Wieso hat die Theorie von Karl Marx einer klassenlosen Gesellschaft nicht funktioniert?

12 Antworten

Was Karl Marx formulierte, war ein idealistisches Modell der klassenlosen Gesellschaft. Dieses Modell war noch nicht erprobt.

Erst die spätere Praxis hatte gezeigt, dass dieses Modell nur unzureichend existieren kann. Alle Versuche, dieses Modell zu retten, sind gescheitert. Gerade im Umgang mit der Intelligenz erreichte man schnell Grenzen.

In Rotchina hatte man der Intelligenz viele Jahre misstraut. Man nannte sie die stinkende Nummer 9,

Je mehr man sie bezahlt, je größer werden die Abstände zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Lohn. Dies widerspricht klar dem Postulat einer Gleichheit in einer klassenlosen Gesellschaft.

Auch In Deutschland gibt es wenige Betriebe, wo das Gehalt eines Hausmeisters und eines Geschäftsführers gleich ist. Dies konnte sich bis heute nicht durchsetzen.

Das Experiment ist in den kommunistischen Staaten versucht worden. Der Versuch scheiterte kläglich. „Alle im Staate sind gleich, nur einige sind gleicher!“ heißt es bei G. Orwell „Farm der Tiere“. Auch in der "klassenlosen" Gesellschaft der ehemaligen DDR konnte man das beobachten, wie die Funktionäre in Saus und Braus lebten bzw. Privilegien noch und noch für sich beanspruchten.

Die Gründe für die Unmöglichkeit dieses Versuchs, eine klassenlose Gesellschaft herzustellen, liegen auf der Hand. Die Menschen sind ungleich. Der eine ist talentiert, der andere hat besondere Fähigkeiten, manche sind hochbegabt, anderen fehlt jedes Talent. Wenn der Talentierte sieht, dass ein Unbegabter das gleiche Gehalt bezieht wie er, reagiert er sauer. Er beansprucht mit Recht, dass er wegen seines Talents und seiner stärkeren Leistungskraft „gebührend“ besser gestellt wird als der talentfreie und weniger leistungsfähige Kollege. In der DDR wollte man das Problem mit folgender Parole so lösen: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Also: der hochbegabte Chirurg sollte sich in gleicher Weise anstrengen wie der Pförtner einer Klinik, beide aber ungefähr das gleiche Gehalt beziehen, der Chirurg geringfügig mehr, so um die 1000 Mark plus X bzw. 1000 Mark minus X. Auf die Dauer geht das nicht, weil es der Natur des Menschen widerspricht, die eine hierarchische Abstufung in der Gesellschaft, gemäß den Fähigkeiten und der Leistungskraft des Einzelnen, erfordert.

Woher ich das weiß:eigene Erfahrung

Die Farm der Tiere handelt vom Nationalsozialismus

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Sie hat soweit funktioniert, wie Marx es beschrieben hat. Lediglich die Phase des Kommunismus selbst wurde nie erreicht, was allerdings auch eher ein langfristiges Ziel war. Die Vorstufen, also alles vom Niedergang des Kapitalismus bis zu den ersten Arbeiterrevolutionen und den ersten Arbeiterstaaten (=sozialistischen Staaten) ist eingetroffen. Diese Arbeiterstaaten wurden zu einem großen Teil leider auf die ein oder andere Weise solange sabotiert (oder sogar aktiv bekämpft), bis sie aufgelöst oder zerstört wurden; das bedeutet allerdings nicht, dass zukünftige Projekte Erfolg haben können.

Sie würde nur in einer perfekten Welt mit perfekten menschen funktionieren. Doch auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wurde, ist der Kapitalismus (leider) die natürliche Gesellschaftsordnung des Menschen, der immer mehr haben will.

Die Theorien von Karl Marx sind größtenteils an der Realität gescheitert. Und am menschlichen Wesen an sich.

Was geschieht, wenn das "Proletariat" (Arbeiterklasse) die "Burgeosie" (Bürgertum) stürzt? Herrschen dann die Arbeiter? Nein - es bilden sich unter den Siegern neue soziale Schichten. In der UdSSR waren das z.B. Bürokraten und Partei-Eliten, die keineswegs Gefallen daran fanden, mit dem Bauern aus Kiew oder dem Stahlarbeiter aus Moskau auf einer Stufe zu stehen. Es entsteht einfach eine neue "Burgeosie", und der Spaß fängt wieder von vorne an.

Es wird immer eine obere und eine untere soziale Schicht geben. Eine klassenlose Gesellschaft ist Utopie und wird es auch immer bleiben.

Das heißt aber nicht, dass Karl Marx ein Versager war oder dass seine Ideen keinen Fortschritt brachten: die Angst vor der kommunistischen Weltrevolution motivierte den Kapitalismus zu Reformen, um der radikalen Linken den Wind aus den Segeln zu nehmen. Seien es die Acht-Stunden-Woche, der bezahlte Urlaub, der Kündigungsschutz oder die Duldung und gesellschaftliche Einbindung von Gewerkschaften - all diese Reformen verdanken wir dem "Schreckgespenst Kommunismus".

Ohne den Konkurrenzdruck durch die UdSSR hätte es vielleicht noch sehr lange gedauert, bis die Bedingungen der Arbeiter verbessert worden wären.

schön beschrieben

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