Barock-William Shakespear?

6 Antworten

Vom Fragesteller als hilfreich ausgezeichnet

William Shakespeare kann literaturgeschichtlich nicht völlig eindeutig einem bestimmten Zeitalter/einer bestimmten Epoche zugeordnet werden.

Der Ausdruck „Elisabethanische Zeitalter“ ist für das Zeitalter, in dem William Shakespeare lebte, verbreitet. Allerdings hat er nicht nur in der Regierungszeit von Königin Elisabeth (Elizabeth) I., sondern auch in der ihres Nachfolgers Jakob (James) I. gelebt und in dieser Zeit auch noch bedeutende Werke geschrieben.

Bei der Literaturepoche ist in Bezug auf England eine Zuordnung zur Renaissance häufig. In England hatte kulturell, auch durch längere heftige innere kriegerischen Auseinandersetzungen bedingt, die Renaissance verhältnismäßig spät eingesetzt. Eine Bezeichnung „barockes Zeitalter“ ist für die Zeit William Shakespeares in England nicht gut passend.

Literaturgeschichtlich und allgemein kulturgeschichtlich wird die Zeit oft als Renaissance bezeichnet.

Allerdings trifft die Zuordnung stilistisch für Shakespeares Werke nur beschränkt zu. Zwar gibt es Einflüsse von literarischen Konventionen und individualisierende Darstellung und Lebenskraft wird zum Ausdruck gebracht, auch mit der Darstellung von einzelnen, Menschen die Grenzen überscheiten. Aber Klarheit und Ausgewogenheit ist nicht durchgängig anzutreffen.

Zu bemerken ist bei Shakespeare eine Vermischung von Tragischem und Komischen, von Pathetischem bzw. Gezierten und Derben, was Gattungskonventionen wenig entspricht.

Leidenschaft, Pathos , Ungestüm, Fülle/Üppigkeit, Maßlosigkeit und Eigenwilligkeit passen mit der Zuordnung zur Renaissance auch weniger gut zusammen. Die zeitliche und räumliche Ausdehnung von Handlungen (auf Jahre oder sogar bei *The Winter’s Tale [Ein Wintermärchen] auf mehr als ein jahrzeht) der Dramen ist außerdem bei der Dramaturgie eine Abweichung von antiken Vorbildern mit einer Einheit von Handlung, Zeit und Ort.

Es gibt in Shakespeares Werke einige barocke Züge/Merkmale. Dazu zählt auch rhetorische Zuspitzung und Zielen auf Wirkung. Allerdings ist das Weltbild der Dramen nicht wie im Trauerspiel des Barock typisch eines der Vergänglichkeit des Irdischen, der Eitelkeit der Welt, die sich im Sturz eines Menschen zeigt, bzw. das Aufzeigen des Waltens der göttlichen Vorsehung. Bei Shakespeare geschieht in den Tragödien Tragisches, ein großer Menschen lädt durch falsches/vermessenes Streben Schuld auf sich und kommt zu Fall.

Es wird auch versucht, einem Übergang eine Bezeichnung zu geben und als Epoche zwischen Renaissance und Barock zu anzusetzen. Ein Vorschlag dafür ist Manierismus.

Bei einer geschichtlichen Einteilung liegt nicht eindeutig eine so und nicht anders einteilbare Sache vor. Die Einteilung ist immer ein Hilfsmittel, zum Überblick und um irgendetwas mit einer bestimmten Betrachtungsweise zu erfassen. Andere Betrachtungsweisen sind oft daneben ebenfalls möglich. Unterschiedliche Arten der Betrachtung schließen sich nicht einfach aus, es gibt sehr oft dabei kein schlichtes „richtig“ oder „falsch“. Epochen sind oft erst im Rückblick entstandene Einteilungen. Die Verwendung von Bezeichnungen und die zeitliche Ansetzung von Anfang und Ende sind von der Gewichtung von Gesichtspunkten und Sprachgewohnheiten abhängig. Bei einer Epoche werden einige grundlegende Merkmale herausgestellt, die bei aller fortwährenden Veränderung prägend bleiben. Epocheneinteilungen sind aber nur Hilfskonstruktionen.

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Manfred Pfister, Forschung. In: Shakespeare-Handbuch : die Zeit, der Mensch, das Werk, die Nachwelt. Herausgegeben von Ina Schabert. 4. Auflage. Stuttgart : Kröner, 2000, 872:
„Shakespeares Werke im Licht der Ästhetik und Literaturtheorie der elisabethanischen Renaissance zu sehen, kann ein wichtiges Korrektiv für anachronistische Urteile bilden.“

Hans-Dieter Gelfert, Shakespeare. Originalausgabe. München : Beck, 2000 (Beck'sche Reihe ; 2055 : C. H. Beck Wissen), S. 8:
„Die Zeit Shakespeares wird meist mit dem elisabethanischen Zeitalter gleichgesetzt, was den Blick auf den zeitlichen Hintergrund unzulässig verkürzt, da die zweite und wohl gewichtigere Hälfte seines Werkes unter der Regierung Jakobs I. entstanden ist. Das Charakteristische an seiner Schaffenszeit ist gerade, dass sie in zwei sehr unterschiedliche Epochen fällt und damit auf einer sozialgeschichtlichen Bruchzone liegt, deren Spannungen in seinem Werk virulent werden. In englischen Literaturgeschichten werden beide Epochen als Renaissance bezeichnet, wobei man diese oft erst mit der Restauration der Stuartmonarchie im Jahre 1660 zu Ende lässt. Das mutet sonderbar an, wenn man bedenkt, dass Kunsthistoriker das Ende der italienischen Renaissance auf den sacco di Roma, die Verwüstung Roms durch die kaiserlichen Truppen 1527, datieren. Da aber England das große Jahrhundert der italienischen Renaissance, das quattrocento, mit Kriegführen verbrachte, setzte die kulturelle Wiedergeburt hier mit einem Jahrhundert Verspätung ein. Während die englische Architektur unter Elisabeth noch Reste des spätgotischen Tudorbogens aufweist und in der Malerei die Renaissance nur durch den Immigranten Hans Holbein vertreten ist, fand die Literatur so schnell Anschluss an die kontinentale Entwicklung, dass es eigentlich sinnvoller wäre, die Shakespearezeit so zu nennen wie die entsprechende Epoche auf dem Kontinent, nämlich Manierismus. Dieser Begriff hat sich für jene Stilepoche durchgesetzt, die nicht mehr Renaissance, aber auch noch nicht Barock genannt werden kann. Shakespeares Werk wie das seiner Zeitgenossen trägt eher manieristische als renaissancehafte Züge, sein Spätwerk weist sogar schon solche des Barock auf, auch wenn es einen durchgängigen Barockstil auf der Insel nicht gab; denn dieser war Ausdruck des Absolutismus und der Gegenreformation, was ihn für das protestantisch-parlamentarische England inakzeptabel machte.“

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@Albrecht

wieder ganz wunderbare Antworten - zum Nachlesen,- wird runtergeladen und gespeichert - und erweitert meinen Horizont. Dafür Danke - dicker Daumen und wahrscheinlich einen leuchtenden Stern!!

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Du sprichst mir aus der Seele "Epochen sind oft erst im Rückblick entstandene Einteilungen........ wie wahr, wie wahr --- und führen - leider - oft zu heftigen Diskussionen. Die nicht immer (für Aussenstehende) hilfreich sind.

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Nein, William Shakespeare lebte zur Zeit von Elisabeth I , also ca 100 Jahre vorher. Da war Renessance.

Shakespeare hat zwar ungefähr in dieser Zeit gewirkt, ist aber gewissermaßen "zeitlos", da er nicht den im Barock üblichen sechsfüßigen "leierigen" Jambus benutzt hat, sondern den fünffüßigen, der sich der gesprochenen Sprache annähert und deshalb sehr modern wirkt. Außerdem hat er seinen Figuren eine so differenzierte Psyche mitgegeben, dass man meinen könnte, er hätte schon Adler, Jung und Freud persönlich gekannt.

Wenn man weiß, dass er sein Theater in Stratford on Avon gegen zwei Konkurrenten betrieben hat und möglichst viel Volk in sein Theater reinbringen musste, um zu überleben, wird einem klar, dass man auch mit Qualität Quote machen kann.

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Danke schonmal für die Hilfe!

Lg, Gabriela

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