Pferd(15) hat Schmerzen in den Hufen auf beiden Vorderbeinen- was haltet ihr für eine Diagnose für wahrscheinlich?

7 Antworten

So gut wie jeder Schmied, den ich im Laufe meines Pferde-Erlebens kennen gelernt habe, äußerte sich negativ über die Arbeit seines Vorgängers. Das zuerst einmal zu diesem Thema. Die sind meist sehr von sich und ihrer Arbeit überzeugt und versuchen dadurch ihre Position zu festigen, in dem sie sich selber in ein gutes Licht stellen und ihre eigene Arbeit über den grünen Klee loben, selbst wenn sie nachweislich Grütze produzieren. Da sieht dann jeder Huf anders aus. Das Pferd steht schief. Die Zehen sind zu kurz und dennoch schwadroniert der Schmied dann noch darüber, was er alles an Wundern bewirkt. Alles schon erlebt. Einen wirklich guten Schmied zu finden, ist nicht einfach. Es gibt einfach zu viele, die sich nur dafür halten. Ausschlaggebend für mich wären demnach so oder so nur Röntgenbilder und die Diagnose eines guten Tierarztes. Lass, wie vom Tierarzt geheißen die Eisen abnehmen. Und halte dich auch ansonsten an die Vorgaben des Tierarztes. Und nach Absprache mit dem behandelnden Tierarzt gönne deinem Pferd Fußbäder in kaltem Wasser. Bei mir am Stall funzt das, in dem wir den Abfluss einer Waschbox blockieren und diese mit Wasser volllaufen lassen. Das Wasser steht dann exakt bis über den Kronrand. So ziemlich egal bei welcher Diagnose verschafft das Kühlen einem Pferd mit schmerzenden Füßen Linderung. Eine Diagnose kann hier niemand erstellen. Schmerzende Hufe können zig Ursachen haben, angefangen von entzündeter Lederhaut, zu kurz geschnittenen Zehen, zu engen Eisen, Reheschüben und eben auch Hufrollen-Problemen und noch vielen anderen Möglichkeiten. Leider können Pferde uns nicht sagen, wo genau es weh tut. Deshalb bleibt oftmals nur die Ausschluss-Diagnostik. Das heißt, der Tierarzt muss durch die unterschiedlichsten Diagnosemöglichkeiten den tatsächlichen Schmerzort lokalisieren und andere Erkrankungen ausschließen. Es wäre so viel einfacher, wenn Tiere exakt benennen können, wo genau es weh tut und wie genau der Schmerz ist. Können sie nicht und deshalb dauern Diagnosen mitunter leider. Abkürzen kannst du das Prozedere unter Umständen möglicherweise, in dem du dein Pferd auflädst, zu einer guten Tierklinik fährst und die dortigen Diagnosemöglichkeiten ausschöpfst. Doch auch dort können sie nicht immer 2-Stunden-Wunder vollbringen. Schlussendlich müssen auch sie dort per Ausschlussverfahren arbeiten. Denn auch dort können die Pferde leider nicht reden. Aber es sind alle Verfahrensmöglichkeiten vor Ort und das verkürzt das Ganze mitunter enorm und macht es am Ende sogar preiswerter. Denn wenn man jedes Mal wieder die Anfahrt eines Tierarztes bezahlt, bei jedem neuen Termin, ist das teurer, als wenn man möglichst alles in einem Klinik-Termin unterbringt.

Es klingt nach Hufrolle. ABER ich würde gerade bei dieser Krankheit noch eine zweite Meinung einholen, und das in einer guten Klinik. Die Hufrolle ist ja ein ganzer Komplex an Strukturen im Huf, und nur eine Szinigrafie oder sogar ein MRT kann dann sagen, was genau geschädigt ist. Und nur dann kann, wenn überhaupt,gezielt behandelt werden.

standen seitlich aber leicht übers Eisen raus.

Das ist ein Zeichen, dass das Eisen viel zu eng aufgenagelt wurde. Tödlich für die Hufrolle.

sodass er erst ca nach 10 Wochen dran war,

Erst recht tödlich für die Hufrolle. Der TA hat recht, dass im Zweifelsfalle die Eisen abgehören.

Also, wie gesagt: mein Rat ist: zweite Meinung durch eine gute Klinik. Danach, wenn möglich, Eisen dauerhaft ab. Wenn das nicht möglich ist, dann muss die Beschlagsperiode kurz gehalten werden, nicht länger als 5 bis 6 Wochen und die Eisen müssen weit gelegt werden mit höchstens 3 Nägeln innen und außen. Und die Eisen müssen lang gelegt werden. Viele Schmiede legen sie kurz, weil sie Angst haben, dass die Pferde sie sich sonst abtreten. Aber kurze Eisen sind tödlich für die Hufrolle.

Und dann: raus aus der Box. Stehen ist - na was wohl? - tödlich für die Hufrolle. Am besten 24/7 raus.

Und beim Reiten Wendungen meiden. Am besten keine Halle, keinen Platz, sondern geradeaus reiten. Denn enge Wendungen sind .... genau.

Hört sich leider relativ typisch an für Hufrolle... Eisen hätte ich schon längstens mal abgemacht u. das ein Schmied über den anderen lästert, weil der Kollege aaaaalles falsch macht, ist auch normal. Da würde ich in diesem Fall nicht allzu viel drauf geben, sondern auf dem TA hören. 

Woher ich das weiß:Beruf – Pferdewirtschaftsmeister

Der Tierarzt meint aber es ist nicht die Hufrolle... Danke für deine Antwort :) 

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@Pferdelilly

Dann erst recht: ab in die KLinik, Szintigrafie gemacht. Eisen runter. 24/7 Weide. Ok, jetzt ist Winter, da ist das schwer zu verwirklichen. Ab wenigstes ab dem Frühjahr. So wenig Box wie möglich.

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@Dahika

Ich würde die bildgebenden Verfahren alle dann zurate ziehen, wenn mein Huforthopäde diese anfordert und nicht einfach auf Verdacht alles untersuchen was geht. Unnötige Untersuchungen belasten ja nicht nur den Geldbeutel des Pferdebesitzers.

Bewegung ist begleitend immer gut, aber auf befestigten Böden wird das Hornwachstum viel mehr angeregt, entsprechend fruchtet die Arbeit des HO schneller. Da wäre mir ein befestigter Offenstall dreimal lieber als Weide.

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@Baroque

Der Tierarzt ist von einer Klinik. MRT gibts hier im 50km Umkreis nicht so viel ich weiß und Transport ist schwer zu verwirklichen, da Pferd nicht gern einsteigt und ich weder Auto noch Hänger noch BE Führerschein habe, deshalb bin ich da bisher zurückgeschreckt... 

Zu der Bewegung: klar ist die gut aber ich kann doch kein lahmes Pferd, das nur Boxenhaltung mit Einzel- oder Zweierkoppel kennt, zu fremden Pferden in den Offenstall packen, oder? Zumal er leider nicht sehr sozial ist, er nervt andere Pferde sehr gerne und weiß dabei nicht wann Schluss ist... Hätte gedacht dass ich damit erstmal warten muss, bis die akute Phase vorbei ist und er einigermaßen klar läuft!?

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Ich finde das ist ein üblicher Verlauf bei Hufrolle! Es geht rauf und runter, es gibt auch mal Wochen, wo alles gut ist, aber irgendwann muss man Abschied nehmen. Es gibt zwar Pferde, die mit einem deutlichen Hufrollen Befund ewig über die Runden kommen ( insbesondere Robustrassen) aber es ist doch die Ausnahme.

GERADE bei einer Hufrollendiagnose gehören bei mir SOFORT die Eisen runter und der Huf gut huforthopädisch bearbeitet, damit man möglichst bald aus der Gefahrenzone kommt, wenn das noch zu schaffen ist. Das, was ein Beschlag machen kann, wirkt im ersten Moment sinnvoll, doch vertagt es das Problem nur und stoppt das Fortschreiten der negativen Entwicklung nie, denn dem Huf wird kein Grund gegeben, sich so zu entwickeln, dass er möglichst entlasten hilft. Im Gegenteil, das Eisen macht das und der Huf entwickelt sich entgegen dem, wie er sich entwickeln sollte. Wenn Du den barhufkundingen hier Hufbeurteilungsfotos zeigst, wird vermutlich jeder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und etliche Punkte nennen können, die langfristig das Problem verschlimmern, zum Durchbruch führen können.

Daher würde ich nicht nur die Eisen abnehmen, sondern gleichzeitig auch nach einem guten Huforthopäden suchen - irgendwie habe ich noch keinen Schmied gesehen, der das Problem lösen konnte. Ich habe immer noch die Ahnung, dass die zu viel Metallbearbeitung und zu wenig Anatomie lernen im Vergleich zu den HOs.

Und dann drück ich Dir die Daumen, dass es noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Die Röntgenklassen kenne ich nicht gut genug, um da was sagen zu können. Unser Hufrollenpatient läuft problemlos, seit er huforthopädisch betreut wird. Er hat Schwierigkeiten, aber die kommen von woanders. Man hat ihn wohl in seiner Jugend nicht ganz verschleißfrei gearbeitet.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Durchgenend Pferdeerfahrung seit 1981

Ich habe immer noch die Ahnung, dass die zu viel Metallbearbeitung

Das ist keine Ahnung. Das ist so. Ich kenne einen sehr guten Schmied, der auch Barhuffan ist. Rate mal, was er als Gesellenstück gemacht hat? Ein Gartentörchen. 
Sehr sinnvoll....

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@Dahika

Völlig klar, aber sie erzählen ihren Kunden immer, dass sie VIEL mehr über Pferdeanatomie, vor allem der Gliedmaßen lernen als die HOs ... deshalb frag ich mich halt, wo dann das Wissen ist, wenn die Pferde mit dem, was sie da lernen, nicht langfristig zurecht kommen - ich hab mal eine Ausbildungsmitschrift inkl. Begleitliteratur von beiden sehen dürfen und der Vergleich sagt mir, dass die HOs da sehr viel mehr ins Detail gehen - zugunsten der Gesundheit, aber ich hab das hier nicht vorliegen, dass ich den Beweis führen könnte, also bezeichne ich es als "Ahnung" ;-)

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@Baroque

Ja, meiner wurde früher leider auch viel zu viel gearbeitet, wenn ein 5 jähriger passagieren muss, kann das nicht gut sein...

Also Eisen sind wie gesagt jetzt unten und er läuft glücklicherweise weniger schlimm als erwartet. Ich hoffe sehr stark, dass es nicht die Hufrolle ist aber solang es nicht wieder schlimmer wird, werd ich mal meinem Tierarzt weiter vertrauen und mich parallel umhören bzgl. Huforthopädie. Danke für deine Antwort :)

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@Pferdelilly

Ja, hör Dich mal um. Am Anfang laufen sie alle und wenn er tappst, ist das normal, sie müssen ja erst mal das gute Horn bilden und das wächst von oben her nach. Dafür braucht der Huf Zeit. Also nicht entmutigen lassen. Klar, wenn man dann wieder beschlägt, ist das tapsen weg, aber der Huf halt kein bisschen besser. Wird Dir dann aber alles Dein HO erklären, wenn Du jemanden gefunden hast ;-)

Er wird Dir auch erklären, was sich an den Hufen anatomisch alles verändern muss und auch wird. Je nachdem, wie die Böden beschaffen sind, auf denen das Pferd lebt, kann er Dir möglicherweise einen Anhaltspunkt geben, wieviel Zeit das braucht.

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