Wie sah es aus als der Mensch sich weiter entwickelte?

6 Antworten

Vom Neandertaler zum Homo Sapiens?

Der Neanderthaler ist nicht der direkte Vorfahr des anatomisch modernen Menschen. Er wird entweder als eine Unterart von Homo sapiens geführt, die sich parallel zum anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens sapiens) aus den gleichen Vorfahren ("archaischer Homo sapiens") entwickelt hat oder als eigenständige Art. Als der anatomisch moderne Mensch aus Afrika nach Eurasien auswanderte, traf er zwar auf den Neanderthaler und kreuzte sich auch mit ihm, worauf es zu einem bis heute nachweisbaren Genfluss (etwa 2 % der DNA außerafrikanischer Menschen sind vom Neanderthaler, darunter einige Gene, die mit der Haartextur in Verbindung gebracht werden), ein direkter Vorfahre der heutigen Menschen war er aber nicht.

Es paaren sich ja nicht ein paar Afgen und dann kommt ein Affe raus der auf einmal gerade geht.

Nein, so war es nicht. Das ist richtig. Die Evolution des Menschen war und ist ein kleinschrittiger Prozess, der von Generation zu Generation geht. Die direkt aufeinander folgenden Generationen unterscheiden sich dabei kaum voneinander, aber ein bisschen eben doch. So wie auch wir unseren Eltern ähneln, aber kein exaktes Abbild unserer Eltern sind und so wie auch unsere nachfolgende Kindergeneration uns gleicht und doch ein bisschen verschieden ist.

Es gibt daher keinen festen Moment, ab dem die menschliche Entwicklungslinie sprunghaft aufhörte, ein Affe zu sein und plötzlich ein Mensch war. Es war ein langsamer und gradueller Prozess mit einer großen Anzahl von fließend ineinander übergehenden Zwischenformen.

Alles, was wir von dieser Geschichte heute noch finden können, sind winzige Ausschnitte in Form von Fossilien und Hinweise auf die Evolutionsgeschichte in unserer DNA. Du kannst es dir in etwa so vorstellen als wäre die Evolution des Menschen in Form eines Kinofilms abgelaufen. Von der Filmrolle sind aber nur ein paar unbewegte Bilder übrig geblieben. Dadurch, dass man bestimmt, welche Bilder auf der Rolle zuerst kamen und indem man vergleicht, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede es auf den Bildern gibt, lässt sich vielleicht nicht mehr der gesamte Film rekonstruieren, aber zumindest lässt es Rückschlüsse auf die ungefähre Handlung zu. So ist es mit der Evolution auch. Zwar haben wir nicht mehr den ganzen Film vor uns, sondern nur noch kurze Ausschnitte (eben Fossilien). Wir können aber bestimmen, in welcher Reihenfolge die Fossilien auftauchen (durch Datierung des Fossilmaterials) und durch Vergleichen der einzelnen Knochen sagen, wie die Evolution abgelaufen ist.

Eine dieser Übergangsformen sind z. B. die Australopithecinen. Die Gattung Australopithecus war noch an eine überwiegend baumbewohnende (arboricole) Lebensweise angepasst. Ihr Becken und ihr Fuß zeigen aber schon, dass Australopithecus aufrecht gehen konnte. Noch nicht so perfekt wie spätere Vertreter der Gattung Homo, aber schon wesentlich besser als das beispielsweise Schimpansen können. Es ist quasi eine Zwischenform zwischen baumbewohnenden Affen und Primaten, die vorwiegend auf dem Boden leben und auf zwei Beinen gehen.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Biologiestudium, Universität Leipzig

Das sah gar nicht aus. Evolution verläuft fließend, nicht sprunghaft.

Wenn wir den aufrechten Gang als Beispiel nehmen, haben sich unsere Vorfahren immer öfter aufgerichtet und sind immer seltener auf allen vieren gelaufen. Jede neue Generation konnte ein bisschen länger und ein bisschen besser gerade stehen und gehen und jede neue Generation war auch ein kleines bisschen größer als die vorhergehende.

Die Unterschiede zwischen einer Generation und der darauf folgenden waren so gering dass sie kaum sichtbar gewesen sind. Wenn man aber eine Generation mit der Generation die 100 Jahre vor ihr war, vergleichen würde, könnte man einen Trend feststellen. 1-2 cm im Durchschnitt größer und ein paar Grad aufrechter beim Stehen und Gehen.

Das ganze zog sich über mehrere hunderttausende und Millionen Jahre, bis eben wir daraus wurden.

So verläuft Evolution heute noch. Wir werden zum Beispiel immer noch größer. Wenn wir das mit unseren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern vergleichen, fallen kaum Unterschiede auf. Aber in eine Rüstung aus dem Mittelalter passt heute kaum noch jemand hinein, weil die Menschen damals im Durchschnitt um einiges kleiner waren.

Vor einigen Millionen Jahren führten tektonische Prozesse zur Auffaltung von Gebirgen in Ostafrika. Diese Gebirge trennten Gruppen von Menschenaffen, welche die gemeinsamen Vorfahren von Schimpansen, Bonobos und Menschen (Frühmenschen und heute lebende Menschen) waren, voneinander: Vorfahren von Schimpansen u. Bonobos lebten im Westen, die Vorfahren der (Früh-)Menschen im Osten.

Die Vorfahren der Menschen, die ersten Frühmenschen, sahen noch sehr Menschenaffen-ähnlich aus und lebten zunächst zum Großteil in Wäldern auf Bäumen, nur selten am Boden.

Durch eine Klimaänderung wurde es in Ostafrika trockener, wodurch die dichten Wälder zum Großteil verschwanden und großflächige Savannen entstanden, in denen nur vereinzelt Bäume u. Baumgruppen standen.

In dieser Savanne waren die Frühmenschen gezwungen, größere Strecken auf dem Boden zurückzulegen. Der aufrechte Gang entwickelte sich, weil er mehrere Vorteil bot: Auf 2 Beinen zu laufen, ist energiesparender als auf allen Vieren zu laufen. Wenn man aufrecht steht oder geht, hat man einen besseren Überblick über das hohe Gras der Savanne, so dass man Raubtiere und sich nähernde feindliche Gruppen von Frühmenschen zeitiger erkennt.

Beim aufrechten Gang werden die Hände frei, diese kann man benutzen um mehr Früchte, Wurzeln, Werkzeuge etc. zu transportierten.

Das größere Gehirn des Menschen entwickelte sich, weil die Frühmenschen in einer komplizierteren Umgebung lebten. Sie mussten sich z. B. merken, welche Wasserquelle auch in der Trockenzeit nicht austrocknet und wo z. B. Krokodile lauern. Sie mussten sich merken, welche Pflanzen essbar oder giftig sind, um nicht zu verhungern aber sich auch nicht zu vergiften. Sie mussten sich merken, wann wo bestimmte Früchte reif werden. Sie lernten Tiere als Nahrung zu erbeuten und mussten Fang- u. Jagdtechniken entwickeln. Bei der Jagd in der Gruppe braucht man gute Kommunikation untereinander. Die Frühmenschen mussten sich auch merken, wann und wo wandernde Tiere vorbeiziehen, die man erbeuten kann. Um Phasen mit wenig Nahrung zu überstehen, wurden Nahrungsvorräte angelegt, oft auch versteckt damit andere Frühmenschengruppen sie nicht finden, also musste man sich die Verstecke merken und Waffen entwickeln, um die eigene Gruppe zu verteidigen. Die Frühmenschen entwickelten auch die ersten Möglichkeiten, Nahrung länger haltbar zu machen, z. B. Trocknen und Fermentation, z. B. die Milchsäuregärung von Gemüse.  

Die komplexe Umgebung führte zu einem Selektionsdruck, durch den nur die intelligenteren Frühmenschen überlebten.

 

Neandertaler und Homo sapiens hatten die Menschenart Homo erectus als gemeinsamen Vorfahr. Homo erectus lebte in Afrika, einige Gruppen wanderten später über den Sinai nach Asien und nach Europa und siedelten sich dort an.

Durch Klimaveränderungen wurden die Sahara und Teile des Nahen Osten, wo es vorher feuchte, tierreiche Savannen und zum Teil Wälder gab, zu Wüsten und Halbwüsten.

Menschengruppen nördlich davon waren jetzt durch größere (Halb-)Wüstengebiete von Menschengruppen südlich der Sahara getrennt. Weil eine Kaltzeit einsetzte, mussten sich die Menschen in Europa an das kältere Klima anpassen und entwickelten dabei die typischen Merkmale der Neandertaler (Homo neanderthalensis).

Zum Teil vergletscherte Hochgebirge vom heutigen Iran u. Pakistan über Hindukusch, Himalaya, Karakorum, Pamir, Tian Shan, Altai usw. trennten Neandertaler im westlichen Asien von Menschengruppen weiter östlich (z. B. in südlichen Sibirien u. Tibet) mussten sich ebenfalls an das kältere Klima anpassen und wurden zu Denisova-Menschen.

Die Menschen südlich der Sahara entwickelten sich zum anatomisch „modernen“ Menschen Homo sapiens. Später verließen einige Homo sapiens-Gruppen Afrika und besiedelten Eurasien.

Dabei paarten sich einige Homo sapiens mit Neandertalern oder mit Denisova-Menschen und zeugten fruchtbare Nachkommen. Dies war möglich, weil die 3 Arten noch nicht so lange voneinander getrennt waren, sie sich deshalb genetisch noch relativ ähnlich waren (einige Fachleute sehen sie deshalb nicht als Arten, sondern als Unterarten der Art Homo sapiens an. Dann sieht die Benennung z. B. so aus: der Neandertaler heißt dann mit wissenschaftlichem Namen Homo sapiens neanderthalensis und der anatomisch moderne Mensch heißt Homo sapiens sapiens).

Spuren von Neandertalern bzw. Denisova-Menschen lassen sich im Erbmaterial von einigen heute lebenden Menschen finden.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung

Sehr gut erklärt!

0

Sehr gut erklärt. Leider vollkommen nutzlos für die hier anwesenden Kreationisten und sonstigen Bildungsverweigerern. Die tun das als Satanswerk und Lüge ab oder ignorieren (3-Affe-Taktik) es. Traurig ...

0

"Es paaren sich ja nicht ein paar Affen und dann kommt ein Affe raus der auf einmal gerade geht."

In der Evolution gibt kein heute so, morgen ganz anders. Zumindest nicht bei den meisten Lebewesen. Das hängt mit der Komplexität ihres Erbguts zusammen. Ein Menschenkind wird immer sehr ähnlich zu seinen Erzeugern sein. Bei Bakterien und Viren können Stämme relativ schnell mutieren, was aber auch daran liegt, dass Viren und Bakterien sich schnell vermehren, aber auch schnell wieder sterben. Bei Menschen dauert das austragen selber ja schon 9 Monate. Und bis ein Individuum fortpflanzungsfähig ist, dauert dass dann auch 8 bis 14 Jahre. Bis es stirbt sind es dann ca. 70 Jahre.

Durch diese niedrige Mutationsrate dauert es mehrere hundert Generationen (beim Menschen eben dann mehrere tausend Jahre), bis ein Effekt wirksam wird, den man Gendrift nennt. Dieser Gendrift ist bei bestimmten Bakterien und Viren schon nach weniger als einem Jahr zu sehen, weil sie eben mehrere hundert Generationen in einem Jahr durchlaufen.

Der Gendrift macht sich insofern bemerkbar: Ein "Mensch" von vor 300.000 Jahren wäre wahrscheinlich nicht in der Lage mit einem heutigen Menschen Nachkommen zu zeugen. Da käme höchstens etwas heraus, was entweder keine Nachkommen mehr zeugen kann oder gar selber kaum lebensfähig ist. Dabei ist es auch egal, ob die "Menschen" damals uns heute von der Anatomie schon sehr ähnlich sahen. Das Aussehen selber ist maximal ein Indikator für genetische Kompatibilität, aber alleine nicht ausreichend um abschließend Kompatibilität zu beurteilen.

Ein ausreichend großer Zeitraum für den Gendrift führt dann meistens auch zu phänotypeschen Unterschieden, wie die Möglichkeit des Skeletts den aufrechten Gang zu praktizieren falls der aufrechte Gang tatsächlich ein evolutionärer Vorteil gewesen sein sollte, was wir heute ganz klar bejahen. Aber es müssen nicht unbedingt Vorteile sein, die eine phänotypische Anpassung provozieren. Es reicht aus, wenn die phänotypische Ausprägung einfach auch keinen Nachteil hat und somit nicht durch die Umwelt "selektiert" wird.

"Vom Neandertaler zum Homo Sapiens?"

Das ganze Konzept der Taxonomie (Namensgebung) ist falsch, wenn man es genau nimmt. Eigentlich kann man den Lebewesen keine Namen geben, die für immer gültig sind oder gültig waren. Wir machen dies trotzdem, weil wie oben schon gesagt, die meisten Lebewesen niedrige Mutationsraten haben und zumindest für den aktuellen Zeitpunkt über die biologische Namensfindung eine Einordnung von Spezies stattfinden kann.

Warum gibt es heute noch Affen?

Man kann sie nennen, wie man will. Letzendlich sind es Lebewesen, die in der Vergangenheit sich von unserer Vererbungslinie abgespaltet haben und es aus bestimmten Gründen über lange Zeit keine genetische Vermischung mehr gab zwischen mehreren Gruppen die vormals einer Spezie angehörten. Die Gründe dafür sind meistens natürliche Grenzen, wie Gebirge, Flüsse, Seen, Wüsten und Meere. Diese entstehen und verschwinden über unterschiedliche Zeiträume und provozieren diese sogenannten Gendrifts.

Der genetische Stammbaum ist eben ein Baum. An fast jeder Gabelung gab es Gründe für genetische Isolation (Meere Wüsten, Gebirge,...), was zu "Inzucht" in jeder Gruppe führte, wobei die Gruppen so groß waren, dass genügend genetische Diversität existierte, um Inzucht-Effekte, wie wir sie verstehen, zu überkommen.

Hast du dich mal gefragt, wie es zu unterschiedlichen Augen- und Haarfarben kommt oder zu unterschiedlichen Körpergrößen?

Beim Nachwuchs gibts ständig Mutationen und Genverschiebungen. Die meisten davon bewirken entweder gar nichts oder sind tödlich. Was nicht sofort tödlich ist, überlebt erstmal. Wenn es sich bei der Lebenserwartung oder bei der Partnersuche als nachteilig erweist, stirbt mit dem Träger dieser Gene, bevor er sich fortpflanzen kann.

Größere Gehirne und daraus resultierende kognitive Leistungen waren dagegen extrem vorteilhaft und das hat sich durchgesetzt. Dauerte nur rund 4 Mio Jahre.

Was möchtest Du wissen?