Wird in Deutschland zu viel englisch gesprochen?

11 Antworten

Hallo,

wir verwenden täglich mehr und ganz alltägliche Anglizismen als wir glauben, uns bewusst ist und wir wahrhaben wollen.

Wenn man wie so oft gefordert wird, sämtliche (Schein-) Anglizismen aus der deutschen Sprache verbannen würde, wie es sooft von allen möglichen Seiten gefordert wird, täte man sich schwer. Mir fallen auf Anhieb 20 'englische' Wörter ein (Job, Sweatshirt, Gangster, Computer, Hobby, Champion, Walkman, Camping, Band, Jeans, Popstar, Hit, Shorts, Steak, Toast, Clown, Popcorn, Keyboard, Disco, Cornflakes), die wir jeden Tag ganz selbstverständlich verwenden, ohne uns darüber Gedanken zu machen. 

Weitere sind z.B.:

Manager, Hairstylist, Backshop, Sale, Coffee to go, coachen, checken, Cardigan, downloaden, casten, canceln, Boxershorts, Pullover, Wellness, Happy End, Shampoo, Babysitter, Chips, Service-Point, Counter, McClean, Event, Performance, Highlight, cool, Teenager, Kids, Showmaster, Quizmaster, Talkmaster, Beamer, Spleen, High Heels, Slipper, Slip, Smoking, Pudding, Oldie, Oldtimer, Evergreen, Hometrainer, Egoshooter

Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Aber Achtung bei der Übersetzung, denn es können auch falsche Freunde dabei sein.

So heißt

- Mobiltelefon - mobile oder cell phone; handy aber praktisch usw.

- body bag - Leichensack und nicht Handtasche

- check - kontrollieren und nicht verstehen

- control - (an)steuern und nicht kontrollieren

usw.

Nett auch der undertaker (Leichenbestatter) als Unternehmer.

Daneben gibt es in der deutschen Sprache aber auch und weit mehr lateinische und griechische Wörter als englische, worüber man sich bei weitem nicht so aufregt, wie über die Anglizismen.

Natürlich haben Anglizismen Einfluss auf unsere Sprache. Ich glaube auch, dass sich diese Entwicklung mit fortschreitender Globalisierung nicht aufhalten lassen wird.

Sprache ist nun mal lebendig und verändert sich.

Im Zeitalter von Chat, Blogs, Foren und sozialen Netzwerken wie fb sind auch Wortschöpfungen, wie adden, liken usw. angesagt, ob es einem gefällt, man es versteht und man diese Wortschöpfungen nutzt, ist eine andere Sache.

Einige solcher Wortschöpfungen bleiben Modeerscheinungen, andere setzen sich über einen mehr oder weniger langen Zeitraum auch durch und finden sich dann auch im Duden wieder.

Auch wenn z.B. in Frankreich Anglizismen bis März 2015 mehr als 20 Jahre lang per Gesetz verboten waren und in Deutschland alljährlich der Sprachpanscher (2007: DB) und der Sprachwahrer (2013: DB) des Jahres gekürt werden

(aus dem Münchner Merkur vom 17.03.2011), 

ist die Sprach- und Wortwanderung keine Einbahnstraße und auch nicht neu.

Wir importieren nicht nur Wörter aus dem Englischen und aus anderen Sprachen – bei manchen wird die Schreibweise angepasst (dt. Keks = engl. cakes = Kuchen pl.) –

sondern exportieren genauso deutsche Wörter ins Englische – manche davon werden in der Schreibweise übernommen (kindergarten) – und in andere Sprachen.

Zu den 'ausgewanderten' deutschen Wörtern, die nach England und Amerika ausgewandert sind, gehören u.a. blitzkrieg, autobahn, kindergarten (aus der Zeit des 3. Reiches) und rucksack (ein Wort, was durch die Weltkriege in Ausland gelangte).

Aber auch: Gemütlichkeit, Zeitgeist, Wunderkind, Bauhaus, Ding an sich, Schnitzel, Pretzel, bratwurst, sauerkraut, beerfest, Doppelgänger, Schnaps, dachshund, gedankenexperiment, fahrvergnuegen usw.

Ganz interessante Artikel dazu kannst du ergoogeln unter:

- Deutsche Wörter ein Exportschlager

(bairische-sprache.at/Index/Zeitungsartikel/2009/MM/Deutsche%20Woerter%20-%20ein%20Exportschlager%20-%20MM%2013.7.2009.pdf)

- Diese deutschen Wörter werden im Ausland benutzt

(merkur-online.de/aktuelles/kultur/diese-deutschen-woerter-werden-ausland-benutzt-882170.html)

 - Denglisch für Anfänger I (fr-online.de/meinung/kolumne-denglisch-fuer-anfaenger-i,1472602,3244474.html)

- Zwiebelfisch: Weltsprache Deutsch

(spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-weltsprache-deutsch-a-356502.html)

Eine Liste mit Germanismen findest du unter folgendem Link:

spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-deutsch-als-amtssprache-der-usa-a-295157.html

Dazu verweise ich immer wieder gerne auf folgenden Video-Clip mit Thomas Freitag.

Viel Spaß bei der Lektüre und beim Anschauen!

:-) AstridDerPu 

https://www.youtube.com/watch?v=8ggwuN5NkFs

PS: Interessant auch, dass es sowohl in Frankreich als auch in Deutschland inzwischen entgegengesetzte Bestrebungen zu den o.g. gibt.

So wurde in Frankreich das o.g. Gesetz zum Verbot englischer Wörter in der französischen Sprache aufgegeben (siehe: http://www.welt.de/kultur/article138497201/Frankreich-gibt-Kampf-gegen-englische-Woerter-auf.html)

und ist Deutsch wieder im Kommen

(siehe: aus dem Münchner Merkur vom 30.01.2015.)

 - (deutsch, Sprache, englisch)  - (deutsch, Sprache, englisch)

Ich muss zugeben, dass es mir selbst nicht so stark auffällt bzw. mich auch gar nicht besonders stört.

Wie stark die englische Sprache sich mittlerweile in den Sprachgebrauch gemischt hat, merke ich aber immer dann, wenn ich auf Menschen stoße, die nicht sonderlich versiert sind was die englische Sprache angeht und denen man dann auch anmerkt, dass sie entweder nicht wissen, was die Worte, die sie verwenden eigentlich bedeuten oder aber sie eben Probleme mit der Aussprache haben.

Letztens beim Bäcker z.b. als ich eine Hamstertasche kaufen wollte und fragte was da drin ist und die Bäckersfrau (bitte lesen wie geschrieben) ''pullett pork'' antwortete (gemeint natürlich pulled pork).

Oder wenn mein Vater sich mal wieder darüber beschwert das meine Schwester sich zu viel mit diesem ominösen 'Feesbuck' beschäftigt.

Heute wird man auch zum Interview und nicht mehr zum Vorstellungsgespräch eingeladen, wenn man einen Job...ähm eine Stelle als Facility Manager...Verzeihung, Hausmeister, antreten möchte.

Politiker sprechen von Baby Boomern und nicht mehr von geburtenstarken Jahrgängen.

Was mich aber mehr als englische Worte an sich stört sind die eigens kreierten Worte, die klar englisch klingen, in der Form in der englischen Sprache aber gar nicht vorkommen oder aber etwas völlig anderes meinen.

Das Handy ist einer dieser Vertreter, aber auch Wortkreationen wie Public Viewing, was im Englischen das öffentl. Aufbahren von Verstorbenen beschreibt.

Und noch viel schlimmer wird's wenn Denglisch entsteht. Geuploadet z.b. höre ich häufig. Da stellen sich mir die Nackenhaare auf und ich denke mir 'kann man nicht einfach hochgeladen sagen'?

Unerträglich wird's dann schnell mal unter Gamern, wenn keine Tränke mehr benutzt werden, sondern jemand die Potion geused hat. Oder jemand im Chat nach Healern, statt nach Heilern sucht.

Bevor diese englische Begriffe in Deutschland um sich griffen, hat mich das in den Niederlanden schon extrem gestört. Dort werden Filme immer im Originalton ausgestrahlt, und so lernt die Bevölkerung automatisch Englisch oder eine andere Sprache. Seit Jahrzehnten ist das spürbar in der Sprache. Es kommt fast in jedem Satz mindestens ein englisches Wort vor, und ich finde dass diese Übernahme die eigene Sprache nicht gut tut.

Was es da nicht alles gibt: Parts, Boots, Shirt, Tie Peacan nuts, Bacon, Corn Cake, erade, Saint, pale, blue, painkiller, mailorder, face, twin, kiddy, dumb, cup, soda, und eine Unzahl andere. Ich bin sehr dagegen, und versuche die Sprache sauber zu halten, aber ich bin vermutlich die einzige, die sich darüber Gedanken macht.

Ist ja blöd das mit dem Kino. Kann man sich die DVD danach wenigstens auf niederländisch anschauen?

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@mulano

Oh, Entschuldigung, ich habe das nicht verständlich geschrieben: alle Filme, sowohl im Kino, wie im Fernsehen, werden mit Untertiteln versehen. So lernt man trotzdem schnell Englisch.

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