Wieso treten so viele Leute aus der Kirche aus? Was sind die Gründe dafür?


27.06.2022, 15:13

Die Frage bezieht sich darauf warum gerade im vergangenen Jahr mehr Leute als je zuvor aus der Kirche ausgetretten sind. https://www.tagesschau.de/inland/kirchenaustritte-rekord-101.html#:~:text=Im%20vergangenen%20Jahr%20sind%20so,als%20im%20bisherigen%20Rekordjahr%202019.

Du kannst dir also beim besten Willen nicht vorstellen, weshalb die Leute aus der Kirche austreten, das tut mir Leid.

Mir gehts darum warum gerade im letzten Jahr mehr Leute aus der Kirche ausgetreten sind als je zuvor

17 Antworten

Das Ansehen der katholischen Kirche hat laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov in den letzten Monaten (Stand Mite 2021) in Deutschland stark gelitten:

82 Prozent der Befragten erklärten, die Kirche habe an Glaubwürdigkeit verloren. Rund 28 Prozent der Kirchenmitglieder beider (!) großen Konfessionen ziehen derzeit (dito) in Betracht, die Kirche zu verlassen.

Als Hauptgrund hierfür nannten die Befragten neben dem Missbrauchsskandal am häufigsten die nicht mit der eigenen Haltung übereinstimmenden kirchlichen Moral- und Gesellschaftsvorstellungen. Nur für ein knappes Viertel der Mitglieder gibt es keine Gründe für einen derzeitigen Kirchenaustritt (YouGov, 24.03.2021; Evangelischer Pressedienst, 26.03.2021).

Zum Vergleich: Tatsächlich tritt rund ein Prozent der Kirchenmitglieder pro Jahr aus. Wenn sich diese Quote auch nur verdoppelt, sind die Kirchen in zwei Jahrzehnten nur mehr größere Sekten. Einen Vorgeschmack liefern brandaktuelle Zahlen aus München: Trotz der Behinderung der Kirchenaustrittsmöglichkeit durch die neuerdings erzwungene Voranmeldung beim Standesamt nimmt der Schwund der Kirchenmitglieder weiter Fahrt auf. In München sank die Einwohnerzahl im ersten Quartal 2021 um exakt 1.002 Personen. Die beiden Kirchen verloren hingegen fast 7.000 Schäfchen, sodass ihr Anteil in der Landeshauptstadt in nur drei Monaten von 39,5 auf 39,1 Prozent sank. Bei gleichem Tempo würden sie bereits Ende 2026 auf unter 30 Prozent schrumpfen, nachdem sie erst Mitte 2020 die 40 Prozent unterschritten hatten. Selbst bei einem Abflauen des Trends würde sich dieser Zeitpunkt um höchstens ein Jahr hinauszögern.

Im Januar 2021 teilte der Vorsitzende der atholischen Bischofskonferenz ganz offiziell mit:

"Die Zeit der Volkskirche ist vorbei. Diese Sozialstruktur, in der Kirche-Sein, in der religiöse Sozialisation irgendwie in einem Automatismus verlief, ist vorbei, und sie wird nicht wieder kommen." 

Seine Einschätzung hat auch interne Gründe, die der langjährige Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Jesuitenpater Hans Langendörfer, just am gleichen Tag ganz offen formulierte: "Misstrauen und Argwohn prägen den [innerkirchlichen] Umgang miteinander, leider auch Bereitschaft zur Intrige. Ich habe solche Spannungen nachhaltig erlebt und neige inzwischen dazu, sie als unüberwindbar einzuschätzen." Die Zukunft der Kirche beurteilte er pessimistisch: "Ich erkenne keinen Masterplan und würde mich hüten, wohlfeile Konzepte zu verkünden. Es ist alles zu komplex." (Mitteilung des Bistums Limburg, 21.01.2021; Christ in der Gegenwart, 21.01.2021)

Hinzu kommen die Unfähigkeit zu Reformen und ein unerschütterliches Beharrungsvermögen. Zu dieser Einschätzung kamen auch die beiden Initiatorinnen und Mitgründerinnen der Kirchenreformbewegung "Maria 2.0", Elisabeth Kötter und Andrea Voß-Frick aus Münster. Sie erklärten ihren Austritt aus "der öffentlich-rechtlichen Institution römisch-katholische Kirche", ohne deshalb ihren Glauben aufzugeben. Dies sei die Konsequenz aus der Einsicht, es sei "unmöglich, die Hierarchien und Machtstrukturen in der katholischen Kirche zu ändern". Auch aus der Kölner Gruppe von "Maria 2.0" wurden Kirchenaustritte bekannt, wie das ZDF dokumentierte (Evangelischer Pressedienst, 30.03.2021; Heinrichsblatt der Diözese Bamberg, 04.04.2021).

Interessant auch folgende Analyse:

https://fowid.de/meldung/gruende-fuer-den-kirchenaustritt

Geld

Das ist keine Vermutung, sondern eine Tatsache. Zumindest bei "meiner" alten Gemeinde. Die Neue kenne ich noch zu wenig.

Ein kleiner Teil tritt wegen den Missbrauchsfällen der Kirchen allgemein aus. Oder weil ihm eine Kirchgemeinde zu liberal oder zu fromm geworden ist. Weil der neue Pfarrer einem nicht gefällt. Die neue Kirchenleitung zu viel in Bauten investiert, statt in die Sozialarbeit oder umgekehrt.

Weil...

sie es mangels Glauben schon länger vorhatten, und es nun (u.a. durch die Missbrauchsskandale) gesellschaftlich akzeptiert wird aus der Kirche auszutreten.

sie die Verfehlungen Einzelner auf die Gesamtheit der Kirche übertragen und mit dieser nix mehr zu tun haben wollen.

sie die Umsetzung des Glaubens(Kirchenrecht, Gottestdienstform etc.) in der jeweiligen Kirche nicht mehr mit sich identifizieren.

sie zu einer anderen Glaubensrichtung konvertieren.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Gut das mit den Missbrauchskandalen zieht sich nun auch schon ein paar Jahre und ich frage mich wieso gerade jetzt soviele Leute austreten

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@Lollipop4845

Weil es jetzt zu Ergebnissen kommt. Etliches kam erst im Zuge der Aufarbeitungen vor kurzem raus.

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Das mit den Missbrauchsskandalen zieht sich schon eine Weile, da hast du Recht. Aber in der Zwischenzeit hätte die KK ja diese Zeit für die Aufklärung nutzen können (und für die Besserung der Verhältnisse und Strukturen) - aber auch das ist nicht zur Zufriedenheit geschehen.

Jetzt hat der Papst auch noch (gar nicht so lange her) den synodalen Weg kritisiert.

Irgendwann ist es auch für den treuesten Anhänger zu viel.
Viele sind der Ansicht, dass der Wille zur Änderung schlichtweg fehlt.

Auch beim Thema Frauen gibt es 0 Fortschritte.
Das Thema Zölibat hatte ich schon vor 20 Jahren angesprochen, auch da gibt es 0 Fortschritte.

Sie wollen sich nicht ändern, also ziehen die Menschen ihre Konsequenzen daraus.

Ich bin zum einen ausgetreten da mich die ganzen Pädophilen Vorfälle erschüttert haben welche stattgefunden haben und vermutlich noch immer statt finden. Zudem müssen sich diese sehr selten bis gar nie verantworten.

Auch hat sie noch immer extrem Mittelalterliche Vorstellungen. Gerade in Lateinamerika wo Sie sich vehement gegen Abtreibung einsetzt.

Zum anderen aber auch wegen der hohen Kirchensteuer in der Schweiz. Wegen oben genannter Gründe, sehe ich nicht ein da etwas an die Kirche zu bezahlen. Zumal das Geld im Vatikan nicht versteuert werden muss und diese inzwischen einen Reichtum sondergleichen angehäuft hat.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

"Zumal das Geld im Vatikan nicht versteuert werden muss und diese inzwischen einen Reichtum sondergleichen angehäuft hat."

Wieso auch nicht immerhin haben ihre Mitglieder immer fleißig einbezahlt.

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@naaman

Und die Kircheneigenen Hotels/Pensionen Nähe Petersplatz ( fast 70) sind jetzt alle Steuerfrei weil sie einen Gebetsplatz inne haben ca 2 - 3 qm. Und jetzt laufen die Hotels inner Stadt Rom als Anbetungsstätte

*die Schlitz Ohren

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Die pädophilen Fälle gibts ja schon seit Jahren. Ich frage mich warum gerade im letzten Jahr soviele ausgetreten sind wie nie zuvor. https://www.tagesschau.de/inland/kirchenaustritte-rekord-101.html#:~:text=Im%20vergangenen%20Jahr%20sind%20so,als%20im%20bisherigen%20Rekordjahr%202019.

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@Lollipop4845

Das müsstest Du jede Person fragen, da ich nicht für andere spreche. Ich bin schon seit ein paar Jahren nicht mehr in der Kirche. Ich denke das viele Menschen ein "dickes Fell" haben, aber bei vielen kommt halt irgendwann der Punkt wo diese sagen; jetzt reichts es ist genug.

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Die Kirche erhebt keine Kirchensteuer.Das ist eine Politische Körperschaft die der Kirche vom Staat übergestülpt wurde .DAvon kann sich jeder Katholik distanzieren und Austreten.

Solchen Unfug ,was damit Finanziert wird könnte ich mit meinem gewissen nicht vereinbaren.

Ich bin auch katholisch und wohne auch in der Schweiz und Zahle keine Kirchensteuer ,das ist möglich zumindestens im Bistum Chur .

Du musst du schriftlich klarstellen dass du katholisch bleibst ..aber eben mit dieser Politischen Struktur nichts zu tun haben willst ..

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