Wozu lernt man das alles?!

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114 Antworten

Ich gehe seid 2 Jahren in Frankreich in die Schule und muss sagen dass hier einiges besser abläuft: im Alter von 15/16 Jahren wählen die Schüler hier einen Zweig aus: Naturwissenschaftszweig, Literaturzweig, Wirtschaftszweig, Managementzweig. Ganz nebenbei ist hier auch das Fachabitur sehr beliebt ( Bac Pro) bei dem sich die Schüler bereits im Alter von 15 Jahren auf eine bestimmte Berufsgruppe vorbereiten. Ich persönlich bin im Literaturzweig und habe somit NUR Fächer die mir gefallen: Englisch, englische Literatur, Englisch Spezialität, Geschichte auf Englisch, Deutsch, Geschichte und Erdkunde, Französisch, Französische Literatur, Kunst, Latein, Sport und Philosophie- Leistungskurs ( 8 Studen die Woche ). Ich muss ganz ehrlich sagen, dass das Schulsystem in Deutschland mich gegen die Schule mobilisiert hat und nicht nur meine Kreativität sondern auch meine Lernfreude eingedämmt hat. Ich habe mich besonders auf Mathe und Naturwissenschaften fixiert, einfach aus dem simplen Grund, dass ich in diesen Fächern schon immer grottenschlecht war, und über die Jahre nur mit Mühe und Not eine 4 halten konnte. Für die anderen Fächer blieb mir kaum Zeit; in denen hatte ich zwar sehr gute Noten aber ich konnte mein Interesse nicht wirklich ausleben. Wenn man mich heute fragt was ich in Deutschland in 11 Jahren Gymnasium gelernt habe käme ich wahrscheinlich ins stottern. Ich komme da eher zu dem Entschluss dass ich gelernt habe um zu vergessen. Alle Mathematik- Kenntnisse und Physikalische Formeln etc. sind wie ausgelöscht aus meinem Gehirn, was bestimmt auch daran liegt, dass ich immer nur für Prüfungen lernte und nie das Gefühl hatte etwas davon für mein Leben mitzunehmen. Ich war hier am Anfang meiner Schulkarriere selbst geschockt von mir, da ich mich plötzlich am Lernen erfreute und darin nicht nur Pflichtlektüre sah. Diese anfängliche Euphorie ist auch noch 2 Jahre später präsent und ich kann nur sagen dass ich mittlerweile, so dumm das klingt, eine Bereicherung sehe. In 3 Monaten mache ich hier Abitur, habe exzellente Noten, und sehr viel fürs Leben mitgenommen; keine 10 Pferde könnten mich dazu bringen noch einmal die Schule in Deutschland zu durchleben.

Deine Frage ist ernst gemeint, meine Antwort auch: In 5 Jahren weißt du wahrscheinlich kaum mehr was vom Unterrichtsstoff diesen Jahres. Falls dus testen willst, kannst du ja mal diene Eltern fragen wovon ihre Abiturprüfungen handelten, und was sie dazu geschrieben haben. Allgemeinbildung in allen Ehren aber Kultur und Wissen sollte nicht das sein was bleibt wenn man alles in der Schule erlernte vergessen hat. Das dies momentan für die meisten Deutschen der Fall ist kann man wohl kaum bestreiten; ist ja auch utopisch dass sich ein Schüler gleichermaßen für Deutsch, Mathe, Physik, Chemie, Kunst, Sport, Fremdsprachen etc. interessiert...

ich frage mich wozu ich später Gedichte aus der Nachkriegszeit analysieren können muss, wieso ich wissen muss wie und wann man die h-Methode anwendet oder wieso die Reaktionsgeschwindigkeit von Enzymen bei Erhitzung steigt,

Es sagt niemand, dass du das können musst.

Und wenn du Tierarzt werden willst, wird es deinem Chef tatsächlich egal, ob du die h-Methode kennst.
Wenn du Ingenieur wirst, werden dir die Reaktinoszeiten irgendwelcher Enzyme egal sein.

Aber ich kann dich teilweise vestehen. Ich hätte es auch besser gefunden, wenn einem gezeigt worden wäre, wie man Steuererklärungen ausfüllt, lecker kocht, philosophische Fragen abhandelt oder was bei der Haltung von Tieren berücksichtigen muss.

Das schulische Allgemeinwissen, das man für viele Berufe benötigt, hat man bereits nach ca. Abschluss der 5. oder 6. Klasse. Ich finde auch, dass die Kinder dann ruhig schon arbeiten gehen sollten und uns unsere Rente finanzieren sollten (Ironie). :P

Auf eine vergleichbare Frage, es ging um den Sinn oder Unsinn von Gedichtinterpretationen bzw.-analysen, habe ich folgendes geantwortet:

Du lernst das nicht deshalb, weil Du es je wieder brauchen wirst, sondern weil es im Lehrplan steht. Lehrpläne dienen dazu, dass sich das Belehrungspersonal sinnvoll beschäftigt wähnt. Natürlich steht in den Unterlagen zum Lehrplan drin, was mit der Belehrung beabsichtigt ist, aber Absicht und Realität klaffen oft weit auseinander.

In der von braindl verlinkten "hilfreichsten" Antwort mag ein Ziel formuliert sein, welches mit der Gedichtanalyse und -interpretation erreicht werden soll. Ob bei der Mehrheit der zwangsbeschulten Bevölkerung dieses Ziel auch wirklich erreicht wird, darf bezweifelt werden. Eine weitere Frage ist, ob dieses Ziel nicht auch ohne Analyse und Interpretation von irgendwelchen Gedichten erreicht würde? Wir werden das allerdings nicht so schnell erfahren. Unterliegt doch so gut wie jeder Bürger dieses Landes dem Schulzwang und damit dem Plan Gedichte zu interpretieren und zu analysieren.

Es gibt halt einen für Dich geplanten Bildungsweg. Ob der mit Deinen eigenen Plänen, Bedürfnissen und Leidenschaften übereinstimmt, interessiert keinen Bildungsbürokraten. Sie rechtfertigen ihr Vorgehen mit Worthülsen wie "Chancengleichheit" oder "gleiche Bildungschancen", betreibt in Wahrheit aber nur Gleichmacherei.

Ich möchte hier noch folgendes ergänzen: Wie hysterisch eine Schulbehörde reagiert, wenn man einen Teil ihres Lehrplans für überflüssig hält und sich deshalb davon befreien lassen will, kannst Du hier nachlesen. Ein Schüler in Berlin hat es ausprobiert.

http://kraetzae.de/schule/unterrichtsverweigerung/begruendung/

Die Schulleitung und übergeordnete Behörde hatte keine sachlichen Argumente. Der Schüler hat nachgewiesen, das die Lehrer selbst keine Ahnung von dem Unterrichtsstoff hatten, den sie vom Schüler verlangten zu lernen.

Sie reagierten mit Ausübung von Macht. Es ist erbärmlich und in Wahrheit ein Ausdruck ihrer Hilflosigkeit.

Gruß Matti

Lehrpläne dienen dazu, dass sich das Belehrungspersonal 
sinnvoll beschäftigt wähnt. 

Das ist Quatsch und reicht bestenfalls für eine Stammtischparole.

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@Miraculix84

Die Idee für diesen Satz stammt von keinem Stammtisch, sondern - ich gebe es gerne zu - ist in Teilen von einer Professorin für Erziehungs- und Sozialwissenschaft geklaut. Natürlich etwas umgestellt. Sie inspiriert mich immer wieder, wenn es um meine Antworten zum Sinn und Unsinn unserer Belehrungsanstalten geht. Mit nichten geht es um Bildung und was von so manchem User hier über die Absichten der Schule geschrieben wird, sind mit gutem Willen genau das; Absichten. Die Realität in den Schulklassen ist eine ganz andere. Wie schreibt Frau Prof. Gronemeyer so schön:

... Tatsache aber ist, dass die Schule in dem, worin sie die ihr Anvertrauten unterweist, sehr effizient ist. Ihr heimlicher Lehrplan ist durchdringend wirksam. Wir Pädagogen sind nolens volens Agenten des heimlichen Lehrplans, auch wenn es uns gelingen mag, ihn nicht zur Kenntnis zu nehmen und die offizielle Zweckbestimmung der Schule beim Wort zu nehmen. Der heimliche Lehrplan aber hat für die Bildung verheerende Folgen. und weiter:

Der Glaube an das segensreiche Wirken der Schule beruht auf einer Reihe moderner Selbstverständlichkeiten, die uns so in den Kleidern hängen, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, sie zu bezweifeln. Die Unbefragtheit dieser Selbstverständlichkeiten, die von Bildungsreform zu Bildungsreform litaneihaft wiederholt und als unerschütterliche Grundannahmen mitgeschleppt werden, machen, dass der heimliche Lehrplan sein Inkognito wahren kann.

Was darunter genau zu verstehen ist, kannst Du Dir, weit entfernt von einem Stammtisch und bei entsprechendem Interesse, gerne durchlesen:

http://www.linksnet.de/de/artikel/28725

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@Machtnix53

Mit dem größten Vergnügen. Man wünschte sich, dass nur die Hälfte dessen, was da steht, beim Beschulungspersonal ankäme. Es wäre viel gewonnen. Aber wie schreibt die Professorin über die Streitschrift „Entschulung der Gesellschaft“ von Ivan Illich:

"... und längst haben sich die Gemüter, die damals weltweit in große Erregung über diese Publikation gerieten, darüber beruhigt. Sie haben es vorgezogen, sie zu vergessen, statt sich mit ihr zu konfrontieren und von ihr ärgern zu lassen. Und heute diskutieren wir über die Schule, als hätte es diesen Text nie gegeben."

Man ist immer wieder erstaunt, welches Beharrungsvermögen so manche völlig veraltete Erziehungs- und Lehrmethode hat.

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@Machtnix53

@Machtnix53: Noch ein Nachtrag zu der Seite von K.R.Ä.T.Z.Ä. Vor vielen Jahren von Berliner Schülern gegründet, um auf die undemokratischen Zustände an den Schulen hinzuweisen, hat einer der Gründer, Martin Wilke, inzwischen eine demokratische Schule gegründet. Sein Plan, sie nach dem Sudbury Valley Modell zu organisieren, wurde ihm vom Senat für Bildung und Erziehung verwehrt. Um es mit meinen Worte sagen: In dem Modell wäre zu wenig Schule drin.

Besagter Martin Wilke hat einen Entwurf eines freiheitlich-demokratischen Bildungssystems entworfen. Vielleicht inspiriert Dich dieser oder seine anderen Beiträge auch.

http://www.martinwilke.de/

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Eine gute Frage, auf die es wahrscheinlich keine wirklich zufriedenstellende Antwort gibt^^

Ich hab mich auch schon mehrfach gefragt, warum Schüler quasi gezwungen werden sich so viel "unnötigen" Stoff zu merken. Es gibt ja Fächer bei denen es durchaus verständlich ist, dass man die in einem gewissen Umfang mal behandelt haben sollte. Beispielsweise ist ein grundlegendes Verständnis der deutschen Sprache sicher wünschenswert. Vielleicht gibt es auch in Mathematik oder Phsyik oder anderen Naturwissenschaften die ein oder andere Sache, die jeder Mal gehört haben sollte.

Aber ansonsten gibt es fast ausschließlich Fächer oder Infomationen, die zwar ganz nett zu wissen sind, die man aber im Allgemeinen nicht braucht, wenn man nicht gerade in diesem Fachgebiet tätig ist. Musik, Kunst, Geschichte, Sozialkunde, Wirtschaft, Sport, etc. Sicher gibt es auch hier einige interessante Dinge, aber so ziemlich alles davon kann man im Zweifelsfall irgendwo nachschlagen und vergisst man sowieso innerhalb kürzester Zeit wieder. Mein größtes Problem daran ist eigentlich nicht mal, dass man den Kindern anbietet, das zu lernen, sondern das man diese Fächer BENOTET und die Kinder damit quasi zwingt es zu lernen. Es ist schon irgendwie lächerlich, wenn die Eignung zum Medizistudium unter anderem davon abhängen soll, wie gut man Basketball gespielt hat o_O

Womit man diese schräge Bildungslogik vielleicht begründen könnte:

  • Viele der Dinge, die man lernt werden nunmal als "Allgemeinwissen" angesehen (auch wenn das Wort allein eine ziemliche Lüge ist, weil Allgemeinwissen ironischerweise zum allgemein unnützendsten Wissen gehört, das ich kenne). Und was wahrscheinlich wichtiger ist: Es ist Wissen über Deutschland (bzw. über sein Heimatland). Deutsche Politik, deutsche Kultur, etc. Man ist vermutlich der Ansicht, dass jeder deutsche Staatsbürger etwas über sein Land wissen sollte, ob man die Informationen nun braucht oder nicht. Schließlich wird in Einbürgerungstests ja auch einiges an "Allgemeinwissen" abgefragt.
  • Die Frage ist auch, wann Schüler nun eigentlich genau wissen, welchen Berufsweg sie einschlagen wollen. Gerade im Teenager-Alter sind Menschen ja manchmal etwas wankelmütig (nicht böse gemeint^^) und ändern vielleicht oft ihre Meinung. Laut Gesetz sind wir ja auch erst ab 18 wahlberechtigt. Entsprechend will man uns unsere Berufswahl vielleicht auch erst überlassen, wenn wir alt genug sind. Sicherlich gibt es Leute, die schon früher wissen, was sie machen wollen. Aber auch viele, die es wahrscheinlich nicht wissen.
  • Man darf vielleicht auch nicht nur den Stoff an sich betrachten, sondern auch die Lernhandlung, die der Schüler durchführt. Man wird quasi darauf trainiert, sich unterschiedliche Arten von Informationen gezielt einzuprägen, unter anderem eben auch Dinge, die man vielleicht garnicht so gerne mag. Oder gerade bei Gedichtsinterpretationen lernt man ja neue Methodiken kennen und wendet diese an. Man erlernt also eine gewisse Flexibilität, die einem vielleicht zu Gute kommen kann, und gleichzeitig wird geprüft, wie gut man mit diesem Lernniveau zurecht kommt. Ich bezweifle zwar irgendwie, dass das der große Hintergedanke des Bildungssystems ist, aber vielleicht ist es wenigstens ein angenehmer Nebeneffekt.
  • Das alles wegfallen zu lassen, würde wahrscheinlich zu einem ziemlichen Chaos an den Schulen und auch an den Hochschulen führen. Man müsste das Abitur ja durch mehrere andere Abschlüsse ersetzen. Entsprechend müssten auch die Anforderungen an die Schüler überarbeitet werden. Wenn man dann eine Wahl hat und beispielsweise NUR noch Mathe und Physik in der Schule hat, weil man ein Physikstudium anstrebt, dann schafft man in seiner Schulzeit ja deutlich mehr Stoff im jeweiligen Fachgebiet. Folglich würde man vieles lernen, was zur Zeit noch Stoff eines Studiums ist. Da man bildungstechnisch als schon deutlich weiter wäre, müssten auch die Lehrpläne der Hochschulen überarbeitet werden. Der Wissensstand von Gymnasiallehrern wäre plötzlich vielleicht nicht mehr ausreichend. Manche Fächer und somit Arbeitsplätze würden vielleicht überflüssig werden, weil kaum jemand sie belegt. Auf dem Arbeitsmarkt wäre es erstmal schwer einzuordnen, welcher Abschluss jetzt wie viel zählt. Und so weiter. Das ist jetzt eher weniger ein Grund, warum das aktuelle System besteht, sondern eher Gründe, warum es schwierig wäre, es spontan zu ändern.

Die Frage ist zwar schon uralt, aber ich gebe jetzt trotzdem meinen Senf dazu  :D

Du lernst alles für dein späteres Leben. (Das war ja sowieso klar). Da man seinen zukünftigen  Beruf fast nie vorhersagen kann musst du eben all das lernen, sogar wenn es anstrengend ist. Ich muss auch zugeben dass Sachen die ich in der Schule gelernt habe sich als nützlich im Alltag erwiesen haben . Im Mathe Unterricht denkt man sich "WARUM BRAUCHE ICH DIESE FORMELN?!?!", aber du musst dir klarmachen dass man in einigen Berufen nicht Sachen wie 122×4 macht sondern gelerntes Zeugs anwendet. Ich zum Beispiel mache mir keine Mühe Mathe zu lernen da ich eher auf Sprachen mein ganzes Glück setze :D (Englisch-Deutsch billingualer Zweig) Lange Rede kurzer Sinn, es ist nur unnötig wenn du es für später eh nicht verwendest. 

Sorry für  Fehler, deutsch ist definitiv nicht meine Stärke.

LG, eine naive 7-Klässlerin die nichts von diesem Thema weiß

Ich gehe auf die Realschule und ich denke es ist schon wichtig so etwas zu wissen? Das hebt ja den Abiturienten von einen Haupt oder Realschüler ab. Klar hat jeder eigene Interessen. Aber nehmen wir an einer aus deiner Klasse möchte einen biologischen Beruf dann sollte er das wissen. Bei mir ist es so dass man in der 8. Klasse Musik und BK wählen kann ich habe Kunst gewählt da ich später nichts mit Musik machen werde. Für mich ist es so dass es einfach darum geht dass sich die Schüler abheben. Meine Schwester ist auf der Hauptschule und hat noch nie etwas von einem Atom gehört? So was sollte man wissen. Und wenn du mal Kinder hättest und die dich fragen wie es dazu kommt dass irgend was ist wie es ist dann solltest du es auch erklären können?

was WICHTIG oder UNWICHTIG für DICH WIRKLICH ist, wird sich erst im weiteren verlauf deines lebens herausstellen: wenn du allein mal hier (bei GF) schaust, wie ungeheuer viele fragen in der art: ich weiß nicht welchen beruf ich ergreifen soll, auftauchen, dann fällt es schon SEHR schwer zu entscheiden, WAS denn nun für den einzelnen schüler wichtig ist. mal ganz von der berufswahl abgesehen, ist das angebot der schule für dich im moment völlig kostenlos, wofür später viele erwachsene richtig teuer mit geld und zeitaufwand bezahlen müssen. die berufsfindung ist nicht einfach (ich habe gefühlte hundert anläufe gebraucht) aber mal ganz DAVON abgesehen, macht es einfach sehr viel spass, viel zu WISSEN und nicht nur irgendwas zu vermuten; wenn du dir die komiker wigald boning und bernhard hoecker zum vorbild nimmst, kannst du nichts verkehrt machen.

Wozu lernen, was wichtig oder unwichtig ist im Leben? Ich persönlich fand es auch in der Schule, absolut unwichtig was alles im Zweiten Weltkrieg abgegangen ist. Was ging es mich an, wer sich dort erschossen hat oder welche Gräueltaten dort geschehen sind. Ich persönlich war nie daran beteiligt. Im Nachhinein 35 Jahre später, denke ich ein wenig anders darüber. Aber ich gebe dir vollkommen recht dir diese Frage zu stellen. Wozu muss ich dieses alles lernen? Aber ich denke mal, dass junge Leute ein gewisses Spektrum an Wissen aus allen Bereichen mitbekommen sollten. Auch wenn manche von diesen Bereichen, euch überhaupt nicht interessieren. Denn nur dadurch könnte euch Gedanken machen, was interessant ist oder was mich interessant ist. Und so eure Fähigkeiten und Gedanken, in gewisse Richtung lenken.

Ich persönlich, habe mich eigentlich für alles im Leben interessiert. Ich habe es mir angehört oder gelesen, und habe dann entschieden ob es für mich wichtig oder unwichtig ist. Oder ob es mich persönlich weiter bringt im Leben.

Ich kann mich an einen sehr guten Spruch erinnern die mir mein Rektor im Abschlusszeugnis rein schrieb: Lernen ist wie Schwimmen gegen den Strom, sobald man aufhört treibt man zurück.

Ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen. Ps: Ich bin 48 Jahrealt ;-)

In der Schule wirst du darauf vorbereitet Dinge zu tun, die du nicht tun willst. Darauf baut das Schulsystem auf. Einen besonderen Grund für den Lehrstoffen gibt es nur in sehr seltenen Fällen.

Die Beispiele, die du ansprichst wirst du ziemlich sicher nach deinem Abschluss nicht mehr brauchen. Dennoch gibt es eine wenige Menschen, die das später gebrauchen. (Die Gedichte aus der Nachkriegszeit braucht man aber nur um sie wieder anderen beizubringen...)

Zu den wichtigen und unwichtigen Dinge. Das kann man nicht festlegen. Ein Arzt und ein Ingenieur werden andere Dinge wichtig finden, ein Fahrschullehrer betrachtet wiederum dieses Wissen als unwichtig.

Unser Schulsystem legt auf Anpassung. Schüler, die nicht in das Muster passen werden ausgeschlossen bis sie sich angepasst haben. In einer Klasse von 25 Schülern kann man als Lehrer nicht auf alle eingehen. Ich bin der Meinung, dass das Schulsystem eine Reform braucht, die funktioniert und sowohl auf Schüler als auch auf Lehrer und Eltern eingeht. Das wäre möglich, durch die Einführung von Grundkursen (Pflicht in allen Fächern), worin man Grundwissen dieser Fächer erlernt. Bei Interesse sollte ein Leistungskurs angeboten werden, der Themen schneller durchspricht und man in kürzerer Zeit mehr lernt. (Meine Traumschule hat noch ein paar weitere Punkte, aber das hilft hier nicht weiter)

Hoffe, meine Antwort hat die etwas geholfen. :)

Er hat schon in Teilen recht. Wenn ich an Musik eh keinen Spaß habe, werde ich dort auch kein Instrument lernen. Dann kann ich auch zum Speziellen Unterricht gehen und ein Instrument dort gezielt lernen und irgendwelche Mozart Geschichten und so braucht eh keiner. Dann Sport. Ich spiele selber leidenschafftlich Fussball, aber der Schulsport ist unnötiger als irgend so ein Spanischer Fernsehsender. Wenn ich mich für einen Sport interessiere geh ich in einen Verein und probier ihn da mal aus. Danach Kunst. Wofür brauch man Kunstgeschichte von solchen Steinzeitkünstern? Malen lernt man dort auch nicht. Wofür brauche ich Geschichte? Ich kann von mir sagen dass ich in der Realität lebe. Dass sind bei uns schon 8 Schulstunden. Da könnte man besser Computerunterricht machen, denn das braucht man überall. Warum soll ich in Mathe Wurzeln im Kopf oder Schriftlich ausrechnen können, wenn ich auch das einfach in den Taschenrechner eingeben kann. Oder wird mir mein Chef später sagen : "Auch wenn das mit deiner Aufgabe nichts zu tun hat, rechne mir mal auf dem Papier die Wurzel aus 50 aus". Ich glaube eher nicht. Zudem frage ich mich warum man auf dem Gynasium immer noch Leute sieht, die GEREDA ihr Taschengeld bekommen haben und sich davon gleich Drogen oder sowas kaufen? Da könnte man doch besser einen Unterricht über "Wie gehe ich mit meinem Geld um, damit ich mir später auch noch Brot kaufen kann". Ich hoffe ihr versteht meine Meinung.

Zu den Enzymen kann ich dir heute auch nichts mehr sagen, ist nicht mein Gebiet geworden aber Texte interpretieren zu können, ist wirklich von höchster Wichtigkeit, solltest du ein Studium ins Auge fassen. Das kann man nicht erst an der Uni lernen, das muss man bereits können. Auch hast du durch ein breitgefächertes Angebot die Möglichkeit mehr Gebiete kennen zu lernen, die dich als Berufswunsch interessieren könnten. Stell dir vor, in einem Menschen steckt ein naturwissenschaftlich-biologisches Genie mit dem Zeug zum Nobelpreisträger. Wenn der nie Biologie gehabt hätte, hätte er nicht die Chance das zu entdecken.

Ja es gibt vieles was unötig ist in der Schule ich glaube das Kultus Ministerium soll mal Langsam ein wenig daran Herumschrauben. Aber es schon wichtig das man vieles noch lernt dazu also wo ich aus der Schule war habe ich die Hälfte vergessen weil warum sollte ich wissen wo der Scharfschütze bei Kenniedys ermordung war das ist unötig aber Gedichte das ist Schwierig weil die Kultur deines Landkreises zeichnest du damit aus.

Wozu überhaupt in der Schule lernen? Schließlich ist alles angeeignete Wissen in 10, 20 Jahren ohnehin veraltet, überholt, .. oder? ;-) - Aber Vorsicht: dieses Argument lässt sich auch umdrehen: eben weil ich nicht weiß, was ich in 10, 20 Jahren 'wissen' muss - muss ich möglichst viel - auch in der Breite - 'wissen', in der Hoffnung: das Passende ist dabei. Hinzu kommt: je mehr ich schon weiß und kann - desto mehr, bessser und schneller kann ich weiteres Wissen aufnehmen.

Für manche überraschend: Lernen ist von Menschen eher ein lustvolles Erlebnis, von Natur aus jedenfalls. Mit 80 noch Chinesisch: geht. - Oder: wem Lernen Mühsal ist, dem ist diese Lust ausgetrieben. Und geschah dies in der Schule: eigentlich ein KO-Kriterium.

Aber gut: Schule: da sind erst mal grundlegende Kulturtechniken wie Rechnen, Lesen, Schreiben. Reicht eigentlich schon; was wer für den Beruf braucht kriegt er / sie dann schon beigebracht. Das heißt: Ergänzung durch Fremdsprache(n) sollte schon noch sein.

Nächstens wäre Kenntnis der eigenen Kultur angebracht - Kunst, Geschichte, Soziales, Geografie ... aber wie zwingend ist da Goethe? - Schon hier geht es nicht nur um Faktenwissen, sondern auch darum, sich Kenntnisse anzueignen, selbständig zu (er)lernen. Auch das will 'gelernt' sein.

Dann Mathe, Naturwissenschaften. Auch hier sollte es darum gehen, naturwissenschaftliches Denken (vorgehensweise beim Erforschen von Zusammenhängen) zu lernen - bzw. zu lernen mathematisch-logisch zu denken, je an Beispielen. Fakten kann ich ja nachschlagen, bei genügend Grundwissen auch einordnen (weshalb mir googeln nur nützen kann, wenn ich schon Vorwissen habe - wie sonst will ich aus >1.000 Seiten die für mich wichtigen herausfiltern?). - Die 3 Arten der Lüge, bekannt? Also als da sind: die einfache Lüge - der Meineid - die Statistik ... Ja, mit Statistik lügen geht wunderbar; um solch Lügen zu erkennen brauche ich Statistik und dafür dann Wahrscheinlichkeitsrechnung. Formal. In der Rentendiskussion brauche ich dazu Kenntnisse von weiteren Zusammenhängen. Was heißt das denn, wenn die Sozialabgaben von 14% uf 30% des Lohnes wachsen? Klingt viel, nicht? Aber was, wenn der 'Kuchen', von dem ein Stück mein Lohn ist, sich in der gleichen Teil von einem Keks oder Muffin zu 'ner mehrstöckigen Hochzeitstorte auswächst? 30% von 1.000 sind viel mehr als 14% von 100.

Also lerne ich in der Schule, um den Grundstock zu legen, an den ich das, was ich später noch lernen muss, daran 'anzudocken' . Frmdspraachen machen's offensichtlich: die nächste lernt sich immer einfacher als die vorherige.

aber wieso gilt man nur als gebildet wenn man etwas weiß was sowieso niemand benötigt.

Bildung meint nicht die Summe von Wissen, sondern die geistige Fähigkeit zu entwicklen, etwas zu begreifen.

Und für diese Erkenntnisse gibt es keine wichtigen oder unwichtigen Dinge - nur andere Betrachtungsweisen, ein Leben lang.

HALT STOPP!

Die geistige Fähigkeit, etwas zu begreifen, ist der Intellekt. Erst denken, dann schreiben.

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Ganz einfach um am Ende zu wissen/herausgefunden zu haben, was Du im Leben machen möchtest ohne diese Dinge die Du lernst, kannst Du weder lesen noch schreiben noch rechnen bekommst sicher keinen oder nur einen schlechten Job mit niedrigem Verdienst. Es geht nicht darum was Du lernst sondern nur darum, DASS Du was lernst und den Abschluss hast, den die Gesellschaft gerne sehen will. Traurig aber wohl leider wahr, ohne Abi kannst Du kaum noch mithalten in dieser "modernen Welt"

Ich bin 55 Jahre alt und kann das verstehen. Mein Physiklehrer hat mal gesagt; Der weiß zwar wie man aus 5 Pfund Rindfleische eine Suppe kocht, aber von Physik hat er keine Ahnung. Der hat auch nicht verstanden, das es mich nie interessiert hat, ob die Beschleunigung eines Objektes nach 1 Meter den Faktor ?,?? hat. Hab ich das so richtig ausgedrück? Leider haben wir in Deutschland eine einheitliche Schullandschaft und die Förderung von Schülern zu einer spezifischen Qualifikation wird nicht untersucht und somit auch nicht erkannt. Dabei wäre es anhand von Noten und Gesprächen so einfach. Da muss jede(r) durch. Die Bürokraten haben entschieden. Es ist sich auch nicht tröstlich, daß Dir Deine Allgemeinbildung mal helfen kann, wenn Du Dich bei "Wer wird Millionär" bewirbst.

Macht es nicht mehr sich von den wichtigen Dingen mehr zu wissen als von den Unwichtigen?

Wer bestimmt denn was wichtig und was unwichtig ist? Für dich ist es vielleicht unwichtig, wie sich die Enzyme bei Erhitzung verhalten. Für andere ist es vielleicht ziemlich wichtig, da sie später Biologie studieren wollen. Im Gegenzug ist es für dich vielleicht wichtig zu lernen, wie man Integrale berechnet, da dich Mathe interessiert, und du dich später vielleicht etwas in die Richtung als Beruf machen willst, was für andere wiederum ziemlich unwichtig ist.

In der Schule geht es nicht nur darum etwas zu lernen, sondern auch den Schülern einen groben Überblick über verschiedene Fächer und die darin vorkommenden Inhalte und Methoden zu geben. Bis zur Oberstufe wissen die wenigsten Schüler was sie später mal machen wollen, und sehr wahrscheinlich wird sich dieser Wunsch auch noch mehr als einmal ändern.

Stell dir mal vor, du hast dich von Anfang an nur auf ein oder zwei Fächer spezialisiert (nehmen wir mal an, Mathematik), da dir bis dahin klar war, dass du später mal was in die Richtung machen willst. Nun merkst du aber, dass es doch nichts für dich ist, und plötzlich willst du stattdessen Sozialwissenschaften studieren. Dann wirst du ziemlich schnell merken, dass du ein gewaltiges Problem hast, da du nie gelernt hast, Texte sachlich und strukturiert zu analysieren!

PS: Dass einige Lehrpläne allerdings ziemlich überholt und das Lehrpersonal in bestimmten Fächern wie z.B. Informatik ziemlich unterqualifiziert ist, will ich damit gar nicht bestreiten!

Ich glaube, um zu sehen was wichtig ist, gehört auch zu erfahren, was unwichtig ist. Nur so ist es möglich, Wesentliches vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Zudem: was Du jetzt glaubst es sei wichtig, kann sich bald als für Dich unwichtig herausstellen und umgekehrt. Je besser der 'Boden' des Wissens 'genährt' ist, desto besser kannst Du Neues einordnen, es zuordnen, es in einem Kontext einordnen. Und ich glaube, die Frage wichtig oder unwichtig wird sich erheblich ändern, je mehr Du weißt. Bei mir war es so, dass ich auch oft dachte, was soll der ganze Blödsinn - zum Beispiel Latein - erst eine Menge Jahre später lernte ich, dass gerade Latein eine wichtige Trägerfunktion in meinem Wissen bekam. Wenn Du in Geographie einiges lernst und denkst, so ein Quatsch, ich will doch Medizin studieren, werden Dir irgendwann Deine Kenntnisse in Geographie helfen, Dinge, die geschehen, die sind, besser einzuordnen. Und, ein umfangreiches Wissen ist immer eine gute Entscheidungshilfe, was man selbst denn will, warum jenes und nicht dieses passiert. Ich würde gerne viel mehr über 'unwichtiges' Wissen schreiben, doch ich stoppe hier mit dem Hinweis: Du wirst sehen...

Hallo Ich kann Dich voll und ganz verstehen - und Du hast so Recht! Ich (51) muss dir vollkommen zustimmen .... 80 % dessen, was Du in der Schule lernst ist überflüssig und hat nichts mit dem praktischen Leben zu tun. Ich habe meinen Kindern das nicht zugemutet, bin ins Ausland gezogen für 14 Jahre und habe den Unterricht 10 Jahre lang selber gestaltet, praktisch und mit viel Arbeit und wenig Theorie. Sie haben eine glückliche Schulzeit hinter sich ohne Druck und Noten und gehen heute auf eine Schule im englischsprachigen Ausland und bereiten sich auf Ihr Abitur vor mit superguten Leistungen. Es funktioniert eben auch anders.... Das ganze Schulsystem in Europa ist krank und züchtet Menschen, die nicht mehr selbständig denken können und wollen. Niemand lernt, wie man gesunde Beziehungen oder gute Ehe führt, wie man Kinder gut erzieht oder andere nützliche Dinge fürs Leben. Es gibt einige Privatschulen, die das umsetzen, aber die sind nicht umsonst..... Ich wünsche Dir Durchhaltevermögen und wertvolle Visionen für Deine Zukunft. Lass Dich nicht unterkriegen - wir sitzen (fast alle) im selben Boot..... LG

Ergänzend zu dem was viele Andere hier gesagt haben, möchte ich noch sagen: Du wirst dein ganzes Leben Lang lernen müssen. Deshalb ist es auch notwendig, dass man das Lernen selbst lernt. Man schafft sich so ein Gehirn, dass in der Lage ist zu lernen und logisch zu Denken. Etwas anderes ist es mit dem Behalten des Erlernten. Es ist bekannt, dass man ca. 80% des Erlernten wieder vergisst wenn man es nicht benötigt. Die Fähigkeit, Denken zu können verlernt man viel schwerer und es ist viel schwerer, diese Fähigkeit später zu erwerben.

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