Ist es korrektes Deutsch zu sagen, "etwas MACHT Sinn" oder ist das ein Amerikanismus (to make sense) und muß man richtig sagen, "etwas ergibt Sinn"?

18 Antworten

Das deutsche Wort machen hat überwiegend die Bedeutung ‘herstellen, erzeugen’. Das englische make dagegen kann das zwar auch heißen, aber es gibt viele Wendungen, in denen es ‘ein Ziel erreichen’ (make it safely back) oder ‘ergeben, resultieren in’ (what makes a scientist?) bedeutet.

Das deutsche machen hat solche Bedeutungen selten — das macht 3 €uro wäre ein derartiges Beispiel. Deshalb finde ich das macht Sinn irgendwie einen Fremdkörper in der deutschen Sprache, und bevorzuge das ergibt Sinn.

Woher ich das weiß:Hobby – Angelesenes Wissen über Sprach­geschich­te und Grammatik

Natürlich geht das, es gibt aber Pedanten, die das falsch finden, auch einige Lehrer.

Sinn kann durchaus hergestellt werden, ebenso auch zerstört werden. Sinn ist etwas subjektives, man kann mehr oder weniger Sinn in seinem Leben (emp)finden. Eine Denkweise oder Vorstellung, die für mehr Sinn sorgt, macht Sinn.

Andere Denkweisen, wie das eindimensionale Denken in Geldwerten, zerstören Sinn und lassen das Leben sinnlos erscheinen.

"Es macht Sinn" oder "das macht keinen Sinn" ist im deutschen falsch, das erklärt Bastian Sick ausführlich in seinem Buch "Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod".

Richtig ist "es ist sinnvoll".

"Sinn machen" hat sich in den letzten Jahren aber sehr verbreitet. Im englischen sagt man "it makes sense", dort ist es aber auch richtig. Vielleicht hat es sich dadurch im deutschen verbreitet.

Das Deutsche ist aber nicht derart normativ wie z.B. das Französische

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@Lotte1925

Bastian Sick ist ja eigentlich auch Romanist. Daher vielleicht auch dieser Drang nach Normatisierung und einerständigen Falsch-Richtig-Unterscheidung...

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@Lotte1925

"Das Deutsche ist aber nicht derart normativ wie z.B. das Französische"

Dabei sagen die Franzosen aber auch "ça fait sens".

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Die interessante Frage hierbei ist: Ab wann gilt etwas als "deutsch"?

Viele unserer heutigen Wörter (Fenster, Tisch) und Wendungen (Sinn machen) kommen ursprünglich nicht aus einer direkten(!) Vorgängersprache des Deutschen, sind aber schon lange hier heimisch und fallen vielleicht gar nicht mehr als nichtdeutsch auf. Ich persönlich denke, "Sinn machen" gibt es schon lange genug im Deutschen, um es als heimisch zu akzeptieren. Nur der Anstieg an Englischkundigen in den letzten Jahrzehnten und das damit verbundene Wissen um den englischen Ursprung nehmen zu und verleiten eventuell zu der Behauptung, man soll "Sinn machen" im Deutschen nicht verwenden...

[Das Argument, "Sinn machen" sei semantischer Unsinn, weil man SInn nicht "machen/herstellen" kann, lasse ich nicht gelten. Erstens unterstellt das unseren Englisch-Muttersprachlern eine gewisse sprachliche Dummheit (was Unfug ist), zweitens ließen sich auch leicht ähnliche Gründe finden, warum "SInn ergeben" sprachlicher Unsinn sei: Z.B., weil SInn keine Summe zweier Eigenschaften ist; und nur die Zusammenzählung mehrerer DInge "ergibt" normalerweise etwas.]

http://www.sprachlog.de/2010/01/28/max-frisch-macht-sinn-2/

https://blog.supertext.ch/2016/08/wenn-sprache-wandert-sinn-machen-oder-sinn-ergeben/

Das Problem an ihrer Aussage ist, dass es eine amtliche Sprache gibt. Diese regelt, was "richtiges" Deutsch und was falsches Deutsch ist. Die Diskussion darüber, ob es darüber hinaus eine Sprache gibt, ist unsinn da es zu ideel und nicht beweisbar.

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@Tttttttt99

Eine "amtliche Sprache, die regelt, was richtiges Deutsch ist"? Das gilt vielleicht für sekundäre Dinge wie die Rechtschreibregeln, aber Gott sei Dank noch nicht für Grammatik bzw. Sprache allgemein - alles andere wäre totalitär. Natürlich gibt es Übereinkünfte der Sprechergemeinschaft, was richtig ist und was falsch, aber die Gemeinschaft kann diese Regeln auch abändern und anpassen. Wäre dem nicht so, sprächen wir heute noch wie in der Steinzeit... ;)

Daneben haben - siehe unter anderem die Links, die ich gepostet habe - schon größere Sprachkünstler als ich diese Konstruktion benutzt; und die möchte ich nicht kritisieren.

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gehören Wortverbindungen zur Rechtschreibung oder Grammatik einer Sprache?
Ich denke nein. Damit gibt es für mich auch kein richtig oder falsch.

Findet man nicht Wortkombinationen oder Wendungen, die für ein und die selbe Sache ganz unterschiedlich sind?
Das kann manchmal verwirrend sein, beim näheren Hinsehen, ließt man doch den gleichen Inhalt (Sinn) heraus.
Bei anderen Kombinationen bin ich da nicht sicher. So z.B.

"ich bin in der Stadt XY gewesen" oder "ich war in der Stadt XY gewesen"

Letzterer Satzbau wird im Berliner Raum verwendet und auch gedruckten Büchern findet man so eine doppelte Vergangenheit.

Kriterium sollte aber immer sein. Versteht der Adressat diesen Satz oder nicht?

Wenn es allein um die Verständigung geht, kann man sich von der Sprachkultur ja gleich ganz verabschieden....

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@florestino

wie kann es dann sein, das bestimmte Ausdrücke im Duden oder anderen Nachschlagewerken als "veraltet" gekennzeichnet werden.

Eine Sprache lebt von Veränderungen oder sind die nur für Leute wie Schiller, Goethe ... zugelassen?
Waren Dichter nicht die Ersten, die sich von der "Sprachkultur" verabschiedeten?

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