Wie waren die politischen Ansichten Vergils und sein Verhältnis zu Augustus?

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5 Antworten

Gewiss, es gibt im Internet Informationen über Vergil, aber das sind zumeist lexikonartige, keine tiefergehenden Überblicke. Für die Frage, die du hast, bist du auf Literatur, auf Bücher und Aufsätze von Fachleuten angewiesen! Ich selbst habe während meines Studiums einmal einen Vortrag über Vergils Leben und Werk halten müssen. Daher sei gesagt: über die "politischen Ansichten" Vergils wissen wir kaum etwas, und was wir wissen, belegt, dass er das kulturelle Wirken des Augustus durch seine Werke gestützt und gefördert hat.

Ich möchte dir folgende Bücher empfehlen:

  • Richard Heinze: Vergils epische Technik. 2. Aufl. 1908 (über das Register solltest du dir die Stellen erschließen, in denen Augustus erwähnt ist!). [Es gibt eine kostenlose und legale PDF-Datei hier: https://archive.org/stream/bub\_gb\_xX9fAAAAMAAJ#page/n1/mode/2up ]
  • Niklas Holzberg: Vergil. Der Dichter und sein Werk. 2006.
  • R. Alden Smith: Vergil. Dichter der Römer. 2012.
  • Dorothee Gall: Dichtung in Augusteischer Zeit. Themen, Formen und Programme. In: Mariette Horster, Florian Schuller (Hg.): Augustus. Herrscher an der Zeitenwende. 2014, S. 200-237.


MfG

Arnold






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Vergil lebt als jungerMann während der Bürgerkriege und politischen Unruhen, wo es Enteignungen und Verbannungen gibt. Auch Vergil wird davon betroffen:

Mit 28 Jahren verlierter das vom Vater geerbte Landgut, weil Veteranen aus Octavians Heer mit Land abgefunden werden, das den Bauern einfach weggenommen wird. (Nur durch einflussreiche Fürsprache wird Vergil für sein verlorenes Land entschädigt.)

In dieser Zeit entstehen Vergils

10 Hirtengedichte (= Bucolica oder Eklogen) von 42-39 v. Chr.

Die Idylle des Hirtenlebens wird den politischen Unruhen als Ideal gegenübergestellt aus Sehnsucht nach Frieden.

Vergil wird von Maecenas, einem einflussreichem Politiker und Freund Octavians,finanziell gefördert. Ihm zu Ehrenschreibt er

39-29 v. Chr. die 4 Bücher der Georgica:

Einerseits thematisiert Vergil hier die verschiedenen Aspekte des Ackerbaus, andererseits stellt er das harte (bäuerliche) Leben und dessen Sinn und Werteordnung dar und unterstützt damit Octavians Wiederherstellungs- und Friedenspolitik. In der 4. Ekloge erzählt er z.B.: von der Geburt eines Kindes, durch das ein neues Zeitalter ohne Kriege und Ausbeutung der Natur anbricht.

Nachdem Octavian 31 v. Chr. durch die Schlacht bei Actium den jahrzehntelangen Bürgerkrieg beendet hat, erhält er 27 v. Chr. den Ehrentitel„Augustus“ (= der Erhabene). Auf seinem Ehrenschild sind seine Tugenden eingraviert:

virtus (=Tapferkeit), clementia (= Milde), iustitia (= Gerechtigkeit), pietas (= Pflichterfüllung, Frömmigkeit)

Er erlässt verschiedene Sittengesetze, die die Römer zu alten Tugenden und Werten und damit zu alter Stärke zurückführen sollen. Die meisten Römer akzeptieren seine Alleinherrschaft als Kaiser, weil sie sich nach so langer Zeit der politischen Unruhen nach Frieden sehnen. Als äußeres Zeichen der Pax Augusta schloss Augustus die Tore des Janustempels in Rom, was nur geschah, wenn im ganzen Land Frieden herrschte.

29-19 v. Chr. entsteht die Aeneis, ein Heldeneposaus 12 Büchern

auf Wunsch Augustus, der sich ein Werk zur Verherrlichung seiner Regierungszeit wünscht.

Die Julische Familie (stammen ab von Ascanius = Iulus = Sohn des Aeneas), zu der Caesar und Augustus gehören, erinnert sich gerne an ihre Abstammung von Aeneas. Daher ist Augustus nicht nur interessiert an der Darstellung römischer Geschichte und der charakteristischen römischen Eigenschaften/Tugenden, sondern auch, wie sein Vorfahr – und damit er selbst – dargestellt und welcher Platz ihm in der Geschichte zugemessen wird. Unter diesem Gesichtspunkt spielt dieÄneis im 8. Jh. vor Chr., meint aber das 1. Jh. vor Chr.

Im iliadischen Teil (Buch 7-12)geht einerseits um den GründungsmythosRoms, andererseits platziert Vergil an verschiedenen Stellen geschichtliche Ereignisse (z.B.: die Darstellung der Geschichte Roms bis zu Augustus hin auf Aeneas Schild), und lässt so Augustus als Friedensbringer und Ziel der geschichtlichen Entwicklung erscheinen.

Am Ende seines Lebens begleitet Vergil Augustus auf eine Griechenlandreise,wo er erkrankt. Kurz vor seinem Tod in Brindisi verfügt er, dass die Aeneis nicht veröffentlicht werden soll, doch Augustus setzt sich über Vergils letzten Willen hinweg und lässt das Werk veröffentlichen. Es hat großen Erfolg und wird zum Standardwerk der römischen Literatur.

 


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Kommentar von rhenusanser
24.01.2017, 19:41

* wenn manchmal Leerzeichen zwischen den Wörten fehlen, liegt das daran, dass ich dir eine Zusammenfassung, die ich selbst vor einigen Jahren gemacht habe, hier hineinkopiert habe. Dabei passiert es allerdings, dass dann ganze Textpassagen ohne Leerzeichen sind - und in der "Korrekturzeit", von knapp 300 sec lässt sich nicht alles korrigieren. 

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Vergil hat - wie jeder Dichter seiner Zeit - nie direkt seine politischen Ansichten geäussert. In seinem Hauptwerk AENEIS, vermutlich ein Auftragswerk von Augustus als eine Art Nationalepos gedacht, lobt er Augustus dafür, dass er die Bürgerkriege beendet hat und eine eher defensive Außenpoltik führte. Das Thema ist ziemlich komplex. Wenn Du die wenigen kritischen Ansatzpunkte gegenüber der Politik Augustus behandeln willst, müsstest Du Dich etwas intensiver in das Augusteische Zeitalter einlesen.

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Um das Stöbern in der Fachliteratur kommst Du nicht drumherum, deswegen nimm Dir auf jeden Fall den Beitrag von "ArnoldBentheim" zu Herzen. Damit Du jedoch nicht komplett orientierungslos in den Büchern untergehst, nimm noch die 3 Haupttheorien mit, die es zu Vergils politischer Ansicht gibt:

  1. Er ist ein Propagandist der augusteischen Politik, der den monarchischen Frieden deswegen befürwortet, da nun unter einem "Alleinherrscher" nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg dauerhafter Frieden herrscht. In seiner Bukolika (?) erwähnt er, dass er selbst Leidender war.
  2. Er ist ein subtiler (!) Kritiker der monarchischen Machtkonzentration in der Hand von Augustus. Das wird anhand von bestimmt Textstellen in der Aeneis belegt. (Two Voice Theory)
  3. Er hat keine politische Ansicht.


Natürlich gibt es noch zahlreiche Abstufungen und Grauschattierungen, was die Forschermeinungen angeht.


Zu seinem Verhältnis zu Augustus sei gesagt, dass sie entweder neutral zueinander standen oder vielleicht sogar befreundet waren. Vergilt gehörte nämlich zum engen Kreis des Maecenas (Horaz erwähnt das in seinen Satiren, glaube ich).

Hoffe, das hilft Dir etwas
Grüße !

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Er war ein Verfechter der Politik von Augustus.

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