Mindestlohn abschaffen- Vorteile?

10 Antworten

Für viele Arbeitgeber hätte das (hypothetisch) den Vorteil, daß nach dem Verstreichen einer angemessenen Schamfrist langsam einschleichend Arbeitnehmer einen dann neu aufkommenden Mindestlohn zahlen müssen, damit sie sich für den Arbeitgeber krumm ackern dürfen.

Einige negative Nebeneffekte wären aber auch die Folge. Bei einem Wegfall des Mindestlohns bekämen viele Arbeitnehmer weniger Geld, können sich weniger kaufen, kleinere Firmen verlieren dadurch Umsätze, zahlen dann noch geringere Löhne (falls sie sich dann Lohnzahlungen überhaupt noch leisten können), und die Deflationsrate steigt. Für Sparguthaben gibt es dann nur noch Negativzinsen.

Wer das unbedingt so haben möchte, muß die FDP wählen.

Vorteil wären etliche Preissenkungen bei Handwerksbetrieben, insbesondere Friseuren. Außerdem auch im Gastronomiebereich und anderen Niedriglohnjobs. 

Ein weiterer Vorteil wäre, dass Unternehmen weniger Aufwand haben, nachzuweisen, dass die Mitarbeiter auch nur so und so viele Stunden gearbeitet haben, um letztlich auf den Mindestlohn zu kommen. 

Für Arbeitnehmer sehe ich jetzt direkt keine Vorteile, außer dass es vielleicht hier und da mehr Arbeitsplätze gibt. 

Ich bin trotz der Tatsache, dass ich Links wähle ein Gegner des Mindeslohns weil er nur eine Krücke für ein tieferliegendes Problem ist, nämlich den Lebenshaltungskosten der Menschen. 

Es ist klar, dass bei steigenden Mieten und Nahrungsmittelpreisen, sowie Energiepreisen von wenig Lohn natürlich noch weniger am Ende des Monats übrig bleibt. Zieht man dann einen Mindestlohn ein und hebt diesen periodisch an, steigen kurz danach auch immer die Preise, weil die Unternehmen die Kosten nach und nach an Kunden weitergeben. Das heißt spätestens 2 Jahre nach einer Erhöhung des Mindestlohns, bleibt dem Arbeitnehmer relativ genau so viel vom Gehalt wie vor dem Mindestlohn. Daher muss man eher sehen wie man den Preisdruck aus bestimmten Märkten holt und ganz dringend wäre eine Reduktion der Mehrwertsteuer mit den vorliegenden Steuerüberschüssen, so dass Menschen auf günstigere Waren und Dienstleistungen zugreifen können. 

Gut argumentiert! Ich habe auch das Gefühl, dass Arbeitgeber sich dann an den mindestlohn "Klammern" d.h. So viel und nicht mehr. Mit tarifgebundenen Verträgen hätte man evtl. mehr Geld in der Tasche. Deshalb finde ich das gut von der FDP: Bürgergeld einführen, sodass man mehr verdient wenn man arbeitet als wenn man auf harz 4 leben würde und sich das arbeiten dann nicht lohnen würde (Mans sogar nach Abnahme des Harz 4 weniger verdient). 

Langfristige Lösungen und nicht an der Oberfläche kratzen..

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Du glaubst doch wohl selbst nicht daran, dass ein Handwerker deswegen die Preise reduzieren würde?

Wer anfängt die Preise zu senken, kommt schnell in den Geruch pleite zu sein.

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@DerHans

Da ich - wie bereits in den anderem Kommentar erwähnt - Eltern habe, die beide jeweils ihr eigens Unternehmen haben, weiß ich ganz genau, dass meine Mutter garantiert die Preise fürs Essen reudzieren würde und mein Vater auch die Preise zumindest für Standarddienstleistungen.

Aber in unserem Volk ist ja scheinbar jeder Unternehmer von Gier so zerfressen, dass man es sich ja nicht mal im ANSATZ vorstellen könnte.

Außerdem, warum sollten sie die Preise auch nicht reduzieren...wenn sich keiner das leisten kann, was sie anbieten machen sie so oder so dicht.

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Wir haben in vielen Branchen Fachkräftemangel. Nur Leute ohne Qualifikation haben relativ genug. Deren Lohn (Kuriere, Helfer, Raumpflege ...) würde sinken. Da viele Menschen bereit sind auch unter dem Existenzminimum zu arbeiten.

Dadurch entstünden aber keine neuen Jobs. Es würden höchstens einige zwielichtige Unternehmer ohne soziale Verantwortung profitieren.

Bestimmte einfache Tätigkeiten wie Kurierfahrten und Putzdienste würden etwas billiger werden.

Dafür müssten wir mehr Geld für Sozialleistungen ausgeben. Zu Arbeitsplatzverlusten hat die Einführung des Mindestlohns entgegen der Prognosen arbeitgebernaher Lobbyisten wie Prof. Sinn bekanntlich nicht geführt. Eine Verringerung der Arbeitslosigkeit wird sich darum auch nicht ergeben.

Ich muss dich in einem korrigieren. Es wären nicht viele Menschen bereit auch unter dem Existenzminimum zu arbeiten, sondern sie wären faktisch dazu gezwungen dies zu tun, weil Sozialleistungen, die sie in dem Fall definitiv in Anspruch nehmen müssten, eben auch gewissen Forderungen unterliegen.

Der Großteil derer, die vor Einführung des Mindeslohns für 3, 4 oder 5 Euro (Vollzeit) schufteten und anschließend beim Amt um Zuschüsse betteln mussten, weil von solchen Löhnen natürlich keiner leben kann, hat sich definitiv nicht freiwillig ausbeuten lassen, sondern musste derartige Jobs verrichten, um Sanktionen zu entgehen.

Die Zeiten vor dem Mindestlohn hab ich aus nächster Nähe mitbekommen dürfen. Meine Mutter schuftete für 4.50 die Stunde in einer Wäscherei. Das war auch der Durchschnittslohn in diesem Laden während die Inhaberin sich 3x im Jahr Urlaub in fernen Ländern der Welt gönnte und rumheulte, das sie gern mehr zahlen würde, es sich aber nicht leisten kann.

Als dann der Mindestlohn eingeführt wurde ging's plötzlich doch, denn entlassen wurde niemand (ist ja nicht so, das zuvor unnötig Leute angestellt waren). Alles was sich änderte war, das die Inhaberin heute eben statt 3x nur noch 2x pro Jahr schick Urlaub macht - dafür aber 5 Menschen zumindest ansatzweise von dem wofür sie arbeiten gehen auch leben können.

Das die Preise für Dienstleistungen in gewissen Bereichen sinken würden, wenn der Mindeslohn wieder weg wäre, wage ich ernsthaft zu bezweifeln. Niemand verzichtet freiwillig auf Profit.

Der Kunde macht seine Kaufbereitschaft ja nicht abhängig von den Löhnen, die der Arbeitgeber seinen Angestellten zahlt.

Und zu viel weniger Kaufkraft käme es auch nicht, da man heute mit 8,50 sich auch nur den Gang zum Amt wegen Zuzahlungen zum Lebensunterhalt spart. Sprich - die Leute, die früher für weniger ran mussten, können sich durch den Mindestlohn nun auch nicht wesentlich mehr leisten, da der noch immer so niedrig ist, das er eben gerade so zum leben reicht.

Der große Unterschied, den der Mindestlohn macht ist, das er den Arbeitnehmern eine gewisse Würde und auch Freiheit zugesteht.

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@holjan

Ich wollte nur ausdrücken, dass viele Menschen bereit waren, trotz Sozialleistungen unter dem heutigen Mindestlohn zu arbeiten um ihre Würde zu wahren. Mein Respekt gilt Leuten wie deiner Mutter.

Ansonsten stimme ich dir zu.

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@Geraldianer

Wie gesagt - so freiwillig war das eben nicht. 

Meine Mutter hat den Job nur deshalb gemacht, weil das Jobcenter das von ihr verlangt hat und eine Ablehnung des Jobs bedeutet hätte, das man ihr die Unterstützung kürzt bzw. streicht.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht was Ausbeutung mit Wahrung der Würde zu tun hat. 

Würde hat sie mit Einführung des Mindestlohns erfahren, weil der ihr ermöglichte auf eigenen Beinen zu stehen, statt beim Amt um die zusätzlichen Gelder zu betteln, um überhaupt leben zu können.

Niemand, der in irgendeiner Form mit dem Jobcenter interagieren muss, verbindet das mit Würde. - im Gegenteil.

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