Auf dem Waldweg galoppieren?

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9 Antworten

Die Grundfrage besteht ja in der Definition des Untergrunds. Es beginnt schon damit, dass die meisten Laien Kies und Schotter verwechseln und dann kommt einer, der es kennt und man redet aneinander vorbei:

Kies sind rund geschliffene Steine, wie man sie z.B. in Flussbetten kennt oder als Ablagerungen in Kiesgruben. Es ist also sogenanntes rolliges Material. Kieswege sind die, wo man als Mensch mit Schuhen den Eindruck hat, man gräbt sich mehr ein als man vorwärts kommt. Darauf braucht man seinem Pferd nicht mit schwunghaften Gangarten kommen. Das ist einfach zu tief.

Sand ist nichts anderes als kleiner Kies und ein Sandweg kann sowohl fest sein, so eine richtig harte Sandpiste als auch tief, wie ein Reitplatz oder noch tiefer. Das kann man nicht aufgrund des Wortes "Sandweg" beschreiben. Auf der festen Sandpiste würde ich jederzeit galoppieren, auf dem tiefen nicht unbedingt, bestenfalls bei Reitplatzbeschaffenheit in gesetztem Tempo.

Schotter ist gebrochener Stein, also kantig, wie man ihn für die Wegebefestigung verwendet. Schotterwege sind ganz unterschiedlich, je nachdem, wie feucht es ist (Jahrezeiten, Schön- und Schlechtwetterperioden), aber auch je nachdem, ob sie viel Wind und Wetter ausgesetzt oder geschützt sind, wieviele sie befahren werden von Nutzfahrzeugen, wieviel sie von Erholungsuchenden genutzt werden und auch, wie der Unterbau ist. Es gibt auch im Wald richtige Fahrstraßen, wo beispielsweise viel Forstverkehr drüber rollt und welche, wo ein Waldbauer an 10 Tagen pro Jahr irgendwie durch kommen muss. Das kann man meist nicht pauschalisieren, aber so lange der Unterbau schwingt, ist es normal kein Thema, auch für Gelenke, die nicht mehr so astrein sind - da sagt einem der Tierarzt, der weiß, wie die Arthrosen gelagert sind, wo die Grenze ist.

Genauso ist es bei Asphaltstraßen. Ein nur dünnes Asphaltband schwingt unter Umständen besser als ein Schotterweg mit Unterbau. Deshalb würde ich jetzt nicht auf Asphalt galoppieren, aber man kann nicht einfach pauschal verteufeln.

Wiesenwege haben gerne Schlaglöcher, da muss man sehr vorausschauend reiten. Und sie sind oft recht weich und nehmen auch Schaden.

Ich kenne eigentlich keinen Wiesenweg in der Umgebung, der zum Galoppieren taugt - zumindest für meine beiden Pferde mit Handicap, wohingegen ich ihre Gesundheit durch eine Galoppeinheit am Schotterweg auch mal fördern kann, wenn es im Moment halt grade zuträglich ist.

Wiesen an sich sind tabu, ebenso wie Felder. Das ist genauso Privatgrund wie der Vorgarten der Reihenhausbesitzer. Auch Waldboden ist tabu. Im Wald ist genauso wie über Felder auf den befestigten Wegen zu bleiben. Sonst müssen wir uns nicht wundern, wenn die Nichtreiter nach einer Pferdesteuer schreien. Das ist deren Hebel uns zu bestrafen für unsere Frechheit, von den Wegen abzuweichen. Leider sehe ich immer wieder Reiterkollegen genau solches Fehlverhalten zeigen.

Abgeerntete Felder oder Wälder würde ich schon deshalb nur vorsichtig im Schritt reiten, z.B. wenn der Landwirt das erlaubt, weil darunter oft Mausgänge und vieles mehr sind, die bei der punktuellen Belastung durch ein Pferd nicht selten einbrechen. Wer mal zugesehen hat, wie ein Pferd noch auf dem Feld wegen eines Beinbruchs eingeschläfert werden musste, wird mit mir Schritt reiten. Das passierte nicht neben, sondern auf der Fahrspur, wo man sich oft denkt "na, wenn der Boden den Traktor getragen hat" ... nur lastet der auf viel größerer Fläche auf als ein Pferdehuf. Mein Warmblut hat Hufe von 12 cm Durchmesser, also 113 cm² und darauf kommt, wie wir alle in der Reitlehre gelernt haben, im Galopp mal gut eine Tonne Gewicht, weil zum Pferdegewicht der Impuls kommt. Damit landen wir bei 8,8 kg / cm². Das ist was anderes als ein mittlerer Fendt Vario, der zwar gleich 7 Tonnen hat, die aber immer auf vier Reifen verteilt sind, die wiederum im Durchschnitt 50 cm breit sind und auf mindestens ebenfalls 50 cm Druckfläche lasten. Beim Traktor sprechen wir von 1,75 t auf 2.500 cm², also 0,7 kg / cm² Druck, nicht mal 1/10 vom Pferd. Klar, dass dann das Pferd in Löcher stanzt, wo der Traktor noch locker drauf steht. Alleine schon das stehende Pferd, das im Idealfall alle 4 Hufe gleich belastet, kommt damit auf 1,3 kg / cm² - noch ein Argument, warum Wiesen, Felder und Waldflächen tabu sind für uns Reiter. Klar reißen die beim Bearbeiten auch was auf, aber das ist deren Sache, ist ihr eigener Grund.

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Ich gehe schnellere Gangarten (Trab und Galopp) ausschließlich auf weichem Waldboden, Feldwegen und Wiesen.

Reite ich auf Schotter, Teer, Beton, Pflaster, Kies, Steinen etc gehe ich ausschließlich Schritt. Meine Stute hat schon Arthrose und einen alten Sehnenschaden, da riskiere ich nichts. Wegrutschen, harte Stöße in die Gelenke, wegknicken usw. versuche ich so gut es geht zu vermeiden.

Mit gesundem Pferd wäre ich evtl. ein wenig entspannter.

Muss halt jeder selbst für sein Pferd entscheiden.

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Wie Du siehst, sind sich da die Leute ziemlich uneins - nicht nur Du und Deine Freundin. 

Ich persönlich finde es etwas schwierig zu sagen, weil so eine Beschreibung nicht so richtig die Beschaffenheit des Weges zeigen kann. Wenn ich an einen " normalen" Feldweg denke, wo die Steine größtenteils ziemlich festgefahren sind, finde ich es völlig normal, da zu galoppieren. 

Sonst kommt es auch auf das einzelne Pferd an. Einem gesunden Pferd ohne Vorschäden tut ein abwechslungsreicher Untergrund gut, und erhält die Flexiblität. Bei älteren Pferden, oder Vorschäden an Sehnen und Gelenken, wäre ich da wählerischer mit dem Untergrund, vor allem in schnellerer Gangart. 

Ich kenne einen Reitbetriebe, da werden irische Jagden besucht und natürlich auch hier entsprechend trainiert. Meines Wissens sind die Pferde dort nicht schneller " kaputt" als andere. Diese sind allerdings auch vorher schon von Zucht und Konstitution her dafür geeignet.

Wenn Du achtsam bist - und das bist Du ja, sonst würdest Du diese Frage nicht stellen - wirst Du merken, wenn etwas Deinem Pferd nicht ( mehr ) gut tut.

 Wobei ich ( räusper) noch anmerken möchte, dass Dir die "Freundin" vielleicht nicht wirklich gut tut - wenn sie auf ihr ungebremstes Vergnügen besteht, obwohl Du ernstliche Bedenken an Eurem gemeinsamen Tun anmeldest.

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Hi,

im Normalfall ist ein harter Boden besser für die Sehnen, ein weicher besser für die Gelenke. Je nach Pferd ist die Grenze da natürlich unterschiedlich. So wird z.B. ein durchtrittiges Pferd auf Dauer mehr Probleme mit sehr weichen als mit harten Böden bekommen.
Wenn Dein Pferd nicht gerade solche Probleme hat, sollte das erstmal kein Problem sein. Versuche einfach wachsam zu sein und wenn Du merkst, dass Dein Pferd da nicht besonders gerne galoppieren möchte, lass es einfach.
Ansonsten solltest Du noch abschätzen, ob das Pferd auf dem Weg wegrutschen oder sich Steine eintreten kann. Meine RB tritt sich meist zwischen Hornwand und Hornsohle ein paar kleine Steine ein, da das erste Stück im Gelände bei uns leider aus relativ losem Schotter besteht und ganz kleine Steine sich da bei ihr leicht reindrücken.

LG

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Baroque 12.07.2016, 12:20

Wenn sie sich zwischen Wand und Sohle Steine eintreten können, macht der Hufbearbeiter seinen Job aber nicht gut. Bzw. ganz kleine Steinchen können sich hier sammeln. Weil aber das "Aufsteigen" der Steine durch den Huf ein Ammenmärchen ist - zumindest beim halbwegs vernünftig bearbeiteten Huf -, lässt man sie auch gerne drin. Meine Huforthopädin sagt immer, die sind sowas wie ein natürlicher Beschlag und macht sie nur zum Schneiden raus, weil sie dem Messer im Weg wären.

Ansonsten ist ganz klar ein schwingender Schotterweg besser als eine Wiese oder ein Matschweg für den Bewegungsapparat. Wiese an sich ist eh nicht erlaubt. Die gehört ja jemandem, aber auch ein Wiesenweg kann manchmal schon zu weich sein, vor allem können dort die Hufe auch richtig Schaden anrichten und man muss ja nicht zwingend Schäden verursachen und die Reiter wieder in schlechtes Licht rücken.

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eexFree 13.07.2016, 08:58
@Baroque

Danke.
Die Hufe sind manchmal leider wirklich nicht so gut bearbeitet, wie es sein sollte. Ich habe schon mehrmals versucht mit der Besitzerin darüber zu reden, leider erfolglos.
Dass man die drin lassen kann, wusste ich noch nicht, aber das klingt logisch. Wenn man sie raus macht, tritt sie sich an der selben Stelle ja eh direkt wieder neue ein.

Dem Rest kann ich auch nur zustimmen.

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Das ist nicht gut. 

Lieber auf Sand- und Waldwege beschränken, über Wiesen nur dann, wenn der Bauer das erlaubt hat. 

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Weder auf Stein noch auf Kies sollte man galoppieren. Steinwege schaden bei so hoher Geschwindigkeit den Gelenken und auf Kies kann man böse wegrutschen!

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friesennarr 12.07.2016, 08:48

Einem Barfußpferd sollte das absolut nichts ausmachen. Kein normaler Mensch würde sein Pferd auf losem Kies rennen lassen - das wovon ich geredet habe sind festgetrampelte bzw. festgefahrene geschotterte Reit und Wanderwege.

Auf losem Schotter kann man ja noch nicht mal im Schritt drüber - oder nur äußerst schwierig.

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um Gottes willen - willst Du mit Deinrem Pferd  "HAltbarkeitstests"

 machen ???

Wegen solch einem unverantwortlichen Verhalten gehen die Pferde ja mit durchchnittlich 8-9 JAhren zum Schlachter

(durchschnittlich !!!!  dabei werden ALLE  die älteren und z.B. über 30jährigen Pferde von verantwortungsvollen Nutzern und Haltern natürlich statistisch mit berechnet...)

DEIN GEFÜHL ist völlig richtig: auf HARTEM, STEINIGEN BODEN GEHT EIN VERANTWORTUNGVOLL GERITTENES   PFERD 

NUR SCHRITT

nur auf elastischem Naturboden, also Sand, Gras, Stoppelfeld soweit gestattet, wird "Gas gegeben", selbst auf trockenem, also knallhartem Lehm, würdeich ein ältere Pferd nicht galoppieren

auf Kies kann man ggf mit Eisen traben oder tölten/passen

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Wenn man über groben Kies galoppiert, kann das Pferd ins Rutschen kommen (in einer Kurve). Außerdem ist es unangenehm für Pferde ohne Hufeisen, bei Pferden mit Hufeisen ist nur die Gefahr, dass sich ein Stein blöd festsetzt.

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MissDeathMetal 11.07.2016, 22:16

quatsch, meine galoppiert barhuf über Schotter und hat kein Problem damit. Wenn das Pferd eine gute hornqualtität hat und seit min. 1 Jahr barhuf geht kann das ganz normal klappen. Allerdings würde ich gerade mit Hufeisen keinen Galopp auf so hartem Boden empfehlen, die Eisen verstärken den Aufprall und verursachen Vibrationen im Huf was die Gelenk schädigt bis hin zur Arthrose. 

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Baroque 12.07.2016, 12:26

Bei beschlagenen Pferden gibt jeder Aufsprung einen harten Schlag auf die Gelenke - weshalb ich beschlagene Pferde gar nicht und in der größten Not im Schritt reiten würde.

Mit unseren Barhufern kann ich die gesundheitliche Vorgeschichte (Arthrosen und Sehnenverletzungen) durch eine gut gewählte Galoppeinheit auch auf Schotter noch verbessern.

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Ich galoppiere mit meinen Pferden auch auf jedem Untergrund, außer Asphalt und Beton. Alles andere ist voll o.k.

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