An der nordischen Mythologie glauben?

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16 Antworten

Als ich vor etlichen Jahren begann Theologie zu studieren, dachte ich, dass ein großes Lexikon ein wirklich hilfreiches und wichtiges Mittel sein könne, um bei allen Fragen zumindest schon mal eine Vorklärung zu erreichen. So kaufte ich mir die RGG (Die Religion in Geschichte und Gegenwart). Das waren sechs fette Bände, richtig teuer, und ich war mehr als ehrfürchtig ob dieser unglaublichen Ansammlung von Wissen über die Religion und ihre Nachbargebiete. Was mich darin vor allem beeindruckte, war die Tatsache, dass es in der Geschichte Tausende von Gottheiten gegeben hat, von denen viele noch in unserer Zeit verehrt und angebetet wurden. 

Wenn ich dann von Menschen gefragt wurde, ob ich an Gott glauben würde, habe ich immer zurück gefragt, an welchen Gott sie dächten, dass ich wohl glauben könnte. Dann habe ich so etwa zwanzig Namen zur Auswahl vorgetragen. Neben Jahwe und Baal nannte ich auch die griechischen Götter, Götter der Ägypter und auch einige der nordischen Götter. Das erzeugte bei den Fragenden immer eine große Ratlosigkeit und Betretenheit, worauf ich hinzufügte, dass Götter doch nicht sterben können und sie demzufolge alle noch irgendwo und irgendwie aktiv sein müssten. 

Wir Christen glauben an Jahwe, doch wenn ich andere Länder bereiste und Fernsehsendungen betrachtete, konnte ich von der großen Vielzahl von Gottheiten erfahren. 

Wenn Du also von den neu belebten Kulten germanischer Götter erfährst, musst Du davon ausgehen , dass dies eindeutige Rituale einer sehr alten ehrwürdigen Religion sind, die man nicht salopp als Mythen abtun kann. Mit dem Christentum haben wir keine Vorzugsstellung, weil jede Religion glaubt, dass ihr Gott der wahre ist. Wir pflegen nur eine mögliche Religion und sollten daher keine Arroganz zeigen gegenüber den Verehrern der alten nordischen Gottheiten.

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Kommentar von J1gsaw
05.04.2017, 23:24

Ich selbst bin Atheist und wenn ich das richtig deute bist du selbst Christe. Ich finde es klasse, wenn Gläubige eine solche Offenheit, Tolleranz und Verständnis für andere Glaubensrichtungen und Religionen haben.

Wie viele behaupten es, denken aber eig, deiner ist nichts Wert, mein Glaube und Gott ist das EINZIG Wahre. Tolleranzheuchlerei in höchstem Maße nenn ich sowas.

Daumen hoch für Leute wie dich.

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Ganz sicher war das damals für die Leute aus der Zeit eine Religion wie andere auch, mit Gebeten, Festen, Riten, ...

Heute gibt es mehrere Strömungen die mehr oder weniger dem original Vorbild folgen, als Religion. Der "Sammelbegriff" ist (Germanisches) Neuheidentum:

https://de.wikipedia.org/wiki/Germanisches_Neuheidentum

Das geht im Spektrum von "Völkisch Rechts" mit sehr verklärten Vorstellungen bis hin zu - so gut es geht - historisch korrekten Inhalten und ganz interessanten Riten.

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Mann (und Frau) kann an alles glauben, ganz nach Belieben. Ich darf sogar eine Religion gründen, siehe hier: http://www.helpster.de/eigene-religion-gruenden-so-geht-s_31578

Der Witz ist also, dass ich nur genügend Gläubige finde, dann bekomme ich sogar eines Tages Kirchensteuern und kann mich insgeheim kaputtlachen über die Schäfchen.

Heute lächeln viele über die sog. "heidnischen Religionen" und fragen sich, wie kann man an so etwas beklopptes wie Odin, Thor und den Bifröst glauben?

Da sind die Christen natürlich viel intelligenter heute: sie glauben an Gott, Jesus und ein Leben nach dem Tod. Ist ja auch viel logischer. (Muslime setzen bitte ihre eigenen Figuren ein.)

Und in 1000 Jahren? Da beten unsere Nachkommen vielleicht den ersten Mikroprozessoren an, wie dieser auf den Müll geschmissen wurde und wieder auferstand und stärker als zuvor wurde.

Ich weiß: völlig absurd.

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Der germanische Götterglaube und seine "Mythologie" war für die Germanen in der Antike ihre Religion. Erst im Laufe des Mittelalters verdrängte das Christentum allmählich die germanische Religion. Übrig blieb, was wir heute als germanische Mythologie oder Sagenwelt kennen und bezeichnen.

Ob es heute noch Menschen gibt, die die germanischen Götter für real halten und an sie glauben, weiß ich nicht, ist aber, wie das beim Menschen eben so ist, nicht unmöglich. In unserer aufgeklärten, durch viele wissenschaftliche Erkenntnisse bereicherten Welt wäre ein solcher "Glaube" gewiss merkwürdig.

MfG

Arnold

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Kommentar von Levii22
04.01.2017, 21:50

Ich zum Beispiel glaube an die alten Götter :D Und die Christen haben den Glauben unserer Vorfahren nicht ganz verdrängt zum Beispiel ist Weihnachten ein germanisches Fest auch Julfest genannt, da feiert man die Wintersonnenwende :D

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Kann man die nordische Mythologie als Religion bezeichnen?

Natürlich. Die nordische Mythologie war einst eine Religion. Sowie unzählige andere uns bekannte Mythologien. Prinzipiell ist natürlich jede Religion Mythologie. Sie wird allerdings erst so genannt, wenn im Großen und Ganzen keiner mehr ernsthaft daran glaubt oder der Glaube durch einen anderen abgelöst wurde. Auch die aktuellen Glaubensrichtungen werden irgendwann offiziell als Mythologie gewertet werden. Wer nachdenkt, sich informiert und hinterfragt, der wertet sie natürlich bereits jetzt so.

Gibt es Leute die an sowas glauben?

Es gibt diesbezüglich so gut wie alles. Es gibt schließlich auch Leute, die an Adam, Eva, Noah &co glauben.

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Als Religion bezeichnen kann man das sicher - zumindest in alten Zeiten haben sehr viele daran nicht weniger geglaubt, wie das heute gläubige Christen, Juden, Moslems, Hindus etc. tun. Auf Island gibt es heute wieder eine auch staatlich als solche anerkannte Glaubensgemeinschaft, die sich an diesem alten Glauben orientieren will - wobei sie das Problem hat, dass wir heute gar nicht mehr allzu genau wissen, was der ursprüngliche Glaube denn war.

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Ja, es gab Religionen vor dem Christentum. Was ist daran verwunderlich?

Was du meinst sind die religiösen Kulte hauptächlich germanischer bzw. skandinawischer Stämme. Diese sind eng angelenht an die der verwandten Kulturen und Stämme der Slawen z.B.

Glauben kannst du was du willst. Auch, dass wenn du würdig warst du nach den Tode ins Walhalla kommst um an der Tafel der Ahnen zu feiern.

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Ja klar kann man das als Religion sehen. Das Heidentum gab es als Religion der Germanen länger als das wir das Christentum jetzt haben. Wieso sollte das nicht als religiöser Glaube zählen?

Es dürfte nur nicht ganz so einfach sein eine Gemeinde zu finden, da es ja nunmal keine große Anhängerschaft dazu gibt.

Zudem kann heute fasst alles, was angebetet werden kann, als Religion bezeichnet werden. Fliegendes Spaghettimonster, Dein liebster Fußballverein...

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Kommentar von Hahlol22
29.11.2016, 19:49

Danke, wie findest du das? Komisch, oder Normal?

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Ich glaube daran. Die Religion, der ich angehöre, gehört zum Neopaganismus (germanisches Neuheidentum in dem Fall). Es gibt viele verschiedene Ausrichtung, ich persönlich bezeichne mich als Asatrú mit Tedenz zu Rökkatrú. Google einfach diese Begriffe. Es ist allerdings keine staatlich anerkannte Religion bei uns.

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Kommentar von Hahlol22
26.12.2016, 19:43

Hallo. Die Frage ist etwas länger her, nun bin ich aber auch ein Asatru.Kennst du dich in dem Thema gut aus?

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Hitler hat daran geglaubt auch wenn er kath. getauft war. Ich weiß also  nicht ob es das als Religion gibt? aber als Glaube schon

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Kommentar von lokaasenna
26.12.2016, 18:36

In Island gilt es noch als Religion, in unseren breiten ist es leider nicht anerkannt.

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Im Prinzip beruht jede Religion auf Mythen. Das kann man nicht so einfach gegeneinander stellen. Glaubt man an einen Mythos, wird er zur Religion.

So beruht z.B. das gesamte Christentum auf dem Mythos der Widerauferstehung von den Toten. Schon die Genesis, der erste Abschnitt der Bibel, erzählt nichts anderes, als uralte Mythen.

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Wikipedia:

Als nordische Mythologie bezeichnet man die Gesamtheit der Mythen, die in den Quellen der vorchristlichen Zeit Skandinaviens belegt sind.

Die nordische Mythologie basierte nie auf einer religiösen Gesellschaft oder auf einem zusammenhängenden religiösen System. Sie war also nie so etwas wie eine Religion im modernen Sinn. Es gab auch keine Instanz, die die Glaubensinhalt festlegte.

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Es gibt aber Sagen und Mythen mit einem Körnchen Wahrheit ...

Geschichten über Halbgötter, Riesen und eine Flutkatastrophe sind in aller Welt Bestandteil der Mythologien. 

So ist im akkadischen Gilgameschepos von einer Überschwemmung, einem Schiff und Überlebenden die Rede. Gilgamesch selbst wird als lüsterner, gewalttätiger Halbgott beschrieben. 

In der aztekischen Mythologie kommen eine von Riesen bewohnte Urwelt und eine große Überschwemmung vor. 

Die nordische Sagenwelt kennt ein Geschlecht von Riesen und einen weisen Mann namens Bergelmir, der ein großes Schiff baute und sich mit seiner Frau retten konnte. 

Zusammengenommen bestätigen die Aussagen all dieser Legenden den Bibelbericht, wonach alle Menschen von den Überlebenden einer Flut abstammen, durch die einst eine schlechte Welt ausgelöscht wurde.

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Ich kenne eine Person die an diese Götter glaubt. Er spinnt zwar ein wenig und ist ein *rsch, aber er glaubt dran.

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Kommentar von Hahlol22
29.11.2016, 19:47

Ich glaube auch an den Götter.Mich interessiert ob er so richtig Religiösich ist. Vielen Dank!

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Grüß Dich Hahlol22!

Es gibt solch ein Glaube. Es muss aber unbedingt gesagt werden, das gewisse Inhalte dieser Strömungen irgendwie religiös-modern anmuten, aber bei näherer Betrachtung als religiös-rückständig anzusehen sind. Und zwar deshalb, weil hier Götterglaube mit ganzheitliche Ansichten und mit Naturverbundenheit vermischt sind und so diese durchaus moderne geistige Haltung ad absurdum führt. Außerdem wird hier das, was man mit Aufklärung meint, völlig außer Acht gelassen.

Hier hast Du ein paar Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Germanisches\_Neuheidentum

http://www.nornirsaett.de/

http://wurdarborn.npage.de/

http://www.asentr.eu/

http://www.wodanserben.de/heidentum.php

http://www.spiegel.de/reise/fernweh/asatru-religion-in-island-weisheit-der-wikinger-a-697023.html

Herzlichen Gruß

Rüdiger

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Gibt es Leute die an sowas glauben? 

Und ob es die noch gibt, und vor allem gab.

Die nordische Mythologie ist jedoch gestorben, und damit auch der Glaube an die Götter, was unweigerlich dazu führt, dass die Götter selbst sterben.

Den monotheistischen Religionen wird es in 100-200 Jahren nicht anders gehen. 

Dann wird man auch nur noch fragen: Die haben echt an sowas geglaubt ?

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Kommentar von vonGizycki
29.11.2016, 20:15

Das wird ganz sicher so sein.

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Kommentar von lokaasenna
26.12.2016, 18:35

Wieso soll die gestorben sein? Ich glaube daran und ich denke, ich werde diesen Glauben auch nicht verlieren.

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Es gibt wieder mehr Leute, die daran glauben.
Ich würde es nicht, aber zumindest gibt es in der nordischen Mythologie deutlich weniger Widersprüche als in den abrahamitischen Religionen. Kein Problem mit der Theodizee, kein Allmachtsparadoxon, kein Problem mit dem freien Willen und der Allwissenheit.
Es scheint die bessere Religion zu sein.

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