Könnte Glück ohne Pech existieren?

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Wir leben in einer Dualität, das heißt konkret gesagt, ohne Glück kann kein Pech existieren und wenn wir nur Glück kennen, kennen wir keinen Glück und es gibt auch keinen Pech. Eben weil du nicht anders kennst. Dabei ist Pech die Abwesenheit von Glück. Sie hat keinen eigenen Kraft. Sie ist nichts.

Ohne schlechte Gedanken und Gefühle kannst du keinen positiven Gedanken und Gefühle wirklich nachempfinden bzw. sie wertschätzen. Eben weil du nicht anders kennst.

Ohne Krankheit weißt du nicht wirklich was Gesundheit ist. Ein gesunder Mensch hat tausende Wünsche aber ein Kranker hat nur einen Wunsch: nämlich gesund zu werden. Dabei wertschätzen wir die Gesundheit leider oft nur wenn wir krank sind. Was aber nicht sein muss.

Ohne Kälte weißt du nicht was Hitze ist.

Ohne Dunkelheit weißt du nicht was das Licht.

Und so weiter...

Und dabei ist Gesundheit der reale Zustand. Krankheit ist einfach die Abwesenheit von Gesundheit. Sie hat keinen eigenen Kraft. Sie ist nichts.

Und dabei ist Hitze der reale Zustand. Kälte ist einfach die Abwesenheit von Hitze. Es gibt ein absoluter Nullpunkt (-273,15 Grad Celsius) aber keinen absoluten Höhepunkt.

Und dabei ist Licht der reale Zustand. Dunkelheit ist einfach die Abwesenheit von Licht. Es gibt eine absolute Dunkelheit aber keinen absoluten Helligkeit.

Und so weiter...

Und wenn man ein Leben nach dem Tod oder auch Nahtoderfahrungen den Glauben schenkt ist Liebe der reale Zustand. Alle negativen Gedanken und Gefühle sind die Abwesenheit von der Liebe. Sie haben keinen eigenen Kraft und sind somit nicht wirklich vorhanden. Dennoch glauben so viele Menschen, dass das ,,Böse" real ist. Hass wird nicht durch Hass besiegt. Hass wird durch Liebe besiegt.

Danke für den Stern!

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Richtig gut geschrieben! Respekt👍

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Dann muss man sich aber auch fragen, wo Pech anfängt und Glück ebenso. Tatsache ist: Wir sind Menschen und haben jeder ein anderes Empfinden, was diese Wörter und auch Emotionen angeht. Der eine empfindet nur einen hohen Lottogewinn als Glück, der andere ist schon glücklich, wenn er auch DAS im Supermarkt bekommt, was er haben wollte (ich rede nicht von Lebensmitteln!).

Diese Frage ist typisch für ein dualistisches Denken. Glück und Pech, Gut und Böse, Freude und Schmerz, immer werden gegenteilige Endpunkte, Polaritäten einer ganzen Werteskala absolut gesetzt und gegenseitig in Kontrast gebracht, als ob zwischen Weiß und Schwarz keine ganze Skala von Grau existierte. Wenn man bedenkt, dass die jeweiligen Werteskalen, mit denen Wohlbefinden gemessen wird, bei den Individuen sehr verschieden ausfallen können, wird deutlich, dass es die jeweiligen Endpunkt der Skalen, Glück und Pech genannt, gar nicht in Absolutheit geben kann, dass die ganze Frage daneben geht.

Was existiert, sind Werteskalen. Was wir als Menschen in Gemeinschaft als Konstrukteure der Sprache und Begriffe leisten, sind die Bezeichnungen der einzelnen Positionen auf einer solchen Skala und natürlich auch der Endpunkte. Wenn wir diese Endpunkte dann in ihrer Existenz voneinander abhängig machen, fallen wir eigentlich nur auf unsere eigenen Konstruktionen herein, in denen wir den Werteskalen willkürlich Endbegriffe zuordnen, obwohl z.B. die Werteskalen bei weitem nicht für alle Menschen gleich lang sind. Wem es auf Grund der Verhältnisse gut geht, für den landet PECH schon dort, wo für eine andere Person mit weniger guten Verhältnissen fast noch ein "in Ordnung" steht.

Werteskalen existieren. Aber es sind Skalen realer Menschen und die Skalen von armen Menschen des Mittelalters, die ohne jede Absicherung heute nicht wussten, was sie morgen essen könnten, wo sie schlafen könnten usw. waren wesentlich andere als die von uns Wohlstandsbürgern. Schon der alte Epikur hat in seiner Sprachkritik gefordert, dass von Menschen gesetzte Begriffe in der Anwendung immer zur Orientierung auch auf die Realitäten bezogen werden, denen sie zugeordnet sind. Er war der Gegenpol zu Platon, der mit seiner Ideenlehre die Begriffe umgekehrt zum Maß für die Realität machen wollte. Deswegen können Menschen, die im Sinne Platons denken (platonische Brille) den Epikur nicht verstehen, weil er Begriffe ganz anders benutzt.

Bei Glück muss man aufpassen. Es ist ein Teekesselchen. Wenn du es in den Kontrast zum Pech stellst, bedingt sich beides gegenseitig.

Glück wird so betrachtet zu einem Zufallsereignis, welches zugunsten eines Subjekts ausgeht. Würde Glück ohne Pech existieren, würde zu 100 % das Ereignis immer zugunsten des Subjekts ausfallen.

Man kann zwar Szenarien entwerfen, in denen das Ergebnis zu 100 % vorhersagbar ist, aber dann würde man nicht mehr von Glück sprechen. Glück kann man nur haben, wenn man auch Pech haben könnte.

Geben schon, aber nicht bewusst... So wie man Kummer braucht, um Freude wahrnehmen zu können...

(siehe "Alles steht Kopf" :o))

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