Atheisten und Schicksal

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Atheismus und Determinismus schließen sich nicht aus. Atheisten glauben nur nicht an enen oder mehrere Götter.

Schicksal ist keine höhere Macht.

Ich denke mal, so richtige Hardcoreatheisten sind eher selten. Laut Terry Prachett wären das Typen, die sich mit dem Hammer auf den Daumen hauen und dann "Oh blödsinnige Fluktuationen des Raum-Zeit-Kontinuums!" schreien. Meist ist "Schicksal" nur die unpersönliche Version Gottes, die nichts von einem verlangt und der man keine Rechenschaft schuldet. Ich stelle es mir schwierig vor, einem echten Atheisten Begriffe wie Moral, Schönheit, Liebe zu vermitteln, da diese Begriffe zwar real existieren, aber rein materiell nicht nachzuweisen sind. Die Frage ist eher, woran ein Mensch Gut von Böse unterscheidet. Dabei muß er sich zwangsläufig auf eine höhere Instanz berufen, der er sich unterordnet - selbst wenn diese "gesellschaftlicher Konsens" heißt...

Du hast ne falsche Vorstellung von "Hardcoreatheisten". Abgesehen davon existieren Moral und Schönheit nicht real und Liebe ist sehr wohl nachzuweisen, da sie auf Prozessen der körpereigenen Biochemie basieren. Ach übrigens, das Böse existiert auch nicht.

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@PlaysWithWolves

Daß Schönheit sehr real existiert, kannst du auf jeder Kunstauktion sehen. Nur ihretwegen gibt es Dinge wie den Louvre usw.

Daß es einen moralischen Konsens der Gesellschaft gibt, ist die Basis für unser Rechtssystem. Gäbe es ihn nicht, hätte jeder seine völlig eigenen Rechtsbegriffe und unsre Gesellschaft würde in Milliarden Egos zerfallen.

Wenn sich Liebe auf simple körpereigene biochemische Prozesse reduzieren ließe, warum fasziniert sie uns dann weit mehr als z.B. Essen oder die Blut-Hirn-Schranke? Wieviele Lieder sind über die Tätigkeit der Magenschleimhaut geschrieben worden?

Daß das Böse per se nicht existiert, weiß ich selbst. Trotzdem gibt es Dinge, die von der Mehrzahl der Menschen gutgeheißen werden (z.B. Hilfsbereitschaft) und andere, die von der Mehrzahl der Menschen abgelehnt werden (z.B. Menschen essen). Somit existiert ein gesellschaftlicher Konsens über eine Vielzahl menschlicher Grundverhaltensweisen, der z.B. die Grundlage jeglicher Diplomatie ist. Man muß das Ganze nicht Gut und Böse nennen, wenn man die Worte nicht mag - die Bedeutung bleibt jedoch auch für Atheisten dieselbe.

Ein Hardcoreatheist wäre für mich jemand, der alles das ablehnt - ja dem es egal ist. Die meisten Psychologen bezeichnen eine Person, die so denkt und handelt, als Soziopath. Und von denen gibt es gottseidank nicht viele...

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@andisazi

Die Wahrheit ist kein Popularitätswettbewerb. Nur weil Liebe gerne mystifiziert wird, heißt das nicht, dass sie auch etwas mystisches ist, das sich nicht simpel erklären lässt.

Glaubst du etwa Wissenschaftler hätten Liebeshormone nur erfunden?

Und nein, ein Atheist ist nur jemand der an keine Götter glaubt. Dazu muss man weder Moral noch sonst was ablehnen. Man kann sogar an Geister glauben.

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@DarkSepia

@ DarkSepia: Nun ist ja Liebe nicht gleich Sex. Also erkläre mir doch bitte mal eben simpel die Liebe - vergiß nicht, dabei Arterhaltung kontra Selbsterhaltung zu erwähnen... ja und bitte kurz und simpel.

Im übrigen ging es um meine Vorstellung eines "Hartcoreatheisten" und die Behauptung, daß Moral nicht real sei. Und ein Atheist, der an Geister glaubt, Gott aber als unwissenschaftlich ablehnt, verwirrt mich etwas...

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@andisazi

Moral und Schönheit sind menschliche Wertesysteme, die NUR im menschlichen Verstand existieren (genauso wie Götter und Dämonen). Sie sind keineswegs real. Ethik hingegen schon. Ethik beruht auf der Abwegung von Wohl und Wehe und ist bei allen "höher" entwickelten Tierarten genetisch kodiert, um die Arterhaltung zu gewährleisten. Dass der Mensch diese selbsterfundenen Prinzipien so hochstilisiert, ist kein Nachweis für reale Existenz. Diese Systeme haben Vor- und Nachteile. Schönheit kann körpereigene Drogen freisetzen, was Glücksgefühle hervorruft, aber auch zu Ausgrenzungen führen, wenn bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllt werden. Moral hilft einerseits, das Miteinander leben zu regeln, sorgt aber auf der anderen Seite durch ihre Prinzipien "Schuld und Sühne" sowie "Gut und Böse" für gesunde Feindbilder. Aber auch die real existierende Liebe hat ihre Nachteile. Ohne sie gäbe es keinen Hass. Der Mensch neigt leider nur allzuoft zu extremen Übertreibungen, was erklärt, warum Liebe für so heilig empfunden wird, obwohl sie, trotz der Tatsache dass sie für unser Leben wichtig ist, nur eine simple neurale Empfindung mit körperlichen Symptomen ist (im Grunde sogar nur ein Nebenprodukt der evolutionären Entwicklung).

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@andisazi

"Ein Hardcoreatheist wäre für mich jemand, der alles das ablehnt - ja dem es egal ist." - Das hat mit einem Atheisten nicht das geringste zu tun. Dein Verstand scheint von religiöser Propaganda dermaßen vernebelt, dass du eine ähnliche Vorstellung vertrittst, wie viele Amerikaner. Sie halten Atheisten für eine Art Satanverehrer. Satan ist wie Gott aber eine Vorstellung, die ein Atheist nicht hat. Satan stammt aus den Köpfen der Theisten. Die Menschen, die alles das ablehnen - ja sogar egal ist, nennt man wie du bereits erwähnt hast Soziopathen und Gott hat damit nichts zu tun, dass es von denen (zur Freude aller) nur wenige gibt.

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@PlaysWithWolves

Mir sind so elend lange Kommentarkriege echt zu dumm. Ich habe nicht behauptet, dass nur Leute, die die Gotteshypothese als unwissenschaftlich ablehnen, Atheisten sind. Der Grund für die Ablehnung spielt keine Rolle. Stalinisten sind zum Beispiel auch Atheisten, weil Theismus nicht mit ihrer Ideologie vertrug.

Übrigens habe ich Terry Prachett gegooglet. Entweder ist er eine sehr unbekannte Person, oder du hast dich verschrieben. Wenn er aber ein Apologet ist, ist es völlig egal, was er über Atheisten sagt. Apologeten verdienen ihr Geld unter Anderem damit, Bücher zu schreiben, die Atheisten verunglimpfen.

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@DarkSepia

Sorry, Schreibfehler: Der Mann heißt Terry Pratchett, schreibt Fantasy und ist mit Sicherheit kein Apologet. Googel mal jetzt...

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Das kommt drauf an, wo man die Ursache der Vorherbestimmung vemutet. Wenn ich sage "weil meine Eltern arm sind, kann ich nie reich werden", dann glaube ich ja an Vorherbestimmung. Aber da kann ich trotzdem Atheist sein. ;)

Das kommt drauf an, wie man an das Schicksal glaubt. Für die meisten ist Schicksal nur als wohlwollender Zufall gemeint.

atheisten glauben ja an nix höheres. aber genau das ist ja ihr glaube :)

jeder mensch glaubt an irgendetwas.

die 'schicksals-therorie' ist zweifelsfrei auch ein glaube.

Oh wow, Nichtglaube ist ein Glaube. Benutzt heutzutage denn keiner mehr sein Hirn? Wenn Nichtglaube ein Glaube ist, ist Nichtbriefmarkensammeln ein Hobby.

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@diemeggie

Der hinkt gar nicht, deine Vorstellung von Nichtglaube = Glaube hinkt hingegen gewaltig.

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@PlaysWithWolves

also wenn ein agnostiker sagen würde 'ich glaube an nix' würde ich ihm das eher abnehmen, als einem atheisten.

zu merken, dass 'man atheist ist' - da gehört halt viel glaube an das nichtglauben zu :)

atheisten argumentieren meist sehr gut und ausgiebig. sowas kann man nicht tun, wenn man von einer sache nicht überzeugt ist. denn beweise haben die ja genauso wenig wie alle nicht-atheisten oder sonst wer.

sie stützen sich halt auf ihren 'glauben'. auch, wenn sie das nicht glauben nennen.

darum passt das mit den briefmarken-bespiel nicht.

zumindest dann nicht, wenn ich es aus aus ein und derselben perspektive betrachte, aus der ich meine antwort gegeben habe...

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@diemeggie

Alle Menschen glauben an etwas, natürlich auch Atheisten. Aber der Unterschied ist im Wort Glauben enthalten. Im Englischen gibt es hierfür zwei Begriffe.

  • Faith (Glaube) – bezeichnet den religiösen Glauben und bedeutet soviel aus wie Vertrauen, Gehorsam, Treue, gut heißen, loben und begehren. Mit diesem Wort unterstellt man eine absolute Wahrheit, die nicht einer Wahrscheinlichkeitsrechnung unterliegt.

  • Believe (Glaube, glauben) – wird vorwiegend im Alltag verwendet, obwohl dieses Wort auch, je nach dem in welchem Zusammenhang, mit dem religiösen Glauben assoziiert werden kann. Man drückt damit aus, dass man etwas, was vermutet wird, für wahr hält. Eine solche Annahme unterliegt einer Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Im Deutschen gibt es diesen so offensichtlichen, linguistischen Unterschied leider nicht, was erklärt, warum so genannte ‚Ungläubige’ ständig gefragt werden, warum auch sie das Wort „glauben“ im Alltag verwenden. Unglaube basiert vor Allem bei den Naturalisten (das sind diejenigen, die nicht an Übernatürliches glauben) auf die Anwendung von Vernunft und gesundem Menschenverstand. Zwei besonders gute Paradigmen zu diesem Thema fand ich in Dr. Michael Schmidt-Salomon’s Buch „Manifest des evolutionären Humanismus“

  • Über den religiösen Glauben: Du wirst dran glauben (was wir dir als absolute Wahrheit verkünden) oder du wirst dran glauben müssen (eines gewaltsamen Todes sterben)!

  • Über den Unterschied beim glauben: Während Wissenschaftler wissen, dass sie nur etwas ‚glauben’ (= für ‚wahr’ halten), was heute angemessen erscheint, morgen aber möglicherweise schon überholt ist, glauben Gläubige, etwas zu wissen, was auch morgen noch gültig sein soll, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist.

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@diemeggie

Wenn unzählige Wissenschaftler etwas behaupten, was sie durch Forschung herausgefunden haben (unzwar unabhängig voneinander), dann kann man es glauben, zumal zum Wesen der Wissenschaft ein integriertes Korrekturprogramm gehört. Wenn Kleriker Dinge behaupten, die keiner rationalen Überlegung standhalten, gibt es keinen Grund daran zu glauben, nur weil die Antwort vielleicht eine gewisse Befriedigung verschafft. Wenn eine Frau dir auf der Straße erzählen würde, sie hätte ein Kind ohne Geschlechtsverkehr (und ohne künstl. Befruchtung) zur Welt gebracht, würdest du es vermutlich nicht glauben, weil es jeder Vernunft widerspricht. Aber Millionen Menschen glauben an so einen Schwachsinn, wenn es um diesen Jesus geht.

Außerdem, gibt es viele, die nie einen solchen Glauben gehabt haben (so wie ich z.B.), daher erfordert es auch keine starke Überzeugung davon wegzukommen, sondern es bedarf einer starken Gehirnwäsche diejenigen zu einem solchen Glauben entgegen ihrer Vernunft zu bringen. Deshalb entstammt der Glaube an Übernatürliches fast ausschließlich der Indoktrination zu Kindertagen.

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