Hund aggressiv - ist Chip die Lösung?

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10 Antworten

Die Kombination aus extremer Nervosität und Aggression klingt nach Angstaggression. Mal angenommen, dies ist wirklich der Fall (was auf die Entfernung niemand beurteilen kann):

Die Angstaggression wird von Stresshormonen gesteuert, u.a. von Cortisol. Das männliche Hormon Testosteron hemmt die Ausschüttung von Cortisol. Oder anders formuliert: Das männliche Ego verhindert, dass einem Rüden schnell die Nerven durchknallen.

Bei einem Chip wird der Körper des Hundes zunächst mit Testosteron überflutet, bis das Hirn meldet, dass es zu viel davon im Körper gibt und die Produktion eingestellt werden muss. Du würdest mit einem Chip also zunächst eine enorme Verbesserung für 2-3 Wochen erleben, weil der Hund mehr Testosteron zur Verfügung hat, das ihn sicherer werden lässt. Anschließend fehlt es aber für mindestens 4-5 Monate und einem angstaggressiven Hund knallen die Nerven völlig durch.

Wenn der Hund extrem nervös und gestresst ist, kann "fight"- also nach vorne gehen- eine Methode sein, um mit seiner Angst umzugehen. Das Problem dabei ist, dass der Stress verhindert, dass der Hund lernt. Die Stresshormone, die ausgeschüttet werden, blockieren die Aufnahme- und damit die Lernfähigkeit. Ihr könnt trainieren, bis Ihr schwarz werdet, ohne dass der Hund etwas lernt und ändert. Ein möglicher Ansatz wäre, dass Ihr Euch einen Tierarzt mit dem Zusatz "Verhaltenstierarzt" sucht. Es gibt einen Verband (GTVMT), über den Ihr Tierärzte mit dieser Qualifikation in Eurer Nähe finden könnt.

Diese Tierärzte haben, im Gegensatz zu normalen Tierärzten, eine Zusatzausbildung im Bereich Verhaltenstherapie. Sie trainieren die Hunde nicht selbst, sondern analysieren das Verhalten, könnten in Eurem Fall beispielsweise für einen begrenzten Zeitraum Medikamente verschreiben, die die Angstblockaden des Hundes lösen und mit einem Trainer einen Plan erarbeiten, der dem Hund das Lernen ermöglicht und ihm hilft, erwünschtes Verhalten zu zeigen. Sobald dies gefestigt ist, werden die Medikamente u.U: ausgeschlichen.

Das kann für einen begrenzten Zeitraum ein wenig teurer werden, die Preise für einen solchen Tierarzt liegen zwischen 69€ - 100€ pro Stunde zzgl. der Medikamente, sind aber nicht wöchentlich/ regelmäßig notwendig, sondern nur zur Beratung und Überprüfung. Haustierärzte sind in diesem Bereich nicht geschult, ebenso wenig wie Trainer (die keine Medikamente verordnen dürfen). Bei einem Angsthund würdet Ihr Euch böse gesagt dumm und dämlich trainieren, weil er aufgrund der Blockaden durch Stresshormone absolut nichts lernen kann. 

Was Ihr alleine ausprobieren könnt, ist Zyklene als Futterzusatz und Canised. Ich würde Euch allerdings dazu raten, Euch einen Profi zu suchen, der mit Euch und dem Hund arbeitet.

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Kommentar von dasistnett
23.09.2016, 06:32

Vielen Dank für die sehr gute Erklärung. Wir werden uns nach einem Verhaltenstierarzt erkundigen. Er ist ein toller Hund, der uns den Aufwand wert ist. Diese Aggressivität gegenüber fremden Hunden ist eigentlich dann nicht da, wenn er denen unangeleint begegnet. Er muss auch erst mal realisieren, dass er kein Straßenhund mehr ist, sondern ein "Haushund". Das wird schon werden, da bin ich jetzt zuversichtlich.

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Kommentar von HeikePlauner
23.09.2016, 09:10

Calmex kann ich zusätzlich auch empfehlen. Es muss nicht über Wochen verabreicht werden, bis eine Wirkung eintritt. Es wirkt schon nach 30 Minuten. Zylkene brachte bei meinem nämlich gar nichts. Ich erhielt Calmex von meiner Tierärztin, da ich einen ähnlichen Kanditaten aus Spanien (Podenco Mix) habe. 

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Bevor ich ihm den Chip setzen lassen würde, würde ich ihn gründlich untersuchen lassen.

Schildrüse oder Probleme mit der Nebennierenrinde etc. können auch Auslöser für Hypernervosität sein.

Wenn da alles in Ordnung ist, könnte man über den Chip testen, ob sich das Verhalten durch eine Kastration bessern würde. Wenn ja, macht es dann sogar Sinn, diese durchzuführen, bevor die Wirkung des Chips wieder nachläßt.

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ihn vor ca. 2 Monaten in Polen von der Straße aufgelesen und mitgebracht. Uns nervt das Verhalten


glaubt Ihr ein Hund und erst recht ein Straßenhund funktioniert auf Knopfdruck? 30 Jahre Hundeerfahrung sollte Euch besseres gelehrt haben!


der Hund ist doch erst seit 2 Monaten bei Euch. bis er sich ein- und umgewöhnt hat können Monate vergehen! 

wenn Euch dieses, für den Hund normale Verhalten nervt, dann hättet Ihr Euch keinen Hund von der Straße anschaffen dürfen! 

sein jetziges Leben ist doch absolutes Neuland für ihn. 

als Straßenhund kannte er keine Grenzen und konnte sich so verhalten wie er will. Versetzt Euch mal in die Lage des Hundes!

gebt dem Hund Zeit sich richtig einzugewöhnen und dann solltet Ihr mit ihm eine Hundeschule besuchen!

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Kommentar von dasistnett
21.09.2016, 23:42

Ja ich stimme Dir zu. Einen Chip kann man als vorübergehende Lösung wohl vergessen, oder? Ich mag Eingriffe in den Hormonhaushalt eigentlich nicht, aber es sollte etwas geschehen bevor er großen Ärger verursacht.

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Hi,

Habt ihr denn 30 Jahre Erfahrung mit selbstständigen Hunden gehabt oder eher Schäferhund, Labbi und Co? Ein Podengo kann man im Grunde nur zur Kooperation bewegen, ohne diese kann man machen was man will. 

Ich kann euch nur empfehlen einen Hundetrainer oder Hundeschule, die etwas erfahren mit Auslandshunden ist, aufzusuchen. 

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Kommentar von dasistnett
21.09.2016, 23:34

Wir hatten solche und solche Hunde, handsame Hündinnen und auch Machorüden. Aber noch nie einen Podengo, ich habe schon gehört dass Podengos naturgemäß sehr "aufgedreht" sind. Wie meinst Du das mit "zur Kooperation bewegen", klassisch mit Belohnung oder gibt es da einen Trick?

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ein Hormon Chip ist auch eine Kastration...nur eine chemische....der Einzige Unterschied ist die Optik...er verliert seine Hoden nicht. Aber sein Hormonspiegel wird wie bei einer richtigen Kastration eingedämmt.

Auch würde dieser Chip die Unsicherheit Deines Hundes gegenüber Anderen nicht verringern, sondern unter Umständen noch verschärfen, da intakte Rüden gerne solche die kastriert sind, mobben.

Dein Hund hat in seiner Jugend nie ein richtiges Sozialverhalten gelernt, und weiss daher nicht, wie er mit anderen Hunden umgehen muss.

Ich empfehle Dir eine gute und gewaltfreie Hundeschule, wo er in einen kontrollierten Kontakt zu anderen Rüden / Hunden  kommt....oder zu einem persönlich Trainer....mit 15 Monaten ist er jetzt im *schlimmsten* Alter....aber in diesem Alter kann man noch sehr viel korrigieren....aber man muss es korrigieren....nicht unterdrücken wollen mit einer Chemiebombe.


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Das Verhalten wird sich durch den Chip nicht ändern.

Der Hund muß ausgepowert werden. Agility ist für diese Rasse gut. Bei einem Problemhund hilft Euch die jahrelange Erfahrung nichts, da sich die ja nur auf normale Hunde bezieht. Geht in eine Hundeschule, alleine werdet ihr das Problem nicht lösen können.

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Kommentar von dasistnett
21.09.2016, 23:55

ok, Danke

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Ein hormonchip ist eine vorübergehende Kastration. Also wird das nicht wirklich was ändern. Da das Verhalten nicht durch sexuelle Hintergründe gesteuert wird. auch wissen viele Hundebesitzer nicht das die Hunde die ersten 4-6 Wochen komplett durchknallen und kaum zu Händeln sind. 

 Zumal die meisten Hunde aus Unsicherheit aggressiv handeln. Heißt euer Hund bekommt nicht genug Sicherheit vermittelt von euer Seite. Wird evtl. In Situationen geführt,die purer Stress sind und ein Hund der Stress leidet ,lernt rein garnichts.

Wer weiß was der vorher durch gemacht hat. Vermutlich musste er fressen vor anderen Artgenossen verteidigen, und regiert deshalb so?! Das kann niemand wissen,da ihr nicht die Vorgeschichte kennt. 

Auch das der Hund aggressiv auf Menschen reagiert, finde ich sehr bedenklich Ihr müsst positive Verknüpfung schaffen bei Artgenossen und auch fremden Menschen und kleinschrittig trainieren. 

Und am besten holt ihr euch einen mobilen Hundetrainer dazu,der euch in den beschriebenen Situationen begleitet und euch Anweisungen gibt,wie ihr das trainiert.  

Alleine bekommt ihr das so nicht hin. 

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Kommentar von dasistnett
21.09.2016, 23:59

sehr interessante Tipps!!! Danke. Vermutlich werden wir einen persönlichen Hundetrainer brauchen,wohl besser als eine Hundeschule da individueller.

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Hallo,

diese Chips sind zum ausprobieren ob eine kastration sinnvoll ist, keinesfalls aber eine dauerhafte Methode. Bei vielen Hunden rühren die Probleme aber durch Erfahrungen und eine kastration bewirkt dann gar nichts. Besucht einen Hundetrainer und Chipt Euer Tier um es auszuprobieren. 

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leinenaggression kann auch durch stress hervorgerufen werden...überleg mal,er war in polen frei,ohne leine,ohne enge wohnung,ohne etwas zu müssen...ein podenco ist ein jagdhund mit herz,der jetzt im "knast" sitzt...das braucht extrem viel einfühlungsvermögen u.geduld...auch viel auslastung,nicht nur radfahren ect (auch das muss ganz sanft mit viel geduld erlernt werden) auch kopfarbeit ohne den hund zu überfordern(solche hunde sind extrem schnell überfordert)

weiter empfehl ich dir ihn in eingezäuntem gelände mit andern hunden frei laufen zu lassen und nasenarbeit zu machen,wie fährten u.suchspiele

auch solltest du mit boxentraining beginnen (box sollte unbedingt in der ruhigsten ecke der wohnung stehn,möglichst keine personen u.aktivitäten vor der box) er wird sehr schnell die box annehmen als hölle wo er entspannen kann...ich vermute mal das es auch mit dem fressen probleme gibt,füttere ihn in der box,den da braucht er keine angst zu haben das ihm jemand die beute streitig macht

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Kommentar von dasistnett
21.09.2016, 23:39

Danke für die Tipps. Ja, als Box hat er sich den Platz unter meinem Bett ausgesucht, das Fressen habe ich ihm da unten aber noch nicht hingestellt. Stimmt, beim Futtern versteht er keinen Spaß, ich würde mir nicht trauen, ihm beim Fressen das Futter wegzunehmen.... Ohne Leine läuft er selten weil er einen extremen Jagdtrieb hat und stets für Minuten verschwindet.

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Ich kann dir da nicht weiterhelfen.. aber da stellt sich mir die Frage, warum eine Kastration nicht in Ordnung ist, aber ihr über einen Hormonchip nachdenkt. 

Ich kann es verstehen, dass ihr eine Kastration nicht wollt. Eventuell findet ihr es nicht in Ordnung, so stark in das Leben des Tieres einzugreifen und sowas unnatürliches zu machen.. aber andererseits sind Hormone auch unnatürlich und bringen den ganzen Körper durcheinander und wäre somit auch nicht gut fürs Tier und ebenfalls unnatürlich. 

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Kommentar von dasistnett
22.09.2016, 02:30

Die Idee mit dem Hormonchip habe ich inzwischen verworfen. Ein Chip wäre eine reversible und keine endgültige Maßnahme gewesen, deshalb sympatischer als eine Kastration. Aber - wie Du schon sagst - unnatürlich und nicht wirklich gut.

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