Ist Nationalstolz nicht unlogisch?

70 Antworten

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  • Der Begriff "Stolz" ist in Deutschland aufgrund unserer Vergangenheit mit dem Dritten Reich sehr belastet und das Verhältnis der Deutschen zu Stolz sehr eigenartig. Im Vergleich zu anderen Ländern haben auffallend viele auch heute noch ein Problem mit Nationalstolz.
  • Ich kann einerseits nachvollziehen, und bin auch selbst so erzogen worden, dass Stolz keine Eigenschaft ist, die für unsere Generation keine große Bedeutung hat. Weder auf eigene Leistungen noch im Sinne von Patriotismus. In den USA ist man auf jede Kleinigkeit stolz und auf ie Nation erst recht. Stolz ist da viel unverkrampfter, aber auch viel alltäglicher und normaler.
  • Du hast recht, dass man Stolz sein sollte auf eigene Leistungen. Gleichwohl darf man sich durchaus auch mit gemeinschaftlichen Leistungen identifizieren, nicht nur im Mannschaftssport, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene. ich finde es toll, wie Deutschland es geschafft hat, sich vom Dritten Reich zu einer Vorreiterrolle bezüglich Menschenrechten, Demokratie, Asylrecht  und Freiheit zu entwickeln.
  • Zwar ist nicht jeder einzelne von uns dafür verantwortlich, aber sehr viele Menschen sind es sehr wohl: Sie stehen täglich dafür ein, dass sie unsere freiheitliche Grundordnung wertschätzen, dass sie den Sozialstaat unterstützen, dass sie wählen gehen, dass sie ihren Anteil am Gemeinwohl leisten und dafür, dass Deutschland insgesamt so lebenswert, sicher und demokratisch ist, wie es tatsächlich ist.
  • Wie gesagt, ich bin auch eher nicht so erzogen zu sagen, "Ich bin stolz, Deutscher zu sein". Aber vielleicht sollten wir doch ab und zu mal drüber nachdenken, ob wir es nicht in einem gewissen Sinne wirklich sein dürfen.
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Aber vielleicht sollten wir doch ab und zu mal drüber nachdenken, ob wir es nicht in einem gewissen Sinne wirklich sein dürfen.

Beim Sport oder bei einer Kneipenschlägerei kann ja so ein Gruppenstolz ganz prima sein.

Die Frage ist aber doch eher, ob man Dinge wie Kultur, Gesellschaft und Politik mit euphorischen Gefühlen verklären möchte und dabei geistige Schärfe und seine klare Sicht  einbüßt.

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@Gegengift

Warum sollte dadurch die klare Sicht einbüßen?

Man kann sich schämen für sein Land, wenn dort Dinge geschehen, die man nicht gutheißt. Und man eben auch stolz sein auf sein land, wenn die Dinge so geregelt sind, wie man sie für menschlich richtig hält. Was ist daran vom Prinzip her falsch?

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@Kajjo

Du meinst stolz auf ein Land zu sein oder sich für ein Land zu schämen wäre das Ergebnis einer sachlichen Analyse. Ich denke das kann man in praktisch allen Fällen ausschließen.

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@Gegengift

Nein, ich stimme dir zu, dass Stolz eine emotionale Reaktion ist, aber auch Gefühle beruhen ja auf dem, was man wahrnimmt und wie man die Situation einschätzt.

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@Kajjo

Ja genau. Deshalb ist es so fatal, Kultur, Politik und Gesellschaft emotional durch die rosa Brille zu betrachten. Eben weil Kultur, Politik und Gesellschaft einen kritischen Geist benötigen, um nicht selbst  zu degenerieren.

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@Gegengift

Du willst auch Dinge nur so verstehen, wie du möchtest oder? Kajjo hat es eigentlich gut erklärt. Oder du bist vielleicht ein Vulkanier.

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@AlexChristo

Du musst dich nicht argumentativ so zurücknehmen. Wenn du etwas beizutragen hast, tu es ruhig.

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@Kajjo

Es ist halt so, dass die Menschen immer geneigt sind, das eigene Land als das gute wahrzunehmen. Die Befüchtung liegt nahe, dass das durch Nationalstolz noch verstärkt wird.

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@david23x

In Deutschland beobachte ich eher das Gegenteil... fast alle machen das Land schlecht und nörgeln herum. Wir sind eine Generation voller Schuld und Komplexe.

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Naja, dass kommt wiederum auf den Betrachtungswinkel an. Ich kann auch sagen, dass ich gewählt und damit zu etwas beigetragen habe. Ich denke mal wir können Stolz darauf sein, dass wir von vielen Teilen der Erde bewundert werden, was nämlich unsere bzw. die vorige Generation zu verdanken ist. Man darf sich nicht einzeln sehen, man muss Länder als Fraktionen sehen in denen jeder zueinander gehört. Nach dieser Logik kann man stolz sein. Ich denke man sollte den Stolz aber nur in gewissen maßen ausleben. Und denke immer daran, wie gut du es hast in einem der kleinsten Länder geboren zu sein. Denn von der Fläche her ist die Wahrscheinlichkeit ja viel höher in anderen Kontinenten geboren zu werden. Und es wird Zeit, die Vergangenheit ruhen zu lassen ! Wir können rein gar nichts dafür was unsere Eltern / Großeltern da gemacht haben. Und ja die Eltern / Großeltern und nicht Hitler, denn ihr könnt mir nicht erzählen, dass Hitler das ohne die Unterstützung des Volkes geschafft hätte. Wir kennen ja alle die zeit Zwischen 1 und 2 Weltkrieg. Das Volk ist in jeder Staatsform die oberste Gewalt ! Ein Volk kann ein Regime stürzen und nicht umgekehrt, alleine schon Mengenmäßig und indem das Volk sich nicht währt, willigt es ein.

Sicher kann man das so sehen. Ich selber bin immer froh und glücklich Niederländerin zu sein, weil ich finde, dass meine Vorfahren ganz schön was auf die Reihe bekommen haben. Das bringt natürlich auch die Verpflichtung mit sich, diese Erbe zu schützen und die Leistungen fort zu setzen, also eine Art "Loyalität". Auch sollte man mit dem Erbe sorgfältig umgehen, schon weil die Vorfahren dafür hart gearbeitet haben, oder gar Kopf und Kragen riskiert haben. (wie z.B bei Wahlrecht für Frauen, oder die Rechte der Gewerkschaften etc). Aber sicher kann man sagen, dass es ja reiner Zufall ist, wo man gerade gelandet ist. Das ist ja auch immer das Argument der Linken, die dafür plädieren, dass jeder überall und immer dort leben kann wo es ihm passt. Das fände ich auch gar nicht so schlecht, wenn diese neuen Mitbewohner dann ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen würden, wie es z.B in den USA oder Canada von allen Einwanderer erwartet wird. 

Aber denke das ganze mal zu Ende: dürfen dann Eltern stolz auf ihre Kinder sein? Wenn ein Kind gut Klavier spielt, ist es ja die Leistung des Kindes, und auf dessen Übefleiß zurück zu führen. Dürfen Sportler auf ihre Medaillen stolz sein? Es ist ja reiner Zufall, dass sie die gute Gene, die gute Gesundheit und den starken Willen mitbekommen haben, die diese Leistungen ermöglicht. 

Stolz kann auf Dummheit basiert sein. Das ist dann Blasiertheit. Stolz kann auch eine Verpflichtung für die Zukunft beinhalten, und das sehe ich als etwas sehr positives.

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Ich mag mich zwar Deinen Schlussfolgerungen nicht anschließen, finde aber dennoch in Deiner Argumentation viele gute und nachvollziehbare Gedanken...

Deshalb mein "Danke" für Deinen Text!

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Ganz ,ganz toll! Es hat mit Sicherheit damit zu tun,das Du dies so ausgewogen und schön darstellen kannst,weil Du eben nicht "Deutsche" bist.Und die Leistungen sich nicht nur gg.den "blanken Hans"zu verteidigen,sondern auch gg.allesamt größere Mächte,und dies sehr erfolgreich,ist auch ein Grund allein,stolz drauf zu sein! Wir sehen uns in Willemstad,da ich hier keine Zukunft mehr sehe und das allerschlimmste befürchte.

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@Miramar1234

Welches Willemstad? Das auf Curacao? Oder in Zeeland? Ich suche auch nach eine Ausweichmöglichkeit, und hatte eigentlich Schweden und Norwegen anvisiert, trotz den kalten und dunklen Winter. Aber Curacao ist sicherlich auch eine Option :-)

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Auf das Kind stolz zu sein, wenn es etwas erreicht hat, wofür man als Elternteil nichts beigetragen hat, ist genauso paradox wie Nationalstolz. Hast du das Kind ermutigt, weiterzumachen, es motiviert, falls es mal schlechte Phasen hatte, es nicht beschimpft, sondern bewusst und aktiv gefördert, dann kann man auf gewisse Weise stolz darauf sein; denn es spiegelt ja auch eigene Leistungen wider, unter anderer Erziehung wäre das Kind womöglich gar nicht erst so weit gekommen, sondern hätte früher aufgegeben.

Gute Gene und Talent machen nichts aus. Man gewinnt mit guten Genen keine Medaillen, sondern man hat höchstens optimale Voraussetzungen dafür. Zwischen Talent und wirklichem Erfolg liegen Welten, dazwischen liegen eine ganze Menge Übung und Ehrgeiz. Macht es daher Sinn, auf seine guten Gene stolz zu sein? Nein. Aber auf die Leistungen schon.

Da liegt auch der Unterschied: Es ist absolut sinnlos, auf sein Land stolz zu sein, vielmehr sollte man stolz sein auf die eigenen Beiträge, die man selber erbringt, um das Land weiterzubringen.

Aber wer sonst nichts hat, wofür er stolz sein kann, wird eben Nationalist.

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Ist es komisch Stolz auf Deutschland zusein?

Guten Abend,

ich hatte letztens ein Gespräch mit meiner Freundin, darüber worauf man Stolz sein kann und wofür man Kämpfen würde. Ich meinte dann, dass ich sehr Stolz darauf bin Deutscher zusein und das ich im Verteidigungsfall auch für Deutschland und dessen Werte einstehen würde, auch wenn es bis zum Ende von mir gehen würde. Meiner Freundin konnte man ihr geschockten Gesichtsausdruck ansehen und sie meinte das sei totaler Schwachsinn für ein Land einzustehen und auf etwas Stolz zu sein für was man nichts kann (Zufällig im Land geboren). Darauf meinte ich das es auch zufällig ist in welcher Familie man geboren wird und man trotzdem auf seine Eltern stolz ist und für sie einstehen würde worauf sie dann nicht mehr geantwortet hatte. Aber da wo ich herkomme, Berlin, sehen das viele so das Deutschland einfach nur der Boden ist worauf man halt lebt. Wie seht ihr das sollte oder eher darf man noch Stolz sein auf Deutschland und es sein Vaterland nennen ohne das man angefeindet wird oder ist Patriotismus total überholt?

Mfg

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