Wie war das leben in der DDR?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Da ich die Frage vor ein paar Tagen schon beantwortet habe, erlaube ich mir, dieselbe Antwort noch mal zu posten, da sie nicht so kurz ist bzw. war: 

Ich bin ein Kind der DDR gewesen, in den 60ern geboren. Wir hatten keine Westverwandtschaft oder auch kein Westfernsehen. Ich hatte also keine Relation und war ein glückliches Kind. Wir hatten kein Auto, kein Telefon, später bekamen meine Großeltern eines, das wurde aber nur für Notfälle benutzt, also Arzt etc. Dafür wurde es auch angeschafft. 

Ich bin in die Schule gegangen und hatte meine Freunde. Später hatte ich einen Freund, der ein Motorrad hatte, wie fast alle in seiner Clique, und wir haben viele Ausflüge gemacht. Wir waren jedes Wochenende in der Disko und hatten so unsere Problemchen wie überall die Jugendlichen auf der Welt. 

Wir haben nie gehungert, die Schulspeisung war vorbildlich und lecker, und wenn es irgendwo gute Jeans gab, dann stand man in der Schlange. Die Familie meines Mannes ist jedes Jahr mit ihrem Moskwitsch nach Ungarn, Polen, in die CSSR oder sogar bis nach Kasachstan gefahren. 

Meine Familie ist mehr innerhalb der DDR verreist, an verschiedene Seen und das war immer schön. Ich war als Schülerin mehrere Male im Ferienlager, was ich toll fand. 

Was das politische System anging, so war es mir schlichtweg egal, ich hatte ja, wie gesagt, keinen Vergleich. Allso war also insofern gut, weil es mir gut ging. FDJ und so was war langweilig, die Pflichtteilnahme an der Mai-Demo ebenfalls. Wir haben unsere Witze gemacht und sind mitgelatscht.  

Als junge Familie haben wir einen zinslosen Kredit vom Staat bekommen, der Ehe-Kredit, das waren 10.000 Ostmark, glaube ich, die aber nur für Möbel, Hausrat usw. ausgegeben werden durften. Mit jedem Kind wurden einem 1000 oder 2000 Ostmark erlassen, das weiß ich jetzt nicht mehr genau. Frauen bekamen einmal im Monat einen Tag frei, den Haushaltstag. Es gab das freie Babyjahr. Wir haben viele spontane Kellerfeten gemacht und zu Besuch ist man einfach so gegangen mit einer Flasche Wein in der Hand,

Es gab keinen massiven Überfluss, aber es hat niemand gehungert oder war irgendwie verwahrlost. Es gab leckere Bäckereien, die ich heute gern noch einmal besuchen würde und beim Fleischer musste man stehen, aber es gab Fleisch und Wurst zu kaufen. Eine Wende im Denken setzte ein, als mein Mann seinen Wehrdienst absolvieren musste und für gewisse Meinungsäusserungen 3 Wochen in den Armeeknast kam. Ab da setzte ein genaueres Schauen ein, weil einiges schief zu laufen schien.  Aus heutiger Sicht waren wir bis zu einem Punkt normale Mitläufer, da wir keinen Vergleich hatten. Wir hatten immer noch keine wirkliche Relation, und die ist enorm wichtig. Man kann gegen etwas sein, aber man muss auch wissen, wofür man ist. 

Heute habe ich die Relation und würde die DDR als sehr beengt empfinden, ich war dumm und unwissend und eben jung und vom System beeinflusst, wie die jungen Leute heute in der Schule vom heutigen System beeinflusst werden. Glaub nicht, dass Ihr Wahrheit in Deutsche Geschichte erfahrt. Leute, die sich aktiv dem System DDR widersetzt haben, die erfuhren sehr wohl andere Seiten, es gab die anderen Seiten, das darf man nie vergessen!

Auf der anderen Seite ist das auch heute so. Du darfst vielleicht gegen das System was sagen, aber wenn Du aktiv wirst, dann wird das auch nicht geduldet. Man schaue sich nur heute die "Demokratie" an. Das erinnert jeden ehem. DDR-Bürger mehr als nur an alte Zeiten. Der ehemalige Ossi hat eine Relation und deswegen leistet er Widerstand, der Westbürger nicht und so verharrt er und lässt alles mit sich geschehen......

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Modem1
28.11.2015, 13:00

Besonders politisch Aktive werden hier nicht so gern gesehen, besonders Nörgelei und schnell landet man im rechten Papierkorb. Das lieben die Herren Volkstreter nicht so gerne. 

1

Sicher hat das jeder ein bisschen anders empfunden. Einerseits lebte man irgendwie ruhiger. Man konnte nicht arbeitslos werden und auch nicht seine Wohnung verlieren. Aber man musste eben auf sehr vieles verzichten. Es gab nicht so ein tolles Warenangebot wie heute. Viele Sachen waren Mangelware, es gab sie nicht immer. Auf ein Auto musste man über 10 Jahre warten, einen Telefonanschluss hatten nur sehr wenige Leute. In den Tageszeitungen konnte man eigentlich nur den Lokalteil lesen, fast alles andere war politisches Gequatsche, das Blödsinn war und auch ständig wiederholt wurde. Man durfte nicht reisen, wohin man wollte. Und man musste aufpassen, was man sagt und zu wem man das sagt (wenn es um politische Themen ging).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Banal tät ich mal sagen, so wie hier für Hinz und Kunz das Leben recht banal verläuft.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Zu mindestens ruhiger als jetzt ...ohne IS und ohne Terroranschläge.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von lesterb42
03.12.2015, 17:22

Stimmt, die Terroristen saßen, da ja an der innerdeutschen Grenze und durften Leute ermorden.

0

Was möchtest Du wissen?