Wenn das Christkind Jesus ist, warum wird es dann fast immer als Mädchen dargestellt?

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15 Antworten

Das Christkind ist nicht ursprünglich mit Jesus identisch, sondern scheint in Krippenspielen bei einem Brauch weihnachtlichens Schenkens ein Mädchen oder ein Engel gewesen zu sein. In der Advents- und Weihnachtszeit gibt es mehrere männliche Gestalten (Weihnachtsmann, Nikolaus, Knecht Ruprecht, Heilige drei Könige, Hirten). Ein weibliches Engelswesen ist dann ein guter Ausgleich, um eine Einseitigkeit zu verhindern - bei Darstellungen und für ein Verkleiden.

Auf einer Seite der evangelischen Kirche (http://www.ekd.de/advent_dezember/brauchbar/weihnachten/christkind.html) schreibt Lars Winterberg:

"Das Christkind wurde Anfang des 16. Jahrhunderts in evangelischen Gegenden als Ersatz für den katholischen Gabenbringer Nikolaus geschaffen. Es überprüfte in der Adventszeit spielerisch die Religionskenntnisse der Kinder. Dargestellt wurde es meist von einem etwa 15jährigen Mädchen. Im Laufe der Zeit verlagerte sich der Schenkebrauch auf Weihnachten. Das Christkind rückte damit in die Nähe des Jesuskindes.

"Christkind" ist heute eine vor allem in katholischen Regionen verbreitete Bezeichnung für die Person des weihnachtlichen Gabenbringers. Über diesen Aspekt hinaus herrscht allerdings leichte Ratlosigkeit: Bildliche Darstellungen des Christkinds sind uneinheitlich, lassen zumindest keine gesicherten Aussagen über dieses mysteriöse Wesen zu.

Das Christkind wird als inszenierte Kunstfigur im Rahmen der Reformation bekannt und soll angeblich von Martin Luther selbst - in Ablehnung katholischer Heiligenvorstellungen - als Gegendarstellung zum Nikolaus erfunden worden sein. In seiner ursprünglichen Funktion ist es damit parallel zur reformatorischen Kunstfigur des Weihnachtsmannes zu betrachten, der ebenfalls den Schenkbrauch auf das Weihnachtsfest übertragen und damit die Verehrung des Heiligen Nikolaus eindämmen sollte.

Im Gegensatz zum Weihnachtsmann ist die Gestalt und Symbolik des Christkinds jedoch verschwommen: Es handelt sich hierbei um eine Person zwischen Kindheit und Pubertät, dessen Genese zwar auf beginnende Weiblichkeit hinweist, diese aber noch nicht eindeutig belegt. Die verbreitete Darstellung als 10-15jähriges Mädchen mit goldenen Locken und in weißem Gewand symbolisiert einerseits Unschuld und Reinheit, dient aber andererseits als pädagogisches Instrument der Kindererziehung. So prüfte das Christkind z. B. in spielerischem Umgang die Religionskenntnisse der Kinder ab. Inszenierte Auftritte dieser Art sind aber heute ausgesprochen selten. Die symbolische Widersprüchlichkeit macht das Christkind zu einer schwer darstellbaren Figur, die sich im 20. Jahrhundert immer weniger gegen den medienwirksamen Weihnachtsmann durchzusetzen vermag. Gelegentliche Vermischungen von Christkind und Jesuskind als Krippenfigur verkomplizieren das Motiv zusätzlich. Wie sich das Christkind im Einzelnen aus seinen ursprünglich evangelischen Verbreitungsgebieten in den katholischen Raum übertragen hat, bleibt spekulativ. Sicher ist, dass es in evangelischen Regionen inzwischen fast ausnahmslos durch den Weihnachtsmann abgelöst wurde."

Auch sehr ausführlich recherchiert - dankeschön nochmal anh Dich und alle anderen.

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aus kirchlicher sicht müssen kleinkinder asexuell sein: schlimm genug, dass jesus aus einer körperöffnung marias kam.durch die nasenlöcher ging es nicht. das würde auch der allergläubigste christ nicht glauben können.immerhin ist das kindchen untenrum völlig eingewickelt, so dass keine irritationen entstehen können. da drängt sich mir die frage auf, ob die kirchenfürsten vorsichtshalber alle sitzpinkler sind?

Ich glaube, das ist eher unbeabsichtigt bzw. aus dem Unbewusstsein heraus. Puppen in Krippen haben natürlich kein Geschlechtsteil zu haben. Und dann soll es auch noch möglichst süss aussehen. Und Jungs genieren sich halt auch, lebend sowas zu machen... Also ist es weiblich leichter darzustellen, denke ich.

Ich hab diese Darstellung immer als einen "Engel" verstanden, so wie die Rauschgoldengel, die mich immer sehr begeisterten (die alten mit den edlen Gesichtern aus Wachs). Das Kindlein in der Krippe hat sich mir da weniger aufgedrängt...;-)

Und da Engel als Zwiegeschlecht weder männlich noch weiblich sein sollen... darf sie auch ein Mädel spielen. Sieht halt engelhafter aus als ein Knabe. Obwohl--- wenn ich an diese dicken Putten denke... näääh! Das sind keine Engel!

Putten kommen mir oft (verzeiht mir) oft vor wie dekadente Tauben....

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@RolfHoegemann

HöHöHöHöHö!

Haargenau! Ich kann die dicken Kindlein nicht ab! So schöne, große, edle Engel findet man unter dem Kitschkram heutzutage kaum noch. Meine Eltern haben noch einen alten mit Wachsgesicht, der wird sorgfältigst behandelt, damit er noch viele Jahre hält.

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Selbstverständlich ist für Christen die Darstellung des "Christkinds" als Mädchen im Rauschgoldengelgewand sehr viel störender als der Weihnachtsmann. Diese Darstellung ist allerdings hauptsächlich auf Nürnberg und Umgebung beschrängt.

In Nürnberg wurde 1933 von den Nazis erstmals das Christkind von einer Frau als germanische Lichtgestalt dargestellt um das Christentum (jüdische Wurzeln) zu verdrängen.

In der**** katholischen Kirche ist mit Christkind immer Jesus Christus**** als Baby oder Kleinkind gemeint. Aber weil dies arm in einer Krippe zur Welt kam eignet es sich natürlich nicht als Werbefigur für die Wirtschaft. Je mehr von Jesus Christus als Grund für Weihnachten abgelenkt wird, desto besser läuft das Geschäft.

Die**** unten aufgeführte Erklärung (Winterberg)**** ist eine dauernd im Internet fast wörtlich immer wieder kopierte Geschichte der Christkind-darstellung, die vermutlich im Ursprung nicht falsch, sondern nur uneindeutiger war und die weltliche und Kommerz-orientierte Entwicklung der Darstellung mit einbezieht.

Zur Klarstellung die Bedeutung von**** "Christkind" im Wörterbuch:**** Wiktionary Christ·kind, kein Plural

Aussprache: IPA : [ˈkʀɪstˌkɪnt] Hörbeispiele : —

Bedeutungen:

[1] Religion: hauptsächlich österreichische, bayrische (süddeutsche) Symbolfigur des Weihnachtsfestes. Es wird häufig als kleiner, blondgelockter  Bub  mit Flügeln  und Heiligenschein  dargestellt und ist sinngemäß der neugeborene Jesus .

[2] Religion: der neugeborene Jesus  (siehe auch Christuskind )

[3] Volksfrömmigkeit, Brauchtum: ein Geschenk zu Weihnachten

Synonyme: [1, 2] Christuskind , Christkindl , Christkindchen , Heiland , Jesuskind

Sinnverwandte Wörter: [*] Weihnachten , 24. Dezember , Bescherung , Geschenke

http://de.wikipedia.org/wiki/Christkind

Demnach wäre das Christkind ein Oberengel in Krippenspielen, evangelisch und modernerweise wird das Christkind erst mit Jesus gleichgesetzt. In Krippenspielen gab es also offenbar früher Jesus in der Krippe und Engel, die vom Christkind angeführt wurden.

Vielen Dank an Dich - wenn man diese Erklärung populärer machen würde... - Ich setze für alle Interessierten diesen Auszug aus der Wicki hier mal rein, damit Ihr nicht rüberklicken müsst:

Die Vorstellung des Christkinds als engelsgleiche Erscheinung stammt vermutlich aus weihnachtlichen Umzugsbräuchen und Krippenspielen, bei denen häufig eine Engelsschar von einem „Christkind “angeführt wurde.[1]

Das Christkind in seiner Funktion als Gabenbringer geht auf Martin Luther (1483-1546) zurück. [2] Im Mittelalter wurden die Kinder am Nikolaustag (6. Dezember) oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember) beschenkt; die Bescherung am Heiligabend bzw. am ersten Weihnachtsfeiertag, wie sie heute üblich ist, gab es damals noch nicht. Die Protestanten lehnten jedoch die katholischen Heiligen - und damit auch den heiligen Nikolaus - ab. Vom Brauch des Schenkens wollten die Protestanten jedoch nicht abrücken. Daher ersetzte Luther den Nikolaus durch das elsässische Christkind und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember. Das Christkind verbreitete sich zunächst im evangelischen Deutschland. Später breitete sich der Brauch ins Rheinland, dann nach Bayern und Österreich aus.

Bei den Katholiken war bis 1900 das Schenken weiterhin am Nikolaustag üblich. Erst danach setzte sich das „evangelische“ Christkind zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum durch. Gleichzeitig wurde bei den Protestanten das Christkind immer mehr vom Weihnachtsmann abgelöst. In den katholischen Familien hielt sich hingegen das Christkind. So kommt es, dass das Christkind heute hauptsächlich im überwiegend katholischen Österreich und Bayern verbreitet ist.

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DAS Christuskind ist sächlich - wie jedes andere Kind auch! Wie unterscheidet man eigentlich ein weibliches von einem männlichen Neugeborenen?

Dann sollte man aber auch die Darstellung durch Menschen von androgyn wirkenden Männern und Frauen vornehmen und nicht diese Rauschgoldengelchen-Christkindles auf die Öffentlichkeit loslassen.

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Wer sagt denn das es ein Mädchen ist? Auch Jungen können blonde Locken und längere Haare haben

Hast Du schon einmal ein Christkind von einem Jungen dargestellt gesehen? Die sind immer sehr eindeutig weiblich....

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@RolfHoegemann

Da es bei uns keinen Christkindel sonder einen Weihnachtsmarkt gibt kann ich nur von Zeichnungen ausgehen. Da ist meines erachtens nicht klar zu erkennen das es ein Mädchen ist

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@Ally32

Schau mal die Bilder bei Google an - da sind hauptsächlich Mädchen/junge Frauen "Das Christkind":

http://www.google.de/images?q=Christkind&sourceid=navclient-ff&ie=UTF-8&rlz=1B3RNFA_deDE217DE217

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spielt das ne rolle, es ist eine super schöne kinder-gedanken-welt.. vllt hat jedes kind seine eigene vorstellung ob das christkind nun weiblich oder mänlich oder sächlich ist!?

Besonders bei barocken Krippen sieht das Christkind garnicht nach Mädchen aus - es hat sich wohl im lfd. Zeitgeschmack gewandelt.

Es geht auch bei der Frage nicht um das Baby in der Krippe, sondern um die Symbole bspw. bei Weihnachtsmärkten. Dat Baby ist ein Jesus-Junge. :-)

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@ManfredP

Naja, das Baby in der Krippe ist halt ein Baby, Jesus, ein Junge. Es gibt aber Darstellungen von engelsgleichen Christkindern (wie eben bei diesen google-Bilder-Links), da ist es weiblich. Und um diese erwachsenen Figuren geht es hier.

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@Fenchelblatt

Ja - dazu gab ich die Antwort das der Zeitgeschmack die Darstellung vom eher normalen Baby vor 450 Jahren zum heutigen "Engel-Typ" gewandelt hat

Mit anderen Worten in jeder Epoche wurde das Jesuskind in der Darstellung dem momentanen Zeitgeschmack angepasst

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also das christkind an weihnachten war für mich immer männlich (meine puppe thomas hatte da mal die hauptrolle ;-)) und das nürnbergerchristkind is eher so ne art engel aus meiner sicht

Du hast völlig recht, mich stört und irritiert das auch.

Christkind ist Jesus. Aber das "Christkindl" ist die geistliche Darstellung der Jungfräulichkeit des Geistes. Also die Reinheit des Kindes, deshalb weiblich.

Interessante Erklärung - dankeschön...

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Ja, das klingt logisch.

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Warum war ich als jungfräuliches Kind weiblich ? ;-)

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Stimmt, da hast du recht. Aber bei Wicki dachte ich auch ur lange, daß er ein Mädchen sei bis ich es gecheckt hab. Also wird es den Kindern wahrscheinlich auch nicht auffallen...

Hat bei mir auch ne ganze Weile gedauert, bis ich das gemerkt habe :-)

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Das Christkind wird immer als Baby dargestellt ! Wie kommt Ihr auf die Idee, das soll ein Mädchen darstellen ?

Schau Dir mal alte Kinderbilderbücher an - das Christkind dort sieht oft aus wie ein Mädchen. Und die Mädels vom Chritskindlesmarkt werden als "Christkind" eindeutig weiblich herausgeputzt und es hat noch nie ein junger Mann als Christkind in Nürnberg seinen Auftritt gehabt....

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@RolfHoegemann

Oder einmal die Bildersuche von Google:

http://www.google.de/images?q=Christkind&sourceid=navclient-ff&ie=UTF-8&rlz=1B3RNFA_deDE217DE217

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@RolfHoegemann

@ Rolfh..Wenns nicht so traurig wäre, würd ich ja sagen, die kriegen ja ihre Auftritte in der katholischen Kirche in Bayern !!!

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Gib bei google Bilder mal "Christkind" ein.

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@Fenchelblatt

Ich hab als auch kleiner Junge auch ein Taufkleid angehabt, um irgendwie Engelhaft auszusehen, na und ?

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