Wie damit umgehen wenn die alte Schule abgerissen wird?
Das Thema begleitet mich jetzt seit ungefähr 2014, also insgesamt 12 Jahren.
Es ist so dass meine Realschule 2016 wegen des demografischen Wandels geschlossen wurde, aber das war davor schon etwas länger bekannt.
Dass ein Abriss vermutlich kommen würde, hatte ich schon zu der Zeit befürchtet, und die Gedanken kreisten jeden Tag darum. Die Hoffnung auf Nachnutzung war zwar immer da, aber unwahrscheinlich.
Das Hauptgebäude wurde zwar von der Caritas übernommen um renoviert, aber die ganzen Nebengebäude dahinter werden wohl jetzt nach Jahren des Leerstandes tatsächlich abgerissen.
Für mich hängt da sehr viel dran, und in den betreffenden Gebäuden befindet sich unter anderem auch mein ehemaliger Klassenraum.
Ich habe mit den Gedanken lange zu kämpfen gehabt und sie in den letzten Jahren überwiegend erfolgreich verdrängt, aber jetzt nach der Meldung ist dieses beschissene Gefühl wieder da.
Es fühlt sich an als würde mit dem Abriss ein Teil meiner Geschichte, meiner Identität und von mir selbst ausradiert und vernichtet.
Ich weiß nicht wie man damit umgehen soll, denn kalt lässt es mich nicht.
Ich weiß dass es viele gibt die sowas nicht interessiert, aber mir ist dieser Ort sehr wichtig. Schließlich wurden da 6 Jahre tagtäglich verbracht, und es gibt viele Erinnerungen.
Gibt es Leute die ähnliches erlebt haben ?
5 Antworten
Ich kann das ein bisschen nachvollziehen. Als meine Eltern mir mitteilten, dass sie mein Elternhaus verkaufen - den Bauernhof, wo ich 20 Jahre meines Lebens, meine Kindheit, meine Jugend verbracht habe, da war das ein Schock, obwohl ich schon lange nicht mehr dort gewohnt habe. Ich kann bis heute nicht an dem Haus vorbei gehen, ohne wehmütig zu werden und mich über die Umbauten und sonstige Veränderungen der neuen Besitzer zu ärgern. Das ist MEIN Zuhause! Das darf nicht verändert werden, das muss so bleiben, wie es immer war, zum Kuckuck.
So sind dann meine Gedanken. Rational ist das natürlich dumm, aber dieses Haus, diese Gegend, das ist ein Teil von mir und wird es immer bleiben. So ein Abschied ist verflixt schwer, ich weiß das wohl. Aber ich fürchte, da müssen du und ich wohl durch. Letztendlich tragen wir die Erinnerungen in uns, sie sind nicht abhängig davon, das Gebäude sehen zu müssen. Was du in deiner alten Schule erlebt hast, das kann dir niemand nehmen. Es wird immer da sein, auch wenn das Gebäude nicht mehr existiert.
Dankeschön für die netten Worte. Das stimmt und es ist ein positiver Gedanke 🙂
Danke sehr, ich wünsche dir ebenfalls alles Gute 👍🏻
Ich habe etwas ähnliches erlebt.
Meine Schule wurde geschlossen.
Die Debatte ist aufgekommen da kam ich gerade ins siebte Schuljahr.
Geplant war die Schule auslaufen zu lassen. Als ich ins zehnte Schuljahr kam, wurden die letzten fünften Schuljahre eröffnet.
Nach meinem Abschluss ging der Unterricht noch 2 Jahre auf der Schule weiter, ohne neue fünfte Schuljahre. Nach diesen zwei Jahren wurde die Schule vorher geschlossen. Das Gebäude ist kernsaniert worden und es ist nicht mehr wieder zu erkennen.
Logisch hängen da Erinnerungen dran und es ist schwer, allerdings kann niemand diese Erinnerungen nehmen.
Ich habe 2010 meinen Abschluss gehabt und bin 2013 in die Kommunalpolitik gegangen um soetwas nicht nochmal erleben zu müssen. Ich kämpfe für die verbliebenen Schulen.
Ich weiß nicht wie alt das Gebäude ist und ob sich eine Sanierung und danach für anderweitige Zwecke nicht mehr lohnt.
Fakt ist auch das das Grundstück danach neu bebaubt werden kann.
Allerdings kann ich deine Situation sehr gut nachvollziehen.
Ich bin auf 3 verschiedenen Schulen (weiterführende) gewesen, bei einer davon und bei meiner alten Grundschule, würde ich nen Vorschlaghammer mitbringen und fragen, ob ich beim Abreißen helfen darf.
Wäre mir eine Genugtuung selbst dafür sorgen zu können, dass in den Räumlichkeiten niemand mehr gequält wird.
Die Badewanne, in der ich geboren wurde, existiert auch nicht mehr, und es juckt mich nicht die Bohne...
Kannst ja nen Stück Stein von dem Gebäude nehmen und als kleine persönliche Erinnerung behalten.
Es tut mir leid das mit deinem Elternhaus zu lesen. Mir geht es dabei tatsächlich genau so. Ich habe da auch exakt die selben Gedanken, denn mein Elternhaus wurde ebenfalls verkauft und die neuen Besitzer haben es auch umgebaut. Das kann ich sehr gut nachempfinden wie man sich da fühlt. Das ist hart.