400 Volt an 230 Volt Steckdose - Wie kann das sein?

8 Antworten

Habe in den Kommentaren gelesen: "Der Hänger hat einen 32A Drehstromanschluß".

1) Warum 400 Volt?

Da gibt es 5 Leiter: L1, L2, L3, N und PE.

Die Phasen L1, L2 und L3 haben jeweils 230 V gegen den blauen N-Leiter.

Der Schutzleiter PE hat die Farbe Gelb/Grün.

Zwischen den Phasen L1, L2 und L3 liegen jeweils 400 Volt.

Wenn man eine normale Schuko-Steckdose richtig anschließt, dann bekommt sie eine der Phasen (L1, L2 oder L3) und den Neutralleiter. Die Außenkontakte werden an den gelb-grünen Schutzleiter angeschlossen.

Man kann so 3 Steckdosen mit je 16A an einem 16A Drehstromanschluß betreiben, jede der Steckdosen bekommt eine andere Phase und darf daran 16A ziehen. Alle Steckdosen teilen sich den Neutralleiter.

Falls durch einen Kabelbruch der Neutralleiter in der Stromversorgung unterbrochen wurde, kann es bei unsymmetrischer Belastung zu einer sogenannten Sternpunktverschiebung kommen: Der Verbraucher mit der größten Stromabnahme zieht den Sternpunkt zu seiner Phase hin, so daß die Spannung nicht mehr neutral ist, sondern im Extremfall dieser Phase entspricht. Dann können an den anderen Steckdosen tatsächlich bis zu 400 V anliegen, was Geräte beschädigen kann.

Ein andere Fall ist, wenn ein elektrotechnischer Laie beim Anschluß den blauen Neutralleiter mit einer der Phasen verwechselt hat. Dann können an den Steckdosen auch 400 V anliegen, wenn dann jeweils zwei Phasen an den Polen liegen.

Das könnte beispielsweise auch passieren, wenn man eine Adapter von CEE-Rot-Stecker auf CEE-Blau-Kupplung (für den Wohnwagen) einfach selber baut und nicht eine Phase und den Neutralleiter auf die Kupplung legt, sondern als Laie gefährlich unwissenderweise zwei Phasen dort anschließt.

2) Ist das eventuell gefährlich?

Ja, aber möglicherweise nicht nur wegen der Überspannung an den Geräten.

Denn ich habe noch gelesen, daß es sich um eine 32 A Drehstromdose handelt. Auch wenn man diese spannungsmäßig ohne Probleme für die Speisung einer Steckdose nutzen kann, ist es wichtig zu wissen, daß man die Steckdose dann unbedingt mit einer vorgeschalteten 16A-Sicherung absichern muß, da sonst im Extremfall 32A Dauerbelastung durch eine Steckdose (z. B. mit Mehrfachstecker und mehreren Waffeleisen, Heizstrahlern, etc.) fließen können, ohne daß die Sicherung auslöst, was dann wahrscheinlich zu einem Brand führen wird, weil die Leitungen an der Schuko-Steckdose nur für 16A ausgelegt sind und dann mit 32A belastet werden.

Es gibt bei Ebay z. B. Steckeradapter von 32 A Stecker auf 16 A Kupplung ohne zwischengeschaltete Sicherung. Damit läßt sich prima ein Brand durch eine unzulässig hohe Belastung der Kupplung und der nachfolgenden Leitung (Strombelastung >16A) verursachen, ohne daß die 32 A Sicherung auslöst.

Unfälle aufgrund von Kabelbrand oder Überspannung an Geräten sind alle schon passiert und es gibt da auch schon einige eindrucksvolle Youtube-Videos, die zeigen, was da so alles passieren kann.

Man muß wissen, welche Leiter man wie anschließt, welche Funktion sie haben und welche Spannungen wo anliegen und ob zusätzliche Leitungsschutzschalter nötig sind, um die Leitungen vor Überströmen (Brandgefahr) zu schützen.

Deswegen ist es auch so gefährlich, wenn Laien an Drehstrom basteln, ohne genau zu wissen, wie Drehstrom eigentlich funktioniert und wofür welche Leiter/Farben verwendet werden. Es sind schon einige Leute dabei ums Leben gekommen und ich kenne auch eine Person, die ihren nagelneuen Herd gegrillt hat, weil sie sich gedacht hatte, Stromanschließen sei ja nicht so schwer und beim Herdanschluß den Neutralleiter mit Phase verwechselt hat. Hätte sie mich doch vorher gefragt...

Wenn man sich also nicht wirklich sicher ist, sollte man also am besten eine elektrotechnische Fachkraft beauftragen.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

ich vermute mal, dass irgendwo der neutralleiter fehlt. vielleicht sogar schon von deiner seite aus auf dem weg zum anhänger. kontrollier das mal bitte gründlich.

d.h. den einspeisestecker ab, und da dann erst mal messen, wenn du den neutralleiter auf 6 uhr hast, dann müsste der neutralleiter bei so ungefähr halb 5 sein. zwischen dem und den drei außenleitern müssten jeweils 230 volt anliegen.

am besten misst sich so was mit einem spannungsprüfer mit zuschaltbarer messlast. ein multiemter kann auf grund des hohen innenwiderstandes ggf. fehlmessungen provozieren.

lg, Anna

Irgendwo wird was falsch angeschlossen sein. Entweder an der CEE-Steckdose, wo DU den Hänger anschließt, das Verlängerungskabel, oder am Hänger selbst ist was vertauscht. Um das raus zu finden, müsste man alles einzeln durchmessen. Wenn der Vorbesitzer ein eigenes Kabel hatte, wo der Aderdreher genauso drin war, wie ggf im Hänger, kann es damit problemlos funktioniert haben. Wenn Du jetzt ein eigenes Kabel nutzt, tritt ggf deshalb der Fehler jetzt erst auf. Aber Eindeutig wird es erst, wenn alles gemessen und sichergestellt ist, wo es falsch verdrahtet ist.

https://elektroinstallationde.de.tl/Belegung-CEE-Stecker-und-Steckdose.htm

Hier siehst Du die Soll-Belegung der CEE-Steckdose. Wenn L1 und N an einer Stelle vertauscht sind, tritt z.B. ein solcher Effekt auf. Wenn das 2x hintereinander passiert, ist L1 und N wieder richtig.

Du solltest also erst mal deine Dose nachmessen, ob diese von vorne gesehen so aufgelegt ist. Spannung messen kannst Du ja anscheinend, denn Du hast ja die 230V bzw 400V gemessen. Wenn deine Dose so stimmt, dann am Verlängerungskabel ebenfalls nachmessen, das es dort auch so ankommt. (Muss 1:1 wie die Dose sein).. Wenn das alles passt, liegt es am Hänger selbst.

2
@RareDevil

Du hast mit Deiner Vermutung tatsächlich richtig gelegen! Vielen Dank für Deine tolle Hilfe, du hast mir mega viel Ärger und Zeit ersparrt.

Das mitgelieferte 32 A Starkstromkabel war zu kurz, deshalb habe ich mir selbst ein 20m Starkstromkabel gemacht. In der Eile habe ich auf einer Seite L1 und N vertauscht. Diesen Fehler habe ich nun behoben und erneut gemessen. Jetzt haben alle Steckdosen 230 Volt.

In diesem Zusammenhang noch eine andere Frage:

Als das Kabel noch falsch verdrahtet war ist beim Backofen im Hänger (es handelt sich um einen 230 Volt Backofen, nicht um einen 400 Volt Backofen) nach einigen Minuten immer der FI-Schutzschalter rausgeflogen. Kann das daran gelegen haben, dass der Backofen aufgrund der falschen Verdrahtung des Kabels statt der benötigten 230 Volt immer 400 Volt bekommen hat und das der Backofen deshalb nach einiger Zeit überlastet war, was dann zum Auslösen des FI-Schutzschalterds geführt hat.

0
@Chris123456789A

Ein reiner Fi reagiert nicht auf überlast. Dem ist das erst mal egal. Was sein kann, ist, das durch die falsche Betriebsspannung entweder ein erhöhter Ableitstrom geflossen ist (Krichströme durch Feuchtigkeit, Entstörschaltungen ect), oder die Isolierung ist durch evt zu hoher entstandenen Hitze beschädigt und der Backofen ist jetzt defekt. Da Du die falsche Spannung schon auf den Geräten hattest, ist davon aus zu gehen, das ggf noch viel mehr defekt ist, bzw zumindest eine Vorschädigung bekommen hat.

Wenn es ein Fi/LS (Kombinierte Fi und Leitungsschutz) ist, könnte er durchaus durch die falsche Spannung, und damit erhöhte Stromaufnahme geflogen sein.

Nebenbei und für die Zukunft:

Ein Elektriker prüft seine Arbeit VOR der Inbetriebnahme. Das lernt man in der Ausbildung. Das ist das Problem, wenn eine "Nicht Fachkraft" selbst etwas herstellt, ohne sich über die Gefahren und möglichen Konsequenzen bewusst zu sein. Ich drücke Dir die Daumen, das der Rest überlebt hat. Aber wundere Dich nicht, wenn es einiges zerrissen hat.

1
@RareDevil

Die Leuchtstofflampen z. B. sind seit der Aktion hinüber. Kann man die reparieren? Wenn ja, was muss ich austauschen? Die Leuchtstoffröhren? Das Vorschaltgerät? Den Starter? Sonstiges?

0
@Chris123456789A

Bei den Leuchtstofflampen könntest Du Glück haben, das es mit der Röhre und ggf auch dem Starter getan ist. Würde sowieso beides zusammen tauschen. Das Vorschaltgerät dürfte keinen mitbekommen haben. Das ist robust, wenn es kein elektronisches ist. Dann hättest Du aber auch keinen Starter.

1
@RareDevil

Da haben wir dann schon das nächste Problem. Ich finde den Starter nicht. Demnach ist es vermutlich ein elektronisches Vorschaltgerät? Sind die elektronischen Vorschaltgeräte empfindlicher sprich denkst du die Vorschaltgeräte sind defekt?

0
@Chris123456789A

Die elektronischen (wie der Name sagt), haben Elektronik. (Dioden, Kondensatoren usw) das dürfte mit Sicherheit defekt sein. Kosten aber auch nicht viel. Wobei im Baumarkt neue Leuchten mit EVG genauso preiswert sind. Also entweder Kompletttausch oder Vorschaltgerät einzeln. Kosten dürften die so 15-25€/Stk (geschätzt.... Hab lange nicht geschaut, wo die Preise liegen)

1
@Chris123456789A

setze gleich led-röhren ein, die brauchen kein externes vorschaltgerät mehr und sind nochmal 50% sparsamer

1

Guck mal ob die steckdosen unterscheidbar von den anderen sind. Vieleicht hat er die 400V für etwas gebarucht. z.b. seine kochplatte oder so.

Aber sehr warscheinlich klemmen 2 phasen an den buchsen dran. ja.

Verdrahtung kontrollieren, anfangen bei der Steckdose an der du den Hänger angeschlossen hast bis hin zur Steckdose. Entweder fehlt der Neutralleiter oder ist falsch angeschlossen.

Was möchtest Du wissen?