Ist alles in meinem Kopf?

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Ein Beweis ist schwierig zu führen, wenn von ihm verlangt wird, völlig zwingend zu sein. Auseinanderzuhalten ist allerdings die Frage nach der Existenz einer Außenwelt und die Frage, ob die Welt so ist, wie sie sich in der Wahrnehmung darstellt.

Wahrnehmung ist kein passives Geschehen, bei dem die Gegenstände unmittelbar ein getreues Abbild schaffen. Beim Wahrnehmen gibt es ein aktives Erfassen durch das Subjekt. Dieses hat auch eine Denkweise, mit der es deutet, trägt Formen der Anschauung in sich, die der Erfahrung vorausgehen Bei der Deutung durch das Denken wird etwas geistig hergestellt (konstruiert). Daraus folgt aber nicht zwingend, die Wirklichkeit selbst sei vom Bewußtsein völlig abhängig oder es existiere keine andere Wirklichkeit als die subjektive Wirklichkeit, in der wir leben und die in gewisser Weise unser Konstrukt ist.

Die Sinneswahrnehmung ist keine völlig zuverlässige Gewähr für die Realität. Etwas ist nicht unbedingt so, wie es zu sein scheint. Das Denken kann Sinneseindrücke überprüfen und sich Sacheinheiten, die von der Sinneswahrnehmung nicht unterschieden werden, begrifflich erschließen. Aber auch dabei ist es nötig, von der Erscheinung darauf zurückzuschließen, wie die wirkliche Beschaffenheit ist.

Die Annahme, die Wirklichkeit selbst sei vom Bewußtsein völlig abhängig oder es existiere keine andere Wirklichkeit als die subjektive Wirklichkeit, in der wir leben und die in gewisser Weise unser Konstrukt ist, ist kaum praktisch durchzuhalten. Dann sollte es doch möglich sein, sie formen zu können, ohne damit auf sehr große Schwierigkeiten zu stoßen. Aber die wahrgenommene Welt der Erfahrung fügt sich solchen Versuchen nicht einfach widerstandslos. Dies ist ein Anzeichen für ihre vom subjektiven Bewußtsein unabhängige Existenz und Eigengesetzlichkeit. Wer dies bestreitet, soll gegen eine Wand laufen und Schäden, Verletzungen und Schmerzen überzeugend für ein bloßes Konstrukt erklären. Auch ein dauerhaftes und vollständiges Ignorieren aller anderen Menschen, als ob sie nur Einbildungen seien, ist höchst schwierig.

Außerdem ist immer eine Erklärung nötig, worauf die Sinnesdaten zurückgehen, die wir erhalten – irgendwoher müssen sie ja stammen. Allerdings könnte dann behauptet werden, sie seien alle nur erzeugte Illusionen des eigenen (bewußten und unbewußten) Denkens, möglicherweise unter Beteiligung einer irreführenden Macht entstanden.

Das Annehmen eines Beweises kann davon abhängen, was jemand, der überzeugt werden soll, als Grundlage anerkennt. Ein Minimum ist das, was als denknotwendig erwiesen werden kann. Dazu gehört z. B. der Satz vom Widerspruch, auch wenn dessen allgemeine Geltung auch bestritten wird – aber dabei hebt sich das Anzweifeln selbst auf und scheitert. Auch wenn keine absolut zwingende Beweisführung möglich ist, können Einwände vorgetragen werden und ein Beweis auf der Grundlage von Plausibilität versucht werden.

Die eigene Existenz kann niemand widerspruchsfrei bestreiten.

Réne Descartes hat bei seinem methodischen Zweifel einen raikalen Skeptizismus durchgespielt. Er verwendet die Existenz eines Gottes, der gut ist und die Menschen nicht täuschen will (er garantiert die Richtigkeit des Vernunfturteils), in seiner Gedankenkette. Diese enthält dadurch allerdings einen Zirkelschluß, weil etwas, das erst zu beweisen wäre, schon als Voraussetzung für das zu Beweisende benutzt wird.

Solipsismus (lateinisch: solus allein; ipse selbst) ist eine Bezeichnung für den philosophischen Standpunkt, nur das eigene Ich als erkennbar (und von eigenständiger Realität anzuerkennen. Erkenntnistheoretischer Solipsismus erklärt alles andere als das eigene Ich für unerkennbar (eine äußere Realität gilt ihm also grundsätzlich als unerkennbar), ontologischer Solipsismus die gesamte Außenwelt für Inhalte ohne eigenständige, vom Bewußtsein unabhängige Existenz, eine rein subjektive Vorstellung.

Bewiesen ist dieser Standpunkt nicht, aber er unternimmt einen Immunisierungsversuch gegen Bemühungen, ihn zu widerlegen, indem er nichts akzeptiert, das Grundlage eines Gegenbeweises werden könnte.

Ein Solipsist kann aber seinen Standpunkt kaum befriedigend durchhalten, vor allem praktisch. Er kommt in die Schwierigkeit, bei der Behauptung eigener Existenz als Subjekt sich selbst als Objekt gegenüberzustehen. An einem einzelnen Zeitpunkt in der Gegenwart kann er sich so sehen, aber es fehlt eine Möglichkeit, sich sicher als die gleiche Person über einen Zeitraum hinweg zu bestimmen (warum soll alles in der Vergangenheit nicht nur eine bloße subjektive Vorstellung gewesen sein, wenn nur ein sich unmittelbar erfahrendes Ich erkennbar ist bzw. sogar nur existiert?).

Intersubjektivität ist beim Solipsismus nicht möglich. Ein Solipsist ist gezwungen, sich selbst für einzig erkennbar bzw. einzig eigenständig existent zuhalten. Er kann seinen Solipsismus nicht mitteilen. Die Behauptung „Ich bin der einzige Geist, der existiert“ ist nur sinnvoll, wenn sie sprachlich ausgedrückt wird, aber Sprache setzt einen sozialen Kontext voraus. Es kann nach der eigenen Weltanschauung niemand geben, an den der Gedanke mitgeteilt werden kann.


Es gibt Gedankenexperimente, ein böser Geist täusche uns, wir lebten in einem ewigen Traum oder wir seien in einer Lage wie ein manipuliertes Gehirn in einem Tank mit Nährflüssigkeit.

Ein Argument gegen einen solchen radikalen Skeptizismus steht bei http://www.gehirnimtank.de/tank/wgiaB.pdf: Menschen befinden sich genau auf der Ebene, auf der sie sich befinden. Ein Abstreiten eines Wissens über eine äußere Welt ist ein verquerer Versuch, sich vorzustellen, Menschen könnten zu der gleichen Zeit woanders stehen, als dort, wo sie stehen. Wir könnten zwar woanders stehen als an unserem augenblicklichen Aufenthaltsort. Aber selbst dann bliebe es wahr, zu sein, wo man ist. Die Dinge, auf die sich das Sprechen und Handeln von Menschen richtet, liegen dort, woher ihre Sinneseindrücke stammen.

einfach grandios und beeindruckend! :-)

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@aurata

Ja, da schließ ich mich an, aurata. Das macht der ständig so, der Albrecht.

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@Luise

DAS ist mir auch aufgefallen. :-)

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@aurata

Danke Albrecht - du bist fast zu schade für uns... ;P

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zuuu heftig.... hast du das alles ausm kopf aufgeschrieben oder nachgelesen???

echt respekt

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Alles was er weis hab ich Ihm beigebracht, eins hab ich aber vergessen zu lehren: Warnehmung ist eine Abstraktion, und zwar eine Individuelle.

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@ronin123

@ronin123: ich verstehe dein Kommentar nicht, bzw. finde ich ihn seltsam. Auch wenn man etwas beigebracht bekommt, hat der Lehrer kein Anspruch auf das Wissensgut, auf die Wahrnehmung und die Reflexion des Schülers.

Somit finde ich deinen Kommentar unangebracht und überflüssig.

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@ronin123

ok, dass wahrnehmung individuell ist, kann ich grundsätzlich teilen. jeder versuch, drei personen zum selben vorgang zu befragen, bestätigt das. ich frage mich auch, ob alles um uns herum real ist oder wir figuren in einer art computersimulation sind (siehe fassbinder-film). aber wie kommt es, dass wir alle eine farbe mit den gleichen werten (ziemlich genau) wahrnehmen? dass wir alle schon als baby auf lob und ablehnung reagieren? dass wir unserer intuition in gefahrensituationen mehr vertrauen können als unserem verstand (der ja angelernt ist)? usw. usw.

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@ronin123

Wir nehmen die Welt so wahr wie wir sie haben wollen. Ein einfacher Versuch wäre die Empfindung einer Farbe, die bei jedem Individuum mehr oder WENIGER unterschiedlich ist.

Durch diesen Effekt wäre auch bewiesen, durch Beeinflussung, Instinkten und Erfahrungen kann durchaus die Wahrnehmung verschiedener Menschen kungruent sein.

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Respekt so viel wie du geschrieben hast wäre mir im leben nicht eingefallen

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Unglaublich, da scheint sich jemand so richtig derbe auszukennen.

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johohoho

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Und, wer oder was denkt in uns irdischen Menschen? Wir selbst, oder denkt es für uns, wenn wir es nur zulassen? GALLARIAOY

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Ich will Philosophie studieren und dann will ich auch solche Antworten schreiben können...

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Das nenn ich mal brainfuck

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Ich glaube, daß die Fähigkeit des Menschen, sich etwas vorzustellen, in seinem Bewußtsein liegt. Und das ist m.E. nicht auf den Kopf begrenzt und auch nicht auf den Körper des Menschen, sondern geht darüber hinaus...

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Nach meiner Einschätzung kann niemand beweisen, was sich in seinem Bewußtsein abspielt; das kann jeder nur im eigenen Bewußtsein wahrnehmen / erfahren. Das gilt auch für "Gotteserfahrungen".

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Jeder Mensch weiß, daß man sich im "Kopf" / Bewußtsein allerlei Dinge vorstellen kann - ob sie nun in der "realen" Außenwelt vorkommen oder nicht. In unserer inneren Vorstellungswelt können wir alles erschaffen. Und wer Träume kennt, weiß, daß unser Unter-Bewußtsein das auch sehr gut kann!

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Wäre dann nicht der Gedanke naheliegend, daß Gott, der ebenfalls ein Bewußtsein ist, sich die Welt, wie wir sie kennen, vorstellt? Oder sie träumt?

Ist das vielleicht der Prozess der biblisch beschriebenen "Schöpfung" ?

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Irgendwo schnappte ich mal den Satz auf: "Jeder Mensch ist ein Gedanke Gottes". Das hätte dann ja einen realen Hintergrund!

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Die australischen Ureinwohner glauben, daß die "materielle ( Außen-)Welt" nicht real, nicht wirklich, sei. Auch in Indien gibt es solche Vorstellungen. Die Ur-Australier glauben, daß ihre "Traumwelt" die wirkliche Welt sei.

du gibst nur SUBJEKTIVES wieder. die frage kann aber durchaus objektiv beantwortet werden (aber das würde mir keiner glauben)

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Es gibt für uns keine Methode das zu bestimmen, weil die dafür zu messenden Größen außerhalb unseres Wahrnehmungsbereiches liegen. Wir müssten aus unserem Körper "herausschlüpfen" können (evtl sterben?), um sehen zu können wo und wann wir uns befinden.

Das ganze heißt im Prinzip, dass sich beide Theorien (sowohl die, welche wir als selbstverständlich halten, als auch jene, die du für möglich hältst) sich mit unseren Wahrnehmungen vereinbaren. In der Tat könnte es möglich sein, dass man ein "Leben" verspürt auch wenn man nicht mehr ist als ein Gehirn (oder noch nicht einmal das) in einer Nährlösung, welches über Kabel mit externen Reizen stimuliert wird. Nur weil wir das, was wir "erleben" so interpretieren wie wir es interpretieren, heißt es noch lange nicht, dass es die Wirklichkeit ist. An dem Punkt stellt sich dann sofort die Frage was "die Wirklichkeit" überhaupt ist, ob sie absolut ist und ob die Frage nach er Wirklichkeit überhaupt relevant ist.

<< Ist es möglich zu beweisen, dass sich das Leben nicht nur im eigenen Kopf abspielt?

zeig jemandem einen baum und frag ihn,was er da sieht.

vieles ist gleich.

deine innere reaktion auf etwas unterscheidet sich

@hi coeleste, wandle deine frage in DEIN TUN...

  • und dann wirst du erfahren, was für dich realität ist...
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Das hatten wir erst heute wieder in Ethik :p Wenn du dich am Herd verbrennst, dann weißt du, dass es schmerzt und dass es WAHR ist ;) = Beweis der Wahrnehmung

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