Muss ich die Kirche (ev.) verlassen um Buddhistin zu sein?

8 Antworten

ob ich auch in der (ev.) Kirche bleiben kann und trotzdem Buddhistin sein kann.

Von buddhistischer Seite aus: Ja. Die ev. Kirche wird dich – sofern sie von deiner Einstellung erfährt – zwar sicherlich als irregeführt betrachten, aber deshalb vermutlich nicht gleich rauswerfen. Nachdem wir (hier in Europa) in einer christlich orientierten Umgebung leben, spricht nichts dagegen, deren Rituale zu akzeptieren.

ich glaube nicht an Gott da er für mich nur ein Hirngespinst ist.

Achtung: Auch Buddha berichtete von Gott/Göttern (als Wesen in höheren Daseinsbereichen). Abgelehnt (aber nicht einmal das ist in allen buddhistischen Richtungen so) wird lediglich die Annahme eines Schöpfergottes wie er z. B. im Christentum verstanden wird.

ich glaube an den Buddhismus

Wirklich? Buddha fordert ausdrücklich keinen Glauben sondern betont die Wichtigkeit eigener Erfahrung.

meine Eltern (Familie) wären enttäuscht wenn ich die Kirche verlassen würde

Dann folge dem Rat von Enzylexikon und „laß nicht gleich provozierend den Buddhisten raushängen“ :-). Damit würdest du deine Familie nur (wenn auch nur zu Unrecht) beunruhigen und deinen eigenen Weg erschweren.

Echte Buddhisten gehen auch keinesfalls auf Konfrontation zu Andersdenkenden.

Innerhalb des Buddhismus gibt es vermutlich größere philosophische Gegensätze als innerhalb des Christentums. Fange also lieber erst mal mit Quellenstudium an als gleich mit dem "gelben Gewand" und einer "Bettelschale" rumzulaufen.

Ansonsten verweise ich auf die ausführlichen und fundierten Antworten von Enzylexikon und Waldfrosch4.

Alles Gute


Danke schön. Aber wegen "ich glaube an den buddhismus" ich glaube ich habe das falsch da gestellt ich meinte damit mehr das ich einfach nicht an Gott glauben kann und mehr denn Buddhismus folgen möchte. Und wegen meiner Familie die Wissen rein garnicht das ich Buddhistin bin. Sie wären einfach enttäuscht wenn sie den Grund erfahren würden. Eigentlich weiß niemand außer ich und meine BFF davon.

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Es gibt eine Menge Leute d ie sind Mitglieder von christlichen Kirchen und haben Geistigerweise den christlichen Boden längst verlassen .

Das Verhalten erklart sich meist dadurch dass diese Leute weder das christliche Glaubenskonzept ..noch dasjenige verstehen mit welchem sie liebäugeln.

Der Sinn des christlichen Glaubens ist es nach dem Tode zur Anschauung Gottes zu Gelangen .

Das Ziel des Buddhismus ist es aus dem Samsara ,dem Rad der Wiedergeburt auszusteigen ...um als Ich entgültig zu verlöschen ..

(sein Ich abzulegen erscheint mir persönlich aber doch etwas zuviel vom Menschen verlangt...und unmöglich ..und auch nicht wirklich erstrebenswert..weswegen ich am Ende dann den Budd. Wieder verlassen habe..)

dazu musst du dein empirisches Ich ganz ablegen (übersteigen).wie soll das möglich sein ?

Beide Konzepte verlangen Entschiedenheit von einem Menschen.Beide Wege gehst zu für dich alleine ..ob du nun dich selbst erlöst  wie im Buddhismus ..oder ob der Mensch sich die Erlösung schenken lässt durch Jesus Christus.

Weder deine Eltern noch irgendwelche buddhisten werden nach deinem ableben die Konsequenzen für deine Handlungen tragen ..sondern nur du ganz alleine.

mein Tipp :studiere beide Konzepte gründlich und erst danach entscheide bewusst .

Ich wünsche dir einen guten Weg 

Ich bin Buddhist und gebe dazu mal meinen Senf ab.

Deshalb meine Frage ob ich auch in der (ev.) Kirche bleiben kann und trotzdem Buddhistin sein kann.

Es gibt viele Menschen die zwar christlich getauft und offiziell auch Mitglied einer christlichen Kirche, jedoch zugleich keine praktizierenden Christen sind.

Für dich persönlich sollte entscheidend sein, was du selbst für dich erkannt hast und nicht, was auf einem Stück Papier steht.

Du kannst also theoretisch formell ein Mitglied der Kirche bleiben, denn in den Kopf kann dir niemand schauen.

"Problematisch" wird es nur, wenn du deine buddhistischen Überzeugungen auch sichtbar ausleben willst, etwa indem du einen Hausaltar aufstellst und dort buddhistische Rituale pflegst. Denn dadurch distanzierst du dich sichtbar von deinem bisherigen Bekenntnis.

Theologischer Widerspruch

Theologisch ist es vermutlich nicht möglich, zugleich Christ und Buddhist zu sein, denn das Christentum lehrt, dass die Erlösung durch Jesus Christus erfolgt, während die Lehre des Buddhismus auf der Vorstellung der Selbsterlösung fußt.

Allerdings habe ich beispielsweise einen evangelischen Geistlichen in Berlin kennen gelernt, der zugleich Zen-Lehrer ist - es also offenbar für sich selbst geschafft hat, gewisse theologische Grenzen zu überwinden (http://www.stefan-matthias.de/Uebermich/uebermich.html).

Für konservativ ausgerichtete Christen gibt es, nicht zuletzt aufgrund der Selbsterlösungslehre, unüberwindbare Hindernisse zwischen Buddhismus und Christentum.

Buddhistische Praxis

Man muss kein Buddhist sein, um buddhistische Meditation zu üben. Ich kenne Menschen unterschiedlicher Konfession und Überzeugungen, mit denen ich gemeinsam buddhistische Meditation geübt habe - darunter Christen, Juden, Muslime, Vaishnava und Atheisten.

Die Meditation als Praxis von Achtsamkeit beinhaltet selbst keine religiösen Lehren und ist daher aus meiner Sicht konfessionsübergreifend.

Zudem sehen viele die buddhistische Meditation gar nicht als Erlösungsweg, sondern lediglich als Möglichkeit zu mehr Entspannung und geistiger Klarheit zu gelangen.

Auch hier werden konservative Kreise beider Seiten vermutlich widersprechen, was ja auch ihr gutes Recht ist.

Radikale Christen behaupten zum Teil sogar, bei der angestrebten "Gedankenleere" der Meditation könnten Dämonen Besitz von Menschen ergreifen - unnötig zu erwähnen, dass ich diese Auffassung nicht teile.

Sittlichkeitsregeln

Die fünf Sittlichkeitsregeln des Buddhismus entsprechen dem gesunden Menschenverstand und vermutlich wird eine Mehrheit der Menschen, egal welchen Glaubens, diese Regeln als durchaus sinnvoll ansehen.

Kirchenaustritt

Mit 14 bist du religionsmündig und darfst frei entscheiden. Außerdem bist du nicht verpflichtet, deinen Kirchenaustritt an die große Glocke zu hängen.

Der Austritt hätte für dich persönlich vermutlich vor allem symbolische Bedeutung und würde auch dazu führen, dass du keine Kirchensteuer mehr zahlen musst. Es könnte also möglicherweise vom finanziellen Aspekt her sinnvoll sein.

aber meine Eltern (Familie) wären enttäuscht wenn ich die Kirche verlassen würde

Wenn du fürchtest, mit den Spannungen in deinem Umfeld überfordert zu sein, dann solltest du dir den Kirchenaustritt zumindest jetzt noch überlegen.

Wenn du aber von der Richtigkeit deiner Entscheidung überzeugt und der Meinung bist, deine Angehörigen würden nach der ersten Enttäuschung langfristig darüber hinweg kommen, solltest du dich nicht dem sozialen Druck beugen.

Es geht schließlich um deine spirituellen Bedürfnisse und nicht jene anderer Menschen.

Übrigens ist der Buddhismus in Deutschland nicht offiziell als Religionsgemeinschaft anerkannt, daher würdest du in der Regel als "ohne Bekenntnis" gelistet werden.

Zufluchtnahme

Anders als oft angenommen, ist für die buddhistische Praxis nicht erforderlich sich einem Ritual zu unterziehen und im Rahmen einer Zeremonie formell Buddhist zu werden.

Wenn man sich aus freien Stücken zu Buddha, Dharma und Sangha bekennt, die fünf Sittlichkeitsgelübde ablegt, diese einhält und buddhistische Meditation übt, ist man bereits praktizierender Buddhist.

Die aus den asiatischen Ländern stammenden Zeremonien und die Verleihung eines buddhistischen "Dharma-Namens" durch den eigenen Lehrer sind zwar eine schöne Erfahrung, aber nicht substantiell notwendig.

Solltest du noch Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

Woher ich das weiß:Eigene Erfahrung – Seit mehr als 30 Jahren praktizierender Buddhist

Ein Buddhist wird man von innen heraus, ohne Rituale und Zeremonien. Beschäftige Dich intensiv mit der Sache, dann kannst Du bald viele Fragen selbst beantworten.

Man kann auch Buddhist sein U N D gleichzeitig Christ, oder Jude, oder Muslim, oder ..... Als Angehöriger J E D E R Religion kann man Buddhist werden ! Ebenso kann man bei seiner bisherigen Religion verbleiben und gleichzeitig Buddhist sein.

Ein Christ oder Muslim glaubt, ein Buddhist macht sich auf den Weg, selbst zu erkennen. Natürlich sehen es „eingefleischte“ Christen anders. Aber der Buddhismus ist offen für alle, ohne Verpflichtungen. Es findet ja auch alles in Dir selbst statt. Du musst es für Dich entscheiden. Und wenn Du damit klar kommst, wie übrigens viele andere Menschen auch, ist das vollkommen in Ordnung. Nur solltest Du Dich wirklich intensiv mit der Materie des Buddhismus beschäftigen. Es wird sich als Bereicherung herausstellen. Es geht in der Hauptsache ja eigentlich darum, sein eigenes irdisches Menschenleben sinn- und nutzvoll zu gestalten. Und welche Unterstützung, Hilfestellung, Ratgeber, Wegweiser etc. einem dafür hilfreich sind, nützen der Sache an sich und machen nicht unbedingt dümmer. Ich bin derjenige, der sein eigenes Leben beeinflussen kann. Keine Dogmen und Verpflichtungen.

Zum Buddhismus kann man nicht übertreten. Man kann sich zu den Lehren Buddhas bekennen und diese befolgen und anwenden.

Danke für die Antwort. Ich habe mich schon sehr gut über den Buddhismus informiert und bin froh das ich mich so entschieden habe. ^^

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Ja du kannst in der evangelischen Kirche angemeldet sein. Im Buddhismus gibt es keine manifestierten Aufnahmerituale oder ähnliches :)

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