Bitte eine einfache Erklärung?

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Metaphysik - ein irreführender Name - bezeichnet alles, was vor den Möglichikeiten unserer Wissenschaftlichkeit liegt. Alles, was innerhalb der Welt unserer Erfahrung liegt, können wir einigermaßen wissenschaftlich erklären. Aber die metaphysische Frage, ob die Wissenschaft und unsere Erfahrung uns die GANZE WAHRHEIT sagen kann, das ist eine Frage des Glaubens - in der Metaphysik berühren sich nämlich Glauben und Wissen.

Nehmen wir die Frage nach Gott. Rein wissenschaftlich können wir nur zeigen, dass bestimmte Gottesbilder und ihre Welterklärungen nicht stimmen können. Aber die Wissenschaft kann nicht beweisen, dass es Gott oder etwas Göttliches nicht gibt. Man kann aber auch nicht beweisen, dass es Göttliches gibt. Man muss als Gläubiger, der Anspruch auf eine aufgeklärte Einstellung erhebt, nur auspassen, dass das Wirken, das man dem Göttlichen zuschreibt in unsere Erfahrungswelt hinein nicht in Widerspruch kommt zu den eindeutig belegten Ergebnissen der Wissenschaft.

Umgekehrt gibt es auch über die Forschungsergebnisse der Wissenschaft hinausreichende Interpretationen, die letztlich dann doch metaphysisch sind. Die Urknall-Theorie ist ein solcher Fall. Die Urknall-Theorie ist eigentlich bereits physikalische Metaphysik, weil sie eine Interpretation von Daten darstellt, die über unsere Erfahrung hinausreicht.

Hier in der philosophischen Abteilung wird oft die Frage gestellt, ob unser Bewusstsein sozusagen die Welt um uns schafft oder ob es erst der Welt um uns herum bedarf, dass es überhaupt unser Bewusstsein geben kann. Das ist auch eine metaphysische Fragestellung, die letztlich nicht genau greifbar ist und wo es dann eine Glaubensfrage bleibt, wofür man sich entscheidet. Wer partout in einer Traumwelt leben will, dem kann man das nicht ausreden und das Gegenteil auch nicht beweisen, weil seine Sehnsucht stärker ist als jedes Argument.

Hier ist noch eins zu erläutern. Ich habe geschrieben: in der Metaphysik berühren sich nämlich Glauben und Wissen. Hier ist natürlich nicht GLAUBEN im Sinn eines bestimmten Gottesglaubens gemeint, also Islam oder Christentum oder Budhismus. Diese drei beruhen ja bereits auf einer Grundglaubenseinstellung, auf einer Metaphysik, dass es einen Gott oder etwas Göttliches als tragende und wirkende Kraft dieser Welt und aller Erfahrung darin gibt. Das Gegenteil dieser Metaphysik ist der Atheist, der die Grundeinstellung hat, dass es außer dieser Welt nichts gibt und alles in dieser Welt alles erklärt werden kann. Eine Variante davon ist die verbreitete Einstellung, dass alles wissenschaftlich erklärt werden kann und man den aktuellen Erklärungen der Wissenschaft ungebremsten Glauben schenkt.

Ich hoffe, die Beispiele helfen Dir beim Verstehen, was als Metaphysik bezeichnet wird. Die Bezeichnung ist irreführend und hat etwas mit der Reihenfolge der aristotelischen Werke zu tun, in denen erst die Physik abgehandelt wird und dann erst die Grundlage dazu.

Die Urknall-Theorie ist ein solcher Fall. Die Urknall-Theorie ist eigentlich bereits physikalische Metaphysik, weil sie eine Interpretation von Daten darstellt, die über unsere Erfahrung hinausreicht.

Naja, reines Datensammeln ist noch nicht die ganze wissenschaftliche Arbeit, sie müssen immer interpretiert werden und dabei verlässt man ziemlich schnell den Rahmen des alltäglichen Augenscheins.

Weil es so viel Spaß macht: DIe Entwicklung des Heliozentrischen Weltbildes z.B: Die Geozentrik ging von dem aus, wie es von der Erde aus aussieht, dass alles um uns kreise. Waren da bloß die Abweichungen in den Bahnen der Planeten, die bisweilen sogar rückwärts laufen. Die Erklärungen und Rechenmodelle dafür wurden immer verstiegener und komplizierter, bis Kopernikus kam, der einfach gegen den Augenschein entschied, die Sonne als Zentrum in seinem Modell stetzte et voilá: Der Rückwärtslauf erklärt sich ganz einfach damit, dass die Erde relativ zur Sonne die anderen Planeten "überholt". Dann kam noch Keppler, der aus Kreisen Elypsen machte und noch mehr Unregelmäßigkeiten in die Regelmäßigkeit eliminierte. Und den allerletzten Rest hat dann Newton erledigt, als er die Gravitationsgesetze fand. Wobei die Graviationskonstante mit unserer Alltagserfahrung nur noch den Effekt zu tun hat, dass wir am Boden kleben.

Warum die Abschweifung? Zur Ermutigung: Nicht alles, was abgedreht aussieht, ist es auch. Konnten die drei Genannten vermutlich Lieder von singen.WIchtig ist, dass die Forschungsmethoden sauber sind und man seine metaphysischen/ otologischen Prämissen kennt und verteidigen kann.

Wewegen ich sagen würde: Da treffen sich Wissenschaft und Philosophie. Und sollten heiraten.

LG

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@nemoUnfound

Nicht schlecht Herr Specht. Wenn man Koestlers "Die Nachtwandler" gelesen hat, sieht man, dass das mit dem Geozentrismus etwas mit dem platonischen / aristotelischen WELTBILD der harmonischen Kreis- und Kugelformen zu tun hat, also keineswegs empirisch begründet war. Zur Zeit des Aristoteles (Ende) und Epikurs gab es bereits ein heliozentrisches Weltbild des Aristarchos, das aber dann von der Kirche, weil nicht glaubenskonform, wie der Epikureismus nach Möglichkeit ausgelöscht wurde. Zwischen wissenschaftlichen Darstellungen der Urknall-Theorie und dem populärwissenschaftlichen "Ersatzglauben" gibt es allein schon in der Festigkeit des unhinterfragten Glaubens einen großen Unterschied.

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„Metaphysik“ heißt „nach, hinter“ (meta) der Materiewelt (Physik). Lt. Duden ist Metaphysik „eine philosophische Lehre von den letzten, nicht erfahr- und erkennbaren Gründen und Zusammenhängen des Seins“. Vor Kant hatte die Metaphysik unter dem Einfluss der christlichen Kirche keine Bedenken, die Bereiche „jenseits“ des Erfahrbaren wissenschaftlich zu erklären. (Siehe z.B. der ontologische und kosmologische Gottesbeweis). Kant hat mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ diese traditionelle Metaphysik verworfen und zu einer Neubestimmung der Metaphysik aufgerufen. Die Vernunft könne nur im Bereich des sinnliche Erfahrbaren wissenschaftlich argumentieren. Z.B. das Argument „alles hat einen Anfang, alles hat einen Urheber; also muss am Anfang der Welt ein Schöpfer existieren“, ist auf den metaphysischen Bereich nicht anwendbar, denn von Gott z.B. sagen wir, er herrscht im Jenseits „von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Für eine solche „ewige Herrschaft“ fehlt uns aber jede Vorstellungskraft; auch von bestimmten Eigenschaften Gottes wie Allmacht, unendliche Größe, Allgüte, Allwissenheit fehlen uns erfahrbare Vorstellungsmöglichkeiten. Die Metaphysik ist also seit Kant eine andere als vor dieser „kopernikanischen Wende“. Wie z.B. Kant selbst versucht, metaphysische Fragen zu beantworten, kannst du in seiner „Kritik der praktischen Vernunft“ nachlesen (besser aber lies es bei Wikipedia, denn Kant ist alles andere als eine „erfrischende“ Lektüre). Auch die Philosophen der Romantik (Fichte, Schelling) oder späterer Zeit (Schopenhauer) haben sich mit der Metaphysik auseinandergesetzt (Schopenhauer: Es besteht ein metaphysisches Grundbedürfnis des Menschen, denn der Mensch ist bei genauerem Hinsehen von unlösbaren Rätseln umgeben: anfangslose Zeit, unendlicher Weltraum, Rätsel der Lebenskraft, Rätsel, was war vor unserer Geburt, was kommt danach, unendliche Teilbarkeit der Materie). Im 20. Jahrhundert hat u.a. Heidegger versucht, mit philosophischen Mitteln dem „Sinn von Sein“ auf die Spur zu kommen. Aber auch er kommt – wie Kant – zu der Einsicht, dass das „Sein“ ein Letztes ist, das nicht mehr erklärt werden kann. Es kann sich dem Menschen nur „lichten“, wenn er sich aus der Alltäglichkeit des „Man“ befreit und „eigentlich“ lebt, d.h. die Dinge vom Tode her sieht. Das ist auch „Metaphysik“. Dass Heidegger mit seiner speziellen Philosophensprache immer nebulöser wird, zeigt deutlich, dass er im metaphysischen Bereich „operiert".
(Heidegger: "...Der Krug west als Ding. Der Krug ist der Krug als ein Ding. Wie aber west das Ding? Das Ding dingt. Das Dingen versammelt. Es sammelt, das Geviert ereignend, dessen Weile in ein je Weiliges: in dieses, in jenes Ding..." - aus dem Vortrag "Das Ding", am 6. Juni 1950, gehalten in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste).

In der Metaphysik geht es um Gesetzmäßigkeiten im "Sein". z.B. Der Ball fällt aufgrund der Schwerkraft zu Boden. Das ist Physik !

Die Frage auf die Metaphysik lautet daraus. Gibt es auch solch grundlegende Gesetze im Bereich des "Seins" ?!

Der Ball und die Schwerkraft sind ebenfalls im Bereich des Seins. Die Erklärung finde ich völlig irreführend und verwirrend.

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Der Name ist gebildet aus meta (nach, über hinaus) und physike (Naturkunde) und ist eine von Aristoteles begründete Disziplin innerhalb der Philosophie. Metaphysik fragt nach fundamental Gründen warum:

(1) überhaupt "etwas als etwas" erscheint und

(2) "als solches" zu erkennen ist.

Dazu gehören bei der der Aristotelischen Metaphysik Begriffe wie Potential (Möglichkeit Vermögen) und & kontemporär (momentanen) (Wirklichkeit). So hat z.B. der Samen potentiell die Pflanze, und die aktuelle Pflanze ist nichts weiter als die Entwicklung der im Samen enthaltenen Anlagen. Ferner hat sie den zur Platonschen Ideenlehre diametral entgegengerichteten Grundsatz: Das "Sein" ist nicht eine "Idee" sondern konkrete "erste Substanz" (substantia prima): ein sinnlich wahrnehmbares "Ding" aus der belebten / unbelebten Natur oder aus der Welt der künst. /techn. Dinge. Die platonische "Idee" ist hingegen was Übersinnliches, Geistiges, mit der versucht wird, sinnliche raum-zeitliche Welt zu begründen.

Lit: Rapp,F.:AnalysenzumVerständnisder modernenWelt:Wissenschaft–Metaphysik –Technik.Ver- lag Karl Albe Freiburg, 2012

Ich würd's stark vereinfacht erklären: Physik ist eine Sprache, die unsere empirische Welt erklärt und sich mit allem beschäftigt, was physikalisch greifbar ist. Die Metaebene ist eine Überebene, die physikalisch nicht erschlossen werden kann, weil sie außerhalb der Physik von dieser handelt. Stark vereinfacht ist die Metakommunikation die "Kommunikation über die Kommunikation" und die Metaphysik ist die "Physik über die Physik". Hilft das?

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