Braucht Deutschland mehr Patriotismus?

8 Antworten

Hab das Video nicht gesehen, aber möchte trotzdem meinen Senf dazugeben:

In einigen der anderen Antworten wird Patriotismus mit Nationalismus oder sogar Rassismus durcheinander gebracht. Dabei sind das völlig unterschiedliche Konzepte, die zurecht auch unterschiedliche Bezeichnungen haben.

Rassismus: Vorurteile gegenüber Mitgliedern von anderen Rassen, Menschen mit anderer Hautfarbe als die eigene. Annahme, sie wären minderwertig. Bäh.

Nationalismus: Verherrlichung der eigenen Nation. Zur Nation werden dabei nur die Menschen der entsprechenden Abstammung gezählt. Menschen, die anderen Ländern abstammen, werden verachtet, als minderwertig betrachtet, vgl. Rassismus. Bäh.

Patriotismus: Stolz auf das eigene Vaterland, auf die Gemeinschaft aller Bewohner des Landes, unabhängig von der Abstammung. Ein Wir-Gefühl, also das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein.

Patriotismus kann meiner Meinung nach sowohl negative als auch durchaus positive Effekte haben.

Negative Effekte wären, wenn man sich von den Bewohnern anderer Länder abgrenzt. "Wir gegen sie" statt "wir neben ihnen" oder sogar "wir in Zusammenarbeit mit ihnen". Oder wenn man sich nur noch über die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft definiert und sonst keine anderen Dinge hat, auf die man stolz sein kann. Oder wenn die Machthaber den Patriotismus ausnutzen, um Menschen dazu zu bringen, etwas zu tun, was sie sonst nicht tun würden, und was objektiv gesehen schlecht ist, zum Beispiel in den Krieg zu ziehen und Menschen aus anderen Ländern zu töten.

Ein positiver Effekt ist, wenn das Gemeinschaftsgefühl dazu beiträgt, dass man gemeinsam Gutes tut, also gute Dinge tut, die man sonst vielleicht nicht getan hätte. Zum Beispiel Menschen aus anderen Ländern unterstützt, wenn sie in einer Notlage sind. Das eigene Land verteidigt, wenn es angegriffen wird, dafür auch sein Leben aufs Spiel setzt. Ausländer im eigenen Land willkommen heißt und ihnen dabei hilft, Teil der Gemeinschaft zu werden.

Also: Patriotismus, ja oder nein? Wie bei den allermeisten Dingen kommt es auf die Menge an und auf den richtigen Einsatz. In Deutschland ist die Angst groß, dass aus Patriotismus schnell Nationalismus oder sogar Rassismus wird, und das will man spätestens seit dem zweiten Weltkrieg um jeden Preis verhindern. Aber ich fürchte, wenn man Patriotismus so aktiv unterdrückt, dann staut sich Druck an und der Dampf sucht andere Wege. Und dann entsteht Nationalismus, Rassismus, Parteien wie die AfD usw.

Aber ich fürchte, wenn man Patriotismus so aktiv unterdrückt, dann staut sich Druck an und der Dampf sucht andere Wege.

Ja. Viele Menschen, die sich mit der Materie auskennen, sehen unter anderen genau darin ein Problem. Viele "Türken" in Deutschland berichten sowas ja auch - dass sie in Deutschland nicht auf Deutschland stolz sein könnten, und deswegen sich so ihren vermeintlichen Heimatländern so krass zu wenden - und eben immer auch selber von sich sagen, sie seien Türken, obwohl sie hier geboren sind, obwohl ihre Eltern hier geboren sind .... Dann kommt es eben auch dazu, dass die größte rechtsextreme Gruppe in Deutschland genau aus solchen Menschen besteht. Gleiches gilt natürlich auch für die deutsch-deutschen Rechtsextremen.

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@guitschee

Es wäre natürlich schön, wenn kein Mensch so sehr auf diesen Stolz auf die Gemeinschaft angewiesen wäre, dass man ohne ihn gar nicht mehr auskommt und in den Extremismus verfällt, aber da es nun mal einen signifikant großen Teil der Bevölkerung gibt, bei dem das nicht klappt, sollte man den Bogen nicht überspannen und deren Bedürfnisse nicht vernachlässigen.

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@PhotonX

Da werde ich keinesfalls widersprechen. Aber viele dieser Jugendlichen - bis jungen Männer (und Frauen, aber es sind ja mehr Männer), haben grob gesagt, kaum etwas anderes zur Identifikation. Ihnen fehlen Perspektiven, Möglichkeiten. Auch Denkmöglichkeiten darüber hinaus - und damit meine ich nicht, dass sie dumm wären, sondern dass sie zum Teil einfach nicht wissen, welche Möglichkeiten es sonst gäbe.

Ich selber wüsste keinen Weg daraus, dass müssen andere wissen, aber ich finde es auch sehr schade. Denn leider kommt aus der übermäßigen Identifikation eben auch schnell eine Ablehnung von anderem - und das ist schädlich für alle, vor allem in einem Land wie dem unseren, wo es eben auch zig Kulturen/Kultureinflüsse gibt.

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Als erstes, ich finde eine Unterscheidung wichtig:

Patriotismus= Liebe zur eigenen Heimat

Nationalismus=Überhöhung der eigenen Nation/Heimat und damit implizite Abwertung anderer Nationen/Heimaten.

Der Begriff Patriotismus wird leider von Nationalisten gekapert und benutzt, die sich gerne hinter Patriotismus verstecken aber eigentlich nur dumme Rassisten sind. Das sollte man nicht zulassen, denn diese Menschen sollten KEINE Deutungshoheit über den Begriff haben.

So nun zur Frage:

Ich finde die antideutsche Bewegung mancher Linksradikalen auch nicht gut. Das ist eine Art umgedrehter Rassismus/Nationalismus zum Teil. Sie werten alles Deutsche ab.

Es gibt daneben ja auch Bestrebungen, jeglichen Patriotismus auszumerzen. Auch darin sehe ich nicht den richtigen Weg.

Aber: wenn eine Sprache, eine Kultur jemandem etwas wert ist, wird er selber aktiv für die Bewahrung arbeiten. Sowas gibt es in Deutschland. Man kann Heimatliebe nicht vorschreiben. Man kann den Menschen nicht vorschreiben, dass sie eine Kultur zu bewahren haben. Sie werden es tun, wenn sie es möchten, und loswerden, was sie loswerden möchten. Gerade der letzte Punkt ist auch extrem wichtig. Denn nur so entwickelt sich eine Gesellschaft (weiter) und nur so, kann sie auch tolerant sein. Man sollte auch Heimatliebe nicht damit verwechseln, wie ein Betonblock sich kein Stück zu bewegen....

Wobei ich persönlich sprachkonservativ bin. Ich liebe diese Sprache. Ich spiele gerne mit ihr. Ich mag sie. Ich mag auch alte Formen von ihr und teils sehr blumige und teils sehr verwinkelte. Ich mag manche neuen Sprachvarianten (Verirrungen) nicht. Ich finde, wenn man in einem Land über längere Zeit leben möchte/lebt, dann hat man gefälligst die Höflichkeit zu haben die entsprechende Landessprache zu lernen (ausgenommen dieses Land mit 100+ Landessprachen - das kann echt niemand verlangen, die alle zu lernen ;-)) - diesen Anspruch habe ich an jede Person in jedem Land - inklusive aller dort (urein-)geborenen. Mich regen manche Fehler auf. Mich regt eine Missachtung der Sprache auf zum Teil. Und das hat auch nichts mit rechts zu tun.

Zur Person Hengameh Yaghoobifarah: die Frau hat für mich leider ziemlich verquere Ansichten - und manchmal frage ich mich da wirklich, ob die Lack gesoffen hat - aber die ordne ich halt auch als -radikal ein und diese Menschen sind halt oft nicht ganz sauber ....

Ich persönlich liebe meine Heimat, den Ruhrpott. Ich persönlich liebe die deutsche Sprache. Ich teile meine Heimat aber gerne mit jedem Menschen, egal welcher Herkunft, der sie ebenfalls liebt/gerne dort lebt/leben möchte. Ich finde aber auch andere Heimaten absolut legitim und zum Teil als Außenstehende sehr spannend und faszinierend und natürlich sind überall in allen Kulturen Sachen, die man schätzen kann und vielleicht in die eigene übernehmen. Denn Kultur ist nicht statisch, sondern wandelbar und ausbaufähig. Ja, ich bin (Lokal-)Patriot.

Du hast mit Deinem Beitrag gute Argumente gegen Patriotismus geliefert.

Unsere Patria, das Vaterland, ist ja die Gesamtheit der Menschen hier. Kein Eintrag auf einer Landkarte.

Wenn man sieht, wie viele Leute dem Populismus nacheifern und aus Trollheit, Dummheit und Feindpropaganda dem Querdenkertum und dem Bullshit der AfD nacheifern und zum Opfer fallen, kann einem die Liebe zu den Deutschen ganz schön vergehen.

Diese Hengameh setzt der Dämlichkeit und Falschheit, die sich hier ausbreitet, echt noch die Krone auf.

Wir brauchen sicher keinen Patriotismus, der ja nur auf Vorzüge gegenüber der Patria anderer Leute zielt und damit von Deutschland nur ablenkt, anstatt das Wachstum der bösartigen Verblödung hier zu bekämpfen.

Die Bundesrepublik Deutschland benötigt in der Tat mehr Menschen, welche ihren eigenen Staat an erste Stelle stellen, welche dafür sorgen, dass zuerst ihre eigenen Lebensgrundlagen stimmen und so sind, dass sie hier gerne leben möchten. Denn nur auf diese Art kann man eine gesunde Gesellschaft aufbauen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung – Das Leben war eine harte Schule!

Momentan finde ich die großen Demonstrationen gegen die Nazis dann fantastisch. Hier zeigen die Menschen in Deutschland wie sie wirklich leben wollen..

Hurra Patriotismus braucht man eigentlich nur wenn man sonst nichts zu bieten hat

"Hier zeigen die Menschen in Deutschland wie sie wirklich leben wollen.."

Wieviel Prozent der Bevölkerung demonstrieren denn?

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@Panamacity3

Inwiefern ist das relevant?

Ein größerer Prozentsatz als der der Menschen die für eine rechte Politik demonstrieren.

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@Saim0n

"Inwiefern ist das relevant?"

Solche Fragen sind das Resultat kognitiver Überforderung. Wenn 500.000 Menschen demonstrieren, wieviele von 83 Millionen demonstrieren dann nicht?

(Ich weiß, nicht ganz einfach, aber du schaffst das...)

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