Religionen gibt es in praktisch allen Kulturen und oft werden sie sehr kostspielig betrieben. Deine Frage nach einem Nutzen macht also Sinn. Ein solcher Nutzen würde nämlich erklären, warum sich Religionen trotz der hohen Kosten halten, während Religionslosigkeit eher die Ausnahme zu sein scheint.

Jared Diamond entwarf ein Modell von Grundfunktionen, die Religionen für ihre Gesellschaft haben:

1) Erklärung (natürlich nicht nach wissenschaftlichen Standards). Man denke an den Gott der Lücken.

2) Verminderung von Angst. Gebete, Orakel, Glücksbringer und so weiter bieten die Illusion von mehr Kontrolle über beunruhigende Situationen.

3) Komfort in schlechten Zeiten. Zum Beispiel durch die Deutung von Leid als eine Prüfung oder Strafe, die man verdient hätte.

4) Normen für ein organisiertes Zusammenleben.

5) Erhöhung des politischen Gehorsams.

6) Regelung des Verhaltens gegenüber Fremden.

7) Rechtfertigung von Kriegen.

In den reichen Industrieländern von Heute gibt es offenbar noch einen starken Drang nach religiöser Sinnsuche. Vielleicht auch nach einem einfacheren Leben/Weltbild, als dem wissenschaftlichen. Daher halten sich Religionen auch in sehr aufgeklärten Ländern. Dafür aber schwinden andere religiöse Aspekte. Der Gott der Lücken tritt zunehmends in den Hintergrund - wegen des wissenschaftlichen Fortschritts; ich vermute aber auch, dass wir nun offener gegenüber der Möglichkeit sind, dass wir bestimmte Sachen momentan nicht wissen können. Normative Aspekte wurden säkularisiert; Religion als Rechtfertigung ist nicht mehr ganz so in, wie früher.

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Die Entstehung des Lebens wird immer noch erforscht. Eine sehr genaue Antwort gibt es meines Wissens nicht.

Übrigens gab es keine erste Zelle, weil in der Biologie die Übergänge fließend sind. Würden wir die Entstehung des Lebens sehr genau rekonstruieren würden wir wahrscheinlich eine Reihe von Systemen vorfinden, von denen einige mehr oder weniger wie typische Zellen aussahen. Wir könnten dann nicht festlegen, welches davon als erste Zelle durchgeht und welches die letzte Nicht-Zelle war.

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Das ist keine philosophische, sondern eine psychologische Behauptung. Es soll heißen, dass sich Leute in drohender Gefahr einer Religion zu wenden. Häufig heißt es auch "In Schützengräben gibt es keine Atheisten".

Es ist natürlich eine völlig übertriebene Aussage: https://en.wikipedia.org/wiki/There_are_no_atheists_in_foxholes#Notable_counterexamples

Wenn es diesen Effekt überhaupt gibt, dann nur als Tendenz.

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Einige Ungläubige vergleichen Götter mit Einhörnern. Was die Psychologie des Unglaubens angeht finde ich diesen Vergleich sehr treffend: Wer heute nicht an Einhörner glaubt ist, findet deren Existenz einfach nicht plausibel. Die Emotionen sind dabei zweitrangig. Vielleicht fänden es einige Leute sogar schön, wenn es Einhörner gäbe, aber sie glauben trotzdem nicht daran.

Der Unglaube gegenüber Einhörner ist also die nüchterne Hinnahme der Fakten.

Der Unglaube gegenüber Götter und andere Bestandteile religiösen Supernaturalismus ist das oft auch. Sie sind so wenig Widersacher irgendeines Gottes, wie sie Widersacher von Einhörnern sind. Höchstens sind einige Atheisten kulturelle Gegner von Gläubigen.

Wenn du Ungläubige für undankbar hältst, hältst du dich dann auch für undankbar gegenüber allen Göttern, an welche du nicht glaubst?

>>Ist Ihnen nicht bekannt das sie nur durch ihn das Leben hier auf der Erde haben und das sie nur durch ihn ein ewiges Leben im Himmel/Paradies haben werden? <<

Atheisten erklären sich das anders.

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Religionen werden kaum aufgrund ihrer Vernunft gewählt und beibehalten, sondern aus emotionalen Gründen oder dadurch, dass man in einem sehr religiösen Umfeld lebt.

Die Zeugen Jehovas bieten ihren Anhängern zum Beispiel die Illusion auserwählt zu sein.

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Kaum irgend etwas hat nur Unheil gebracht. Da ist die (katholische?) Kirche auch keine Ausnahme.

Allerdings hat die katholische Kirche vieles getan, worauf heute niemand mehr stolz sein würde. Dass gerade diese Fehltritte so viel Aufmerksamkeit bekommen kann daran liegen, dass wir die Kirche endlich kritisieren dürfen. Darüber hinaus sind die Missbrauchsfälle ein aktuelles Thema.

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Nein.

Ich halte es für möglich, viel älter zu werden, als es heutzutage der Durchschnitt ist. Das könnte passieren, wenn ich noch einen revolutionären medizinischen Fortschritt erlebe. Aber ich rechne auch nicht damit, dass dies besonders wahrscheinlich wäre.

Unsterblichkeit ist aber weitaus mehr, als nur ein sehr langes Leben. Aufgrund der Entwicklung unseres Universums schätze ich die Chancen auf Unsterblichkeit als verschwindend gering ein.

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Deine Frage impliziert, dass das Verhalten, welches auch immer du meinst, wirklich kindisch und pubertär wäre. Ist solch eine Frage nicht selbst kindisch und pubertär?

Ich ignoriere das also und beantworte stattdessen die Frage: Warum begnügen sich Atheisten nicht damit zu beweisen, dass es keinen Gott gibt.

Die Antwort ist sehr einfach: Weil sie nicht nur Atheisten sind und weil man über Religionen mehr sagen kann, als nur, dass sie falsch sind.

Viele der "Neuen Atheisten" halten Religion für gefährlich oder sonstwie überwindenswert. Eine falsche Idee alleine muss noch nicht gefährlich sein und selbst gefährliche Ideen sind auf unterschiedliche Weise gefährlich. Da gibt es also viel, was sich ausschlachten liese.

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Religion ist bei Weitem nicht das einzige Thema, zu dem sich verschiedene Meinungen sehr robust halten. Politik und viele philosophische Themen ebenso. In der Wissenschaft und Mathematik hingegen scheint es uns eher zu gelingen, dass sich zumindest die Experten auf einen Standpunkt einigen.

Ein Erklärungsansatz dafür ist, dass Menschen - und Gruppen von Menschen! - unterschiedlich mit ihrem Denken umgehen. Womöglich hängt dabei viel von der sozialen Dynamik an, denn Glaube tritt oft in Gruppen auf. Wo ein Christ ist, sind oft andere Christen. Aber es kann natürlich auch Persönlichkeitsmerkmale geben, wie ein ein individueller Hang zum Wunschdenken oder Skeptizismus oder ein Talent für wissenschaftliches Denken.

Einige Wissenschaftler nehmen an, dass sich Religiöser Glaube aufgrund von Vorteilen hält, die er für die Gruppe oder das Individuum bringt. Der "Gott der Lücken" füllt umbequeme Wissenslücken und schafft eine angenehme Illusion von Verständnis. Der Glaube an Gebete schafft Hoffnung und beruhigt die Gläubigen.

Damit ist erklärt, warum einige Leute gläubig sind. Aber warum sind es andere dann nicht? Zur Psychologie von Nicht-Religiösen konnte ich tatsächlich nicht viel finden. Atheismus scheint es häufig in sehr wohlhabenden Ländern zu geben. Demnach brauchen sie Religion als Kompensationsstrategie oder Leitfaden fürs Leben einfach weniger. Manchmal gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Atheismus und bestimmten philosophischen Ideen, die irgendwer mal entwickelt hat - wie Empirizismus, Materialismus, Naturalismus oder Theorien über Religionen. Manchmal dekonvertieren Leute und konvertieren danach selten wieder zurück.

Mit psychologischen Erklärungen sollte man natürlich vorsichtig sein. Sind sie zu einfach oder falsch führen sie zu einer Fehleinschätzung vieler Menschen. Andererseits ist deine Frage ja eine psychologische, also musst du damit umgehen können.

Und wie erklärt man sich politische Meinungsverschiedenheiten? Vermutlich kann man hier auch etliche psychologische Hypothesen aufstellen.

Wie soll das funktionieren? Ganz einfach: Es gibt sicherlich etliche Dinge oder Ereignisse, die zu 50% wahrscheinlich und zu 50% unwahrscheinlich sind. Warum sollte das gerade für einen Gott nicht zutreffen, wo keiner wirklich weiss oder wissen kann, ob es ihn gibt oder nicht? Daraus entsteht die einfache Logik, dass es ihn zu 50% gibt und zu 50% nicht gibt.

Damit gibt es einige Probleme:

1) Du hast gerade selbst erklärt, diese Mittelposition sei dazu da um einen Streit zu beenden. Das ist ein offen dargelegter Fall von Wunschdenken.

2) 50% Wahrscheinlichkeit lassen sich weder mit dem vereinbaren, was Atheisten oft glauben, noch mit dem, was Theisten oft glauben.

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Die Wahrscheinlichkeit, dass wir Menschen durch die Evolution auf der Erde entstanden sind, ist enorm hoch.

Wahrscheinlich meinst du eher aber die Wahrscheinlichkeit, dass uns ähnliche Wesen durch einen mit einigen Gesetzen beschriebenen evolutionären Prozess entstehen. Da hängt die Wahrscheinlichkeit von den Paramentern ab, die wir hinzufügen. Ich finde diese Frage ziemlich bedeutungslos. Da könnte man auch fragen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass ein Planet entsteht, der genauso aussieht, wie der Mars.

Oder: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Der Herr der Ringe durch die menschliche Kultur entstand? Menschliche Autoren sind zwar nicht dafür bekannt, ständig Fantasygeschichten mit genau diesem Titel und Inhalt zu verfassen, aber alles deutet darauf hin, dass es einmal doch der Fall war.

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Hat Lisa Barret keine Erklärung dafür abgegeben?

Daniel Dennett nennt Darwins Evolutionstheorie "Darwins seltsame Umkehrung des Denkens", womit er meint, dass sie einen bahnbrechenden Gedankengang beinhaltet. Darwin verabschiedete einerseits den Essenzialismus aus der Biologie (aber interessieren sich Atheisten dafür?), andererseits erklärte er auch die scheinbare Teleologie in der Biologie.

Beispielsweise haben Raubtiere Zähne und die befinden sich praktischerweise im Mund - nicht auf den Füßen, wo sie hinderlich wären. Einige Denker spekulierten schon seit der Antike, dass dieses Phänomen durch Versuch & Irrtum entstanden sein könnte und David Hume brachte dies vor Darwin bereits als Einwand gegen die teleologischen Argumente der christlichen Apologeten vor. Aber selbst Hume fand diese Idee eher spekulativ. Dann kam Darwins Theorie der natürlichen Selektion und machte Versuch & Irrtum zum biologischen Mainstream. Daher argumentieren viele Leute heute, dass Darwin den "teleologischen Gottesbeweisen" großen Schaden zugefügt hat. Diesbezüglich bin ich selbst agnostisch. Die Behauptung klingt, als hätten diese Argumente vor Darwin eine höhere Plausibilität gehabt. Aber vielleicht ist der Fall auch eher emotional als empirisch: Seit Darwin sehen wir die Biodiversität und die Nützlichkeit biologischer Merkmale nicht mehr als Mysterium und der (heute verpönte) Gott der Lücken zehrt numal von dem Gefühl des Mysteriösen und muss sich eine neue Lücke suchen: Der Urknall, die Entstehung des Lebens, die Entstehung des Bewusstseins.

Weiters hat Darwin einen Weg gefunden, die menschliche Psyche zu erklären. Er selbst experimentierte mit Affen, verglich menschliches mit tierischen Verhalten und nahm an, dass unser Verhalten wie alles Biologische, durch seine Evolutionstheorie erklärt werden könne. Heute nennen wir das evolutionäre Psychologie und die behandelt Religionen oft wie Aberglaube. Einige Atheisten freuen sich da wohl über das Werkzeug zum Religionsbashing, andere sind froh über eine Erklärung dafür, warum viele Leute so seltsame Dinge glauben.

So viel zur Frage, was Atheisten an Darwin toll finden können, weil sie Atheisten sind. Aber vielleicht ist Atheismus auch nicht das Motiv dahinter.

Vielleicht finden Atheisten Darwin auch toll, weil sie sich für Naturwissenschaft interessieren. Richard Dawkins beispielsweise ist Evolutionsbiologe. Nach dem, was Darwin alles geleistet hat ist es doch naheliegend, dass ihn wissenschaftlich interessierte Leute so behandeln, wie sie Albert Einstein behandeln. Als faszinierendes Genie, Superstar, Vorbild.

Was der Unterschied zwischen Superstars und Gurus ist? Da muss es keinen großen geben. Gurus, oder Propheten oder Heilige können für Gläubige Superstars sein. Aber im Gegensatz zu Darwinfans reichern gläubige Menschen ihre Bewunderung mit religiösem Glauben an, zum Beispiel den Glauben, die Person hätte ein spezielles Verhältnis zum Übernatürlichen.

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In der Schule werden Beweisführungen aus Zeitgründen manchmal weggelassen. Vielleicht hast du es ja schon einmal im Mathematikunterricht erlebt, dass ihr euch den Beweis für eine Formel gespart oder auf später verschoben habt.

In der Naturwissenschaft ist es dabei noch viel komplizierter, weil die Gründe für die allgemeine Akzeptanz einer Theorie nicht nur eine so einfache Herleitung ist, die in ein Schulbuch passt. Theorien machen enorm viele Aussagen und haben sich im Laufe der Zeit gegen andere Hypothesen durchgesetzt.

Ich bezweifle aber, dass du diese Beispiele wirklich als wahr hinnehmen musst. Du musst sie kennen und manchmal anwenden können, aber du kannst auch daran zweifeln. Es gab eine Zeit in der Schule, wo ich die Urknalltheorie für Unsinn hielt, aber ich machte trotzdem beim Unterricht mit. Ich begnügte mich damit, dass sie eine Theorie ist, mit der viele Wissenschaftler arbeiten.

Und übrigens werden im Unterricht manchmal falsche Theorien erklärt, um die Geschichte eines Fachs besser zu beleuchten. In Biologie zum Beispiel Lamarcks Evolutionstheorie, in Physik die Steady State Theorie und in Chemie vielleicht sogar Alchemismus.

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Das klingt zwar nach Druck, aber eigentlich ist das Geschilderte nicht unsachlich. Den Kontext kenne ich nicht. Es macht einen Unterschied, ob solche Fragen wie aus heiterem Himmel kommen, oder ob Themen, zu denen sie passen, gerade angesprochen wurden.

Deine Eltern könnten einmal mit dem Lehrer reden. Das ist besser, als sich einfach zu beschweren.

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Ich hätte ja die Blogs zu dem Thema verlinkt, aber das machten schon andere Leute hier. Die deutschen Blogs berufen sich auf diese Diskussion auf Wikiquote: https://de.wikiquote.org/wiki/Diskussion:Werner_Heisenberg#auf_dem_Grund_des_Bechers_wartet_Gott

Was ich bezüglich der Authentizität des Zitats annehme ist: Wenn er ihn gesagt hat, dann war es Heisenberg vermutlich nicht so wichtig. Erstens weil man sonst eher eine brauchbare Quelle hätte. Zweitens weil diese Behauptung nicht gerade zu einen Physiker in einer Zeit passte, wo die Physik gleich mehrere Paradigmenwechsel erfuhr. Heisenberg lernte zusammen mit all seinen Kollegen, wie erstaunlich neue Erkenntnisse sein können. Wieso sollte gerade er vom Grund am Kelch der Wissenschaft faseln?

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Du nimmst dir schwere Stücke vor, aber das heißt nicht, dass du sie gut spielen kannst.

Deine Klavierlehrerin kann das sicher besser beurteilen, als wir hier. Aber ich bin gerade neurigig und frage: Schau dir mal bei La Campanella die Arpeggios in der linken Hand an. Welchen Ton spielst du in der rechten Hand, wenn du den obersten Ton des ersten Arpeggios spielst?

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Weder besser, noch schlechter, weil ...

Ich sehe keinen Anlass für eine Bewertung. Die menschliche Sprache ist ein für uns wichtiges Werkzeug und vermutlich spielte sie eine sehr große Rolle bei unserer Eroberung des Planeten.

Durch unser Kommunikationsvermögen können wir uns über Dinge austauschen, die wir im Moment gar nicht wahrnehmen und die es vielleicht sogar erst geben wird. Wir können Theorien bilden und uns mit ihrer Hilfe mit Sachverhalte auseinandersetzen, die wir uns nicht einmal richtig vorstellen können (Quantenphysik zum Beispiel). Wir können anderen Menschen sehr detaillierte Anweisungen geben.

Bienen können auch anweisen, aber nur sehr eingeschränkt. Sie "tanzen" und weisen damit ihren Artgenossen den Weg zu Futterquellen.

Ohne Sprache würde also wohl vieles auf unserem Planeten anders aussehen. Es gäbe vielleicht keine Häuser, Felder und schon gar keine Computer. Wenn das manchen Leuten schade vorkommt, warum genau? Ich fände es unbefriedigend, einfach mit Stolz auf unsere Errungenschaften zu antworten: "Es gäbe keinen Einstein und keinen Mozart! Die Welt wäre so viel ärmer."

Aber gut, vielleicht gibt es irgendeinen Grund, warum es schade ist.

Ganz nüchtern betrachtet: Wir hätten irgendeinen anderen Weg gefunden, sodass wir keinen Mozart und Einstein brauchen, sofern wir nicht ausgestorben wären.

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Leute glauben, dass das, was sie glauben, richtig ist. Da tut sich eher die Frage auf: Wie kann man einer Religion angehören und gleichzeitig glauben, dass sie falsch ist?

Wenn das irgendwie geht ist es wohl ungewöhnlich.

Auf die Existenz alternativer Religionen reagieren gläubige Menschen unterschiedlich. Einige sehen ihre Religion als etwas besonderes, weswegen sie die einzig richtige Religion ist. Das sieht man oft bei christlichen und muslimischen Apologeten und natürlich nehmen auch viele Atheisten und Agnostiker die Position ein, alle Alternativen seien falsch und obendrein irrational. Sie halten alle Religionen für falsch.

Einige argumentieren auch für eine Kompatibilität verschiedener Religionen. Häufig wird das Gleichnis der Blinden Männer und des Elefanten erwähnt. Die Blinden beschreiben den Elefanten unterschiedlich, liegen aber nicht falsch, sondern ihre Beschreibungen sind lediglich unvollständig und kompatibel.

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Du meinst wahrscheinlich den Genius malignus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Genius_malignus

Descartes glaubte nicht an so einen bösen Geist (falls du das meinst), sondern er entwarf dieses Szenario als ein mögliches Beispiel dafür, wie wir in (fast?) allem irren können, was wir glauben.

Die Idee stammt vielleicht von der christlichen Vorstellung eines guten Gottes, der sich darum kümmert, dass wir die Welt verstehen. Descartes hat den Plan einfach umgekehrt.

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Die Webseite propagiert einen für Kreationisten sehr bequemen Obskurantismus bezüglich des Informationsbegriffs in der Biologie. Dabei wird das echte Informationskonzept in der Biologie (Shannon, Dretske, Millikan und andere haben dazu beigetragen) durch die bastardisierte Version von Werner Gitt ersetzt. Das bedeutet, es werden die Aussagen der Biologie über Information verdreht.

Werner Gitt verwendet zuerst eine strukturelle Theorie, die "erklärt", wie Information aufgebaut ist, aber die Ontologie und Herkunft offen lässt. Dabei verwendet er zwar zum Großteil die typischen seriösen Merkmale, fügt aber "Apobetik" hinzu, womit er einfach Teleologie meint. Damit ist die Behauptung "Universelle Information kommt von einem Geist" aber ein Zirkelschluss!

Wenn Biologen von einem Ziel sprechen, dann meinen sie dies teleonomisch, nicht teleologisch. Die Annahme, dass Organe oder Verhalten zu etwas dienen ist in der Biologie praktisch nicht wegzudenken, auch wenn weder irgendein Schöpfer noch die Lebewesen selbst nach einem Zweck streben. Man könnte annehmen "Flügel entwickelten sich zum Fliegen" ist nur metaphorisch gemeint, aber dann endet man natürlich bei einem Quasi-Design oder Quasi-Zweck, der echtem Design und einem echten Zweck sehr ähnelt. Viele Biologen akzeptieren also die Idee von Design ohne Designer (wie Daniel Dennett es so gerne ausdrückt).

Also nix intelligente Zielrichtung, Herr Gitt! Gene repräsentieren Phänotypen oder Proteine in etwa so, wie das Pfeifen eines Murmeltiers Gefahr repräsentiert. Weiß das Murmeltier, was es macht? Womöglich nicht, sondern es verspürt eher einen Drang zu pfeifen. Hat irgendjemand das Murmeltier so erschaffen, dass es pfeift? Laut Kreationisten ja, allerdings lässt sich das nicht aus dem Verhalten des Murmeltiers ableiten, nur weil es komplex und "zielgerichtet" sei. Die Evolution erschafft Komplexität und nützliches Design auch ohne Intelligenz.

Auch Gitts Ontologie ist sehr naiv und wieder einmal auf eine Weise, die seine kreationistischen Fans erfreut. Information sei nicht materiell und daher immateriell und würde den Materialismus widerlegen. Es mag sein, dass Information nicht mit irgendeinem konkreten physikalischen Phänomen identisch ist, aber das liegt daran, weil es sich um eine Abstraktion handelt und nicht um etwas Immaterielles wie eine Seele. Wenn wir unter Information wirklich so etwas verstehen würden, hätten Biologen kein Recht von genetischer Information zu sprechen. Denn das einzige, was sie entdeckt haben, ist Materie!

Eine weitere Naivität, die sich Gitt leistet, ist die angebliche Testbarkeit seiner "Naturgesetze". Aha, man könne also "Jede Information braucht einen intelligenten Sender" durch ein Gegenbeispiel widerlegen. Andererseits besteht Gitts Kreationismus ja genau darin, auch dort Intelligenz zu vermuten, wenn nur ein sehr spekulativer, immaterieller Schöpfer in Frage kommt. Angenommen man würde Gitt ein Gegenbeispiel zeigen, würde er einfach leugnen, dass es tatsächlich eines ist.

Das Problem mit der naiven Idee von Testbarkeit ist: Wegen des Duhem-Quine Problems testen wir immer mehrere Thesen gleichzeitig und müssen dann abwiegen, welche von ihnen am ehesten für ein Problem verantwortlich ist. Gitt behauptet sehr zur Freude der Kreationisten: Wenn man keinen Designer findet, dann erfindet man sich eben einen. Aber er könnte genauso davon ausgehen, dass sein "Naturgesetz" widerlegt wurde!

Und noch eine Naivität: Eine leichtgläubige Darstellung von SETI. Ja, SETI sucht (suchte?) nach intelligentem Leben unter der Annahme, dass sich bestimmte Radiosignale am besten durch eine ferne intelligente Zivilisation erklären lassen. Dies ist aber eine probabilistische Erklärung, kein notwendiges Naturgesetz. Natürlich könnte theoretisch auch ein sehr komplexes, geordnetes Radiosignal ohne Intelligenz entstehen. Diese Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, auch wenn wir nicht genau wissen, wie das funktioniert (wir wissen auch nicht genau, ws dunkle Materie ist).

Dass Wissenschaftler also hinter einem Signal Intelligenz vermuten würden und hinter einem anderen nicht, ist kein Doppelstandard und keine Heuchelei! Genauso wenig, wie wir nicht ständig Schnee erwarten, wenn der Wetterbericht Niederschlag ansagt. Das ist auch keine Heuchelei.

Eine intelligente Zivilisation wäre auch etwas ganz anderes, als ein einzelner Gott. Die Webseite pickt sich also die Aspekte raus, die ihr in den Kram passen, aber ignoriert alles, was zu ihnen verhassten Annahmen wie Polytheismus führen könnte.

Wer sich wirklich für das Thema interessiert, dem empfehle ich das neue Buch von Daniel Dennett. "Von der Bakterie zu Bach ... und zurück".

Dennett geht detailliert auf die Informationstheorie ein und ebenso auf die Teleonomie in der Biologie.

Außerdem sind die Essays von Peter Godfrey-Smith sehr empfehlenswert. Er ist einer der führenden Philosophen, was biologische Information angeht.

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Kompatibilismus ist die These, dass freier Wille mit Determinismus vereinbar ist.

In einem strikt deterministischen System gibt es keinen Zufall. Die Zukunft steht also schon bis ins Detail fest.

Freier Wille setzt nach dem herkömmlichen Verständnis voraus, dass man anders handeln könnte, als man es eigentlich tut. Wenn Prometheus am Berg festgekettet ist, dann ist er also nicht frei zu bleiben oder zu gehen, sondern wird von den Umständen gezwungen. Inkompatibilisten gehen also davon aus, dass Determinismus freien Willen völlig ausschließt; man würde immer von den Umständen gezwungen werden und es gäbe keinen Spielraum für andere Handlungen, die man machen hätte können.

Kompatibilisten versuchen also freien Willen so zu interpretieren, dass er zu Determinismus passt. Thomas Hobbs meinte (in seinem werk Leviathan) für Willensfreiheit reiche es, wenn jemand von der Ausübung seines/ihres Willens nicht abgehalten wird. David Hume bemerkte, dass determinierte Wesen anders hätten handeln können, wäre die Vergangenheit anders gewesen. Harry Frankfurt versuchte mit einem Gedankenexperiment zu zeigen, dass die Fähigkeit, anders zu handeln, als man wird, kein Bestandteil von Willensfreiheit sein müsse.

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