Darf der Lehrer vom Schüler das Sprechen der Shahada (islam.Glaubensbekenntnis) verlangen?

18 Antworten

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Ich bin Lehrer und kann ihnen sagen das ein solches Verhalten in NRW für eine Abmahnung und in Baden-Würtemberg für eine Kündigung ausreichen würde.

Meiner eigenen Meinung nach stellt das sprechen eines Glaubensbekenntnisses einen religiösen Akt von tiefer Bedeutung dar. Auch wenn es der Sprechende nicht versteht stellt eine solche Nötigung sich zu einer, für den Sprecher, fremden Religion zu bekennen einen derart massiven Eingriff in die Religions- und Gewissensbildung dar, dass dem Kollegen zumindest verboten weren sollte jemals wieder Religion zu unterrichten. Würde es einen solchen Fall an meiner Schule geben würde ich mich auch genau dafür einsetzen. Ohne ansehen der Person.

Es spricht nichts dagegen die Sahada als religiösen Text im Unterricht durchzunehmen und die Hintergründe zu erklären, auch wenn ich denke das Kinder der 1. Klasse noch nicht in der Lage sind dies zu verstehen.

Auch spricht nichts dagegen sich Unterrichtsmaterial für das Thema Islam aus einer Moschee, für das Thema Judaismus aus einer Synagoge und für das Thema Ahnenverehrung aus einem Shinto-Schrein zu besorgen. Aber was der Kollege hier getan hat geht eindeutig zu weit, das hat auch nichts mehr mit mangelnder Toleranz oder Fremdenfeindlichkeit zu tun. Das Bekenntnis zu einer Religion ist genau das ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis zu einer bestimmten Religion, Ethik und Lebensweise und nicht irgendein Gedicht das man einfach so aufsagt oder nachspricht.

Außerdem sollte man auch mal darüber nachdenken was passieren würde wenn man moslemische oder jüdische Schüler das christliche Glaubensbekenntnis oder das Vater Unser nachsprechen ließe. Die Eltern würden sich nicht ersteinmal umhören was andere davon halten die würden buchstäblich an die Decke gehen und in einem lautstarken Protestzug ins Büro des Direktors maschieren während die BLÖD-Zeitung die Titelgeschichte für den nächsten Tag hätte, gedruckt mindestens in 96er Lettern.

Nur weil ANDERE vielleicht die nötige Contenance vermissen lassen und alles gleich persönlich nehmen, muss man sich ja noch lange nicht auf dasselbe Niveau herablassen, oder? Da könnte man doch unseren armen muslimischen Mitmenschen, die ja ganz klar ALLE noch im TIEFSTEN Mittelalter leben, mit gutem Beispiel vorangehen. Aber nein, Kindergarten, der hat, also darf ich auch...

Sicher, dass du Lehrer bist...?

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@seirios

Sehr sicher..

Was den Rest angeht: Ich bin kein religiöser Fanatiker sonder lediglich nach wie vor der Meinung das die Entscheidung sich einer bestimmten Religion zuzuwenden in der Tat eine höchst persönliche ist. Ein Glaubensbekenntis zu sprechen ist eine Form von Hinwendung und sowas entscheide ich selber oder im Falle von Kindern die das noch nicht verstehen die Eltern, mit Sicherheit hat sich da nicht irgendein Lehrer einzumischen. Das ist auch keine Frage der Contenance, sonst müssen unsere Kinder im Religionsunterricht bald wieder 'Ihren' Katechismus auswendig lernen. Wobei ich selbst damit das die Eltern über die Religion entscheiden ganz einverstanden bin.

In unserer zugegebener Massen sehr großen Familie gibt es Katholiken, Lutheraner (unter anderem mich), Unitarier, Anglikaner, griechisch-orthodoxe Christen, Moslems und einen Juden. Nach einer Übereinkunft die in einem solch buntgemischten 'Haufen' auch nötig ist, werden unserer Kinder als Säugling nicht getauft oder sonstwie in eine Religion eingeführt sondern entscheiden mit 16 Jahren selber ob sie einer Religionsgemeinschaft angehören wollen, wobei wir bislang nicht einen einzigen Atheisten zu verzeichnen haben, was mich ehrlich gesagt wundert. Manchmal möchte ein Kind sich auch schon früher entscheiden, dann wird aber sichergestellt das es die Tragweite der Entscheidung versteht und er an den regelmäßigen Zeremonien aller Religionen in unserer Familie und wenn möglich auch darüber hinaus, mal teilgenommen und mit den entsprechenden Geistlichen gesprochen hat. Deswegen finde ich es auch immens wichtig das man soviel wie möglich über andere Religionen lernt.

Was nun den letzen Abschnitt meiner Antwort angeht möchte ich klarstellen das er nicht als Kritik an Moslems oder Juden zu verstehen sein soll sondern das es meiner Überzeugung entspricht das ein solches Verhalten normal und verständlich wäre. Wir deutsche Christen sind es nämlich die aufgrund der vielen schmutzigen Flecken in unserer Vergangenheit in solchen Fragen oft etwas zu ruhig und zurückhaltend sind. Wobei ich einen solchen Protest keinesfalls als einen Kampf der Religionen oder auch nur ein Gegeneinander sähe sondern im Gegenteil als ein starkes einsetzen für eine absolute und uneingeschränkte Religionsfreiheit. Niemand soll jemand anderen an der Ausübung seiner Religion hindern und niemand soll jemand anderen nötigen seine oder irgendeine Religion auszuüben und um so zur ursprünglichen Frage zurückzukehren. Das sprechen eines Glaubensbekenntnsses ist der Beginn eine Religion auszuüben.

In einem multikulturellen und multireligiösen Land wie dem zu dem Deuschland, trotz seiner Vergangenheit, glücklicherweise geworden ist, ist es für ein respektvolles und geregeltes Zusammenleben unabdingbar die Religionsfreiheit als hohes Gut zu bewahren.

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@Seraquael48

Im letzten Satz des ersten Abschnitts muss es heißen: Wobei ich selbst damit das die Eltern über die Religion entscheiden nicht ganz einverstanden bin.

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@Seraquael48

Das sprechen eines Glaubensbekenntnsses ist der Beginn eine Religion auszuüben.

Es ist der Beginn, sich mit einer Religion auseinander zu setzen, eine Religion kennen zu lernen.

Dieser schulische Lern-Prozess mittels Nachsprechen hat mit Religionsausübung nichts zu tun, sondern ist nur ein Weg mit dem Ziel der Auseinandersetzung, da andere Wege 1-Klässlern kaum oder nicht offen stehen.

Allenfalls kann man darüber streiten, ob solche Themen in eine erste Klasse gehören.

Ansonsten möchte ich bezweifeln, dass ein so gestalteter Unterricht die von dir im ersten Post aufgezeigten Konsequenzen hat. (irgendwelche Belege dafür).

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@VirtualSelf

Das islamische Glaubensbekenntnis ist auf Arabisch- damit sollen sich Erstklässler auseinandersetzen?

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@VirtualSelf

Zitat Beginn des Shahada >Ich glaube und bezeuge das es keinen Gott gibt außer Allah. Ich glaube und bezeuge das Mohamed sein Prohet ist. <

Wenn ich als Erwachsener mit voll augerüstetem moralische Kompass schon unbehagen dabei verspüre dieses Bekenntnis laut auszuprechen wie mag es dann erst Knindern gehen die in ihrer moralischen Entwicklung noch am Anfang stehen.

Erstklässler sind an einem Punkt in ihrer moralischen Entwicklung an dem sie von ihren Eltern gerade intensiv beigebracht bekommen (sollten) was Versprechen, Wahrheit, Lügen, Gut und Böse sind. Jetzt kommt ein Lehrer daher über den sie gesagt bekommen haben das sie auf ihn hören müssen weil er ihnen wichtige Dinge zu sagen hat. Was er ja auch tun kann. Er soll nach Herzenslust referieren, fremde Religionen durchleuchten und vielleicht sogar auf den ein oder anderen der heiligen Texte eingehen, wie ich ja auch in der ersten Antwort schon geschrieben habe.

Seine Schüler zu zwingen ein Glaubensbekenntnis zu sprechen, möglichst noch mit Wiederholungen damit alle mitkommen oder um auf irgendein bestimmtes Wort oder zweideutige Übersetzung einzugehen hat eine ganz andere Dimension.

Zwei Jahre später beginnen die Katholiken unter ihnen nämlich damit sich auf ihre Erstkommunion vorzubereiten, drei Jahre später die Protestanten auf ihre Konfirmation, lernen etwas über das christliche Bekenntnis, also Jahwe, Jesus und den hl. Geist und werden darauf vorbereitet es bei ihrer Erstkommunion/Konfirmation zu leisten. Nicht wenige von denen werden dann sagen, dass sie doch schon vesprochen haben an Allah und seinen Propheten zu glauben. Auch wenn ihr es mir nich glauben wollt, durch das Nachsprechen bleibt sowas im Gedächtnis hängen, das wird euch jeder Leher, Pädagoge oder Psychologe bestätigen. Vor allem falls es eine gute Übersetzung war. Die sind nämlich auch zum Missionieren gedacht und wie alle religiösen Texte dieser Art so formuliert und stilistisch abgerundet, dass sie sich tief ins Gedächtnis 'eingraben'. Und davon das dieser Lehrer eine Übersetzung genommen hat bin überzeugt, den Erstklässler der arabisch auch nur nachsprechen kann möchte ich sehen.

Zu guter Letzt soll mir dann bitte auch noch jemand erklären was ein Verspechen für und von einem dieser Schüler noch Wert sein soll wen der eine Lehrer ihm das erste Glaubenbekenntniss abenommen hat und dem nun der Pfarrer oder Kommunionstlehrer erzählt, war ja alles nichts, ist auch nicht weiter wichtig, jetzt zählt nur noch das christliche Glaubensbekenntniss und das andere vergessen wir mal. Der wird nie wieder an ein Versprechen oder einen Schwur glauben. Egal ob ihm gegenüber oder durch ihn.


Zitat VirtuelSelf > Ansonsten möchte ich bezweifeln, dass ein so gestalteter Unterricht die von dir im ersten Post aufgezeigten Konsequenzen hat. (irgendwelche Belege dafür).

Ein türkischstämmiger, Lehrer für türkische Sprache in Duisurg hat seine Schüler während einer Themenwoche zu Weltreligionen deutsche Gebete ins türksche Übersetz. Der musste nach massiven Elternprotesten die Schule verlassen-

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@Seraquael48

Ich danke Ihnen, Seraquael48, für Ihre ausführlichen und differenzierten Antworten - eben aus der Sicht eines Lehrers.

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Der Lehrer war da wohl relativ übermotiviert. Wahrscheinlich gehört er zu den Menschen die sich besonders engagieren wenn sie meinen ein Unrecht zu empfinden und etwas Gutes tun müssen. Die Aktion war sicherlich absolut unnütz.

Unterrichtsbestandteile werden jährlich festgelegt, und befinden sich zur Einsichtnahme im Schulamt. Über die Schulkonferenz haben Elternvertreter das Recht auf Einflussnahme. Dies wird oftmals unterschätzt, und sollte im Rahmen der Schulpflegschaft besprochen werden.

Darüberhinaus dürfte im Fall des Religionsunterrichts das regionale Bistum auch Möglichkeit auf Einfluss in den Bestandteil des Unterichts haben. Ich empfehle in diesem Fall einen Beschwerdebrief.

Abschließend darf ich Dich beruhigen. Das Aussprechen der Schahada macht einen Menschen nicht zum Moslem. Moslem ist wer die fünf Säulen des Islam befolgt. Du musst also weder Kopftuch noch Häckelmützchen kaufen :-)).....

Schöne Osterfeiertage wünsche ich.

Nach dem islamischen Verständnis werden alle Menschen auf der Welt als Muslime geboren. Mit dem persönlichen Aufsagen der Schahada wird das bekräftigt. Nun sind Erstklässler deshalb noch keine "praktizierenden Muslime", insofern brauchen sich ungläubige Eltern darüber nicht zu sehr beunruhigen.

Ein Beschwerdebrief ist hier dennoch angebracht, denn die Folgen solcher Methoden sind vorprogrammiert, wie man hier sieht..

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Darf der Lehrer nicht, nicht ohne Einbindung und Information der Eltern. Das ist wirklich unegeuerlich, was da passiert.

Die Eltern sollen sich gemeinsam beim Rektorat beschweren und das Schulamt unterrichten. Sollte das nicht helfen, wäre eine Strafanzeige gegen den Lehrer denkbar. Verstoß gegen den Artikel über Glaubens-und Bekenntnisfreiheit und Meinungsfreiheit.

Die Kinder durch das Nachsprechen der Shahada nicht zum Islam konvertiert. Dazu gehören auch noch innere Überzeugung und zwei männliche Zeugen.

Aber was da an der Schule passiert ist, sollte an eine Tageszeitung weitergeleitet werden.Es gibt immer wieder Versuche, Schüler und Schülerinnen für solche Versuche zu mißbrauchen.Vom Schulamt nicht gestattet, da der Staat zur religiösen Neutralität verpflichtet ist.

Zum Glück gibt es diese Fälle in Bayern nicht, und wenn ja, werden sie sofort geahndet.

Wie sollen sich 1.Klässer anders als durch Nachsprechen einen Text wie die Shahada, das Vaterunser oder ein Gedicht erschließen?

Bei uns ist diese Art der Stoffvermittlung durchaus üblich. Religiöse Bedeutung erlang das Gedicht alleine durch die absonderliche Wahrnehmung der Eltern; ansonsten ist es erst einaml nur ein Text religiösen Ursprungs.

Erstaunlich, worüber sich Eltern aufregen.

Hallo allerseits! Erstmal möchte ich mich bei allen für Ihre Mühe bedanken, mir bei der Beantwortung dieser Frage behilflich zu sein. Um es einmal klarzustellen: Mir ging es nicht um irgendeinen Generalverdacht gegen Lehrer, der ein oder andere hat es wohl so missverstanden. Und es ging mir auch nicht um irgendwelche grundsätzlichen Vorbehalte gegenüber dem Islam. Ich finde es richtig und wichtig, dass Kinder über Unterschiede in Religionen informiert werden (1. Klasse halte ich aber für arg früh), ganz sachlich und informativ. Ich selber beschäftige mich schon rein wissenschaftlich mit verschiedenen Religionen, habe zum reinen Verständnis darum aber bislang noch keine religiösen Texte nachplappern müssen. Verstehen kann ich auch anders und ein Kind doch eigentlich auch, finde ich.

Einen Erstklässler ein anderes Glaubensbekenntnis sprechen zu lassen finden wohl auch viele andere hier unangemessen, vielen Dank für Euer Meinungsbild. Unser Erstklässler wollte nämlich plötzlich auch Ramadan bei uns einführen und führte bei einem Besuch in einer Kirche den islamischen Gebetsgestus vor. Das Gesamtpaket empfindet man als Mutter eines so kleinen Kindes dann schon als eigentümlich, natürlich stellt man sich die Frage, ob bei anderen Kindern das Unterrichtsthema auch so intensiv nachgelebt wird. Die Frage ist ja auch, ob das von den Muslimen anders - ernster - bewertet wird, wenn das Kind bei einem rein informativen Besuch der Schulklasse in einer Moschee dann auch die Shahada rezitiert, weil es die in der Schule schon mal schön geübt hat? Ich kann es nicht wirklich beurteilen, ob das Sprechen der Shahada vor einem gläubigen Muslim dann - auch wenn es aus dem Mund eines Kindes kommt - nicht doch einen gewissen Stellenwert hat.

Bei allem Respekt gegenüber einer anderen Religion, vollkommen egal ob Islam oder eine andere, ginge mir das schon recht weit.

Mir ging es ja in meiner Frage in erster Linie darum, einmal zu hören, ob das in anderen Schulen auch so gehandhabt wird. Eher wohl nicht, ist anscheinend die Tendenz.

Ich freue mich auf weitere Antworten, freundliche Grüße, LenaD84

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