Ewige Singles! Heutzutage normal oder selbst Schuld?

35 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

Ich persönlich kenne dieses Problem und führe es neben persönlichen Defiziten wie Schüchternheit, Bindungsangst und Co. auf die immer weiter vorgetriebene Digitalisierung der Gesellschaft. Früher ging man aus, lernte jedes mal neue Leute kennen und manchmal entstanden daraus Partnerschaften oder Freundschaften, welche wiederum den Kontaktkreis erweiterten. Damals besaß der Mensch noch nicht das Smartphone oder die sogenannten sozialen Netzwerke, welche dem Menschen, als sozialem Wesen, den Weg nach draußen abgenommen haben. Man saß Zuhause, war gelangweilt und vermisste die Gesellschaft von Freunden und manchmal sogar Fremden. Man hatte einen Antrieb. Doch heute hat man alles was man braucht innerhalb eines kleines Computers in wenigen Sekunden abrufbar. Das mag zwar jetzt rein soziologisch betrachtet sein, aber es lässt sich genau so auf das Verhältnis zwischen Mann und Frau zurückführen. Die Arbeit ist stressig, Überstunden oder ein Zweit-Job sind mittlerweile Normalität geworden, die Existenzsicherung ist das primäre Ziel des Menschen geworden. Daher bleiben die sozialen Kontakte auf der Strecke. Das bedeutet also: Man hat kaum noch Freizeit. Seine vorhandene Freizeit möchte man mit seinen Freunden nutzen. Da diese in zu großer Fülle aber nicht alle zu bewältigen sind, beschließt man sich auf einen kleinen Kreis zu konzentrieren und hält mit den anderen nur noch Kontakt per sozialen Netzwerken oder Messengern wie WhatsApp. Was will ich damit sagen? Jeder Single ist auf der Suche nach einem geeigneten Partner. Jeder berufstätige Mensch steht unter enormen Leistungsdruck und hat wenig Freizeit, was ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist. Daher gestaltet sich die Suche als schwierig. Das wissen die Geldgeier auch, deswegen führte man Online-Singlebörsen ein, was den Kontakt zwischen solche Menschen noch erleichtern sollte. Was damit wirklich erreicht wurde ist die Versachlichung des anderen Geschlechts. Wie der Fragensteller es sagt: Man blättert in einem Katalog und sucht sich das raus, dass einem gefällt. Dadurch wird man aber selten fündig, denn so wenig der oder die Ausgesuchte eine Sache ist, so wird man selbst nicht als Sache behandelt werden wollen. Das bei so einer enormen Digitalsierung die Sensibilisitätsgrenze in die Schüchternheit treibt ist doch kein Wunder. Heutzutage fühlt sich jeder dem Smartphone verfallene Mensch komisch, wenn er eine fremde Person einfach so ansprechen soll. Tausend Gedanken schießen durch den Kopf. Bei der Kommunikation über das Smartphone kann man länger überlegen, seinen Satz korrigieren und offener sein. In der Realität ist es jedoch so, dass man etwas gesagtes oder getanes nicht mehr Rückgängig machen kann, was wieder die Schüchternheit verstärkt und lieber nichts sagt. Es ist so geworden, wie mit der Wahrheit. Jeder will sie hören, aber keiner kann sie verkraften...

ich hab über das Thema auch schon viel nachgedacht, und fand deinen text sehr hilfreich.

danke für die ausführliche antwort.

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@anion

@Blokk: Ich fand Deine Ausführungen auch sehr gut beschrieben und sehr zutreffend, weil sehr viel Wahres dran ist. Darum hab ich Deinen Beitrag auch als "hilfreichsten" Beitrag hier angegeben!

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@Kalivero

Danke für die Auszeichnung. Den Text konnte ich nicht weiter ausführen, da ich ihn 15 Minuten vor Feierabend vwrfasst habe. Es freut mich aber, dass er euch dennoch geholfen hat. :)

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ich stimme dem ausnahmslos zu . MfG...

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Ich kann Deiner Antwort nicht so richtig zustimmen. Ich halte es für übertrieben alles auf die Digitalisierung zu schieben. Sicher, die Technik ist im Verlauf der letzten Jahre enorm fortgeschritten und ich selbst finde es auch schade, dass die Teenager von heute kaum noch persönlich miteinander sprechen, sondern das Meiste über ihr Handy in die Wege leiten. Schlussmachen per SMS oder jetzt per whats app mag mittlerweile zur Normalität geworden sein, aber das man zu wenig Zeit wegen Arbeit, Haushalt und Familie hat, das war doch schon immer so. Natürlich muss man dann Prioritäten setzen und den Freundeskreis auf den wichtigsten Kreis reduzieren.

Singlebörsen gibt es schon soooo lange, da war man mit den Handys noch gar nicht so weit und ich denke, dass es einfach eine Form des Kennenlernens gewährleisten kann, die im Vorfeld schon ausschließt, dass es zum Scheitern verurteilt sein kann. Natürlich klappt das nicht immer, und schon gar nicht sofort, aber ab einem gewissen Alter, möchte man vielleicht eine Familie gründen etc. und es rennt einem die Zeit weg, dann möchte man nicht unbedingt in Bars etc. abhängen in der HOffnung vielleicht jemanden kennenzulernen, der oder die auch gerade Single ist. Somit sehe ich die Online-Single-Börsen als gute Gelegenheit Zeit zu sparen, denn das persönliche Kennenlernen wird einem dabei ja nicht genommen. Auch wenn es dann nicht klappen sollte, dass kann Dir bei einem Kennenlernen in einer Disco oder Bar genauso passieren. Wie oft hat man da auf einen Anruf vom Schwarm gehofft, der oder die sich dann doch nicht gemeldet hat.

Es liegt nicht alleine an der Technik oder der Gesellschaft, sondern auch an einem selbst, wenn man den Kopf in den Sand steckt, bleibt man in aller Regel auch alleine im Dunkeln.

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Ich würde nicht gezielt/ bewußt nach einer Partnerin suchen, weil das meistens sowieso nichts wird. Man verkrampft dabei viel zu schnell, weil man sich damit selbst Stress macht und an seinem Selbstvertrauen/ Selbstbewußtsein zweifelt. Das bringt es nicht. Es ist bei sehr vielen, grade in dem Alter, so ab 30 aufwärts so, das sie sich viel zu sehr daran gewöhnt haben, allein zu sein und machen zu können, auf was man grade Lust hat. Es fällt einem dann mit der zeit immer schwerer, sich auf Kompromisse einzulassen, die eine Partnerschaft definitiv mit sich bringt. Ich finde aber nicht, wie ich in einem dieser Beiträge gelesen habe, das Partnerschaften immer seltener werden. Das kommt auf jeden einzelnen selbst an, was er oder sie vom Leben erwarten, bzw. an Vorstellungen haben. Es wurde das Beisspiel eines Babys genannt, welches zu schlaflosen Nächten führen kann und das man dabei auf der Strecke bleibt. Das ist aber eine vollkommen falsche Ansicht. Babys sind sicherlich nicht immer einfach zu händeln und es gibt oft Momente, wo man völlig fertig ist, aber es bringt auch schöne Momente hervor. Man muß nicht immer alles mies reden, wie Kerze69 getan hat. Ein Kind ist kein Grund, das eine Partnerschaft daran unbedingt zu Grunde geht. Es kann auch noch mehr verbinden. Aber darum geht es jetzt hier nicht. Du selbst muß überlegen, ob Du etwas bereit bist, in Deinem Leben zu verändern, ob Du bereit wärst, Kompromisse einzugehen und auf manch gewohntes zu verzichten. Oder ob Du lieber Dein Leben so weiterführen möchtest und damit zufrieden bist. Im Internet würde ich selbst nicht unbedingt suchen, da dabei auch oft falsches Vorgespielt wird. Im Netz verstellen sich die Leute sehr gern und zeigen nicht ihr wahres Gesicht. Mache Dir keinen Stress. Meistens klappt es mit einer Partnerin/ einem Partner immer genau dann, wenn man am wenigsten damit rechnet.

Ja, das ist durchaus richtig, dass man sich ab 30 schneller an das Alleinsein gewöhnt... ist in meinem Fall auch so. Mit Mitte 20 habe ich viel krampfhafter gesucht als heute. Das Problem ist allerdings nur, dass man irgendwann nun mal automatisch auch eine Art Kälte entwickelt, wenn man sehr lange Single ist. Unter anderem hängt das wohl auch damit zusammen, dass man im Laufe der Zeit einfach nicht mehr glaubt, dass es das passende Gegenstück überhaupt gibt. Dies stelle ich bei mir auch manchmal fest.

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Ich weis von meinem besten Freund, das es verdammt schwer ist den richtigen Partner zu finden. In den meisten Fällen funkt es einfach nicht, weil man sich teilweise zu stark unterscheidet, obwohl man sagt das Gegensätze sich anziehen. Ich würde auch nie Singlebörsen oder Bars nutzen, da sich da, zumindest meiner Meinung nach nur die "Verzweifelten" un die "Abenteurer" rumtreiben. Du könntest einfach einen Kurs auf einer Volkshochschule belegen. Fremdsprachen, Geisteswissenschaften, Kampfkunst und/oder sonstiges (Ich z.B. hab einige neue Freunde über Kurse in Tai-Chi, Zen-Bogenschießen, Jet-Kune-Do, Japanische Sprache usw.) kennengelernt. Und das sind durchaus Personen die zu Beziehungen die über das freundschaftliche hinaus gehen, bereit sind bzw. bereit gewesen wären. Ich bin selbst 31 und habe auch noch nicht die wirklich "richtige" gefunden und da ich selbst nichts von Kurzbeziehungen, One Night Stands usw. halte, liegt meine letzte "Beziehung" in meiner Teenagerzeit (14-15 in meinem Fall) zurück.

Gute Idee! Und wenn man halt darüber nur neue Freundschaften knüpft, ist doch auch schonmal was, wenn es zu mehr nicht reicht! :-)

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