiche hinaus.

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Zur Natur eines Tieres fallt mir diese Geschichte ein, die ich irgendwo mal hoerte: Da war ein Fluss und ein Skorpion konnte nicht ueber den Fluss, wollte aber rueber. Da kam eine Ratte, die konnte schwimmen. Der Skorpion machte den Vorschlag, auf dem Ruecken der Ratte ueber den Fluss zu kommen. Die Ratte wehrte ab, weil die Gefahr zu gross war, dass der Skorpion die Ratten sticht und beide ertrinken. Der Skorpion entgegnete dem, er wolle lebend ueber den Fluss kommen, warum sollte er also stechen? Die Ratte glaubte danach dem Skorpion, aber auf der Mittel des Flusses stach der Skorpion die Ratte, die dann schrie: "Warum hast du das gemacht, jetzt ertrinken wir beide?" und der Skorpion sagte :"Ich habe gestochen, weil das in meiner Natur liegt. So wurde ich erschaffen."

Die Schlange war das "Sprachrohr Gottes (1.Mose 3,1; Offb.12,9).

Der beschriebene "Nachkomme" war Jesu,

welcher der Schlange ihr "Leben" nahm (Offb.5,5),

indem er für uns Menschen starb (Röm.6,23)

und das Los Satans (Offb.20,2) damit besiegelte (Offb.20,10)

Woher ich das weiß:Recherche

Die genaue Identität Nachaschs ist nicht zu klären, auch nicht seine Motivation. Sicher kann man nur sagen, dass er kein Tier war, denn ,,arum" (klug) wird in der Bibel niemals für ein Tier gebraucht. Verwirrung stiftet bisweilen die Aussage, dass er klüger war als alle anderen Tiere des Feldes. In den Übersetzungen hört sich das so an, als sei die Schlange das klügste Tier im Garten Eden. Die hebräische Formulierung meint aber einfach freie Felder außerhalb befestigter Einfriedungen wie dem Garten Eden. Dazu kommt, dass die Bibel bis auf die Gottebenbildlichkeit keinen wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und ,,Tier" macht, siehe auch Pred. 3.18-20..

Bleibt noch die etymologische Herleitung: Nachasch leitet sich vom hebräischen Wort für Flüstern, Murmeln ab und wird öfter mit Wahrsager übersetzt. Möglicherweise war er also eine Art Seher, der den Wohlstand im Garten Eden neidete, in jedem Fall ein menschliches Wesen. Zu Recht hast du festgestellt, dass im Pentateuch kein Wort für Teufel vorkommt. Das ganze Alte Testament kennt keinen Teufel. Die Gestalt im Buch Hiob fungiert eher als ,,Staatsanwalt", denn als Bösewicht.

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Woher ich das weiß:Recherche

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