Hallo Morgen wird der Tierarzt unseren 15,5 jährigen Hund einschläfern. Wie läuft es ab?

15 Antworten

Erstmal mein Beileid. 15 einhalb ist allerdings ein sehr schönes und ehrenvolles Alter. Mein Vater ist Tierarzt, ich schreibe mal auf, wie das bei uns abläuft:

Zuerst bekommt der Hund eine Narkose. Hierfür wird ein Venöser Zugang gelegt, also eine Braunüle in die Vene geschoben. Genau das selbe wie bei einer bevorstehenden OP. Der Hund wird müde und schläft langsam ein (manche Hunde erbrechen auf das Medikament. Wenn ihr euch das ersparen wollt bringt den Hund halbwegs nüchtern zum TA, also ca. 2 Stunden vorher nichts mehr füttern). So lange könnt ihr ihn im Arm halten, streicheln und euch verabschieden. (In der Narkose spürt er nichts mehr, zucken kann er allerdings schon noch.) Das dauert zwischen 10 und 15 Minuten. Schläft der Hund wird das Euthanasiemittel in die Vene gespritzt. Bis zu diesem Zeitpunkt hin lebt der Hund und schläft nur, eben wie bei einer OP. Das Euthanasiemittel, welches zum Herzstillstand führt, braucht nicht allzu lange. Nach 2-3 Minuten kann der Tierarzt den Tod feststellen, dann ist es vorbei.

Es kann sein, dass der Hund, obwohl er keinen Herzschlag und Atem mehr hat, zuckt. Das ist nicht schlimm und der Hund ist trotzdem tot. Viele interpretieren das als Todeskampf, aber das ist es nicht. Es ist schon vorbei. Dieses Zucken entsteht durch die Elektrosignale, welche noch durch die Nerven rasen. Dann entstehen Muskelzuckungen. Manche Tiere "zittern" dann noch, bspw. an der Zunge. Selten stöhnen die Tiere, oder "winseln". Auch das ist eine Folge der Elektrosignale, sie wirken auf die Stimmbänder und entweichende Luft aus der Lunge entflieht mit einem Ton. Auch hier denken viele, der Hund lebe noch. Der Tierarzt kontrolliert sowas aber immer ein zweites Mal um wirklich sicher zu gehen. Dieses Zucken oder Wimmern ist natürlich nicht sehr schön, und auch ich erschrecke mich da oft noch (obwohl ich schon einige Einschläferungen miterlebt habe). Aber es ist einfach eine Reaktion der Nerven und Muskeln, das Tier ist schon verstorben.

Danach könnt ihr entscheiden was mit dem Hund passiert. Kleine Hunde (Chihuahua, Yorkshire, usw.) könnt ihr im Garten vergraben, Hunde über 5kg nicht mehr. Entweder ihr lasst sie beim Tierarzt, von wo sie dann in Verbrennungsanlagen gebracht werden, oder ihr bringt sie zu Anubis. Ich weiß nicht ob es den auch bei euch in der Stadt gibt, aber hier in Nürnberg gibt's ihn :) Ich kann den nur empfehlen. Die verstorbenen Tiere kommen in eine kleine Halle, gebettet auf einem Kissen, wo man dann Abschied nehmen kann. Danach werden sie verbrannt und man bekommt eine Urne mit. Ein Kunde von uns hat die Asche seines Hundes in einen Anhänger füllen lassen (also einen Teil der Asche). Diesen Anhänger trägt er an einer Kette. Für manche etwas zu skurril, in meinen Augen eine nette Idee. So hat man sein Tier weiterhin immer bei sich.

Vllt beruhigt es dich ein wenig, wenn ich dir sage, dass man bei Tieren recht gut merkt, wenn die Seele aus dem Körper gestiegen ist. Das klingt komisch, aber ich spüre es immer. Es fühlt sich einfach wirklich so an, als wäre die Seele des Tieres noch da und verschwinde dann langsam. Ist sie weg, ist alles (der ganze Raum) kälter und trister. Dann hast du nur noch die leere Hülle vor dir. Vielen Leuten fällt es leichter ihr Tier da zu lassen wenn sie das wissen. Es ist nur eine Hülle, die verbrannt wird.

Ich wünsche mein aufrichtiges Beileid, aber ich bin mir auch sicher dass der Hund eine schöne, lange Zeit hatte :)

Danke für deine ausführliche Antwort.

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sicherlich kann man auch Hunde über 5 Kg im Garten begraben. Dann eben tief genug. Ausnahme ist, wenn man in einem Wasserschuztgebiet wohnt.

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@spikecoco

stimmt, hab ich auch gerade nachgelesen. Trotzdem sollte man sich vorher informieren ob eine Bestattung im eigenen Garten i.O. ist. Im Wasserschutzgebiet ist es tabu, aber auch in der nähe von öffentlichen Anlagen oder Straßen/wegen. Zudem darf nur der Grundstücksbesitzer seinen eigenen Hund (oder halt Heimtier generell) begraben, Mieter dürfen das offiziell nicht (inoffiziell fragt da aber keiner nach). Das Grab muss mindestens mit 50cm Erde bedeckt werden. In öffentlichen Anlagen ist ein Bestatten nicht erlaubt.

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Ich kann dir schildern, wie es bei einem guten TA abläuft. Meine treue Seele ging im Januar mit knapp 10 Jahren bei uns zu Hause im Körbchen.

Meine Tierärztin kam und hat ihr Narkosemittel in doppelter Dosis gegeben. Über einen Venenzugang (Braunüle) der aufgrund von Vorbehandlungen schon lag und auch noch offen war. Sehr kurz danach gab es dann das Embutramid, welches zum Herzstillstand führt. Es dauerte 3-4 Minuten.

Mein aufrichtiges Beileid, ich wünschte, ich hätte meine auch aus Altersgründen gehen lassen können.

Wenn du für die Zeit danach Hilfe und Unterstützung benötigst, darfst du dich gerne an mich wenden.

Ich denke an euch.

Du hast mein vollstes Mitgefühl. Es ist immer schlimm, wenn ein Familienmitglied über die Regenbogenbrücke geht. Laß Deinem Hund in JEDEM Fall 2 Spritzen geben, eine, damit er eine leichte Narkose hat. Das normale Einschläferungsmittel ist T61, das wird intravenös gespritzt und tut ohne vorherige Narkose ziemlich weh, d. h. es brennt höllisch. Bitte streichelt ihn die ganze Zeit, redet ihm gut zu, ihr werdet merken, aß er ruhiger wird. Bleibt bei ihm, er hat Euch 15 1/2 Jahre begleitet und es nicht verdient, daß man ihn auf seinem letzten Gang allein läßt. Je nach Menge der Dosis kann es schon mal 5 Minuten dauern, bis der Herzschlag endgültig aussetzt. Leider gibt es immer noch Ärzte, die T61 direkt ins Herz spritzen wollen, nach dem Motto, Hauptsache billig, außerdem ist er sowie gleich tot. Tierärzte sind ja nicht zwangsläufig Tierschützer. Deshalb bleibt bei ihm, damit Ihr alles seht, was der TA macht. Und laß Deine Trauer, sofern Du sie empfindest, auch zu. Ich denke an Dich!

Ein Arzt ist heute verpflichtet, den Hund mit einer Spritze schlafen zu legen und mit einer zweiten Spritze zu erlösen.

Der TA, der das nicht macht, macht sich strafbar.

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@wotan0000

Die Herzspritze ist dennoch sehr schmerzhaft und das Tier stöhnt dabei herzzerreissend! Ist manchmal nötig,wenn keine Vene   gefunden werden kann, wegen Blutarmut. Qualvoll mit anzusehen, aber geht halt dann nicht schneller.

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@wotan0000

@ wotan0000

sehr interessant. Hatte dazu vor Längerem auch eine Anfrage. Zwei meiner Doggen bekamen keine erste Spritze (Narkose), sondern eine braune Paste aus einer Tube auf die Zuge. Danach schliefen sie innerhalb vo 10 min. ein. Die Eutanasie erfolgte darauf über eine Vene. Kein Hund hat gezuckt, Töne von sich gegeben oder sonst. Krämpfe. Ich war dabei, ihre Köpfe lagen auf meinem Schoss bis der TA den Tod attestierte. Es waren versch. TÄ an versch. Orten.

Diese Paste scheint demnach auch ein starkes Narkotikum zu sein, was dem Hund den Schmerz zum Venenzugang erspart. Kennst Du das Mittel?

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@douschka

Das Medikament, das Du meinst, heißt Sedalin. Ist in einer weißen Tube mit Applikator (je nach Gewicht des Tieres, wird eingestellt). Ich kenne die Wirkungsweise, habe aber noch nie gehört oder gesehen. daß ein TA es vor einer Euthanasie gegeben hat. Es schmeckt nämlich furchtbar.

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@Negreira

Oh, das ist ja schrecklich! Ich könnte Dir Namen und Hausnummer der Praxis nennen. Meine Freundin war bei meiner letzten Hündin dabei (Zeugin). Was sie anschließend verwendete, weiß ich nicht. Mein Rüde wurde mit T 61 nach der Paste eingeschläfert.

In solchen verzweifelten Situationen ist man selten in der Lage zu hinterfragen.

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@douschka

Nein, kenne ich nicht. Mein TA sagte mir, dass 2 Spritzen Pficht sind. Vielleicht hat sich inzwischen schon wieder was verändert.

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Tierärzte sind ja nicht zwangsläufig Tierschützer

Diese Verunglimpfung möchte ich mir doch energisch verbitten!

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@Zauselbaer

Danke zauselbaer! Ein Tierarzt, der so etwas macht, setzt seine gesamte Karriere aufs Spiel. Der wäre schön blöd wegen 10ml mehr oder weniger alles zu riskieren. Und zudem haben auch Tierärzte Gefühle und Mitgefühl! Wer keine Tiere mag wird Schlachter, nicht Tierarzt -.-

Und Dangerous, hör mit dieser Halbweisheit auf! Es gibt noch andere Möglichkeiten einen Hund zu narkotisieren als intravenös! Und wenn der Hund in Narkose liegt bekommt er keine Schmerzen mehr mit (sonst wäre das bei der OP ja etwas doof was?). Die Herzspritze ist die schnellste Methode, auch wenn sie brutal aussieht. Das Tier bekommt davon allerdings nichts mit und wenn der TA sich für diese Variante entscheidet, dann hat das auch einen Sinn! Das Stöhnen ist entweichende Luft. Hör auf so einen Schwachsinn zu erzählen. Und dann wundern sich die Leute, wenn sie den TA nötigen das doch bitte bitte intravenös zu machen weil derdiedas im Internet behauptet hat das wäre so schmerzhaft, wenn der Hund x-mal wieder aufsteht. Es gibt Fälle, in denen eine Injektion ins Herz besser ist, ob dies der Fall ist entscheidet der Tierarzt, der Tiermedizin studiert hat und mehrer Tiere die Woche erlösen muss. Der hat Erfahrung und Ahnung. Also hör mit diesem Schwachsinn auf!

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@MissDeathMetal

Ich wollte hier niemandem zu Nahe trampeln, ich meinte auch eher die T61 Spritze ins Herz ohne vorherige Betäubung, sorry, war vielleicht verkehrt ausgedrückt. Und trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung, daß Tierärzte nicht alle Tierschützer sind oder sein müssen.

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@Negreira

natürlich müssen das keine Tierschützer sein, die wollen die Tiere ja nicht schützen sondern heilen. Tierschützer ist was komplett anderes. Trotzdem achten gute TÄ darauf, dass alles glatt und möglichst schmerzlos verläuft. Und wenn es ein TA nicht der Tiere wegen tut, dann tut er es den Kunden wegen, denn die blieben alle fern wenn der Hund beim Einschläfern noch 3 Stunden über den Boden wankt. Aber klar korrupte gibt's immer, in jeder Sparte des Lebens

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@MissDeathMetal

Unter Tierschützern verstehe ich nicht die Heiteitei-Leute, die alles um jeden Preis retten wollen, aber wie es auch gute und schlechte Menschen gibt, existieren auch gute und schlechte Tierärzte, Humanmediziner und Tierschützer. Ich war immer diejenige, die die Tiere zum TA bringen mußte, wenn es nicht mehr weiterging, oder die ein Pferd am Zügel hielt, bis das tödliche Mittel wirkte. Glaub mir, es sind mir viele untergekommen, denen es gar nicht schnell genug ging. Noch vor 3 oder 4 Jahren mußte mein großer Rocky, ein Rottweiler-Kampfhund-Mischling eingeschläfert werden. Es gab einen Nottierarzt, denn es war mitten in der Nacht und meine normale Tierärztin auf einem Kongreß. Dieser TA praktizierte mit seiner Frau auf seinem Reiterhof mitten in der oldenburgischen Pampa. Das Einschläfern war so grausam, daß ich, die ich einiges gewöhnt bin, am liebsten weggerannt wäre, aber ich hätte meinen Hund nie allein gelassen. Neben dem Behandlungstisch stand der TA mit einem Wachhund, ob er Angst hatte, daß wir Narkosemittel stehlen könnten oder warum auch immer, weiß ich nicht. Rocky war sehr mit anderen Hunden verträglich, aber der andere Hund hat nur geknurrt und unserem Hund bestimmt noch Streß bereitet.

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@Negreira

klar, idioten gibt's immer. Schwarze Schafe gibt's überall, da hast du Recht. und rabiate typen sind auch nicht allzu selten. Gerade draußen am Land geht das eher nach dem praktischen, weniger nach dem emotionalen. Falls der TA Rinder oder Schweine nebenher gemacht hat wunderts mich nicht. Die haben einen komplett anderen Umgang mit Tieren. Naja. Sind ja auch Nutztiere, das soll nix kosten und dann spart man halt auch an der Zeit... Der Großteil der Tierärzte wurden aber Tierarzt aus Berufung und die nehmen auch 10ml eutha mehr wenn es sein muss. Wie viele Menschen quälen denn wirklich gerne Tiere? Die mit psychischen Störungen.

Allerdings wurde es auch bewiesen dass ältere Ärzte Schmerzen weniger schlimm einschätzen als junge. Woran das liegt, keine Ahnung. Unsere TÄ (noch sehr jung) gibt aber auch immer mehr Schmerzmedi, Narkose etc. Aber auch das hat nichts damit zu tun wie man mit einem Tier umgeht.

Tierschutz oder nicht, entweder man geht gut mit den Tieren um oder man nimmt Qualen in Kauf obwohl sie nicht sein müssten, und solche Leute haben einen Schlag. Und die gibt's - leidergottes - immer und überall :(

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@Negreira Kleine Nachhilfe:


§ 2
Berufsaufgaben

 

(1) Tierärztinnen und Tierärzte dienen dem Allgemeinwohl und tragen bei der Ausübung ihres Berufes in hohem Maß Verantwortung für die Gesundheit von Mensch und Tier. Aufgrund der fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten ist jede Tierärztin und jeder Tierarzt in besonderer Weise zum Schutz der Tiere berufen und verpflichtet.

(2) Tierärztinnen und Tierärzte haben insbesondere die Aufgabe, Leiden und Krankheiten der Tiere zu verhüten, zu lindern und zu heilen, das Leben und das Wohlbefinden der Tiere zu schützen und sie vor Schäden zu bewahren.........

§ 3
Allgemeine Berufspflichten

 

(1) Tierärztinnen und Tierärzte sind verpflichtet,

1. ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihnen im Zusammenhang mit dem Beruf entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen.....

(Berufsordnung für Tierärzte - Beispiel Niedersachsen, die anderen Bundesländer sind vergleichbar)

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