Gibt es Motorräder mit Turbolader?

8 Antworten

In den 80ern gab es wenige Hersteller, die Versucht haben ein Turbomotorrad zu bauen. Wie man heute sieht mit wenig Erfolg. Serienmäßig gibt es heute nur die Ninja h2 und die H2R, welche einen Kompressor zur Motoraufladung nutzen. Ansonsten gibt es einige Turboumbauten mancher Hersteller. Die Firma MAB baut zum beispiel die Suzuki Hayabusa um.

Turbolader haben im Motorrad einige nachteile. Zum einen ist ein Turbomotor immer schwerer. Je nach Ladedruck muss er verstärkt werden, hinzu kommen Zusatzbauteile wie der oder die lader (es gibt auch ganz wenige Twin Turbo umbauten) und der Ladelufkühlung, bei vielen besonders leistungsstarken Varianten kommt noch eine Wassermethanoleinspritzung hinzu, da man auf einem motorrad keine großen Luftladelufkühler verbauen kann. Ein höheres gewicht verschlechtert immer das handling. zudem hat eine Singleturbolösung immer ein Turboloch (großer Turbolader) oder bringt relativ wenig (kleiner Lader). Twin Turbolöungen sind nur sehr schwer umsetzbar und teuer.

Zum anderen ist es nutzlos. Eine Serienmäßige 1000er hat heute oft schon über 200PS, dass kannst du auf öffentlichen straßen kaum ausfahren. Eine wirklich starke Turbomaschine kannst du nur auf der Rennstrecke legal bewegen und da bist du dank höherem Gewicht und Turboloch auch nicht schneller als eine normale 1000er mit weniger PS. Auf kurvenreichen Strecken fährt dir selbst eine Supermoto mit gutem Fahrer um die Ohren. Bleibt also nur ein Dragstrip. Dort nützt dir die viele Leistung am start nichts, da ohne Traktionskontrolle gar nichts mehr geht und du um es zu nutzen sowieso mit Wheeliebar fahren musst. Und dank Traktionsnachteile dürften viele Dragcars trotzdem gleich schnell sein.

Du siehst es gibt wenige ausnahmen, wo du das wirklich nutzen könntest, oder du bist halt illegal unterwegs. Das haben auch die hersteller erkannt und sie bauen lieber leichtere und handlichere Bikes und die haben mit modernen Hochdrehzahlmotoren für Hobbyfahrer auch schon zu viel leistung und werden ständig von der elektronik eingebremst.

Glaube das hätte wenig Sinn.

Ist doch heute schon so, das die Traktionskontrolle viel Leistung wegnimmt, weil das Hinterrad sonst die Traktion verlieren würde.

mit den passenden reifen greift die tc nicht ein, nur in kritischen situationen, in denen man es zu weit treibt, speziell zu schnelles aufreissen des hahnes am kurvenausgang in hoher schräglage. highsider werden dadurch verhindert.

tc nimmt grundsätzlich keine leistung weg.

annokrat

0

In einer Egli Kawasaki wurde schon 1975 ein Turbolader verbaut. Die Maschine nannte sich Egli MRD 1 und hatte 180 PS. Für Egli war es selbstverständlich, dass das Fahrwerk die Leistung verkraftet hat. Fritz Egli baute deshalb den Turbolader ein, um seine Fahrwerke zu testen.

Das Problem war damals, dass es keine brauchbaren Reifen gab.

Dann in den 80er Jahren haben alle Japanischen Firmen Motorräder mit Turbolader gebracht. Da es damals de Selbstbeschränkung auf 100PS gab, machte es keinen Sinn eine 1000er mit Turbo zu bringen. Die Honda CX Turbo hatte im ersten Modell nur 500ccm und 82 PS. Der Nachfolger dann 650 ccm und die vollen 100PS.

Auch Suzuki hat 1982 eine Turbo gebracht, die XN85. Die hatte 670ccm und 85 PS. Wudre aber nur ein Jahr verkauft und ich glaube sie wurde nicht in Deutschland verkauft. Die war aber auch vom Styling eine Katastrophe.

Kawasaki brachte 1983 die Z 750 Turbo mit 100PS. In Frankreich und England hatte sie 112 PS. Sie wurde bis 1987 gebaut und war eigentlich die erfolgreichste Turbo. Yamaha brachte 1982 die XJ 650 Turbo mit 90PS, die bis 1986 verkauft wurde. In den USA gab es die Firma Stütz, die Turbolader in BMW und Kawas eingepflanzt hat.

Das die Turbos sich nie durchgesetzt haben, sondern eher in kleinen Stückzahlen verkauft wurden, lag nicht am unkontrollierbaren Turboeinsatz. Sie hatten alle einen so geringen Ladedruck, dass der Turbokick eigentlich kein Thema war. Es war eher der hohe Preis und die Maschinen wogen alle genauso viel wie die damaligen 1100. Und die hatten durch den Hubraum und die vollen 100PS bessere Fahrleistungen. Die Maschinen wurden eigentlich alle von der Zeitschrift "Motorrad" ausführlich getestet und ein "Turboloch" oder ein gefährliches Einsetzen des Turboladers wurden nicht bemängelt. Es war jedenfalls nicht vergleichbar zum Beispiel mit der Suzuki RG 500 Zweitakter mit 95 PS wo ab einer bestimmten Drehzahl dermassen Power kam, dass man sich wie auf einer Rennmaschine gefühlt hat.

In den 80ern gab es verschiedene Modelle von Honda und Kawasaki. Und es gab Umbausätze aus Amerika für BMW K100 Modelle. Durchgesetzt hat sich das nie weil es auf einem Motorrad ausgesprochen unangenehm ist wenn der Turbo schlagartig einsetzt, vor allem am Kurvenausgang in Schräglage. Die Dinger waren eigentlich unfahrbar.

Achso ok danke, aber wo der eingesetzt hat auf der Geraden, dann gibt es schon nen geilen Adrenalinkick oder?

0
@chriswhatever

Ja, die Fahrwerke waren bis auf die K100 erbärmlich weich, das war schon lustig.

0
@stertz

Die Serienfahrwerke der Japaner waren bis Mitte der 80er alle weich. Selbst wenn es sich um ein Sportmodell gehandelte, hat man am besten die Federbeine getauscht und die Gabeln richtig abgestimmt.

Wer was knackig hartes fahren wollte, fuhr Ducati oder Guzzi.

0

Eines seiner berühmtesten Straßenmotorräder war die Egli MRD 1 auf Basis der Kawasaki Z 900, die durch Aufbohren auf 1016 cm³ und mit einem Abgasturbolader von ATP auf eine Leistung von bis zu 180 PS (132 kW) gebracht wurde. 

Die 155-PS-Version (114 kW) mit einem Ladedruck von 0,69 bar erreichte 1979 eine Beschleunigung von 0 auf 200 km/h in 7,1 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 297 km/h; ein Wert, der erst 1999 übertroffen wurde.

Fernsehkoch Horst Lichter ist einer der wenigen Besitzer einer MRD1, von der „eine Handvoll“ gebaut wurden.

Dann die Suzuki XN 85 turbo Yamaha  XJ650 Turbo Honda CX 500 & 650 Turbo  Kawasaki 750 Turbo

Vor 30 Jahren: Der Flop mit den Motorrad-Turboladern

http://www.auto.de/magazin/vor-30-jahren-der-flop-mit-den-motorrad-turboladern/

 Die japanischen Marken standen an vorderster Front mit ihrer Technik, doch schon 1987 war die Episode wieder ad acta gelegt. 

Viel Geld wurde in die Entwicklung investiert, doch die Produkte standen im Laden wie Blei. 

Hondas CX 500 Turbo verkaufte sich in Deutschland 379 mal, von der größeren Schwester CX 650 Turbo brachten die Händler ganze 56 Exemplare an den Biker. 

Yamaha ging es mit der XJ 650 Turbo nicht anders: 315 Stück rollten in die heimischen Garagen. 

Suzuki indes importierte die XN 85 erst gar nicht nach Deutschland. 

Einzig Kawasaki brachte es mit 1 502 verkauften Exemplaren der Z 750 Turbo auf eine ansatzweise nennenswerte Zahl.

BMW hat die Turbo-Ära bereits im Versuchsstadium wieder beendet – und sparte nach den Verkaufsflopps der Japaner nicht mit Spott und Häme.

Das am besten abgestimmte und mit 11 000 Mark noch dazu günstigste der Turbo-Bikes war die Kawasaki von 1983 bis 1987, die in Deutschland jedoch aufgrund der freiwilligen Leistungsbegrenzung auf 74 kW/100 PS zwölf ihrer 112 Pferde im Stall lassen musste.

Der Verbraucher griff lieber zu den etwas hubraumstärkeren konventionellen Modellen, denn die waren deutlich günstiger zu haben und waren im unteren und mittleren Drehzahlbereich kräftiger, und das ohne den brachialen und plötzlich auftretenden Leistungseinsatz. 

Die Yamaha XJ 650 Turbo zum Beispiel leistete 90 PS und kostete rund 13 500 Mark. 

Die 1983 vorgestellte, drehmomentstarke XJ 900 hingegen war bei 71 kW/97 PS für 9 280 DM zu haben.

Für die japanischen Motorradbauer war die Turbo-Episode ein finanzielles Desaster. 

Glücklich schätzen kann sich heute indes, wer eine der Turbomaschinen im guten Zustand sein Eigen nennt. 

Denn dabei handelt es sich um seltene und gesuchte Klassiker mit stabilem oder sogar steigendem Wert.

yamaha xj650 turbo.MOV

https://youtube.com/watch?v=VE3-sOa7ZmA

Was möchtest Du wissen?